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Der Besuch der alten Dame (2008)
Der Besuch der alten Dame ist ein österreichisch-deutscher Fernsehfilm von Nikolaus Leytner aus dem Jahr 2008. Als Grundlage diente das gleichnamige …
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Film und Vorlage
Der Besuch der alten Dame ist ein österreichisch-deutscher Fernsehfilm aus dem Jahr 2008. Regie führte Nikolaus Leytner, das Drehbuch schrieben Susanne Beck und Thomas Eifler. Der 88 Minuten lange deutschsprachige Film ist ab FSK 6 freigegeben und beruht auf dem gleichnamigen Bühnenstück von Friedrich Dürrenmatt.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine verarmte Gemeinschaft auf ein großes Geldangebot reagiert, das an den Tod eines Menschen gebunden ist. Claire Zachanassian, gespielt von Christiane Hörbiger, verlangt für zwei Milliarden Euro „Gerechtigkeit“ für das Unrecht, das Alfred Ill ihr früher zugefügt hat. Michael Mendl spielt Alfred Ill; Muriel Baumeister verkörpert dessen Tochter Mia Mohr.
Claires Angebot und die Schuld Alfred Ills
Die einst blühende Kleinstadt Güllen ist nach der Schließung ihrer größten Fabrik verarmt. Die Bewohner erwarten die schwerreiche Claire Zachanassian, die dort als Klara Wäscher aufgewachsen ist. Alfred Ill, heute Autohändler und ihr früherer Geliebter, soll sie freundlich stimmen.
Beim Willkommensbankett bietet Claire Güllen zwei Milliarden Euro an. Das Geld soll zu gleichen Teilen auf alle Bewohner verteilt werden, aber nur unter einer Bedingung: Alfred Ill muss sterben. Zunächst weisen die Einwohner dies empört zurück. Die Fernsehreporterin Mia Mohr, Alfreds verstoßene Tochter, verfolgt die Vorgänge gemeinsam mit der Presse.
Allmählich wird Claires Vergangenheit bekannt: Nach einem schweren Autounfall, der bei ihr eine bleibende Gehbehinderung verursachte, ließ Alfred sie am Krankenbett für die Erbin des Autohauses zurück, obwohl Claire von ihm schwanger war. Um die Vaterschaft nicht anerkennen zu müssen, behauptete er mit Unterstützung seiner Freunde vor Gericht, Claire habe häufig ihre Sexualpartner gewechselt. Dieser Rufmord zwang sie, Güllen zu verlassen. Ihr Kind kam tot zur Welt; danach konnte Claire keine Kinder mehr bekommen.
Der Widerstand gegen Claires Forderung schwindet. Sparkassenleiter Oliver Marx vergibt hohe Darlehen ohne Sicherheiten, und Alfred wird gemieden. Auch andere Güllener haben im Vaterschaftsprozess einen Meineid geleistet, also vor Gericht bewusst falsch geschworen, schieben die Verantwortung aber auf Alfred. Der Polizist Lutz Wolff kann nicht eingreifen, weil Claire nicht ausdrücklich zu Mord aufruft. Alfred entgeht nur knapp mehreren fingierten Unfällen.
Abstimmung und Ende
Der Bürgermeister schlägt Claire vor, stattdessen die alte Fabrik zu kaufen und wieder zu eröffnen. Claire erklärt jedoch, dass ihr die Fabrik bereits gehört und sie sie gerade deshalb geschlossen hat: Die Not Güllens sollte ihren Racheplan ermöglichen.
Vor einer Volksabstimmung über Alfreds Schuld bietet Lutz Wolff ihm an, sich selbst zu erschießen, damit die Einwohner nicht selbst zu Mördern würden. Alfred lehnt ab und weist auf die Mitschuld anderer hin. Schließlich gesteht er Claire, dass er damals volltrunken den Unfallwagen gesteuert hatte. Claire weiß dies bereits und verweigert ihm die Vergebung. Nach einem letzten Kuss schließt Alfred Frieden mit Mia.
Die Volksabstimmung erklärt Alfred für schuldig. Claire erscheint mit dem Scheck; Alfred wird von der Menge eingeschlossen und liegt anschließend tot am Boden. Sie übergibt dem Bürgermeister den Scheck, nennt ihn verächtlich „Mörder!“ und verlässt Güllen mit dem Hubschrauber.
Gegenwartsfassung und Produktion
Die Verfilmung folgt der literarischen Vorlage größtenteils, verlegt sie aber in die Gegenwart. Alfred Ill ist nicht mehr Gemischtwarenhändler, sondern Besitzer eines Autohauses. Claire reist mit einer Cessna Citation Excel und einem Hubschrauber an; außerdem gibt es Mobiltelefone. Besonders erweitert wurde die Rolle von Ills Tochter: Mia ist ebenfalls von Alfred verletzt und trägt die Handlung aktiv mit. Der Film endet mit Ills Tod und Claires Abreise; Ills Überführung nach Capri wird nicht gezeigt.
ARD und ORF produzierten den Film. Die Erstausstrahlung erfolgte am 13. Oktober 2008 gleichzeitig in ORF 2 und Das Erste, zu Christiane Hörbigers 70. Geburtstag. Die DVD erschien am 20. Oktober 2008 bei Universum Film. Viele Außenszenen entstanden in Eisenerz in der Steiermark, einer einst wohlhabenden Bergbaustadt, die vom Niedergang bedroht ist.
Kritik und Auszeichnung
Der Film wurde vor allem für seine Werktreue, die moderne Inszenierung und die Besetzung gelobt. Das Lexikon des internationalen Films bezeichnete ihn als weitgehend werkgetreue Neuverfilmung und betonte die Themen Rache, Bigotterie, Duckmäusertum und Korrumpierbarkeit. Marcel Reich-Ranicki lobte die schauspielerischen Leistungen, beurteilte den Film insgesamt aber kritisch und fand, die zweite Hälfte werde zunehmend schlechter.
Beim 15. Shanghai International TV Festival 2009 erhielten Susanne Beck und Thomas Eifler den Preis für das beste Drehbuch eines Fernsehfilms.