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Celebration (Florida)

Celebration ist eine Planstadt und ein census-designated place (CDP) im Osceola County im US-Bundesstaat Florida. Das U.S. Census Bureau hat bei der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Entstehung und Entwicklung
  3. 3. Bevölkerung im Jahr 2010
  4. 4. Architektur und städtebauliche Bedeutung
  5. 5. Disney-Vision und Celebration als Stadtmodell
  6. 6. Kritik und öffentliche Diskussion

Überblick und Lage

Celebration ist eine Planstadt, also eine bewusst geplante und nach bestimmten städtebaulichen Vorgaben errichtete Stadt, sowie ein census-designated place (CDP) im Osceola County des US-Bundesstaats Florida. Die Walt Disney Company realisierte den Ort ab 1994 in der Nähe des Walt Disney World Resort. Bei der Volkszählung 2020 wurden 11.178 Einwohner und 3.893 Haushalte gezählt. Celebration umfasst 27,7 km², davon 27,6 km² Land, und hat eine Bevölkerungsdichte von 405 Einwohnern je km².

Der Ort liegt rund 10 km westlich von Kissimmee und etwa 20 km südlich von Orlando. Celebration wird von der Interstate 4, dem U.S. Highway 192 (SR 530) und der Florida State Road 417 (Central Florida GreeneWay) durchquert beziehungsweise tangiert. Die geografische Lage beträgt 28° 19′ N, 81° 32′ W; die Höhe liegt bei 25 m. Celebration gehört zur Zeitzone Eastern (UTC−5/−4).

Entstehung und Entwicklung

Celebration wurde auf einem zuvor brachliegenden Grundstück der Walt Disney Company errichtet. Für Osceola County sprach neben der Nähe zum Walt Disney World Resort auch die steuerliche Situation. Städtebauliches Vorbild war der Nachbau einer historischen Stadt, etwa Savannah, Nantucket oder Charleston.

Die ersten Bewohner zogen 1996 ein. Sie erhielten keine Vergünstigungen bei der Walt Disney Company. Das Zusammenleben wurde durch ein 70-seitiges Musterbuch geregelt; auch das Schulwesen wurde vom Disney-Konzern gelenkt. 2004 verkaufte Disney das Stadtzentrum an einen privaten Immobilieninvestor aus New York City.

Die Finanzkrise von 2008 traf die damals etwa 11.000 Einwohner zählende Gemeinde. In der ersten Hälfte des Jahres 2010 mussten 106 Familien ihre Häuser verkaufen. Außerdem schloss das örtliche Kino.

Bevölkerung im Jahr 2010

Für die Volkszählung 2010 werden 7.427 Einwohner und 4.086 Haushalte angegeben. Die Bevölkerungsdichte betrug damals 269,1 Einwohner je km². 91,0 % der Bevölkerung bezeichneten sich als Weiße, 1,5 % als Afroamerikaner, 0,2 % als Indianer und 3,2 % als Asian Americans. 1,7 % gehörten einer anderen Ethnie an, 2,2 % mehreren Ethnien. 11,2 % waren Hispanics oder Latinos.

In 36,6 % der Haushalte lebten Kinder unter 18 Jahren, in 17,7 % Personen im Alter von mindestens 65 Jahren. 71,5 % waren Familienhaushalte, also Haushalte verheirateter Paare mit oder ohne Nachkommen oder eines Elternteils mit Nachkommen. Ein Haushalt umfasste durchschnittlich 2,61 Personen, eine Familie durchschnittlich 3,08 Personen.

27,7 % der Bevölkerung waren jünger als 20 Jahre, 23,6 % zwischen 20 und 39, 32,4 % zwischen 40 und 59 und 16,3 % mindestens 60 Jahre alt. Das mittlere Alter betrug 39 Jahre. 47,6 % waren männlich und 52,4 % weiblich. 4,1 % lebten unter der Armutsgrenze. Im Jahr 2000 war Englisch für 93,85 % die Muttersprache, Spanisch für 4,30 % und Italienisch für 1,84 %.

