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Fehlerintegral

Das gaußsche Fehlerintegral (nach Carl Friedrich Gauß) ist die Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung. Department of Mathematics,

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Definition
  2. 2. Bedeutung für Wahrscheinlichkeiten
  3. 3. Anwendungsbeispiel
  4. 4. Zusammenhang mit der Fehlerfunktion
  5. 5. Nachweis der Normierung

Kernidee und Definition

Das gaußsche Fehlerintegral Φ ist die Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung. Es gibt an, welcher Anteil der Fläche unter der Dichtekurve der Standardnormalverteilung links von einem Wert z liegt. Die Standardnormalverteilung hat den Mittelwert μ = 0 und die Standardabweichung σ = 1.

Definiert ist das Fehlerintegral durch

Φ(z) = 1/√(2π) · ∫₋∞ᶻ e^(−t²/2) dt.

Die Funktion e^(−t²/2)/√(2π) ist dabei die Dichtefunktion der Standardnormalverteilung. Beginnt das Integral bei 0 statt bei −∞, verwendet man die Funktion Φ₀:

Φ₀(z) = 1/√(2π) · ∫₀ᶻ e^(−t²/2) dt = Φ(z) − 1/2.

Bedeutung für Wahrscheinlichkeiten

Für eine standardnormalverteilte Zufallsvariable gibt Φ(z) die Wahrscheinlichkeit an, dass ihr Wert kleiner oder gleich z ist.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Wert oberhalb von z erhält man über die Gegenwahrscheinlichkeit:

Φ(∞) − Φ(z) = 1 − Φ(z).

Dabei wird verwendet, dass Φ(∞) = 1 ist. Das bedeutet: Die gesamte Fläche unter der Dichtekurve, der sogenannten Gauß-Glocke, beträgt 1.

Anwendungsbeispiel

Als Beispiel wird einem Übertragungskanal gaußverteiltes Störrauschen mit der Streuung σ = 1,25 V überlagert. Der Kanal arbeitet fehlerfrei, solange die Störung zwischen −5 V und +5 V liegt. Ein Übertragungsfehler tritt daher auf, wenn der Rauschwert höchstens −5 V oder mindestens +5 V beträgt.

Für einen Rauschwert nicht größer als −5 V gilt:

p₁ = Φ(−5 V/σ) = Φ(−4) = 0,317 · 10⁻⁴.

Für einen Rauschwert mindestens gleich +5 V gilt:

p₂ = Φ(∞) − Φ(5 V/σ) = 1 − Φ(4) = 0,317 · 10⁻⁴.

Die Gesamtwahrscheinlichkeit eines Übertragungsfehlers ist die Summe beider Randwahrscheinlichkeiten:

p = p₁ + p₂.

Zusammenhang mit der Fehlerfunktion

Durch die Substitution x = t/√2 und entsprechende Umformungen lässt sich die gaußsche Fehlerfunktion erf aus Φ beziehungsweise Φ₀ herleiten:

erf(z) = 2Φ(√2 · z) − 1

und gleichbedeutend

erf(z) = 2Φ₀(√2 · z).

Nachweis der Normierung

Die Normierung Φ(∞) = 1 folgt aus dem Wert des uneigentlichen Integrals

I := ∫₋∞^∞ e^(−t²/2) dt.

Obwohl der Integrand keine durch elementare Funktionen ausdrückbare Stammfunktion besitzt, kann das bestimmte Integral berechnet werden. Dazu wird I quadriert und als zweidimensionales Integral geschrieben:

I² = ∫₋∞^∞ ∫₋∞^∞ e^(−(x²+y²)/2) dx dy.

Die erste Umformung beruht auf der Linearität des Integrals. Anschließend wechselt man von kartesischen Koordinaten zu Polarkoordinaten mit x = r cos φ, y = r sin φ und r² = x² + y². Nach dem Transformationssatz entsteht wegen des zusätzlichen Faktors r:

I² = ∫₀^∞ ∫₀²π e^(−r²/2) r dφ dr = 2π ∫₀^∞ e^(−r²/2) r dr = −2π [e^(−r²/2)]₀^∞ = 2π.

Damit ist I = √(2π). Eingesetzt in die Definition von Φ ergibt sich:

lim(z→∞) Φ(z) = 1/√(2π) · ∫₋∞^∞ e^(−t²/2) dt = 1/√(2π) · I = 1.

Damit ist gezeigt, dass die gesamte Wahrscheinlichkeit der Standardnormalverteilung gleich 1 ist.

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