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Bundesamt für Informatik und Telekommunikation

Mit dem Projekt NOVE-IT (2000 – 2004) wurde die gesamte Informatik der Bundesverwaltung einer Restrukturierung unterzogen, was einerseits eine Trennung …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Bedeutung
  2. 2. Finanzierung und heutige Struktur
  3. 3. Entwicklung zum zentralen IT-Dienstleister
  4. 4. Leitung und wichtige Vorhaben seit 1999
  5. 5. Rechtsgrundlagen, Sicherheit und Standorte

Aufgabe und Bedeutung

Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) ist eine Bundesbehörde der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) unterstellt. Es stellt Informatik- und Telekommunikationsleistungen für die Bundesverwaltung bereit. Seine Aufgabe ist, Geschäftsprozesse der Leistungsbezüger zu unterstützen sowie Informatikmittel und Daten zu schützen. Dabei hält es die Vorgaben des Informatikrates des Bundes (IRB) ein und soll seine Mittel wirtschaftlich und wirksam einsetzen. Nach den Vorgaben der Finanzhaushaltgesetzgebung darf es Leistungen auch für Dritte erbringen.

Mit über 1600 Vollzeitstellen ist das BIT der grösste interne IKT-Leistungserbringer der Bundesverwaltung. IKT bedeutet Informations- und Kommunikationstechnologie. Weitere interne Leistungserbringer bestehen neben dem Bundesamt für Cybersicherheit in drei Departementen: ISC-EJPD, ISCeco und IT EDA.

Das BIT erbringt Standarddienste für die ganze Bundesverwaltung, besonders in Telekommunikation, Internet, betriebswirtschaftlichen Lösungen und operativer Sicherheit. Für drei Departemente betreibt es Rechenzentren und Fachanwendungen. Für sechs Departemente sowie die Bundeskanzlei bewirtschaftet es über 50 000 standardisierte Arbeitsplatzsysteme. Ausserdem betreibt es für die gesamte Bundesverwaltung Datennetze und Telekommunikationsinfrastrukturen; damit ermöglicht es die Kommunikation zwischen Bundesstellen im In- und Ausland.

Strategisch setzt das BIT auf Industrialisierung und Standardisierung der IT-Produktion, eine skalierbare Software-Fabrik und Dienstleistungen mit Mehrwert. Es will zugleich als IT-Arbeitgeber und als Partner der öffentlichen Verwaltung attraktiver werden.

Finanzierung und heutige Struktur

Das BIT verrechnet seinen Leistungsbezügern nach einem Verrechnungspreiskonzept sämtliche Kosten der Leistungserbringung. 2025 erzielte es Einnahmen von 887 Millionen Franken: 604 Millionen Franken entfielen auf IKT-Betriebskosten der Leistungsgruppe 1 (LG1), 283 Millionen Franken auf IKT-Projekte und -Dienstleistungen der Leistungsgruppe 2 (LG2).

Die laufenden Einnahmen bestanden vor allem aus der internen Leistungsverrechnung an Verwaltungseinheiten der zentralen Bundesverwaltung: 827,9 Millionen Franken für Büroautomation, Kommunikation über Netzwerk und Telefonie, Berechtigungen und Zugänge sowie den Betrieb von mehreren hundert Anwendungen. Leistungen für Dritte ausserhalb der zentralen Bundesverwaltung brachten 58,8 Millionen Franken ein. Insgesamt lagen die laufenden Einnahmen 147,5 Millionen Franken über dem Voranschlag 2025.

Das BIT gliedert sich in fünf Hauptabteilungen: Business Solutions (BS), Platform Services (PS), Defence Platform (DP), Domestic Services (DO) und Strategy & Resources (SR). Die organisatorischen Regeln stehen in der BIT-Geschäftsordnung und werden bei Bedarf aktualisiert. Direktor ist Dirk Lindemann, sein Stellvertreter Philippe Voirol. Als Personalstand werden rund 1'700 interne Mitarbeitende am 29. Dezember 2023 und 1'663 Vollzeitstellen für 2026 genannt.

