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Edmund White
Er war von 1998 bis 2006 Professor für kreatives Schreiben an der Princeton University und gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Autoren. Edmund …
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Einordnung
Edmund Valentine White III (13. Januar 1940 in Cincinnati, Ohio – 3. Juni 2025 in New York City, New York) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Essayist. Er gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Autoren. Sein Werk verbindet autobiografisches Schreiben, Romane, Erzählungen, Essays, Biografien und Arbeiten zur schwulen Lebenswelt. Von 1998 bis 2006 war er Professor für kreatives Schreiben an der Princeton University.
Für sein Schreiben sind persönliche Erfahrungen, die schwule Subkultur in den USA, die Entstehung der modernen homosexuellen Emanzipationsbewegung und die Lebensbedingungen von Menschen mit HIV/AIDS besonders wichtig. White beschrieb schwules Leben nicht nur privat und autobiografisch, sondern verstand bestimmte Veröffentlichungen auch als politischen Beitrag zur Sichtbarkeit und Selbstverständigung der Schwulenbewegung.
Leben und akademische Tätigkeit
White wurde als Sohn eines Industriekaufmanns und einer Kinderpsychologin geboren. Nach der Scheidung seiner Eltern, als er sieben Jahre alt war, zog seine Mutter mit ihm und seiner Schwester nach Evanston, Illinois. Mit fünfzehn Jahren begann er eine Psychoanalyse, die er rückblickend als „nahezu vollständig destruktiv“ bezeichnete. Ein befreundeter Psychoanalytiker, der ebenfalls Schriftsteller war, half ihm später nach eigenen Angaben über einen Zeitraum von zwanzig Jahren sehr.
White besuchte zunächst die Cranbrook School, heute Cranbrook Kingswood School, und später eine Internatsschule in Michigan. An der University of Michigan studierte er Sinologie und erwarb 1962 den Bachelor-Abschluss im Chinesischen. Obwohl sein Aufnahmeantrag für die Harvard University angenommen worden war, um dort seine Sinologiekenntnisse zu erweitern, folgte er seinem Liebhaber nach New York. Dort nahm er an der entstehenden schwulen Subkultur teil. In seinen 2009 veröffentlichten Lebenserinnerungen City Boy berichtete er über zahlreiche erotische Erfahrungen. White war Augenzeuge der Stonewall-Unruhen im Juni 1969. Diese gelten als Geburtsstunde der modernen homosexuellen Emanzipationsbewegung; White bezeichnete den unmittelbaren Anlass jedoch als „dummes Ereignis“, „mehr Dada als Bastille“.
Von 1962 bis 1970 arbeitete White als Redakteur beim Time-Life-Verlag. Danach war er leitender Redakteur der The Saturday Review (1972–1973) und Herausgeber der Zeitschrift Horizon (1974–1975). Von 1977 bis 1979 lehrte er als Assistenz-Professor an der Johns Hopkins University, anschließend 1980 und 1982 an der Columbia University School of Arts. Von 1990 bis 1992 war er Professor an der Brown University. Seit 1998 unterrichtete er an der Princeton University und leitete dort von 2002 bis 2006 das Creative-Writing-Programm.
In den 1970er-Jahren gründete White gemeinsam mit Christopher Cox, Robert Ferro, Michael Grumley, Andrew Holleran, Felice Picano und George Whitmore die literarische Gruppe Violet Quill. Sie bildete einen Kern der nach Stonewall entstandenen Schwulenliteratur in den USA. Nachdem viele Autoren dieser Generation, darunter vier Mitglieder der Violet Quill, an AIDS gestorben waren, bezeichnete sich White als „Überlebender“. Er teilte öffentlich mit, seit 1985 von seiner HIV-Positivität zu wissen. Nach eigenen Angaben gehörte er zu der Minderheit, bei der sich HIV nicht zu AIDS weiterentwickelte.
1983 erhielt White auf Empfehlung Susan Sontags ein Guggenheim-Stipendium und zog nach Paris. Dort lebte er bis 1990 und kehrte später regelmäßig zurück. 2016 wurde er zum „Staatsschreiber“ von New York ernannt. Nach einer neunzehnjährigen Beziehung heiratete er im November 2013 den Autor Michael Carroll. White starb im Juni 2025 im Alter von 85 Jahren.
Werk und zentrale Themen
White veröffentlichte zunächst Forgetting Elena (1973), eine beißende Satire über das schwule Leben auf Fire Island, und Notturno für den König von Neapel (1978). 1982 erschien mit Selbstbildnis eines Jünglings der erste Band einer Reihe autobiografischer Romane. Im Mittelpunkt steht das Ende der Kindheit eines Jungen, der seine Homosexualität entdeckt und nach einem Umgang mit dieser Erkenntnis sucht.
