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Der Besuch der alten Dame to go & #MeinSenf (Dürrenmatt in 11 Minuten)
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 100 Zeilen
- [applaus] Grüß Gott, liebe Gemeinde. Herzlich willkommen zu Der Besuch der alten Dame
- von Friedrich Dürrenmatt aus dem Jahr 1956. Wir befinden uns in Güllen, einer verarmten Kleinstadt irgendwo in Europa.
- Diese überschuldete Kommune hat so wenig Geld, dass sie nur noch in Schwarz-Weiß vorhanden ist. hier im Hintergrund zu sehen, aber sie wird beobachtet. Heute
- versammeln sich die Honorationoren des Städtchens am heruntergekommenden Bahnhof. Darunter der Bürgermeister, der Pfarrer, das ist der Lehrer. Dann hier
- der Arzt an der Tasche erkennbar, natürlich der Polizist und der Kramladenbesitzer Alfred Ill. Dem kommt heute eine besondere Funktion zu, denn
- Güllen erwartet die Ankunft der superreichen Milliardärin Claire Zachaan, die in der Stadt geboren wurde und in ihrer Jugend mit Ill befreundet
- war. Viel Spaß. Jetzt brieft der Bürgermeister den IL erst noch mal und du leierst ihr das Geld aus der Tasche. Klar, ja, ich spreche erstmal mit ihr.
- Ja, genau. Sprechen, ich meine jetzt im Sinne von unterhalten. Genau. Du machst das übrigens, du wirst mein Nachfolger als Bürgermeister und oh, das ist ja da
- hält plötzlich der rasende Roland ein Schnellzug und der Bürgermeister wird leicht panisch. Was? Ich habe meinen Zylinder noch gar nicht hier. Hat doch
- seit 5 Jahren kein ICE mehr gehalten. Und Claire Zachaan tritt auf mit einer riesigen Entourage. Die deuten wir hier nur mal an. Der Bürgermeister hat den
- letzten im Ort verbliebenen Zylinder aufgetrieben und sagt: "Verehrte gnädige Frau." Den Rest seiner Ansprache schluckt ein vorbeirauschender Zug und
- sie so Alfred. Ja, Kara Mensch, schön dich zu sehen. Und sie reden ein bisschen über die guten alten Zeiten. Er nennt sie wie früher Wildkätzchen und
- wie hast du mich noch genannt? Zauberhäxchen und ich dich schwarzer Panther. Keine Bange, der tut nichts. Neben dem
- Panther hat sie auch noch einen Butler und einen siebten Gatten, einen Sarg dabei. Ja, man kann ja nie wissen. Und Senftenträger, die sieht man ja hier,
- ne? Mit deren Hilfe macht sie jetzt so eine kleine nostalgische Seseeing Tour, lässt sich also in den Konrads Weiler Wald tragen. Die Stadt ist so arm, dass
- sie keine Bäume haben. Die werden hier von Naturfreunden gespielt. Das ist wirklich eine Regieanweisung von Dürenmatt. Und sie so, Mensch, Alfred,
- hier auf dieser Bank haben wir uns zum ersten Mal geküsst und dann bin ich nach Hamburg ins Bordell und habe den Zachasian und seine Milliarden
- geheiratet und du hast den Kramladen hier in der Stadt geheiratet und er sagt selbstlos: "Na, das habe ich doch gern gemacht. Du warst jung und schön, die
- Zukunft gehörte dir und wir sind mittlerweile hier ganz unten angekommen." "Ja, aber das wird sich ja jetzt alles ändern." "Wie echt?" Und sie
- so: "Ja klar." Und der so, wow, super. Das ging ja leichter als gedacht. Er haut ihr vor Begeisterung auf den Schenkel. Aua. Sag mal, ist das aus
- Plastik? Ja, ist eine Prothese. Ist nicht die einzige. Sie ist so ein bisschen wie ein Borg aus Ersatzteilen zusammengesetzt. Abends gibt es im
- einzigen verbliebenen Hotel der Stadt einen Empfang zu ihren Ehren. Wieder sind alle Honoratioren versammelt und der Bürgermeister hält noch eine viel
- tollere Ansprache, vor allem kann man sie diesmal verstehen. Verehrte, gnädige. Ja, wir können das ein bisschen abkürzen. Es ist so, die Stadt bekommt
