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Charlotte Corday
NAME, Corday, Charlotte ; ALTERNATIVNAMEN, Corday d'Armont, Marie Anne Charlotte (vollständiger Name) ; KURZBESCHREIBUNG, französische Adlige und Attentäterin.
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Person und politischer Hintergrund
Marie Anne Charlotte Corday d’Armont, meist Charlotte Corday genannt, wurde am 27. Juli 1768 in Les Ligneries in der Normandie geboren und starb am 17. Juli 1793 in Paris. Die französische Adlige wurde während der Französischen Revolution bekannt, weil sie den radikalen Journalisten und Politiker Jean Paul Marat ermordete. Sie betrachtete die Tat als patriotischen Versuch, die politische Gewalt zu beenden; tatsächlich stärkte Marats Tod zunächst die radikalen Jakobiner. Vier Tage nach dem Attentat wurde Corday guillotiniert.
Corday stammte aus einer verarmten Familie des normannischen Kleinadels und war eine Nachfahrin des Dramatikers Pierre Corneille. Nach dem Tod ihrer Mutter 1782 kam sie mit 13 Jahren in die Abtei Sainte-Trinité in Caen. Dort las sie unter anderem die Bibel sowie Werke von Raynal, Rousseau, Voltaire und Plutarch. Diese Lektüre machte sie früh mit den Ideen der Aufklärung und mit Vorbildern bekannt, die aus politischen oder moralischen Gründen handelten. Möglicherweise beeinflussten sie später die biblische Judith und republikanische Helden der Antike.
Nach der Auflösung der Abtei am 1. März 1791 lebte sie zunächst wieder bei ihrem Vater und anschließend bei einer verwitweten Tante in Caen. Während ihr Vater gemäßigter Royalist und ihre Brüder überzeugte Royalisten waren, begrüßte Corday anfangs die Revolution. Sie lehnte jedoch König Ludwig XVI. ebenfalls ab, den sie für einen schwachen Herrscher hielt.
Motive für den Mord
Corday sympathisierte mit den Girondisten, einer Gruppe gemäßigter Republikaner. Diese verloren ihren Einfluss an die radikale jakobinische Bergpartei, die Montagnards. Ende Mai und Anfang Juni 1793 wurde der Nationalkonvent von bewaffneten Sansculotten umstellt; die Girondisten wurden gestürzt, und 18 ihrer geächteten Abgeordneten flohen nach Caen. Dort planten sie Widerstand gegen die Jakobiner. Corday besuchte einige ihrer politischen Versammlungen.
Sie sah ihre Ideale der Aufklärung durch die zunehmende Gewalt verraten und betrachtete Marat als Hauptverantwortlichen. Er war Herausgeber der weit verbreiteten Zeitung L’Ami du Peuple und besaß großen Einfluss auf Teile der Bevölkerung. Corday machte ihn für die Septembermorde, die Verfolgung der Girondisten und die Schreckensherrschaft verantwortlich. Sie überschätzte allerdings den tatsächlichen Einfluss des bereits schwer kranken Marat.
Corday glaubte, seine Tötung könne eine Konterrevolution auslösen, Frankreich retten und den Frieden wiederherstellen. Sie hielt ihr Vorhaben nicht für ein Verbrechen, sondern für einen patriotischen Akt, für den sie ihr eigenes Leben opfern wollte. Nach ihrer Festnahme erklärte sie, allein gehandelt und keine Mitverschwörer unter den Girondisten gehabt zu haben.
Vorbereitung und Attentat
Ursprünglich wollte Corday Marat am 14. Juli 1793, dem Jahrestag des Sturms auf die Bastille, öffentlich im Nationalkonvent erstechen. Am 7. Juli erhielt sie vom Girondisten Charles Barbaroux ein Empfehlungsschreiben für den Abgeordneten Claude Romain Lauze de Perret. Ihrem Vater schrieb sie wahrheitswidrig, sie wolle nach England auswandern. So wollte sie ihre Familie schützen, da sie erwartete, unmittelbar nach einem öffentlichen Anschlag getötet zu werden.
Am 9. Juli reiste sie von Caen nach Paris und kam am 11. Juli dort an. Lauze de Perret erklärte ihr, dass Marat wegen einer Hautkrankheit nicht mehr im Konvent erscheine. Daher änderte sie ihren Plan. Am Morgen des 13. Juli kaufte sie für 40 Sous ein Küchenmesser mit einer 20 Zentimeter langen Klinge. Außerdem verfasste sie die Adresse aux Français amis des lois et de la paix, in der sie Marat für Frankreichs Unglück verantwortlich machte und ihre geplante Tat erklärte.
Unter dem Vorwand, Girondisten aus Caen denunzieren zu wollen, versuchte Corday mehrmals, Marat zu sprechen. Seine Lebensgefährtin Simone Évrard verweigerte ihr zunächst den Zutritt. Am 13. Juli, etwa eine halbe Stunde nach 19 Uhr, gelangte Corday schließlich in die Wohnung. Marat saß wegen seiner Hautkrankheit in einer mit Wasser und Heilkräutern gefüllten Badewanne. Während eines etwa 15-minütigen Gesprächs nannte Corday ihm die Namen geflohener Girondisten. Ihrer späteren Aussage zufolge versprach Marat, diese innerhalb weniger Tage guillotinieren zu lassen.