Architektur und städtebauliche Bedeutung

Die architekturgeschichtliche Bedeutung von Celebration steht im Zusammenhang mit Disneyland und dem New Urbanism. Charles Willard Moore bezeichnete 1965 in einem Aufsatz der Architekturzeitschrift Perspecta das ursprüngliche Freizeitzentrum Disneyland als „wichtigstes zusammenhängendes Stück Architektur der letzten Jahrzehnte“ im amerikanischen Westen. Besonders die autofreie Idylle der Main Street, USA wirkte im stark vom Individualverkehr geprägten Los Angeles als nostalgisches Gegenbild zu einer humaneren Form von Urbanität.

Mit der Verwirklichung von Celebration wurde diese Diskussion im Sinne des New Urbanism erneut aufgegriffen. Die Architekturzeitschrift Domus widmete der Stadt im November 1996 etwa eine Sondernummer, Nr. 787. Die Architekturbiennale 1996 in Venedig präsentierte Celebration prominent im amerikanischen Pavillon.

Zusammen mit Seaside in Florida, dem Drehort von The Truman Show, und Port Grimaud in Frankreich gilt Celebration als Beispiel einer hochtechnisierten Kleinstadtidylle für die obere Mittelschicht und als Ausdruck postmoderner Architektur. Ein ungewöhnliches Bauwerk ist der Freileitungsmast in Form einer stilisierten Micky Maus, der sogenannte Mickeymast.

Disney-Vision und Celebration als Stadtmodell

Mitte der 1960er Jahre entwarf Walt Disney mit Epcot, dem „Experimental Prototype Community of Tomorrow“, die Vorstellung einer idealen Stadt der Zukunft. Epcot wurde nicht als Stadt verwirklicht, sondern nur als Themenpark umgesetzt. Disney plante eine vom Konzern kontrollierte Stadt mit vollständiger ökonomischer, sozialer und technischer Infrastruktur. Viele staatliche Aufgaben sollten privatisiert werden. Ziel war ein „privatwirtschaftliches Modell der sozialen Organisation eines Gemeinwesens“. Vorgesehen waren eine umfassende Reglementierung des Lebens, unter anderem bei Kleidung und Verhalten, sowie eine Einschränkung demokratischer Rechte. Nach Disneys Aussage sollte es keine Grundeigentümer, keine Rentner und nur beschäftigte Bewohner geben; die Menschen sollten Häuser zu bescheidenen Mieten mieten und zum Erhalt der Stadt beitragen.

Celebration griff diese Vision als „ideale Stadt“ wieder auf, war jedoch weniger futuristisch und orientierte sich stärker an der Vergangenheit und an Main Street, USA. Die Kleinstadt sollte höchstens 20.000 Einwohner haben. Eine optisch harmonische Gestaltung wird durch enge Vorgaben für die Häuser angestrebt; Abweichungen sind nicht möglich. Das Konzept betont traditionelle Vorstellungen von Nachbarschaft und Gemeinschaft. Anders als bei Gated Communitys ist Celebration nicht umzäunt.

Der Disney-Konzern reglementiert das Gemeinwesen weitreichend. Es gibt kein demokratisch gewähltes Stadtparlament mit Bürgermeister, und administrative Aufgaben sind teilweise privatisiert. Neue Bewohner müssen sich vertraglich verpflichten, Disneys Regelwerk anzuerkennen, einschließlich einer Anwesenheitspflicht von neun Monaten. Vorgeschrieben werden unter anderem Verhaltensweisen, der Verzicht auf bestimmte Umbauten, die Gestaltung des Gartens und die Farbe der Gardinen.

Kritik und öffentliche Diskussion

Grundsätzlich wird an Celebration das Fehlen demokratischer Strukturen kritisiert. Die vertraglich festgelegten Verhaltensregeln greifen zusätzlich in den privaten Bereich der Bewohner ein. Claus Leggewie fasste diese Kritik mit der Aussage zusammen: „Der ‚öffentliche Diskurs‘ in Celebration ist ebenso durchorchestriert wie die Haus- und Gartenarchitektur.“ Frank Roost kritisierte darüber hinaus Disneys allgemeines Bestreben, eine ideale Stadt der Zukunft und das zugehörige Gemeinwesen vollständig der Kontrolle des Konzerns zu unterwerfen.

Die sozialkritische Auseinandersetzung mit dem Ort zeigt sich auch in dem Song Celebration, Florida der englischen Rockband Chumbawamba, der im Jahr 2000 auf dem Album WSIWYG veröffentlicht wurde.

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