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Emerald Triangle
Geografie · Einzugsgebiet des Eel River · Küstenlinie im Humboldt County · Redwood-Bäume in Nordkalifornien · Avenue of the Giants, Humboldt Redwoods State Park.
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Begriff und Bedeutung
Das Emerald Triangle ist eine Region in Nordkalifornien. Im weiteren Sinn bezeichnet der Begriff die drei Counties Humboldt, Mendocino und Trinity; im engeren Sinn meint er das dortige Cannabis-Anbaugebiet, das als das größte der USA gilt. Die schwer zugängliche Region ist stark von einer informellen Schattenwirtschaft geprägt, die auf legal und illegal angebautem Marihuana beruht. Gesetzliche Grauzonen, begrenzte staatliche Kontrolle und die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Cannabis prägen das Gebiet. Seit den 1990er-Jahren gab es außerdem Versuche, Teile der Kernregion als eigenen Landkreis namens „Sequoia County“ zu organisieren.
Landschaft und Besiedlung
Die drei Counties liegen im Nordkalifornischen Küstengebirge. Dort reichen Gebirgsausläufer bis an den Pazifik oder fallen steil zur Küste ab. Viele Orte sind deshalb schwer erreichbar, und die Region ist dünn besiedelt. Die California State Route 1 verläuft ab Rockport zunehmend landeinwärts und endet in Garberville. Größere Städte sind selten: Eureka hatte laut Census 2020 26.512 Einwohner, Arcata fast 19.000 und Fortuna rund 12.500. Auch Ukiah, die Hauptstadt des Mendocino County, besitzt eine bedeutendere Einwohnerzahl. Garberville dient als wichtiges Versorgungszentrum; um Alderpoint liegt ein Zentrum des Cannabisanbaus.
Das Gebiet wird durch das Flusssystem des Eel River geprägt. Der Fluss ist 315 Kilometer lang, entspringt am Bald Mountain im Mendocino County auf 1903 Meter Höhe, fließt zunächst nach Norden, biegt später nach Westen ab und mündet südlich von Eureka in den Pazifik. Wälder bestimmen die Landschaft. Neben Eichen wachsen besonders Küstenmammutbäume, im Artikel als unechte Redwoods bezeichnet. Sie sind mit den Riesenmammutbäumen im kalifornischen Westen nur entfernt verwandt. Einzelne Hochalmen unterbrechen das gebirgige Gelände. Zur Tierwelt gehören unter anderem Braunbären, Waschbären und Biber.
Wegen der zahlreichen Küstenmammutbäume stehen Teile der Region unter Naturschutz. Der Redwood-Nationalpark umfasst Binnen- und Küstengebiete in der nördlichen Hälfte des Humboldt County und reicht bis zur Grenze zu Oregon. Die King Range National Conservation Area schützt einen großen Teil der Lost Coast im südlichen Humboldt und nördlichen Mendocino County. Bekannt ist außerdem die „Avenue of the Giants“, ein landschaftlich reizvoller Abschnitt des U.S. Highway 101.
Entwicklung des Cannabisanbaus
Der Marihuanaanbau etablierte sich ab Ende der 1960er-Jahre. Viele der ersten Anbauer waren von Hippie-Kultur und Summer of Love geprägte Aussteiger, die in abgelegenen Gebieten selbstbestimmte Gegenmodelle zur bestehenden Gesellschaft aufbauen wollten. Eine Krise der Holzindustrie machte Grundstücke günstig. Zugleich bot die Region eine relativ konstante Lichteinstrahlung. Mit besonderen Anbautechniken verbesserten die Züchter ihre Produkte. Bei der aus Mexiko übernommenen Sinsemilla-Technik werden männliche von weiblichen Hanfpflanzen getrennt, wodurch die weiblichen Pflanzen deutlich höhere THC-Gehalte erzeugen.
Drei Entwicklungen prägten die Cannabiswirtschaft besonders. Erstens führte der unter Präsident Richard Nixon begonnene Krieg gegen die Drogen ab 1972 zu stärkerer Strafverfolgung. Felder wurden regelmäßig zerstört, Anbauer mit Geld-, Bewährungs- oder Haftstrafen belegt. Die Produktion zog sich dadurch weiter in den Untergrund zurück und schottete sich gegen Außenstehende ab. Gleichzeitig waren die Einnahmen so wichtig, dass große Teile der regionalen Infrastruktur direkt oder indirekt an Anbau und Drogenhandel beteiligt waren.
Zweitens wurde die idealistisch geprägte Gründergeneration zunehmend von Nachfolgern abgelöst, die den Anbau vor allem als Geschäft betrachteten. Berichten zufolge bestehen drei wichtige Gruppen: alte und später hinzugekommene Anbauer; saisonal beschäftigte Pflücker und „Trimmer“, die die Pflanzen bearbeiten; sowie Gesetzlose und Aussteiger, die aus unterschiedlichen Gründen staatliche Aufmerksamkeit meiden. Konflikte bestehen darüber, wer zum „Inner Circle“ gehört und Entscheidungen mitbestimmen darf. Hinzu kommen die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Cannabis und die begrenzten Möglichkeiten lokaler und bundesstaatlicher Polizeibehörden.
Drittens wurde Cannabis in Kalifornien schrittweise legalisiert: 1996 zunächst für medizinische Zwecke durch Proposition 216, in den 2010er-Jahren allgemein durch Proposition 64; die entsprechende Regelung trat 2018 in Kraft. Sie erlaubt den Anbau, verbindet ihn aber mit Steuern, Flächenbegrenzungen und weiteren Auflagen. So müssen teilweise Artenschutz-Experten prüfen, ob der Betrieb Umweltregeln einhält. Diese Vorgaben reagieren auch auf Schäden durch Pestizide und in den Wasserkreislauf gelangende Chemikalien.
