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Briefformen und Grußformeln in der spanischen Sprache

Ein Brief im klassischen Sinne ist ein Schreiben, mit einer auf Papier festgehaltenen Nachricht, die meist von einem Boten überbracht (Postgeschichte …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Aufbau des Briefes
  2. 2. Anrede und Anschrift
  3. 3. Briefgestaltung und Briefanfänge
  4. 4. Grußformeln nach Nähe und Rang
  5. 5. Schlussformeln und elektronische Nachrichten
  6. 6. Bewerbungen, Anlagen und spezielle Briefformen

Grundlagen und Aufbau des Briefes

Eine Grußformel, spanisch fórmula de saludo, ist eine verschriftlichte Form der Anrede, salutación. Sie erscheint als Grußformel, fórmula de salutación, am Anfang und als Schlussformel, fórmula de despedida, am Ende eines Schreibens. In Briefen, E-Mails und anderen Korrespondenzformen sind solche Wendungen häufig kodifiziert, standardisiert und an bestimmte Höflichkeitsregeln gebunden.

Ein klassischer Brief, carta, ist eine meist auf Papier festgehaltene persönliche Nachricht, die üblicherweise durch einen Boten überbracht wird. Im Sender-Empfänger-Modell von Claude Shannon und Warren Weaver bildet der Brief das Kommunikationsmittel beziehungsweise den Kanal zwischen Informationsquelle, Sender, Signal, Empfänger und Adressat. Für seine Verwendung sind Schreib- und Lesekompetenz, geschriebene Sprache und eine entsprechende Logistik notwendig. Handschriftliches Schreiben, Chirografie, setzt ein Schreibgerät und das Aufbringen von Schriftzeichen, Grapheme, auf einen beschreibbaren Untergrund voraus.

Ein Brief gehört als verschriftlichte Textsorte zu einer Gruppe von Texten mit bestimmten Merkmalen. Typischerweise enthält er Ort und Datum, die Empfängeranschrift, eine Anrede, den eigentlichen Brieftext, eine Schlussformel und eine Unterschrift. Der Briefumschlag trägt normalerweise Absender, Empfängeranschrift und bei Versand eine Freimachung. Die verwendeten sprachlichen Mittel richten sich nach dem Texttyp, etwa Privatbrief, E-Mail, Geschäftsbrief oder Bewerbung.

Anrede und Anschrift

Die allgemeine zeitgemäße Anrede lautet Señora, abgekürzt Sra., für eine Frau und Señor, abgekürzt Sr., für einen Mann. Im Plural stehen Señoras, Sras., und Señores, Sres. Üblicherweise folgt auf Señora oder Señor der erste Nachname. Ein spanischer Personenname besteht meist aus einem oder mehreren Vornamen und zwei Nachnamen: Der erste Nachname stammt traditionell von der väterlichen, der zweite von der mütterlichen Familienseite. Gelegentlich werden Nachnamen mit y verbunden, besonders in Adelsnamen. Beispiele sind Juana Inés Sánchez y González mit der Anrede Sra. Sánchez und Silvio Antonio José Báez y Ortega mit der Anrede Sr. Báez.

Bei einer Eheschließung kann sich Juana Inés Sánchez als Juana Inés Báez y Sánchez eintragen lassen. Eine mögliche Anrede lautet dann Sra. de Báez oder Sra. Báez Sánchez. Don beziehungsweise Doña zusammen mit dem Vornamen gilt als besonders respektvoll; genaue allgemeine Regeln für diesen Gebrauch sind jedoch schwer anzugeben. Señorita gilt heute gemeinhin als antiquiert und entspricht ungefähr dem deutschen „Fräulein“. Señorito kann zusätzlich abwertende Bedeutungen tragen und einen jungen Mann aus privilegiertem Umfeld bezeichnen.

Eine Postanschrift, dirección de correo o postal, bezeichnet das Ziel einer Postsendung. Sie kann ein Postfach, apartado de correos o postal, oder eine physische Adresse mit Briefkasten sein. Mindestens erforderlich sind der Name des Empfängers und eine genaue Ortsangabe. Das spanische Postleitzahlensystem besteht seit den 1980er Jahren aus fünf Ziffern: Die ersten beiden bezeichnen die Zielprovinz, die letzten drei den Ort oder Postbezirk. Ein typisches Format umfasst Empfänger, Straße und Hausnummer, Ort oder Stadtteil sowie código postal und Land.

Wichtige Abkürzungen sind apdo. oder aptdo. für apartado de correos, Av. oder Avda. für avenida, c/ für calle, crta. für carretera, P/ oder P.o für paseo, Pl. oder Pza. für plaza, Rbla. für rambla und s/n.o für sin número. Die Betreffzeile beginnt mit asunto, zum Beispiel: „Asunto: petición de catálogo, precios y condiciones.“

Briefgestaltung und Briefanfänge

In spanischen Briefen steht der Briefkopf des Absenders gewöhnlich oben rechts. Das Datum wird ebenfalls rechts und mit genügend Abstand zur Anschrift notiert. Datumszahlen erhalten nie einen Punkt. Ausgeschriebene Monatsnamen werden kleingeschrieben, abgekürzte Monatsnamen groß: „23 de mayo de 1912“ und „Verdún, 27 de Nov. de 1916“.

