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Digitale Nachhaltigkeit
Das Konzept der Digitalen Nachhaltigkeit beschreibt die langfristig orientierte Herstellung und Weiterentwicklung von digitalen Wissensgütern und behandelt …
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Grundidee und Bedeutung
Digitale Nachhaltigkeit bezeichnet die langfristig ausgerichtete Herstellung, Nutzung und Weiterentwicklung digitaler Wissensgüter. Ihr Ziel ist es, digitale Ressourcen so zu bewirtschaften, dass ihr Nutzen für die Gesellschaft maximiert wird und die digitalen Bedürfnisse heutiger und zukünftiger Generationen gleichermaßen erfüllt werden. Das Konzept überträgt damit die Definition nachhaltiger Entwicklung aus dem Brundtland-Bericht auf digitale Ressourcen.
Der gesellschaftliche Nutzen gilt als besonders groß, wenn möglichst viele Menschen auf die Ressourcen zugreifen und sie mit möglichst wenigen technischen, rechtlichen und sozialen Einschränkungen wiederverwenden können. Digitale Ressourcen umfassen Wissen und kulturelle Artefakte, die als Text, Bild, Audio, Video oder Software digital dargestellt werden. Das Konzept behandelt dabei auch die Tragik der Anti-Allmende: Rechte und Zugangsbeschränkungen können die Nutzung und Weiterentwicklung eines grundsätzlich teilbaren Gutes behindern.
Besonderheiten digitaler Ressourcen
Anders als die klassische Nachhaltigkeit befasst sich digitale Nachhaltigkeit ausschließlich mit immateriellen Gütern, also Wissensgütern. Sie sind nicht-rivalisierend: Wenn eine Person ein digitales Gut verwendet, wird es dadurch nicht verbraucht und kann gleichzeitig von anderen genutzt werden.
Digitale Güter können dennoch ausschließbar sein. Ein ausschließbares digitales Gut wird als Klubgut bezeichnet; ein nicht-ausschließbares als öffentliches Gut. Insbesondere durch den Schutz geistigen Eigentums und das Urheberrecht können Menschen vom freien Gebrauch oder von der freien Weiterentwicklung digitaler Ressourcen ausgeschlossen werden. Digitale Nachhaltigkeit strebt deshalb einen möglichst offenen Zugang und eine möglichst uneingeschränkte Wiederverwendbarkeit an.
Anforderungen an das digitale Gut
Die ersten vier der zehn Voraussetzungen betreffen die Beschaffenheit des digitalen Gutes:
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Ausgereift: Das digitale Gut muss eine hohe Qualität besitzen. Software soll beispielsweise hochwertig programmiert sein, korrekt und sicher funktionieren und die benötigten Anforderungen vollständig erfüllen.
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Transparente Strukturen: Der Quellcode einer Software soll vollständig offengelegt sein. Bei Daten muss das verwendete Format durch einen offenen Standard öffentlich und nachvollziehbar dokumentiert werden. Diese technische Transparenz ermöglicht Kontrolle und Verbesserungen, stärkt das Vertrauen und kann Fehler verringern.
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Semantische Daten: Informationen sollen nicht nur für Menschen, sondern auch für Maschinen verständlich sein. Dazu werden sie durch semantische Daten miteinander verknüpft. Solche Metadaten, also zusätzliche strukturierte Angaben über Daten, ermöglichen es, große Informationsmengen maschinell weiterzuverarbeiten, zusammenzuführen und zu interpretieren.
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Verteilte Standorte: Daten und Anwendungen dürfen für ihre langfristige Verfügbarkeit nicht von einem einzigen Speicherort oder Server abhängen. Sie sollen redundant, also mehrfach, an verschiedenen Orten gespeichert werden, beispielsweise mit Peer-to-Peer-Ansätzen. Dadurch sinkt die Abhängigkeit von einem physischen Standort und die dauerhafte Verfügbarkeit steigt.
Anforderungen an das Ökosystem
Die Voraussetzungen fünf bis neun betreffen das soziale, rechtliche, organisatorische und finanzielle Umfeld des digitalen Gutes:
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Freie Lizenz: Die rechtlichen Bedingungen müssen eine beliebige Nutzung, Veränderung und Weiterverbreitung erlauben. Dadurch kann die Gesellschaft einmal geschaffenes digitales Wissen verbessern und uneingeschränkt einsetzen. Beispiele sind Lizenzen für Open Source, Open Data und Open Access.
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Geteiltes Wissen: Know-how und Erfahrungen, auch implizites Wissen genannt, sollen auf möglichst viele Menschen aus unterschiedlichen Organisationen verteilt sein. Das reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Personen oder Unternehmen, den sogenannten Lock-In-Effekt, und ermöglicht Beiträge durch mehr Beteiligte.
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Partizipationskultur: Alle kompetenten Personen sollen konstruktiv an der Erweiterung und Weiterentwicklung mitwirken können. Eine gesunde Beteiligungskultur ist dafür entscheidend. Peer-Review-Prozesse, bei denen Mitglieder einer Community Beiträge prüfen, können die notwendige Qualität von Daten und Software sichern.
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Faire Führungsstrukturen: Die Kontrolle soll möglichst dezentral verteilt sein und nicht bei einer einzelnen Person oder Organisation liegen. Transparente Governance-Strukturen regeln Verantwortlichkeiten, beispielsweise durch öffentliche Wahlen oder nach dem Meritokratie-Prinzip, bei dem Leistung und erworbene Verdienste Einfluss auf Verantwortung geben. Das Kriterium orientiert sich am Konzept der Good Governance.
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Breit abgestützte Finanzierung: Internet-Server, zuständiges Personal und andere notwendige Ressourcen sollen möglichst von unterschiedlichen Akteuren finanziert werden. So bleibt das Vorhaben unabhängiger von einer einzelnen Institution und Interessenkonflikte werden reduziert.
Gesellschaftliche Wirkung und Beispiele
Die zehnte Voraussetzung verlangt einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung im klassischen Sinne. Digital nachhaltige Güter und die dazugehörigen Communities sollen eine positive ökologische, soziale oder ökonomische Wirkung entfalten. Gleichzeitig müssen auch bei Herstellung und Anwendung Ressourcen aus nachhaltigem Hintergrund eingesetzt werden. Dazu gehören etwa eine faire Entlohnung der beteiligten Arbeitskräfte und die Verwendung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen.
Als konkrete Beispiele für digitale Nachhaltigkeit werden Wikipedia, Linux und OpenStreetMap genannt. Die zehn Voraussetzungen wurden Anfang 2017 in einer wissenschaftlichen Publikation in Sustainability Science beim Springer-Verlag und im Juli 2017 in einem darauf beruhenden deutschsprachigen Fachartikel beschrieben. Auf der DINAcon 2017 wurden zu ihnen einzelne Icons vorgestellt, die unter der Lizenz Creative Commons Zero auf Wikimedia Commons veröffentlicht wurden.