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Es ist alles eitel
Es ist alles eitel ist ein Sonett des barocken Dichters Andreas Gryphius aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1637). Der Titel nimmt die Einleitung des …
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Kern des Gedichts
„Es ist alles eitel“ ist ein Sonett von Andreas Gryphius aus dem Jahr 1637, also aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Der Titel greift den Anfang des biblischen Buches Kohelet auf: „Eitelkeit“ bedeutet hier nicht Selbstverliebtheit, sondern Vergänglichkeit.
Das Gedicht formuliert die zentrale barocke Vorstellung, dass alles Irdische vergeht: Bauwerke, Städte, Reichtum, Ruhm, Glück und sogar feste Materialien wie Erz und Marmorstein haben keinen dauerhaften Bestand. Am Ende wird dieser Gedanke christlich gedeutet: Der Mensch soll nicht nur auf das Vergängliche schauen, sondern auf „was ewig ist“, also Seele, Jenseits und Gott.
Inhalt und Gedankengang
Das Gedicht ist argumentativ aufgebaut. In Vers 1 stellt das lyrische Ich die These auf: „Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.“ Danach folgen Beispiele, die diese These belegen. Was heute gebaut wird, kann morgen zerstört sein; wo heute Städte stehen, kann später eine Wiese sein; was prächtig blüht, wird bald zertreten; was stolz und stark wirkt, wird „Asch und Bein“.
Aus diesen Beobachtungen ergibt sich die Frage, ob der Mensch, der nur ein „Spiel der Zeit“ ist, überhaupt Bestand haben kann. Die Antwort ist negativ: Alles, was Menschen für wertvoll halten, ist „schlechte Nichtigkeit“, „Schatten, Staub und Wind“ und wie eine Wiesenblume, die verschwindet und nicht wiedergefunden wird. Diese Wiesenblume erinnert an Psalm 103, wo die Tage des Menschen mit Gras und einer Blume des Feldes verglichen werden.
Der Schluss kritisiert, dass kein Mensch „was ewig ist“ betrachten will. Damit ist gemeint: Solange der Mensch in Eitelkeit und Überheblichkeit lebt, erkennt er seine Vergänglichkeit nicht. Erst die Ausrichtung auf das Ewige kann ihn von Hybris befreien und zur Unvergänglichkeit führen.
Form des Sonetts
Das Gedicht hat die äußere Form eines Sonetts. Es besteht aus vier Strophen: zwei Quartetten mit jeweils vier Versen und zwei Terzetten mit jeweils drei Versen. Insgesamt hat es also 14 Verse.
Das Reimschema lautet „abba abba ccd eed“. In den Quartetten liegt ein umschließender Reim vor. Die Terzette beginnen mit einem Paarreim; ihre dritten Verse sind durch den Reim miteinander verbunden. Diese Form wird als Schweifreim bezeichnet.
Das Versmaß ist der Alexandriner. Das ist ein sechshebiger jambischer Vers mit 12 oder 13 Silben, der mit einer Kadenz endet. Ein besonderes Merkmal des Alexandriners ist die Mittelzäsur nach der dritten betonten beziehungsweise sechsten Silbe. Diese Pause teilt den Vers in zwei Teile.
Sprachliche Struktur
Die Mittelzäsur des Alexandriners unterstützt die gedankliche Struktur. Der zweite Teil eines Verses kann den ersten Teil bestätigen oder verstärken; das nennt man Parallelität. Er kann aber auch im Gegensatz zum ersten Teil stehen; das nennt man Antithese.
Im Sonett überwiegen antithetische Verse, zum Beispiel in Vers 2: „Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein.“ Der Gegensatz liegt zwischen „dieser“ und „jener“, zwischen „heute“ und „morgen“ sowie zwischen „baut“ und „reißt ... ein“. Dadurch wird die Vergänglichkeit besonders deutlich.
Ein Beispiel für Verstärkung ist Vers 12: „Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind“. Das Werturteil „Nichtigkeit“ wird durch „Schatten“, „Staub“ und „Wind“ erweitert und negativ verstärkt. Diese Häufung ähnlicher Ausdrücke ist eine Akkumulation.
Außerdem kommen Personifikationen vor: Die Eitelkeit wird in Vers 2 indirekt als wirkende Kraft dargestellt, und das Glück wird in Vers 8 vermenschlicht.
Barocke Weltdeutung
Das Sonett gilt als typisches Barockgedicht, weil es stark von Gegensätzen und vom Bewusstsein der Vergänglichkeit geprägt ist. Die Barockzeit wird im Artikel mit Unsicherheit, Kriegserfahrungen und der Erfahrung von Tod, Pest und Hungersnot verbunden. Der Dreißigjährige Krieg beeinflusste Gryphius’ Haltung, die auch in seinem Sonett „Tränen des Vaterlandes“ sichtbar wird.
Der letzte Vers zeigt das christliche Weltbild des Dichters. Das Gedicht soll Leser seiner Zeit dazu bewegen, sich auf das Wesentliche des menschlichen Lebens zu konzentrieren: das ewige Leben nach dem Tod. Diese Haltung wird als Weltüberwindung oder Weltverneinung beschrieben, also als Abwendung vom bloß Irdischen zugunsten des Ewigen.