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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Farid Hafez

Zu seinen Themenschwerpunkten zählen Religion und Rassismus, insbesondere die Islamophobieforschung. ... antimuslimischer Positionen verantwortlich gemacht …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und akademischer Hintergrund
  2. 2. Forschung und Publikationen
  3. 3. Öffentliche Positionen
  4. 4. Auszeichnungen und ausgewählte Werke
  5. 5. Kontroversen
  6. 6. Operation Luxor

Person und akademischer Hintergrund

Farid Hafez, geboren am 23. Dezember 1981 in Ried im Innkreis, ist ein österreichischer Politikwissenschaftler. Er arbeitet derzeit als Associate Teaching Professor of International Relations am College of William & Mary in Williamsburg, Virginia, in den USA. Inhaltlich beschäftigt er sich vor allem mit Religion, Rassismus und Islamophobie, also mit Feindlichkeit oder ablehnenden Einstellungen gegenüber Muslimen und dem Islam.

Hafez verbrachte Kindheit und Schulzeit in Oberösterreich und war von 1998 bis 2007 in der Muslimischen Jugend Österreichs aktiv. Von 2002 bis 2009 studierte er Politikwissenschaft an der Universität Wien und schloss das Studium mit einer Promotion ab. 2008 beendete er außerdem ein Masterstudium in Politischer Bildung an der Donau-Universität Krems und der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Von 2014 bis 2021 war er Post-Doc an der Universität Salzburg, wo er sich 2019 im Fach Politikwissenschaft habilitierte. Eine Habilitation ist eine wissenschaftliche Qualifikation, die häufig Voraussetzung für eine Professur ist.

2017 hatte Hafez eine Fulbright-Professur an der University of California am Center for Race and Gender. Seit 2017 ist er Non-Resident Senior Researcher der Bridge Initiative der Georgetown University in Washington, DC. Von 2021 bis 2024 war er Gastprofessor für International Studies am Williams College in Williamstown, Massachusetts. Außerdem gehört er der Affiliated Faculty des Islamophobia Research and Documentation Project der University of California, Berkeley, an. Im Studienjahr 2022/23 war er Teaching Fellow in Human Rights am St. Francis College in New York City.

Forschung und Publikationen

Hafez forscht zu Rassismus, Politik, Religion und Islam sowie Rechtspopulismus. Ein zentrales Thema ist die Islamophobieforschung. Islamophobie wird in diesem Zusammenhang als Forschungsfeld behandelt, das Feindbilder, Ausgrenzung und politische Diskurse über Muslime untersucht.

Er ist Herausgeber des seit 2010 erscheinenden Jahrbuchs für Islamophobieforschung. Seit 2015 gibt er gemeinsam mit etwa 40 weiteren Akademikern den European Islamophobia Report heraus. Dieser Bericht wird seit 2020 von mehreren US-amerikanischen Universitäten und Einrichtungen veröffentlicht und gesponsert, darunter die University of California, Berkeley, die Rutgers University und das Leopold Weiss Institute.

2014 untersuchte Hafez während eines Forschungsaufenthalts an der Columbia University in New York City Hip-Hop als Form des Jugendkulturaustauschs zwischen Europa und den USA. Außerdem forschte er zu muslimischen Jugendbewegungen in Europa. Seine Dissertation trägt den Titel Islamophober Populismus, wurde von John Bunzl betreut und erschien 2010 im deutschen Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden.

Öffentliche Positionen

Hafez äußert sich regelmäßig öffentlich, unter anderem in österreichischen Tageszeitungen wie Der Standard und Die Presse. Er tritt auch in Fernsehtalkformaten wie ATV am Punkt, Puls 4 Talk of Town und Im Zentrum im ORF auf. Zudem wurde er mehrfach im ORF und von internationalen Medien wie The Washington Post interviewt. Er veröffentlicht regelmäßig Gastkommentare bei Al-Jazeera English.

Inhaltlich kritisiert Hafez, dass Muslime in Österreich nach seiner Ansicht ein Spielball der Politik seien. Er betont besonders, dass Frauen von politischen und öffentlichen Debatten über Muslime betroffen seien. Im Zusammenhang mit den Protesten in Charlottesville 2017 verwies er auf Intersektionalität von Rassismus. Intersektionalität bedeutet hier, dass verschiedene Formen von Diskriminierung zusammenwirken können. Hafez argumentierte, der Rassismus dort richte sich gleichermaßen gegen Schwarze, Muslime und Juden. Auch Viktor Orbán warf er vor, in seiner Kampagne gegen George Soros Antisemitismus und Islamophobie zu bedienen.

Hafez kritisierte das 2015 verabschiedete österreichische Islamgesetz scharf und bezeichnete es unter anderem als Form institutionalisierter Islamophobie. Auch beim Integrationsgesetz von 2017 kritisierte er die Debatte um ein Kopftuchverbot für Polizistinnen, Staatsanwältinnen und Richterinnen. Er wurde dazu als Experte für die Partei NEOS im Verfassungsausschuss angehört. In der Diskussion über islamische Kindergärten warf er dem Integrationsressort ein Rassismusproblem vor. In einem längeren Interview bezeichnete er den politischen Islam als Relikt des 20. Jahrhunderts.

Als Wissenschaftler trug Hafez auch bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, kurz OSZE, vor. 2015 und 2019 präsentierte er Ergebnisse des Europäischen Islamophobie-Reports im Europäischen Parlament und im Europarat.