Geschäftsbriefe enthalten meist Ort und Datum, Empfängername, Betreffzeile, Begrüßung, Brieftext, Abschlussformel und Unterschrift. Unter dem Briefkopf kann eine Bezugszeichenzeile, línea de referencia, stehen. Sie ordnet den Schriftwechsel und kann Geschäfts- oder Aktenzeichen, Daten, Bearbeiter oder Telefonnummern enthalten. s/ref. bedeutet su referencia, also „Ihre Referenz“ beziehungsweise „Ihr Zeichen“; n/ref. steht für nuestra referencia, „unsere Referenz“ beziehungsweise „unser Zeichen“. Unter dieser Zeile folgt links der Betreff, asunto.

Eine Grußformel ist eine häufig feste Wortverbindung am Anfang eines Briefes oder einer E-Mail. Sie wird im Spanischen mit einem Doppelpunkt abgeschlossen; der folgende Brieftext beginnt mit einem Großbuchstaben. Ausgeschriebene Anreden werden kleingeschrieben, abgekürzte groß. Bei der persönlichen Briefanrede wird der Titel vor dem Namen weggelassen, weil akademische Titel in Spanien nicht Bestandteil des Familiennamens sind. In spanischsprachigen Regionen Lateinamerikas werden Titel wie licenciado, diplomado oder doctor eher verwendet, meist in abgekürzter Form.

Grußformeln nach Nähe und Rang

Im vertrauten oder familiären Rahmen sind unter anderem folgende Anreden üblich: „¡Hola (nombre)!“, „Querida Juana“, „Mi querido Juan“, „Querido amigo“ und „Mi más querido amigo“. Estimado amigo beziehungsweise Estimada amiga ist etwas formeller; Estimado (nombre) kommt auch in Geschäftse-Mails vor. Als häufige informelle E-Mail-Anrede genügt „Hola“.

Im formellen Rahmen stehen beispielsweise „Señor“, „Señora“, „Señores“ und „Señoras“, „Distinguido señor“ beziehungsweise „Distinguida señora“, „Muy señor mío“, „Muy señora mía“, „Estimados señores y señoras“, „Apreciado Sr. Pérez y Robles“ oder „Buenos días (nombre)“. Auch Wendungen wie „Me dirijo...“ und „Señor Presidente, me dirijo a usted“ können den Brief eröffnen. Für formelle E-Mails werden unter anderem „Estimado Sr. o Sra.“, „Estimado Señor o Señora“ und „Hola, buenos días“ verwendet.

Für gesellschaftliche Eliten und religiöse Würdenträger existieren traditionelle Anredeformen. Dazu gehören „Vuestra Majestad“, „Su Alteza Real“, „Excelentísimo Señor“ beziehungsweise „Su Excelencia“, „Su Alteza Serenísima“, „Ilustrísimo Señor“ und „Vuestra Merced“. Im katholischen und evangelischen Kontext finden sich unter anderem „Su Santidad“ und „Al Santo Padre“ für den Papst, „Eminentísimo y Reverendísimo“ für Kardinäle, „Excelentísimo y Reverendísimo“ für Erzbischöfe, „Reverendo Padre“ für einen Abt, „Reverenda Madre“ für eine Äbtissin, „Reverendo“ für einen Pfarrer, „Reverenda“ für eine Pastorin, „Diácono“ für einen Diakon und „Hermana“ für eine Ordensschwester.

Schlussformeln und elektronische Nachrichten

Die Schlussformel richtet sich vor allem nach der Nähe zum Adressaten. In formellen Schreiben gelten längere und ausführlichere Satzkonstruktionen als höflicher. Ist die Schlussformel ein vollständiger Satz, endet sie mit einem Punkt; besteht sie nur aus einer nicht vollständigen Formulierung, steht am Ende ein Komma.

Informelle Schlussformeln sind beispielsweise „Abrazos“, „Un fuerte abrazo“, „Cariñosos saludos“, „Besos“, „Muchos besos“, „Besos y abrazos“, „¡Hasta pronto!“, „¡Que vaya bien!“, „Saludos afectuosos“, „Un abrazo“, „Mis mejores deseos“, „Te echo de menos“, „Afectuosamente“, „Con todo mi cariño“ und „Con todo mi afecto“.

