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Blaise Pascal

Pascalsches Dreieck. Jede Zahl ist die Summe der beiden direkt darüberliegenden. Binomialkoeffizient. Im Umfeld von Port-Royal. Bearbeiten. Im Herbst 1654 …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lebensweg
  2. 2. Naturwissenschaft und Mathematik
  3. 3. Religion, Port-Royal und Streitschriften
  4. 4. Die Pensées
  5. 5. Tod, Nachwirkung und Namen

Bedeutung und Lebensweg

Blaise Pascal (* 19. Juni 1623 in Clermont-Ferrand; † 19. August 1662 in Paris) war ein französischer Mathematiker, Physiker, Literat, Erfinder und christlicher Philosoph. Er ist wichtig, weil er in mehreren Bereichen grundlegende Beiträge leistete: in der Geometrie, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Physik des Luftdrucks und Vakuums, Technikgeschichte durch eine frühe Rechenmaschine sowie in der christlichen Philosophie durch die Pensées und die Pascalsche Wette.

Pascal wuchs in einer gebildeten Familie auf. Seine Mutter Antoinette Begon starb früh, sein Vater Étienne Pascal unterrichtete ihn selbst und förderte sein mathematisches Talent. Schon mit zwölf Jahren zeigte Pascal außergewöhnliche Begabung; mit 16 beeindruckte er Gelehrte mit einer Arbeit über Kegelschnitte, woraus der Satz von Pascal bekannt wurde.

1640 zog die Familie nach Rouen, wo der Vater als königlicher Kommissar und oberster Steuereinnehmer arbeitete. Pascal erfand dort 1642 eine mechanische Rechenmaschine, die später Pascaline genannt wurde. Sie konnte zunächst addieren und später auch subtrahieren. Sie arbeitete mit Zahnrädern und gilt als eine der ältesten Rechenmaschinen. Wirtschaftlich hatte die Erfindung wenig Erfolg, weil die handgefertigten Maschinen zu teuer waren.

Naturwissenschaft und Mathematik

Pascal beschäftigte sich intensiv mit naturwissenschaftlichen Fragen. 1646 wiederholte er erfolgreich Versuche von Evangelista Torricelli zum Nachweis des Vakuums. Das Vakuum galt vielen damals als unmöglich. Pascal veröffentlichte 1647 seine Ergebnisse in der Abhandlung Traité sur le vide. Später untersuchte er den Luftdruck. 1648 ließ er durch seinen Schwager Florin Périer auf dem 1465 Meter hohen Puy de Dôme messen, dass der Luftdruck von der Höhe abhängt. Ebenfalls 1648 begründete Pascal das Gesetz der kommunizierenden Röhren.

In der Mathematik arbeitete Pascal unter anderem zur Geometrie, Kombinatorik und Wahrscheinlichkeitsrechnung. 1653 wandte er sich durch Gespräche über Gewinnchancen im Glücksspiel der Wahrscheinlichkeitsrechnung zu. Im Austausch mit Pierre de Fermat untersuchte er vor allem Würfelspiele. 1654 veröffentlichte er mehrere mathematische Schriften, darunter den Traité du triangle arithmétique über das Pascalsche Dreieck und Binomialkoeffizienten. Darin formulierte er auch erstmals ausdrücklich das Beweisprinzip der vollständigen Induktion.

Später untersuchte Pascal die Zykloide, also eine Kurve, die durch einen Punkt auf einem rollenden Kreis entsteht. 1658 berechnete er die Fläche unter der Zykloide und das Volumen des Rotationskörpers, der bei Drehung der Zykloide um die x-Achse entsteht. Seine Schrift Traité des sinus des quarts de cercle von 1659 gab Gottfried Wilhelm Leibniz 1673 eine wichtige Anregung für die Entwicklung der Differential- und Integralrechnung.

Religion, Port-Royal und Streitschriften

Ab 1646 kam Pascal mit dem Jansenismus in Berührung, einer katholischen Richtung, die sich stark auf Augustinus bezog und eine strenge Gnadenlehre vertrat. Nach einem religiösen Erweckungserlebnis am 23. November 1654, das er im sogenannten Mémorial festhielt, zog er sich weitgehend aus der Pariser Gesellschaft zurück. Er suchte die Nähe der jansenistischen Gelehrten und Theologen im Umfeld von Port-Royal.

