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Deutsche Fließgewässertypen

Dies sind Gewässer mit überwiegend Durchtransport und Akkumulation. Das ... In diesem Höhenstockwerk hat die glaziale Überformung durch Karbildung ein …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Grundidee der Typisierung
  2. 2. Bewertung nach der Wasserrahmenrichtlinie
  3. 3. Nutzen und Einteilung nach Größe
  4. 4. Die Typen in den Ökoregionen
  5. 5. Substrate, Auen und Sonderräume

Aufgabe und Grundidee der Typisierung

Deutsche Fließgewässertypen charakterisieren Fließgewässer in Deutschland. Sie sollen trotz der großen natürlichen Vielfalt – vom Quellrinnsal bis zum großen Strom sowie vom schnell fließenden Gebirgsbach bis zum trägen Moorgewässer – Gruppen mit gemeinsamen ökologischen Eigenschaften erkennbar machen. Das ist besonders wichtig, um Gewässer zu bewerten oder bei Renaturierungen einen passenden natürlichen Zielzustand anzustreben.

Typisierungen sind pragmatisch: Je nach Fragestellung können sie unterschiedlich ausfallen. Schon Begriffe wie „Bach“, „Fluss“ oder „Rinnsal“ stellen eine einfache Typisierung dar. Formale Systeme gliedern Gewässer beispielsweise nach ihrer Fischfauna in Fischregionen oder anhand des River Continuum Concept. Im deutschen Sprachraum ist mit Fließgewässertypen meist das Schema der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union gemeint.

Bewertung nach der Wasserrahmenrichtlinie

Die Wasserrahmenrichtlinie soll europäische Gewässer grundsätzlich in einen „guten ökologischen Zustand“ versetzen. Entscheidend ist dabei die Biozönose, also die Lebensgemeinschaft eines Gewässers. Bewertet werden unter anderem Fischfauna, Makrozoobenthos, höhere Wasserpflanzen (Makrophyten) und Kieselalgen.

Da sich Lebensgemeinschaften je nach natürlichem Gewässertyp stark unterscheiden, werden für jeden Typ Referenzbedingungen und Referenz-Lebensgemeinschaften festgelegt. Eine Lebensgemeinschaft kann daher in einem Typ als typgemäß und „gut“, in einem anderen Typ jedoch als anthropogen verändert und damit „nicht gut“ gelten.

Anhang II der Richtlinie schreibt die Typisierung als Grundlage der Bewertung vor. Die Kategorien sind Höhenlage, Größe des Einzugsgebiets und Geologie: höhere Lage > 800 m, mittlere Lage 200 bis 800 m, Tiefland < 200 m; klein 10–100 km², mittelgroß > 100 bis 1000 km², groß > 1000 bis 10.000 km² und sehr groß > 10.000 km²; kalkig, silikatisch oder organisch.

Das heutige deutsche Schema stammt von Pottgiesser+Sommerhäuser (2008), beruht auf Vorarbeiten einschließlich Schmedtje et al. 2000 und ist in einer LAWA-Arbeitshilfe festgeschrieben. Ende 2018 veröffentlichte das Umweltbundesamt eine aktualisierte Beschreibung. Deutschland gehört vor allem zu den Ökoregionen Alpen (Region 4), „zentrale Mittelgebirge“ (Region 9) und „zentrales Tiefland“ (Region 14); kleine Anteile der Regionen 8 und 13 westlich des Rheins werden angrenzenden Regionen zugeschlagen.

Die Einteilung erfolgt „top down“: Hydrologie und Sohlsubstrat werden großräumig klassifiziert, ohne die Besiedlung jedes Gewässers im Detail zu kennen. Untersuchungen einzelner Gewässer nach dem „bottom up“-Ansatz fanden teils unterschiedliche Lebensgemeinschaften innerhalb eines Typs, teils keine Unterschiede.

Nutzen und Einteilung nach Größe

Form, Abflussverhalten und Lebensgemeinschaften von Fließgewässern hängen vor allem von Klima, Relief und Substrat ab. Das Substrat wird durch Ausgangsgestein und dessen Verwitterungsprodukte beeinflusst. Auch menschliche Eingriffe wirken je nach Typ unterschiedlich. Die Typisierung verbindet deshalb Geologie, Geomorphologie und naturräumliche Ordnung beziehungsweise Ökoregion.

Bei Renaturierungen soll ein Gewässer dem charakteristischen natürlichen Zustand unbeeinflusster Gewässer seiner Region möglichst nahekommen. Für die Zustandsbewertung wird ein Gewässerabschnitt mit einer für seinen Typ passenden Referenz verglichen. Sie ist außerdem für den saprobiellen Zustand wichtig: Saprobie bezeichnet den über Lebensgemeinschaften erfassten Gehalt organischer Substanz und dient als Verschmutzungsparameter. Ohne Typisierung könnten von Natur aus stärker saprobe Gewässer zu schlecht bewertet und Belastungen in Gewässern mit natürlicherweise sehr geringer Saprobie unterschätzt werden.

Nach Einzugsgebietsgröße werden klassifikatorisch Bäche mit 10–100 km², kleine Flüsse mit 100–1.000 km², große Flüsse mit 1.000–10.000 km² und Ströme mit mehr als 10.000 km² unterschieden. Dies ist keine offizielle Neudefinition dieser Begriffe. Auch kleinere Gewässer sind Bäche; bei Einzugsgebieten unter 10 km² besteht jedoch keine deutsche Meldepflicht gegenüber der Europäischen Union, weshalb sie in der Typisierung vernachlässigt wurden.

