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Bismarck (Adelsgeschlecht)
Bismarck ist der Name eines alten Adelsgeschlechts aus der Altmark, das im 13. Jahrhundert unter den Stadtgeschlechtern von Stendal erscheint.
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Ursprung und historische Entwicklung
Bismarck ist der Name eines alten Adelsgeschlechts aus der Altmark. Die Familie erscheint im 13. Jahrhundert unter den Stadtgeschlechtern von Stendal und wurde später mit Gütern im Umland belehnt. Ab Anfang des 18. Jahrhunderts entstand zusätzlich ein Besitzschwerpunkt in Pommern. Der bekannteste Vertreter ist Otto Fürst von Bismarck aus der Linie Schönhausen, der erste deutsche Reichskanzler.
Die Stammlinie lässt sich bis 1270 zurückverfolgen. Als erster Vertreter gilt Herebord von Bismarck, Vorsteher der Gewandschneider-Gilde und vermutlich Schultheiß von Stendal. Der Name bezog sich zunächst auf die Stadt Bismark in der Altmark und war eine bürgerliche Herkunftsbezeichnung. Herebords Urenkel Nicolaus von Bismarck, 1328 und 1377 erwähnt, war Stendaler Patrizier, Großkaufmann und Ratsherr. Er wirkte außerdem als erzbischöflich magdeburgischer Stifthauptmann sowie als brandenburgischer Rat und Hofmeister.
1345 wurde Nicolaus von Ludwig, dem Wittelsbacher Kurfürsten von Brandenburg, mit Schloss Burgstall belehnt. Die Familie verließ daraufhin Stendal und gehörte fortan zum Landadel. Zu Burgstall gehörten unter anderem Briest, Bindfelde und Döbbelin. Das Herrenhaus Briest wurde 1624 errichtet, das heutige Gutshaus Döbbelin 1736.
Im 14. und 15. Jahrhundert gehörten die Bismarcks zusammen mit sieben weiteren Familien zu den acht schlossgesessenen Geschlechtern der Altmark. Diese unterstanden unmittelbar dem Landeshauptmann und erhielten als zum Heeresstand gehörende Familien das Prädikat „Edle“.
1562 musste die Familie Burgstall samt Grundbesitz an die kurfürstliche Domänenkammer abtreten. Als Ersatz erhielt sie die säkularisierte Propstei Crevese sowie die östlich der Elbe gelegenen Ämter Schönhausen und Fischbeck. Dieser als „Permutationsvertrag“ bezeichnete Tausch führte zur Aufteilung in die Linien Crevese und Schönhausen. Friedrich von Bismarck war der einzige der beiden „Permutatoren“, der männliche Nachkommen hinterließ; er gilt daher als Stammvater aller heute lebenden Zweige.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Altmark schwer verwüstet. Christoph von Bismarck (1583–1655), Erbauer des Hauses Briest, dokumentierte die Ereignisse in einem Tagebuch. Der Krieg war beim Bau des Hauses 1624 noch nicht spürbar; Einquartierungen und Kontributionen begannen erst 1627.
August Friedrich von Bismarck erwarb 1725 Kniephof und Jarchlin sowie 1727 Külz in Hinterpommern. 1817 entstand durch die Heirat Theodor Alexanders von Bismarck mit Caroline Gräfin von Bohlen der Zweig Bismarck-Bohlen. 1818 wurde Theodor Alexander in den erblichen Grafenstand erhoben.
Stammlinien und bedeutende Zweige
Die Stendal-Burgstaller Stammlinie führt von Herbordus über mehrere Generationen zu Friedrich I. von Bismarck (1513–1589), der 1562 die Verhandlungen über den Tausch von Burgstall gegen Crevese und Schönhausen führte. Seine Söhne Pantaleon II. und Ludolf IV. begründeten die Linien Crevese und Schönhausen.
Zur Linie Crevese gehörten unter anderem Christoph II. von Bismarck, kurbrandenburgischer Kriegskommissar der Altmark, sowie Levin-Friedrich von Bismarck (1703–1774), preußischer Justizminister. Aus dieser Linie gingen vor allem die Zweige Briest und Döbbelin hervor. Das Haus Briest wurde von Levin-Friedrich begründet; zu seinen Nachkommen zählen der preußische Finanzminister August Wilhelm von Bismarck, der Politiker Wilhelm von Bismarck-Briest sowie mehrere Landräte, Offiziere und Gutsbesitzer. Friedrich von Bismarck und seine Frau Maren kauften den Familiensitz Briest 1997 zurück. Ulrich-Achatz von Bismarck (* 1981) wird als derzeitiges Oberhaupt der gesamten Familie genannt.