Pascal vertrat in seinen Écrits sur la grâce von 1657 eine streng monergistische Gnadenlehre. Das bedeutet: Der Mensch kann nach dieser Auffassung das Heil nicht aus eigener Kraft ergreifen; jede echte Zustimmung zur Gnade ist selbst schon Wirkung der Gnade Gottes. Zugleich betonte Pascal den augustinischen Gedanken, dass Gott den Menschen nicht gegen dessen Willen rettet.

Im Streit zwischen Jansenisten und Jesuiten schrieb Pascal 1656/57 die anonymen Lettres provinciales, achtzehn satirisch-polemische Briefe. Darin kritisierte er besonders die Kasuistik der Jesuiten, also eine Art moraltheologischer Einzelfallentscheidung, die er als spitzfindig und opportunistisch darstellte. Die Briefe wurden verboten, kamen auf den Index und wurden 1660 sogar vom Henker verbrannt. Trotzdem hatten sie großen Erfolg und gelten wegen Klarheit und Präzision als Meisterwerk französischer Prosa.

Die Pensées

Die Pensées sind Pascals berühmtestes philosophisch-religiöses Werk. Pascal plante eine große Apologie des Christentums, also eine Verteidigung des christlichen Glaubens, konnte sie aber wegen seines frühen Todes nicht vollenden. Er hinterließ rund 1000 Notizzettel in rund 60 Bündeln. 1670 veröffentlichten jansenistische Freunde daraus eine Ausgabe unter dem Titel Pensées sur la religion et sur quelques autres sujets.

Die Überlieferung ist schwierig, weil die erste Ausgabe den Text kürzte und neu ordnete. Im 19. und 20. Jahrhundert versuchten Herausgeber, den ursprünglichen Zustand und Pascals Ordnungsabsichten genauer zu rekonstruieren. Moderne Ausgaben stützen sich stärker auf die erhaltenen Zettel und frühe Abschriften. Offen bleibt, wie das Werk ausgesehen hätte, wenn Pascal es selbst vollendet hätte.

Inhaltlich sollte die Apologie nach Pascals Plan zwei große Teile haben: „Erster Teil: Elend des Menschen ohne Gott. Zweiter Teil. Glückseligkeit des Menschen mit Gott“. Pascal beschreibt zuerst die menschliche Lage: Nichtigkeit, Elend, Langeweile, Gegensätze und Zerstreuung. Mit Zerstreuung meint er Ablenkungen, durch die Menschen vermeiden, über Tod, Elend und ihre wirkliche Lage nachzudenken. Danach führt die Argumentation zum Christentum als Auflösung dieser Widersprüche.

Berühmt ist auch die Pascalsche Wette. Sie argumentiert, dass der Glaube an Gott vernünftig sei: „Wenn Ihr gewinnt, so gewinnt Ihr alles, und wenn Ihr verliert, so verliert Ihr nichts“ (Laf. 418). Nach Pascal beweist ein solches Argument den Glauben nicht direkt, kann aber ein „Werkzeug“ der Gnade sein.

Tod, Nachwirkung und Namen

Pascals Gesundheit war zeitlebens schwach und verschlechterte sich in seinen letzten Jahren stark. 1662 verkaufte er seinen Hausstand zugunsten mildtätiger Zwecke. Er starb am 19. August 1662 in Paris im Alter von 39 Jahren und 2 Monaten. Seine letzten Worte sollen „Möge Gott mich niemals verlassen“ gewesen sein. Die genaue Todesursache wurde nie sicher bestimmt; genannt werden unter anderem Tuberkulose, Magenkrebs oder eine Kombination aus beiden. Seine sterblichen Überreste ruhen in der Kirche St-Étienne-du-Mont in Paris.

In der Rezeption wurde Pascal sowohl bewundert als auch scharf kritisiert. Er gilt bis heute als bedeutender christlicher Apologet und Vertreter einer tiefen christlichen Ethik. Kritiker wie Voltaire, Nietzsche oder Aldous Huxley setzten sich kritisch mit ihm auseinander. Nietzsche nannte ihn unter anderem „den bewunderungswürdige[n] Logiker des Christenthums“ und sah in ihm zugleich ein Beispiel für seine Kritik am Christentum.

Nach Pascal sind viele Begriffe benannt: in der Physik die Einheit Pascal für Druck, das Pascalsche Gesetz und das Pascalsche Paradoxon; in der Mathematik der Satz von Pascal, das Pascalsche Dreieck und die Pascal-Verteilung; in der Informatik die Pascaline sowie die Programmiersprachen Pascal und Object Pascal; in der Philosophie die Pascalsche Wette. Auch der Mondkrater Pascal und der Asteroid (4500) Pascal tragen seinen Namen.

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