Daraufhin zog Corday das Messer aus ihrem Dekolleté und stach Marat in die Brust. Der Stich zerriss Lunge, linke Herzkammer und Aorta. Marat starb kurz nachdem man ihn aus der Wanne gezogen hatte. Corday wurde nach einem Gerangel festgenommen. In ihrem Korsett fand man ihre Erklärung an das französische Volk. Beim ersten Verhör blieb sie ruhig und bestand darauf, die Tat allein geplant und ausgeführt zu haben. In der Nacht zum 14. Juli wurde sie unter Polizeischutz in das Prison de l’Abbaye gebracht, weil eine aufgebrachte Menge sie zu lynchen drohte.
Prozess und Hinrichtung
Der Nationalkonvent überwies den Fall an das Revolutionstribunal. Auch Claude Fauchet und Lauze de Perret wurden als angebliche Helfer beschuldigt. Corday erklärte jedoch wiederholt, keinerlei Mithelfer gehabt zu haben. Beide Männer kamen zunächst frei, wurden später wegen ihrer politischen Tätigkeit als Girondisten erneut verhaftet und am 31. Oktober 1793 hingerichtet.
Am 16. Juli wurde Corday in die Conciergerie verlegt. Sie schrieb an Barbaroux, um ihre Tat zu rechtfertigen, und bat ihren Vater um Vergebung dafür, ohne seine Erlaubnis über ihr Leben verfügt zu haben. Ihr Brief an Barbaroux wurde nicht zugestellt, sondern den Prozessakten beigefügt.
Die Verhandlung begann am Morgen des 17. Juli 1793. Weil ihr gewünschter Verteidiger Louis-Gustave Doulcet de Pontécoulant nicht rechtzeitig benachrichtigt worden war, vertrat sie Claude François Chauveau-Lagarde. Öffentlicher Ankläger war Antoine Quentin Fouquier-Tinville. Corday zeigte sich ruhig, verhinderte Aussagen zum Nachteil anderer und bezeichnete den Mord als patriotische Tat. Sie erklärte: „Ich habe einen Menschen getötet, um Hundert-Tausende zu retten.“ Der Ankläger wollte eine Verteidigung mit Geisteskrankheit erreichen, doch Chauveau-Lagarde lehnte dies ab. Gegen 13 Uhr wurde Corday zum Tod verurteilt.
Noch während des Prozesses und anschließend in ihrer Zelle fertigte Johann Jakob Hauer ein Porträt von ihr an. Corday lehnte die Beichte ab, weil sie den Mord nicht als Sünde ansah. Man schnitt ihr die Haare ab und zog ihr das für verurteilte Mörder vorgesehene rote Hemd an. Am Abend wurde sie auf einem offenen Karren zur Place de la Révolution, der heutigen Place de la Concorde, gebracht und gegen 19 Uhr guillotiniert. Sie war 24 Jahre alt. Nachdem ein Henkersknecht namens Legros ihren abgeschlagenen Kopf geschlagen hatte, wurde er wegen Verletzung der Hinrichtungsetikette zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Cordays Körper kam in ein Massengrab; ob auch ihr Kopf dort bestattet wurde, ist unklar.
Folgen und kulturelles Bild
Corday erreichte ihr politisches Ziel nicht. Die Girondisten kehrten nicht an die Macht zurück, und Frankreich wurde nicht befriedet. Stattdessen verschärften die Jakobiner unter Robespierre 1793/94 ihre Schreckensherrschaft; Tausende politische Gegner wurden hingerichtet. Marat wurde zum Helden und Märtyrer der Revolution erklärt. Sein Kult endete bereits 1795. Später galt Corday selbst Teilen der Öffentlichkeit als Märtyrerin der Konterrevolution und wurde unter anderem mit Jeanne d’Arc verglichen. Alphonse de Lamartine nannte sie 1847 den „Mordengel“.
Die gegensätzlichen politischen Deutungen spiegeln sich in Literatur und Kunst. Unter der jakobinischen Herrschaft wurde meist Marat verherrlicht; nur wenige Werke ergriffen für Corday Partei. Spätere Darstellungen zeichneten sie häufiger als Heldin, nationale Retterin oder tragische Gesinnungstäterin. Zu bekannten Bearbeitungen gehören Jean Pauls Novelle Der 17. Juli oder Charlotte Corday von 1801, François Ponsards Drama Charlotte Corday von 1850, Erika Mitterers gleichnamiges Drama von 1931 und Peter Weiss’ Theaterstück Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade von 1964.
Jacques-Louis David stellte Marat 1793 in Der Tod des Marat als Märtyrer in der Badewanne dar. Paul Baudry rückte dagegen in seinem Gemälde Charlotte Marie-Anne Corday Corday als handelnde Figur in den Mittelpunkt. Auch Opern von Josef Schelb aus den Jahren 1940–1943 und Lorenzo Ferrero von 1989 sowie Al Stewarts Lied Charlotte Corday von 1993 griffen das Thema auf.