Nach seiner HIV-Diagnose veröffentlichte White den sarkastischen, komischen Roman Caracole (1985), eine Satire über die Ausschweifungen der Bewohner einer imaginären Stadt. Zusammen mit Und das schöne Zimmer ist leer (1988), Abschiedssymphonie (1997) und The Married Man (2000) bildet Caracole die Tetralogie seiner autobiografischen Romane. Diese Bücher verarbeiten persönliche Erfahrungen und die Entwicklung einer schwulen Identität in literarischer Form.
In City Boy (2009; deutsch 2015) erinnerte sich White vor allem an das New York der 1960er- und 1970er-Jahre, an die dortige Subkultur, an die Entstehung der schwulen Emanzipationsbewegung und an seine Auslandsaufenthalte. Außerdem schilderte er seinen beruflichen Weg im Journalismus und als freier Autor. Der Band ist als autobiografischer Roman ausgewiesen.
White schrieb außerdem Kurzgeschichten, Essays und Biografien. Die Kurzgeschichten erschienen unter dem Titel Skinned Alive, auf Deutsch Bei lebendigem Leibe (1998). Biografien verfasste er über Jean Genet (1993) und Marcel Proust (1999). 1994 erschien der Essayband Die brennende Bibliothek mit Texten, die ab 1970 entstanden waren. Gemeinsam mit Charles Silverstein veröffentlichte White 1977 den Ratgeber The joy of gay sex, auf Deutsch Die Freuden der Schwulen. Er bezeichnete dieses Buch als „ganz großes Coming Out“ und als „politischen Akt“, weil er sich damit als „Sprecher“ der Schwulenbewegung verstand.
Im Essay Out of the closet onto the bookshelf von 1991 schrieb White, dass er als Jugendlicher in einer öffentlichen Bibliothek nur zwei Bücher mit homosexuellen Bezügen gefunden habe: Thomas Manns Der Tod in Venedig und die von Nijinskys Ehefrau verfasste Biografie über den Tänzer. Beide Darstellungen empfand er als außerordentlich negativ. White sah es als wichtiges Verdienst seiner Autorengeneration an, diese Situation verändert zu haben.
Die Washington Post beschrieb Whites Werk als einnehmend und intelligent, von vielfältiger und unerwarteter Bildung geprägt und instinktiv auf autobiografische und anekdotische Stoffe ausgerichtet. Als seine größte Errungenschaft bezeichnete sie den Einblick in „das Geschenk und die Last“ eines schwulen Lebens. White forderte, „niemals die Lust zu verschmähen“, und kritisierte, dass Sex von Amerikanern, besonders von Puritanern, nicht als Lebenskunst und Zuneigung geschätzt werde, sondern häufig eine Offenbarung, Sinnsuche und Vervollkommnung leisten solle.
Auszeichnungen und Mitgliedschaften
White erhielt mehrere bedeutende Literaturpreise:
- 1982: Award for Literature der American Academy of Arts and Letters
- 1989: Lambda Literary Award für The Beautiful Room Is Empty
- 1994: National Book Critics Circle Award und Lambda Literary Award für die Biografie Genets
- 2000: Preis des Festivals von Deauville für sein Gesamtwerk
- 2018: PEN/Saul Bellow Award for Achievement in American Fiction
Er war Mitglied der American Academy of Arts and Letters sowie seit 1999 der American Academy of Arts and Sciences.
Werke (Auswahl)
Zu den wichtigen Romanen, Erzählungen und autobiografischen Werken gehören Forgetting Elena (Erzählung, 1973), Nocturnes for the King of Naples beziehungsweise Notturno für den König von Neapel (1978), States of Desire beziehungsweise Staaten der Sehnsucht. Reisen durch Gay America (1980), A boy’s own story beziehungsweise Selbstbildnis eines Jünglings (1982), Caracole (1985), The beautiful room is empty beziehungsweise Und das schöne Zimmer ist leer (1988), The farewell symphony beziehungsweise Abschiedssymphonie (1997), The Married Man (2000), Jack Holmes and his friend beziehungsweise Jack Holmes und sein Freund (2012), Our Young Man beziehungsweise Die Gaben der Schönheit (2016) und A Previous Life (2022).
Weitere wichtige Veröffentlichungen sind The darker proof (1987), gemeinsam mit Adam Mars-Jones, Jean Genet. Biographie (1993), The burning library beziehungsweise Die brennende Bibliothek (1994), Skinned alive beziehungsweise Bei lebendigem Leibe (1995), The Flâneur beziehungsweise Der Flaneur (1995), Marcel Proust. Biografie (1999) und City Boy (2009). 2025 erschien The Loves of My Life: A Sex Memoir.
White schrieb auch das Schauspiel Terre Haute, das 2006 beim Edinburgh Festival Fringe uraufgeführt und 2010 veröffentlicht wurde.