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Burkhard Jung

Burkhard Jung (* 7. März 1958 in Siegen) ist ein deutscher Politiker (SPD). Er ist seit 2006 der Oberbürgermeister von Leipzig. Er war von 2019 bis 2021 und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ausbildung und beruflicher Weg
  3. 3. Einstieg in die Leipziger Stadtpolitik
  4. 4. Oberbürgermeister von Leipzig
  5. 5. Kritik und Grundstücksverkäufe
  6. 6. Privates und Veröffentlichungen

Überblick

Burkhard Jung (* 7. März 1958 in Siegen) ist ein deutscher Politiker der SPD. Seit dem 29. März 2006 ist er Oberbürgermeister von Leipzig. Über Leipzig hinaus ist er in kommunalen Netzwerken aktiv: Er war von 2019 bis 2021 Präsident des Deutschen Städtetags, von 2021 bis 2025 dessen Vizepräsident und ist seit 2025 erneut Präsident. Seit dem 15. Juni 2023 ist er außerdem Präsident des europäischen Städtenetzwerkes Eurocities.

Ausbildung und beruflicher Weg

Jung besuchte von 1964 bis 1968 die evangelische Volksschule Gosenbach in Siegen und machte 1977 am Gymnasium Am Löhrtor Abitur. Danach studierte er bis 1984 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Germanistik und Evangelische Theologie für das Lehramt an der Sekundarstufe. 1983 legte er die Erste Staatsprüfung ab, nach dem Referendariat 1986 die Zweite Staatsprüfung.

Ab 1986 arbeitete Jung am Evangelischen Gymnasium in Siegen-Weidenau als Lehrer für Deutsch und Evangelische Religion. Als Unterstufenkoordinator beschäftigte er sich besonders mit neuen Formen des fächerübergreifenden Unterrichts. 1989 wurde er zum Studienrat zur Anstellung im Kirchendienst berufen.

Nach der deutschen Wiedervereinigung kam Jung 1991 nach Leipzig. Er wurde als Schulleiter an das neu gegründete Evangelische Schulzentrum Leipzig abgeordnet und war dort für den Aufbau einer Grundschule, Mittelschule und eines Gymnasiums in kirchlicher Trägerschaft verantwortlich. Ab 1994 war er Kirchenbeamter der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, ab 1997 Oberstudiendirektor im Kirchendienst. Bis Februar 1999 leitete er das Evangelische Schulzentrum, damals Sachsens einzige kooperative Gesamtschule. In dieser Zeit entwickelte er mit Michael Hilbk das sozial-diakonische Profil der Mittelschule und veröffentlichte mehrere pädagogische Fachtexte.

Einstieg in die Leipziger Stadtpolitik

Von 1999 bis 2006 war Jung Beigeordneter der Stadt Leipzig. Ein Beigeordneter ist ein leitender kommunaler Wahlbeamter mit Zuständigkeit für bestimmte Verwaltungsbereiche. Zunächst war Jung für Jugend, Schule und Sport zuständig, nach einer Verwaltungsumstrukturierung im April 2001 für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule.

Für Leipzigs Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012 war Jung zwei Jahre lang städtischer Olympiabeauftragter. Im November 2003 trat er von diesem Posten wegen einer Provisionszahlung an die Marketingagentur SCI zurück und wurde als Beigeordneter von seinen Dienstgeschäften entbunden. Nach einem Monat Beurlaubung und der Einstellung staatsanwaltlicher Vorermittlungen nahm er im Dezember 2003 seine Arbeit als Beigeordneter wieder auf. Ab Januar 2006 war er außerdem WM-Beauftragter der Stadt Leipzig.

Zu seinen Schwerpunkten als Beigeordneter gehörten Sportförderung, Jugendhilfeplanung, die Übergabe zahlreicher Kindertagesstätten in freie Trägerschaft im Rahmen der Subsidiarität sowie Schulentwicklungs-, Altenhilfe-, Behindertenhilfe- und Sozialplanung. Subsidiarität bedeutet hier, dass Aufgaben möglichst von kleineren oder freien Trägern übernommen werden, wenn sie diese leisten können. Im Jahr 2000 trat Jung in die SPD ein.

Oberbürgermeister von Leipzig

Nach dem Wechsel seines Vorgängers Wolfgang Tiefensee in das Amt des Bundesverkehrsministers bewarb sich Jung 2006 um das Amt des Oberbürgermeisters von Leipzig. Im ersten Wahlgang verfehlte er die absolute Mehrheit. Am 26. Februar 2006 wurde er bei einer Wahlbeteiligung von 31,7 % mit 51,6 % der Stimmen zum Stadtoberhaupt gewählt. Seit dem 29. März 2006 übt er dieses Amt aus.