- von mir eine Milliarde. Zur Hälfte die Stadt und zur Hälfte die Familien. Unter einer Bedingung. Und die wah jubeln alle schon. Nur er sagt, was für eine
- Bedingung. Das sagt euch jetzt mein Butler. Den Butler haben wir vorher schon gesehen, aber jetzt nimmt er die Sonnenbrille ab und jemand so, das ist
- doch der Oberrichter Hofer, Bingo. Ich war vor 45 Jahren der Oberrichter Hofer, als Claire Zachaan, damals Claire Wescher, den hier anwesenden Alfred Ill
- auf Anerkennung der Vaterschaft eines Kindes verklagte. Der jedoch brachte zwei Zeugen bei und dann kommen so zwei komische Typen rein und sagt, das waren
- wir, das waren wir. Deswegen hat Claire den Fall verloren, musste Güllen in Schande verlassen und wurde zur Prostituierten. Und die zwei Pappnasen
- da wurden gekauft, geblendet und kastriert. Deshalb lautet das Angebot: Eine Milliarde für Güllen, wenn jemand Alfred Ilet Stille, dann springt der
- Bürgermeister auf niemals. Und sie sagt einfach nur, ich warte. Sie richtet sich auf dem Balkon ihres Hotelzimmers ein, schaut hinunter auf
- das Städtchen und während täglich Grenze für den mitgebrachten Sarg eintreffen, demonstrieren die Gülner Solidarität mit ihrem Alfred Il Ja, wir kaufen natürlich
- nach wie vor trotzdem bei dir ein. Bitte einmal hier den teuersten Tabak und schreib es auf, gell? Und der so, na gut, ausnahmsweise, ja, ich hätte gern
- einmal den teuersten Whisky bitte auch anschreiben und ihr soll aber nicht, dass das zur Gewohnheit wird. Ja, ja, ist schon gut. Und der Dritte von allem
- das Beste und auf Pump bitte. Und er so: "Sag mal, wie wollt ihr das denn bezahlen? Und woher habt ihr plötzlich alle die neuen gelben Schuhe? Was für
- neue gelbe Schuhe? Ich habe es genau gesehen. Ihr spekuliert auf meinen Tod." Er tickt aus, schmeißt seine Kunden raus und geht zur Polizei und sagt: "Verhafte
- die Zachaan." Wieso das denn? Ja, wegen Anstiftung zum Mord. Und er kriegt einen Lachanfall und sagt: "Mann, du bist doch keine Milliarde wert. Das ist ein Witz.
- Und wieso putzt du dann dein Gewehr?" Weil der schwarze Panther von der Zachaan abgehauen ist. Und woher hast du den neuen Goldzahn? Pü? Und ganz
- aufgeregt geht er zum Bürgermeister und sagt, ich will Schutz. Ja, dann geh doch mal zur Polizei. Da war ich schon. Na, dann ist doch alles gut und jetzt
- müsstest du auch mal gehen. Ich habe hier noch zu tun. Sag mal, ist das ein Bauplan für ein neues Stadthaus? Man wird ja wohl noch mal planen dürfen. Und
- wieso hast du eine Pistole? Wegen dem schwarzen Panther. Boah. Und er rennt zum Pfarrer, der lustigerweise auch ein Gewehr dabei hat und sagt: "Ihr wollt
- mich alle umbringen?" Und der so, nein, mein Sohn. Da wird ihr Gespräch von Glockenleuten unterbrochen. Ist so, hä? Wir hatten doch früher nur eine Glocke
- und jetzt schlägt dem Fahrer das schlechte Gewissen. Du hast recht. Du bist in Gefahr. Hau lieber ab, bevor es zu spät ist. Da fällt ein Schuss.
- Jetzt nimmt Ill das Gewehr des Pfarrers und geht zur Zachaan, die ja auf ihrem Balkon tront und sagt: "Sag mir, dass das alles nicht wahr ist." Und sie so,
- weißt du noch damals, als du mich das erste Mal gesehen hast, da war ich auch auf einem Balkon und du hast mich so angestarrt, aber mit Augen voller Liebe
- und er lässt die Waffe sinken. Ja, ich muss ja auch noch die Milliarde transferieren. Und sie geht mal die Milliarde transferieren. Il hingegen
- geht zum Bahnhof. Ja, ich hau ab. Ich mache das nicht mit. Die Güllener folgen ihm alle. Ja, ist eine große Menschentraube und er hat schon total
- Angst und sagt, ich ich fahre jetzt weg. Und sie so ja, bitttechön, da kommt der Zug. Lasst mich durch. Ja, hier kannst du durch. Ihr lasst mich nicht durch.