Formelle Wendungen lauten unter anderem „Atentamente“, „Cordialmente“, „Sinceramente suyo“, „Saludos cordiales“, „Les saluda atentamente“, „Respetuosamente“, „Un cordial saludo“, „Se despide atentamente“, „Agradeciendo de antemano su atención“, „Sin otro particular“, „Quedo a la espera de sus noticias“ und „Quedo a la espera de tu/su respuesta“. Sehr formelle, teilweise antiquierte Formeln enthalten etwa „Suyo af.mo q.b.s.m.“ für „que besa su mano“, „Suyo af.mo q.b.s.p.“ für „que besa su pies“, „s.s.s.“ für „su seguro servidor“, „q.D.g.“ für „que Dios guarde“, „b.l.m.“ für „besa la mano“ und „b.l.p.“ für „besa los pies“.

P.P. für por orden und P.A. für por autorización vor einer Unterschrift zeigen an, dass jemand befugt ist, im Namen einer anderen Person zu unterschreiben. Für E-Mails ist ein E-Mail-Konto mit einer virtuellen Mailbox erforderlich. Eine Adresse wie „[email protected]“ besteht aus lokalem Teil, Trennzeichen @, arroba, und Domänenteil. Die Nachrichten werden über Netzwerkdienste versendet; genannt werden SMTP und POP3. Formelle E-Mail-Schlüsse sind „Atentamente“, „Le saluda cordialmente“, „Respetuosamente“ und „Saludos“.

Bewerbungen, Anlagen und spezielle Briefformen

Spanische Bewerbungen bestehen aus Anschreiben und Lebenslauf. Das Anschreiben, carta de candidatura, carta de presentación oder carta de solicitud, soll kurz sein und Motivation, Kenntnisse, Fähigkeiten und berufliches Ziel erkennen lassen. Arbeits- oder Praktikumszeugnisse sowie Referenzen werden nur beigefügt, wenn die Stellenausschreibung oder der Arbeitgeber dies ausdrücklich verlangt. Mehrmalige Bewerbungsgespräche sind üblich. Bei bekanntem Ansprechpartner lauten mögliche Anreden „Estimado Sr. Ramón Vázquez Rosas“ oder „Estimada Sra. María Auxiliadora Delgado“; ein Titel wird nicht verwendet. Ist der Ansprechpartner unbekannt, schreibt man „Estimados señores y señoras“. Obligatorische Schlussformeln sind beispielsweise „Un cordial saludo de“, „Les saluda atentamente y espera sus prontas noticias“ und „Reciba un cordial saludo“. Das Anschreiben wird handschriftlich unterschrieben; die Absenderadresse steht zwischen Schlussformel und Unterschrift.

Der Lebenslauf, currículo oder hoja de vida, ist knapp und meist tabellarisch sowie chronologisch aufgebaut. Er enthält persönliche Daten, Adresse, Telefon- und E-Mail-Adresse, Geburtsdatum und -ort, Familienstand und Kinderzahl, DNIe- und Steuernummer, berufliche Ziele, berufliche Erfahrungen mit Zeitangaben, Ausbildung, praktische Erfahrungen, Sprach- und Computerkenntnisse sowie sonstige Angaben. Am Ende stehen Datum und Unterschrift.

Anlagen werden unten links unter „Anexos“ angegeben, etwa „Anexo № 1: plan detallado de construcción“. Ein Postskriptum, P.D. oder P.S., ist ein meist ausführlicherer zusätzlicher Text und kommt eher in privater als in geschäftlicher Korrespondenz vor. N.B. steht für nota bene und hebt einen bereits angesprochenen Inhalt nochmals hervor. Kosenamen wie „mi amor“, „amorcito“, „mi corazón“, „cariño“, „tesoro“ und „mi cielo“ werden in engen Beziehungen verwendet.

Ein Arztbrief, carta médica beziehungsweise informe de alta médica oder Epikrise, dokumentiert einen Behandlungsfall für andere behandelnde Ärzte. Er gibt überprüfbar und sachlich Identität, Konsultationsgrund, Untersuchungen, Diagnosen, Maßnahmen, Verlauf und weiteres Vorgehen an. Er reicht von der Aufnahme bis zur Entlassung; der Aufbau kann dem Trichter- oder Pyramidenprinzip folgen. In Spanien ist er durch Ley 41/2002 vom 14. November zur Patientenautonomie sowie zu medizinischer Information und Dokumentation geregelt. Ein Geschäftsbrief, carta comercial, dokumentiert wirtschaftliche Transaktionen und rechtliche Inhalte zwischen Geschäftspartnern, Unternehmen und Privatpersonen; sein Briefkopf steht meist oben in der Mitte oder links. Eine anwaltliche Benachrichtigung, notificación de un abogado, teilt eine gerichtliche Entscheidung mit und ermöglicht der betroffenen Person, im Verfahren zu handeln. Ein Telegramm, telegrama, ist schließlich eine verkürzte, über akustische, optische oder elektrische Geräte übermittelte Nachricht, die meist als Papierausdruck empfangen wurde.

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