Entwicklung zum zentralen IT-Dienstleister

Die Vorläuferorganisationen entstanden aus Rationalisierungsbestrebungen nach dem starken Wachstum der Bundesverwaltung im Zweiten Weltkrieg. 1954 schufen die eidgenössischen Räte die Zentralstelle für Organisationsfragen der Bundesverwaltung (ZOB) im Finanz- und Zolldepartement. Sie sollte Organisation und Arbeitsweise der Bundesverwaltung auf Zweckmässigkeit, Wirksamkeit und Sparsamkeit prüfen. Ein Bundesratsbeschluss vom 16. Dezember 1960 ergänzte ihre Aufgaben um die Koordination der Automation und schuf eine Koordinationsstelle für Automation.

Der IT-Bedarf nahm rasch zu: Die Ausgaben für EDV-Geräte stiegen von rund 10 Millionen Franken 1963 auf rund 30 Millionen 1968, rund 140 Millionen 1973 und rund 214 Millionen Franken 1978. EDV bezeichnet elektronische Datenverarbeitung. 1980 wurde die ZOB zum Bundesamt für Organisation (BFO). Dieses sollte die automatische Datenverarbeitung fördern, koordinieren und überwachen sowie die Gesamtplanung sicherstellen. Es durfte fachtechnische Weisungen zum wirtschaftlichen Einsatz der Mittel erlassen; Beschaffung und Verwendung entsprechender Einrichtungen brauchten weiterhin seine Zustimmung.

1990 wurde das BFO im Projekt EFFI-QM-BV aufgelöst und durch das Bundesamt für Informatik (BfI) ersetzt. Hintergrund waren neue Führungsstrukturen nach New Public Management und die Trennung von Beratung und Kontrolle. Das BfI bearbeitete departementsübergreifende Informatikfragen, war für Anwendungen mit mehreren Departementen verantwortlich, beriet Verwaltungseinheiten, entwickelte Standards und Normen mit der Informatik-Konferenz des Bundes und stellte Infrastruktur, Anwendungen sowie Dienstleistungen bereit.

Die Reorganisation von 2000 definierte drei Rollen: Der IRB sollte die strategische Gesamtverantwortung tragen; Leistungsbezüger (LB) bezogen Informatikleistungen; Leistungserbringer (LE) stellten Infrastruktur, Lösungen und Support zur Verfügung. Pro Departement war höchstens ein LE vorgesehen. Aus dem BfI entstand das BIT, das bestimmte Querschnittsleistungen zentral für alle Departemente erbringen sollte: zivile Daten- und Sprachkommunikation, Internet und Intranet, Querschnittsanwendungen, Beratung, Konzeption, Betrieb, Support, Kurse, Interoperabilität und Katastrophenvorsorge. Rechenzentren wurden zusammengeführt; zudem entstanden ein SAP-Kompetenzzentrum und eine Abteilung für Anwendungsentwicklung.

Leitung und wichtige Vorhaben seit 1999

Das BIT wurde am 1. Juli 1999 gegründet. Unter dem ersten Direktor Marius Redli wurde mit NOVE-IT (2000–2004) die Informatik der Bundesverwaltung neu strukturiert. Die Trennung von LB und LE wurde umgesetzt, fünf Rechenzentren von BIT, EFV, ESTV, EZV und ZAS wurden zusammengeführt und die Infrastruktur harmonisiert. Das BIT übernahm schrittweise weitere Leistungen: 2003 für das UVEK, 2007 für das EDI sowie die Büroautomation für das EJPD. Seine Mitarbeitendenzahl stieg von 230 bei der Gründung auf 1200. Seit 2003 steht es im Wettbewerb mit Dritten; seit 2007 wird es als FLAG-Amt mit Leistungsauftrag des Bundesrats und Globalbudget geführt.