- Doch, du kannst hier durch. Aber er kriegt es psychologisch nicht hin. Er bricht zusammen und fährt nicht weg. In der Peterschen Scheune
- schwälgt die Zachaan in Erinnerungen an ihre Jugend, nachdem sie gerade noch mal geheiratet hat, und empfängt den Lehrer und den Arzt. Äh, die haben einen
- Anlegen: "Ja, gnädige Frau, Sie sind doch Geschäftsfrau und wir wollten Sie fragen, wäre es nicht lukrativer, wenn Sie statt der Stadt eine Milliarde zu
- schenken, einfach Kredite geben und die Betriebe fördern würden?" Das ist eine super Idee, meine Herren. Ich würde die ganze Stadt kaufen, könnte ich auch, ne?
- Dummerweise gehört sie mir schon. Ich habe sie absichtlich pleite gehen lassen, um mich rechen zu können. Aber das ist doch total fies und unethisch.
- Sie sagt: "Die Welt machte mich zur nun mache ich sie zum Bordell. In der Stadt ist auch mittlerweile schon viel renoviert worden, aber die Güllner
- sind nicht mehr so nett. In Ils Laden beispielsweise sagen sie: "Ja, natürlich kaufen wir noch bei dir ein auf Pump und lass es dir ja nicht einfallen
- abzuhauen, gell?" Und der Lehrer kommt und ist nach seiner Begegnung mit der Zachaan jetzt ein bisschen betroffen und ein bisschen besoffen und macht einen
- Fass auf. Also er er stellt sich auf ein Fass und sagt: "Ich sag jetzt allen die Wahrheit. Wem willst du die Wahrheit sagen?" der Weltpresse. Wegen der Heirat
- Zachaan ist der internationale Medienzirkus vor Ort und er setzt so an: "Freunde, Güldner, Landsleute, leid mir euer Ohr, aber Ill unterbrecht ihn:
- "Halt die Klappe." Also kriegt die Presse nichts mit von dem unmoralischen Angebot der alten Dame, macht schön Bilder von ihm und der Bürgermeister
- weiß diese Kooperation sehr zu schätzen. Du wirst also unsere Entscheidung akzeptieren? Ja, na dann lasse ich dir zur Ansicht mal hier die Knarre da und
- der IL guckt sich das an und sagt: "Nee, das müsst ihr schon selber machen." Gr Opfer macht jetzt noch mal einen schönen Familienausflug. Wir haben ja auch seine
- Familie noch gar nicht kennengelernt. Das ist der Sohn. Ja, ich habe jetzt ein Opel Olympia auf Pump natürlich, ne? Müssten sich bitte vorstellen. Und ich
- bin die Tochter, ich mache jetzt Tennisstunden und Sprachkurse auf Pumpen natürlich, ne? müssten sich bitte vorstellen, die setzt sich hinten rein
- und Mutti so, ich habe einen ganz tollen neuen blauen Pelz, die setzt sich auch hinten rein und dann gondeln sie zu viert durchs Wirtschaftswunderland. Es
- ist aber auch wirklich herrlich, bis sie im Konrads Weiler Wald landen, wo eine letzte Begegnung zwischen Claire und Alfred stattfindet. Und sie so, ich
- hoffe, du weißt, dass das nichts persönliches ist. Ich mache das alles nur, weil ich deine Liebe zurück will, weil ich die Vergangenheit ändern will.
