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Coniugatio periphrastica

Die conjugatio periphrastica (abgekürzt c.p.; deutsch: umschreibende Konjugation) bezeichnet in der lateinischen Grammatik traditionell eine …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Definition und Formen
  2. 2. Funktion im Gliedsatz und im Bedingungsgefüge
  3. 3. Modale Bedeutung im Hauptsatz
  4. 4. Entwicklung des Begriffs

Definition und Formen

Die conjugatio periphrastica (abgekürzt c.p.; deutsch: umschreibende Konjugation) ist in der lateinischen Grammatik traditionell eine zusammengesetzte Verbform aus dem Partizip Futur Aktiv und einer Form von esse („sein“), zum Beispiel amaturus sum.

Manchmal wird auch die Verbindung aus Gerundivum und esse als conjugatio periphrastica bezeichnet. Dann heißt die Form mit Futurpartizip c.p. activa, die Form mit Gerundivum c.p. passiva.

Funktion im Gliedsatz und im Bedingungsgefüge

In einem konjunktivischen Gliedsatz ist die c.p. mit Futurpartizip bedeutungsgleich mit einem einfachen Futur. Sie ersetzt den im Lateinischen fehlenden Konjunktiv Futur, wenn Nachzeitigkeit ausgedrückt werden soll, also wenn ein Geschehen später als ein anderes eintritt: Incertum est, quam longa cuiusque nostrum vita futura sit. – „Es ist ungewiss, wie lange das Leben eines jeden von uns dauern wird.“

Eine ähnliche Ersatzfunktion hat der Infinitiv Perfekt der c.p., etwa amaturus fuisse. Er dient als Infinitiv in einem irrealen Bedingungsgefüge: Videmur enim quieturi fuisse, nisi essemus lacessiti. – „Denn wir wären offensichtlich ruhig geblieben, wenn man uns nicht gereizt hätte.“

Modale Bedeutung im Hauptsatz

Im Hauptsatz ersetzt die c.p. keine synthetische, also aus einem einzigen Verbwort bestehende Futurform. Sie hat vielmehr modale Bedeutungen und kann mit „wollen“, „gedenken“, „fähig sein“ oder „sollen“ plus Infinitiv wiedergegeben werden.

Deshalb kann die Periphrase in fast allen Tempusformen stehen: amaturus sum, eram, fui, fueram oder ero. Sie ist keine bloße Futurumschreibung. Sonst wären ihre Vergangenheitsformen mit der Futurbedeutung schwer vereinbar; außerdem wäre die tatsächlich belegte futurische Form doppelt markiert und damit tautologisch.

Entwicklung des Begriffs

Der Ausdruck conjugatio periphrastica ist weder bei antiken Grammatikern noch in Grammatiken des Mittelalters und der Renaissance nachweisbar; wahrscheinlich entstand er erst im 17. Jahrhundert. Anfangs konnte er verschiedene Verbindungen von Verbformen mit esse umfassen. Ludwig Ramshorns „Lateinische Grammatik“ von 1824 nennt vier Typen: scrībēns sum, amātūrus sum, amātus sum und amandus sum.

Später wurde der Begriff teilweise noch weiter gefasst. Friedrich Stolz und Joseph Hermann Schmalz bezogen neben den vier esse-Periphrasen auch Verbindungen des Perfektpartizips mit habere oder tenere ein. Dieser umfassende, funktionale Begriff für alle lateinischen Verbalperiphrasen setzte sich jedoch nicht durch. Üblich blieb die engere, stärker an der Form orientierte Bedeutung.

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