Die Typen in den Ökoregionen

Es gibt 23 Fließgewässertypen; zwei werden in zwei beziehungsweise drei Subtypen untergliedert, sodass insgesamt 25 Typen unterschieden werden. Ein Gewässer kann entlang seines Verlaufs mehreren Typen angehören, etwa beim Übergang in eine andere Region oder wenn das Einzugsgebiet wächst. Die Zuordnung gilt daher für charakteristische Abschnitte, nicht für das ganze Gewässer. Ein Einfluss des oberhalb gelegenen Typs, beispielsweise erhöhter Kalkgehalt nach dem Eintritt in ein silikatisches Einzugsgebiet, wird nicht berücksichtigt.

In Alpen und Alpenvorland gehören dazu Typ 1 mit den Subtypen 1.1 Bäche und kleine Flüsse der Kalkalpen sowie 1.2 Große Flüsse der Kalkalpen, Typ 2 mit 2.1 Bäche und 2.2 Kleine Flüsse des Alpenvorlandes, Typ 3 mit 3.1 Bäche und 3.2 Kleine Flüsse der Jungmoräne des Alpenvorlandes sowie Typ 4 Große Flüsse des Alpenvorlandes. Alpine Gewässer sind durch starke Abtragung geprägt. Typ 1 weist Gefälle von 20 % bis 40 % oder höher auf; Typen 2 und 3 meist 2 % bis 8 %, große Gewässer der Typen 3 und 4 meist unter 1 %.

Im Mittelgebirge werden Typ 5 grobmaterialreiche silikatische, Typ 5.1 feinmaterialreiche silikatische, Typ 6 feinmaterialreiche karbonatische und Typ 7 grobmaterialreiche karbonatische Mittelgebirgsbäche unterschieden. Hinzu kommen Typ 9 silikatische, fein- bis grobmaterialreiche Mittelgebirgsflüsse, Typ 9.1 karbonatische, fein- bis grobmaterialreiche Mittelgebirgsflüsse, Typ 9.2 Große Flüsse des Mittelgebirges und Typ 10 kiesgeprägte Ströme. Die Region besitzt ein kleinräumiges Mosaik unterschiedlicher Gesteine und oft gestufte Längsprofile.

Zum Norddeutschen Tiefland gehören Typ 14 sandgeprägte Tieflandbäche, Typ 15 sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse, Typ 15_g große sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse, Typ 16 kiesgeprägte Tieflandbäche, Typ 17 kiesgeprägte Tieflandflüsse, Typ 18 löss-lehmgeprägte Tieflandbäche, Typ 20 sandgeprägte Ströme, Typ 22 Marschengewässer und Typ 23 rückstau- beziehungsweise brackwasserbeeinflusste Ostseezuflüsse. Ökoregion-unabhängig sind Typ 11 organisch geprägte Bäche, Typ 12 organisch geprägte Flüsse, Typ 19 Kleine Niederungsfließgewässer in Fluss- und Stromtälern und Typ 21 seeausflussgeprägte Fließgewässer. Bei ihnen überwiegen besondere Schlüsselfaktoren gegenüber regionalen Unterschieden.

Substrate, Auen und Sonderräume

Die Körnigkeit der Substrate von Gewässerbett und Aue prägt Fließgewässertypen. Grobmaterial führt zu strukturreichen und breiten Bächen, Feinmaterial zu strukturarmen, steilen, glattufrigen und tiefen Gewässern. Unterschieden werden lithale, also steinige (63–200 mm) und blockige (> 200 mm), akale beziehungsweise kiesige (2–63 mm), psammale beziehungsweise sandige (0,063–2 mm) sowie pelale, schluffige (0,002–0,063 mm) und tonige (< 0,002 mm) Typen. Häufig sind vor allem drei abiotische Mischtypen: steinig/blockig in gefällereichen Gebirgsbächen und steilen Oberläufen, sandig/kiesig in größeren Gewässern und Mittelläufen sowie lehmig in gefällearmen Tieflandbächen.

Fast alle Fließgewässer werden von Auen begleitet; nur kurze erosive Oberläufe besitzen keine fluvialen Sedimente. Auen gelten ab mehr als 300 m Breite als eigenständige Landschaft. Sie entstehen durch Überflutung oder ständige Verlagerung des Gewässers. Besonders verbreitet ist die Bildung durch Ausufern, bei dem Feinmaterial und Sande als Auenlehm auf Talböden gelangen. Genannt werden Feinmaterialauen, ein kiesig-lehmig-sandiger Mischtyp, kiesig-sandige Auen und Grobmaterialauen.

In Lössregionen entstehen aus standfestem Feinmaterial fruchtbare, intensiv genutzte Böden. Die dortigen Gewässer haben kurze konkave Oberläufe, Muldentäler, breite Feinmaterialauen, tiefe kastenförmige Querschnitte und meist mäandrierende Verläufe; sie sind geschiebearm und feinmaterialgeprägt.

Schlickgeprägte Marschengewässer werden natürlich von Gezeiten und Sturmfluten beeinflusst. Im Stromstrich liegt Sand, ufernah Schlick; stabile, steile Ufer entstehen durch bindige Marschensedimente und Torfe. Das Wasser ist von Natur aus sehr nährstoff- und kalkreich. Eindeichungen, Siele und Schöpfwerke haben das natürliche Regime jedoch verändert, sodass unveränderte Marschengewässer kaum noch vorkommen.

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