Jung wurde mehrfach wiedergewählt. Bei der Oberbürgermeisterwahl 2013 gewann er im zweiten Wahlgang am 17. Februar mit 45,0 % der Stimmen vor Horst Wawrzynski mit 28,7 %. Bei der Wahl 2020 erhielt er im ersten Wahlgang am 2. Februar 29,8 % und lag damit hinter dem CDU-Kandidaten Sebastian Gemkow mit 31,6 %. Im zweiten Wahlgang am 1. März 2020 gewann Jung mit 49,1 % der Stimmen knapp vor Gemkow mit 47,6 %, etwa 3.300 Stimmen Vorsprung. Damit wurde er zum dritten Mal in Folge zum Oberbürgermeister gewählt. Bei der nächsten Leipziger Oberbürgermeisterwahl im Februar 2027 tritt er nicht erneut an, weil er die Altersgrenze der Sächsischen Gemeindeordnung überschritten hat.

Als Oberbürgermeister übernahm Jung zahlreiche weitere Funktionen. Seit 2006 ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Stadt- und Kreissparkasse Leipzig. Er ist außerdem in Aufsichtsräten der Leipziger Messe und der European Energy Exchange vertreten. Vom 20. März 2006 bis 26. Oktober 2007 war er Mitglied im Verwaltungsrat der Landesbank Sachsen.

Auch in überregionalen Gremien ist Jung aktiv. Er war von 2019 bis 2021 und ist seit 2025 Präsident des Deutschen Städtetags, dazwischen von 2021 bis 2025 Vizepräsident. Seit 2006 gehört er dem Präsidium von Eurocities an und ist seit dem 15. Juni 2023 dessen Präsident. Seit 2008 ist er Vizepräsident des Sächsischen Städte- und Gemeindetages. Seit dem 5. Juli 2024 ist er Mitglied des XVII. Fernsehrates des ZDF.

Von November 2010 bis zum Amtsantritt der Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke 2016 war Jung zusätzlich für mehrere Leipziger Kultureinrichtungen zuständig, darunter Oper, Gewandhaus, Centraltheater, Theater der Jungen Welt und Musikschule. Diese Zuständigkeiten entzog er seinem Kulturdezernenten Michael Faber mit der Begründung eines fehlerhaften Krisenmanagements. Ein Abwahlverfahren gegen Faber scheiterte im zweiten Wahlgang knapp an der nötigen Zweidrittelmehrheit.

Kritik und Grundstücksverkäufe

Anfang 2012 wurde bekannt, dass die Stadt Leipzig, besonders das Rechtsamt, Grundstücke verkauft hatte, in vielen Fällen ohne vorher zu klären, wer Eigentümer war. Zunächst wurden die Vorgänge als Einzelfälle dargestellt. Später musste Jung einräumen, dass in mindestens 157 Fällen fahrlässig mit fremdem Eigentum umgegangen worden war. Die Zahl der Meldungen von Grundstückseigentümern, deren Besitz widerrechtlich durch die Stadt verkauft wurde, lag im niedrigen zweistelligen Bereich.

Jung beurlaubte daraufhin mehrere Mitarbeiter des Rechtsamts. Außerdem richtete er das Sonderprojekt „Gesetzliche Vertretungen“ ein, das alle Vorgänge zu Verkäufen vermeintlich herrenloser Immobilien aufarbeiten sollte. Als neutrale Vertrauensperson für Besitzer unrechtmäßig verkaufter Immobilien wurde Eckart Hien berufen, der frühere Präsident des Bundesverwaltungsgerichts.

Nach Angaben des Artikels wurden Betroffene bereits von der Stadtverwaltung entschädigt. Die Einnahmen aus den Verkäufen flossen nicht in den städtischen Haushalt, sondern wurden auf Verwahrkonten gebucht, weil sie weiterhin den bislang unbekannten Eigentümern zustanden.

Privates und Veröffentlichungen

Burkhard Jung lebt in Leipzig-Holzhausen. Er war in erster Ehe 34 Jahre mit Juliane Kirchner-Jung verheiratet. Das Paar hat vier erwachsene Kinder, darunter die 1981 geborene Schauspielerin Alissa Jung, sowie drei Enkel. 2014 kam es zur Trennung, 2015 zur Scheidung. Seit 2014 ist Ayleena Jung, vormals Wagner, seine Lebensgefährtin; im September 2016 heirateten sie standesamtlich und kirchlich in Leipzig. Im Dezember 2018 wurden sie Eltern einer Tochter.

Jungs Veröffentlichungen stammen vor allem aus den Bereichen Pädagogik und Politik. Zu den pädagogischen Arbeiten gehören Texte zur Unterrichtserneuerung, Beiträge zu evangelischen Schulen, Buchempfehlungen für ein gymnasiales Lesewerk sowie Herausgaben zum Evangelischen Schulzentrum Leipzig und zu Glaubensfragen. Politisch veröffentlichte er unter anderem ein Vorwort zu einem Band über rechtsextreme Jugend, einen Beitrag über Leipzig als Sportstadt und 2026 einen Gastbeitrag zur Vorstellung Leipzigs im Jahr 2040.

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