- Das verstehst du doch, oder? Und er so: "Ja, dann danke für die schöne Beerdigung." Abends gibt es nun eine
- Gemeindeversammlung im Stadttheater. Das ist auch schon auf Verdacht mal ganz toll aufgehübscht worden und es sind wieder alle da, ne? Die ganze Stadt
- hier, der Pfacher ist natürlich dabei, der Arzt, ganz wichtig. Die Presse ist aber auch da, ne? Denn ähm es wurde ihnen gesagt, dass es äh das Angebot
- gibt, eine Stiftung einzurichten von der Zachaan. Und jetzt hält der Lehrer eine flammende Rede und sagt, wir sollten das Angebot von Klerzaan annehmen, nicht des
- Geldes wegen, sondern der Gerechtigkeit halber. Und dann stimmen alle per Handzeichen dafür, alle außer der Spaßbremse, ne? Und die Presse so: "Oh,
- könnten Sie das bitte noch mal machen? Bei uns ist das Licht ausgefallen. Natürlich, wir stimmen noch mal ab und alle stimmen dafür außer Ill." Dann wird
- die Presse und die Damen werden rausgeschickt, denn jetzt passiert etwas, was in der Schweiz Tradition hat. Eine Gasse wird gebildet. Ja, also sie
- bilden eine Gasse äh der Freiheit und ähm dann musste Ilder durchmarschieren. Dann schließt die Gasse sich und wie von Zauberhand. Als die Gasse sich wieder
- öffnet, ist der Ill. Der Arzt beugt sich über ihn und sagt: "Ja, Herzinfarkt, ne?" Nein, tot durch Freude. Das kommt auch viel besser in
- der Presse. Die Zarhanas kommt wieder rein, übergibt dem Bürgermeister einen ganz großen Check. Er nimmt ihn und lächelt in die Kameras und dann geht sie
- und nimmt Ils Leiche mit nach Capri und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben die Einwohner der wunderschönen Stadt Güllen heute alle an der Cote
- Asyr. Entschuldigung, in Zukunft bitte gülden. Ja, wir wollen die Stadt umbenennen. Und das, liebe Gemeinde, war der Besuch der alten Dame von Friedrich
- Dürrenmt. Vielen Dank. [musik]
- In der Neufassung seines Dramas aus dem Jahre 1980 lässt Dürrenmatt die Güllener am Ende des Stückes in einer Art griechischem Chor die Handlung
- kommentieren. Sie sagen: "Ungheuer ist viel, Naturkatastrophen, Krieg, Atombombe, aber nichts ungeheurer als die Armut."
- Geht es in diesem Stück also in erster Linie darum, was Geld mit Menschen macht? [musik] Der Untertitel der alten Dame lautet:
- Eine tragische Komödie. Und ähnlich wie in seinem zweiten berühmten Stück die Physiker geht es hier ziemlich grotesk zu. Alle Untergebenen und Ehemänner der
- Zachaan heißen Kobi, Lobi, Tobi und so weiter. Sie heiratet allein während des Stückes zweimal. Alle Güllener kaufen ungebremst auf Kredit ein. Alle sind sie
- korrumpierbar. Gewissensbisse oder Familienbande gibt es wenig bis keine. Die ganze Geschichte inklusive des absurd hohen Kopfgeldes für IL, wir
- befinden uns immerhin in den 1950er Jahren, spielt im roten Bereich. Gleichzeitig ist die Sprache extrem knapp, nüchtern, sparsam, interessanter
- Kontrast. Die Story, eine Riesenshow, die als understatement erzählt wird. Ich mag den Ausdruck die normative Kraft des
- faktischen. Also, woran wir glauben, unsere Werte und Normen hängen sehr stark von den äußerlichen Bedingungen unserer Existenz ab. Damit es uns besser
- geht, tun wir auf Dinge, die wir losgelöst von uns selbst und vom Kontext als negativ beurteilen würden. Wenn es im Schlusschor heißt, nichts ist
- ungeheurer als die Armut, dann trifft das zwar für alle menschlichen Gesellschaften zu, aber im Wirtschaftswunderland der 1950er Jahre
- war die Macht des Geldes besonders stark spürbar. In dieser Hinsicht übertreibt Dürenmart gar nicht so sehr, glaube ich. Für viel Geld sind die Menschen selbst
- dann zu vielem, wenn nicht allen bereit, wenn es öffentlich geschieht, also alle es mitbekommen.
- Ich will an zwei Dinge erinnern, die die Aktualität dieses Stückes unterstreichen. Erst die Hochzeit von Amazon Chef Jeff Bezos im Juni 25 in
- Venedig, wo eine Stadt sich komplett zum Bordell eines Superreichen gebracht hat. Zweitens, unsere deutsche Haltung zur Aufrüstung seit dem russischen
- Angriffskrieg auf die Ukraine. Bis dahin haben wir tatsächlich jahrelang die Frage unserer nationalen Sicherheit verdrängt, wie Güllen die Frage der
- Gerechtigkeit verdrängt hat. Mit der eigenen Schwäche konfrontiert verändern sich die Normen bei nahezu allen Menschen in Deutschland. Ich verurteile
- diese Veränderung ausdrücklich nicht. Es ist einfach ein Beispiel für unsere eigene moralische Flexibilität. Soweit mein Senf zu, der Besuch der
- alten Dame von Friedrich Dürrenmt. Wenn euch das Video gefallen hat, dann unterstützt mich bitte. Wie könnt ihr das tun? Na, es muss ja keine Milliarde
- sein. Erstmal Video liken, teilen, Abo daassen auf YouTube, auf Instagram, auf TikTok. Wenn ihr neugierig seid und nachhaltig helfen wollt, dann werdet
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