Giovanni Conti leitete das BIT von 2011 bis 2019. Er startete eine Reorganisation für mehr Kundenorientierung und bessere Zusammenarbeit der vier historisch gewachsenen Bereiche. Im November 2011 stoppte er das gemeinsam mit Microsoft entwickelte Projekt «Gever Office», das bereits mehrere Millionen Franken gekostet hatte. Das Arbeitsverhältnis wurde wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Weiterentwicklung des BIT Mitte Juni 2019 aufgelöst.

Dirk Lindemann übernahm die Leitung im Juni 2019 zunächst interimistisch und wurde im November 2019 definitiv Direktor. Mit dem Programm «midar» wurde die agile Transformation begonnen; die Geschäftsleitung wurde von acht auf fünf Hauptabteilungen verkleinert. Das BIT entwickelte das EU-kompatible Schweizer Covid-Zertifikat innerhalb weniger Wochen.

Zu den weiteren Schlüsselprojekten zählen GEVER, DaziT, SUPERB, Container Application Environment (CAE) mit Red Hat OpenShift, E-ID, Swiss Government Cloud (SGC) und die Einführung von Microsoft 365. 2023 integrierte das Projekt RUVER 340 Mitarbeitende und 500 Fachanwendungen der früheren Führungsunterstützungsbasis (FUB) ins BIT. Ein 2025 gestartetes Pilotprojekt für einen auf einem Open-Source-Large-Language-Model beruhenden BIT AI Assistant soll ab 2026 unter dem Namen «Koby» als Service verfügbar sein. Es läuft auf eigener Infrastruktur in einer besonders gesicherten Umgebung in den BIT-Rechenzentren.

Seit Ende 2025 gelten Leitlinien zur digitalen Souveränität, also zur Kontroll- und Handlungsfähigkeit der Schweiz im digitalen Raum für die Erfüllung staatlicher Aufgaben. Daten, technische Komponenten und rechtliche Rahmenbedingungen sollen dabei systematisch in Risikobeurteilungen von IT-Vorhaben einfliessen. Das BIT setzt dafür auch auf Open-Source-Technologien und offene Standards zur Interoperabilität, etwa bei der E-ID. Es arbeitet zudem am Ersatz heutiger Verschlüsselungsverfahren durch quantensichere Verfahren, weil Quantencomputer klassische Verschlüsselungsmethoden künftig gefährden können.

Rechtsgrundlagen, Sicherheit und Standorte

Rechtliche Grundlagen sind die Änderung der Verordnung über die digitalen Dienste und die digitale Transformation in der Bundesverwaltung (Digitalisierungsverordnung, DigiV) vom 2. April 2025 sowie die Artikel 16 bis 18 der Organisationsverordnung für das Eidgenössische Finanzdepartement vom 17. Februar 2010.

Anfang März 2021 wurde das BIT von der Schweizerischen Vereinigung für Qualitäts- und Managementsysteme (SQS) nach ISO/IEC 27001:2013 zertifiziert und mehrfach rezertifiziert. Diese Norm betrifft Managementsysteme für Informationssicherheit.

Der Hauptsitz lag ab Mai 1998 im Berner Monbijouquartier im Verwaltungsgebäude «Titanic II». Seit 2021 befindet er sich auf dem Campus Meielen in Zollikofen, Eichenweg 1 und 3. Durch Neubauten wurden frühere sieben Aussenstellen auf einen Standort mit zwei Gebäuden verringert. Seit dem 2. März 2020 betreibt das BIT den zivilen Bereich des gemeinsam mit dem Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport betriebenen Rechenzentrums Frauenfeld; unter anderem laufen dort Server des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) prüfte das BIT unter anderem zu Beschaffungen, dem Reorganisationsprojekt «ON BIT», der Migration des Rechenzentrums CAMPUS, der Integration des FUB-Betriebs, Künstlicher Intelligenz, der Swiss Government Cloud, SUPERB, E-ID, dem IKT-Kostenverrechnungsmodell und iTASK Gruppe Verteidigung.

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