Auszeichnungen und ausgewählte Werke

Hafez erhielt mehrere Auszeichnungen. 2020 bekam er den Islam on the Edges-Preis des Center for Islam in the Contemporary World an der Shenandoah University in Virginia. Ausgezeichnet wurde seine Forschung zur kolonialen Regierungspraxis der Habsburgermonarchie in Bosnien und Herzegowina. Für den Sammelband Islamophobie in Österreich wurde er als Mitherausgeber zusammen mit John Bunzl mit dem Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch des Jahres 2009 ausgezeichnet. Das österreichische Kulturmagazin the gap wählte ihn zu einem der 100 Österreicher „mit besonderer Zukunft“.

Zu seinen eigenen Büchern gehören unter anderem Islamophober Populismus: Moschee- und Minarettbauverbote österreichischer Parlamentsparteien von 2010, Islamisch-politische Denker von 2014, Feindbild Islam. Über die Salonfähigkeit von Rassismus von 2019 sowie Wie ich zum Staatsfeind erklärt wurde. Die Operation Luxor und der Kreuzzug gegen den „politischen Islam“ von 2024. Zusammen mit Reinhard Heinisch veröffentlichte er 2024 Politicizing Islam in Austria. The Far-Right Impact in the Twenty-First Century.

Als Herausgeber war Hafez unter anderem an Islamophobie in Österreich, dem Jahrbuch für Islamophobieforschung und dem European Islamophobia Report beteiligt. Seine Fachaufsätze behandeln häufig Islampolitik, politischen Islam, antimuslimischen Rassismus, postkoloniale Analysen und Vergleiche zwischen Islamophobie und Antisemitismus.

Kontroversen

Hafez’ Arbeit ist umstritten. Armin Pfahl-Traughber kritisierte im Juni 2018 am Jahrbuch für Islamophobieforschung, dass der Begriff Islamophobie dort wenig trennscharf verwendet werde. Er hielt Muslimenfeindlichkeit für einen geeigneteren Begriff. Heiko Heinisch kritisierte ebenfalls die Begriffsverwendung und meinte, sie könne Kritik am Islam gegen Einwände immunisieren. Heinisch warf Hafez außerdem vor, eine politische Agenda zu verfolgen.

Hafez wurde unter anderem von Heinisch und Efgani Dönmez mit dem politischen Islam der Muslimbrüder und des türkischen Präsidenten Erdoğan in Verbindung gebracht. Hafez hatte Dönmez zuvor mehrfach „Rassismus“ und „Sexismus“ vorgeworfen. Heinisch wiederum kritisierte Hafez wegen dessen Positionen, während Hafez Heinisch eine „islamophobe Haltung“ zuschrieb und dessen Kritik an einzelnen muslimischen Personen und Einrichtungen als „Kriminalisierungsstrategie“ bezeichnete. Einen Rechtsstreit gegen die Zeitung Die Welt um die Aussage, er habe Verbindungen zur Muslimbruderschaft, gewann Hafez.

2019 wurde der von Hafez und Enes Bayrakli herausgegebene European Islamophobia Report kritisiert. Kritiker bemängelten unter anderem die Mitherausgeberschaft der Seta-Stiftung in Ankara, der enge Verbindungen zur türkischen Regierungspartei AKP zugeschrieben wurden. Außerdem wurde kritisiert, dass der Report auch reformorientierte Muslime wie Seyran Ates, Saïda Keller-Messahli und Mouhanad Khorchide sowie säkulare Kritiker des politischen Islam wie Susanne Schröter wegen „Islamophobie“ nenne und sie in eine Reihe mit Rassisten und Rechtsextremen stelle. Der EU wurde vorgeworfen, mit rund 126.000 Euro an Erstellung und Herausgabe beteiligt gewesen zu sein. Saïda Keller-Messahli reichte am 12. November 2019 Klage gegen die Verfasser der Studie ein. Hafez erhielt in österreichischen Tageszeitungen Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Operation Luxor

Am 9. November 2020 fand in Österreich eine Razzia mit dem Namen „Operation Luxor“ gegen vermeintliche Anhänger der Muslimbruderschaft statt. Das Oberlandesgericht Graz beurteilte diese Razzia nachträglich als rechtswidrig. Hafez war einer von mehr als 70 Verdächtigen, die von der Razzia betroffen waren. Im Januar 2023 wurde das Verfahren gegen ihn wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingestellt.

Nach der Razzia veröffentlichte Hafez einen Blogbeitrag, in dem er die Glaubwürdigkeit der österreichischen Vergangenheitsbewältigung infrage stellte, weil die Razzia am Jahrestag der Novemberpogrome 1938 stattfand. Er schrieb außerdem, die österreichische Regierung bewege sich eindeutig in eine totalitäre Richtung, weil sie den Islam und religiöse Praktiken kriminalisiere und die Meinungsfreiheit zu unterbinden versuche.

Dieser Beitrag löste Kritik aus, unter anderem vom damaligen Innenminister Karl Nehammer und von Integrationsministerin Susanne Raab. Kritiker warfen Hafez vor, die Anti-Terror-Razzia mit den Novemberpogromen gleichzusetzen und dadurch den Holocaust zu verharmlosen. Die Universität Salzburg, damals sein Arbeitgeber, distanzierte sich von ihm. Ein Personenkomitee prominenter Akademiker unterstützte Hafez dagegen und bezeichnete die Razzia als Einschüchterungsversuch gegen einen anerkannten Wissenschaftler. Drei Jahre nach der Operation Luxor veröffentlichte Hafez im Januar 2024 ein Buch mit dem Titel Operation Luxor: Eine kritische Aufarbeitung der größten rassistischen Polizeioperation Österreichs.

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