Ein Teil der Züchter legalisierte sein Geschäft. Andere bauen weiterhin illegal an. Sie argumentieren, die Regeln nützten vor allem Großunternehmen und Landaufkäufern, machten kleinere Anbauer faktisch zu Pächtern und seien wegen des Preisverfalls bei Cannabis wirtschaftlich unattraktiv. Auch registrierte Betriebe berichteten, dass kleine Unternehmen hauptsächlich noch mit hochwertigen Nischenprodukten ausreichende Einnahmen erzielen könnten.
Pläne für neue Verwaltungseinheiten
Seit Anfang der 1990er-Jahre gab es erfolglose Versuche, Gebiete im südlichen Humboldt und nördlichen Mendocino County abzutrennen und einen neuen Landkreis zu bilden. Lee Ann Barton aus Alderpoint gehörte zu den maßgeblichen Initiatoren. Der erste Plan hieß „Salmon Country“, später „Sequoia County“. Ziele waren eine bessere politische Vertretung, wirksamere örtliche Dienstleistungen und eine gerechtere Verwendung der Steuereinnahmen.
Ein Vorstoß von 1992 erhielt zu wenig Unterstützung. Ein weiterer erreichte im Januar 1994 insgesamt 2.033 bestätigte Unterschriften, verfehlte die für eine Abstimmung nötige Zahl jedoch um 169. Das geplante County sollte 3.722 Quadratkilometer umfassen, etwa ein Drittel der Fläche der beiden betroffenen Counties. Nach dem Stand der Volkszählung von 1990 hätten dort ungefähr 15.600 Menschen gelebt. Zum Gebiet hätten bedeutende Landschaften und Sehenswürdigkeiten wie Teile der Lost Coast, die King Range National Conservation Area, der Humboldt Redwoods State Park und die Avenue of the Giants gehört.
2011 folgte der Vorschlag, im südlichen Humboldt County eine Stadt namens „Emerald City“ zu gründen. Frühe Pläne wollten Garberville mit 913 Einwohnern und Redway mit 1.225 Einwohnern zusammenfassen. Die Befürworter wollten mehr Kontrolle über die örtliche Strafverfolgung und die ertragreiche Marihuana-Industrie besteuern. Der Plan kam nicht über die Anfangsphase hinaus.
Gewalt und Vermisstenfälle
Neben dem Cannabisanbau machten ungeklärte Tötungsdelikte und Vermisstenfälle die Region bekannt. 1983 gestand ein später als „San Francisco Witch Killers“ bezeichnetes Paar mehrere Verbrechen, darunter den zuvor ungeklärten Mord an einem Marihuana-Anbauer in Alderpoint. Das Paar erklärte, seine Opfer für „Hexen“ gehalten zu haben, die angeblich seinen Kult untergraben wollten.
In den 1990er-Jahren wurden drei Marihuana-Anbauer unter ungeklärten Umständen ermordet. Funde am Tatort förderten das Gerücht, ein Bigfoot habe die Taten begangen. Die Morde blieben ungelöst; eine Hulu-Dokumentarserie griff den Fall 2020 beziehungsweise laut Werkliste 2021 wieder auf, ohne die Bigfoot-Frage abschließend zu beantworten.
Auch neuere Fälle verschwundener Personen wurden nicht zufriedenstellend aufgeklärt. Vermutet wurde, einige könnten in kriminelle Geschäfte geraten sein. Wegen des großen Suchgebiets und der begrenzten Kapazitäten der Polizei beauftragten manche Angehörige private Ermittler. Die Netflix-Serie „Murder Mountain“ behandelte diese Suche sowie die Cannabisindustrie und die Probleme der Legalisierung. Weitere Gewalt wurde unmittelbar mit illegalem Anbau verbunden. Als Beispiel nennt der Artikel Jere Melo, den ehemaligen Bürgermeister von Fort Bragg, der 2011 bei Ermittlungen gegen illegale Anbaubetriebe ermordet wurde. Zudem wurden zunehmende Aktivitäten internationaler Drogenkartelle berichtet.
Darstellung in Medien und Literatur
Filme, Bücher und Dokumentarserien greifen die besondere Verbindung von abgelegener Landschaft, Cannabiswirtschaft, Strafverfolgung und Gewalt auf. Das Komödiendrama „Humboldt County“ von 2008 erzählt von einem Studienabbrecher auf einer Marihuana-Farm. „Homegrown“ von 1998 begleitet Anbauer in einem nicht genauer bezeichneten Teil des Emerald Triangle. Die Discovery-Dokumentarserie „Pot Cops“ von 2013 beobachtete das Marihuana Enforcement Team des Sheriffbüros von Humboldt County.
Emily Bradys Buch „Humboldt: Life on America's Marijuana Frontier“ von 2013 behandelt die Cannabisindustrie der Region. „Murder Mountain“ von 2018 verbindet Vermissten- und Mordfälle mit der Geschichte des illegalen Anbaus und der beginnenden Legalisierung. „Freeland“ von 2020 erzählt von einer langjährigen Züchterin, die trotz eines legalen Marktes illegal weiterarbeitet. Der Dokumentarfilm „Lady Buds“ von 2021 begleitet Frauen in der nordkalifornischen Marihuana-Industrie. Die Hulu-Dokuserie „Sasquatch“ von 2021 untersucht die drei ungeklärten Morde aus den 1990er-Jahren und ihre Verbindung zur Bigfoot-Legende.