Hans Christoph III. von Bismarck (1704–1773), Geheimer Justizrat und Chefpräsident des Stendaler Obergerichts, gilt als Stammvater des Hauses Döbbelin. Döbbelin war mit Unterbrechung während der DDR-Zeit von 1344 bis 1945 und seit 1991 im Familienbesitz. Alexander von Bismarck (* 1951) ist seit 1991 Besitzer von Gut Döbbelin.
Die Linie Schönhausen geht auf Ludolf IV. von Bismarck zurück. Zu ihr gehören die Familiengüter Schönhausen I und Schönhausen II sowie die späteren pommerschen Besitzungen. Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck (1771–1845) und Luise Wilhelmine Mencken waren die Eltern Otto von Bismarcks. Otto Fürst von Bismarck (1815–1898) wurde zum bedeutendsten Namensträger der Familie. Weitere Vertreter der Linie waren unter anderem Herbert Fürst von Bismarck, Staatssekretär, Wilhelm Graf von Bismarck-Schönhausen, Oberpräsident von Ostpreußen, sowie Klaus von Bismarck, Intendant des Westdeutschen Rundfunks von 1961 bis 1976.
Der Zweig Bismarck-Bohlen entstand aus der Ehe Theodor von Bismarck-Bohlens mit Caroline Gräfin von Bohlen. Theodor war königlich-preußischer Generalleutnant und ab 1818 Graf von Bismarck-Bohlen; zu den Nachkommen zählen Friedrich Alexander Graf von Bismarck-Bohlen, Friedrich Karl Graf von Bismarck-Bohlen und Fritz Ulrich Graf von Bismarck-Bohlen.
Der Zweig Bismarck-Osten geht auf Philipp von Bismarcks Ehe mit Elisabeth Gräfin von der Osten zurück. Ihr Sohn Karl Bernhard Graf von Bismarck-Osten war Herr auf Plathe in Hinterpommern.
Standeserhöhungen und Otto von Bismarck
Otto von Bismarck, Herr auf Schönhausen I und Kniephof, wurde 1865 in den preußischen Grafenstand erhoben. Der Titel „Graf von Bismarck-Schönhausen“ war unbeschränkt auf alle ehelichen Nachkommen im Mannesstamm vererblich.
Am 21. März 1871 und nochmals am 27. Januar 1872 erfolgte seine Erhebung in den preußischen Fürstenstand. Der Fürstentitel „von Bismarck“ war nach dem Recht der Primogenitur vererblich, also auf den jeweils erstgeborenen beziehungsweise zur Nachfolge bestimmten männlichen Nachkommen beschränkt. Die Anrede lautete „Durchlaucht“; das entsprechende Diplom wurde am 23. April 1873 in Berlin ausgestellt. 1890 erhielt Otto von Bismarck außerdem den Titel eines preußischen Herzogs von Lauenburg, allerdings nur persönlich.
Otto von Bismarck erhielt 1867 Varzin und 1871 den Sachsenwald östlich von Hamburg mit Friedrichsruh als Dotation. Friedrichsruh blieb Sitz der fürstlichen Linie Schönhausen. Jüngere Angehörige dieser Linie führen den Namen Graf oder Gräfin von Bismarck-Schönhausen; das Oberhaupt verwendet den Titel Fürst im gesellschaftlichen, nicht amtlichen Verkehr.
Güter und Besitzverluste
Der Besitz der Familie lag zunächst vor allem in der Altmark. Burgstall war von 1345 bis 1562 im Familienbesitz. Durch den Permutationsvertrag kamen 1562 Crevese, Schönhausen I und Schönhausen II hinzu. Weitere altmärkische Güter waren unter anderem Döbbelin, Briest, Uenglingen, Birkholz und Welle.
Ab 1725 erweiterten Kniephof und Jarchlin, ab 1727 Külz den Besitz in Hinterpommern. Später kamen unter anderem Karlsburg und Niederhof in Vorpommern, Lasbeck, Varzin, Reinfeld, Heydebreck, Plathe und Woblanse in Pommern sowie der Zehntenhof Schierstein in Hessen und Lilienhof in Baden hinzu. Friedrichsruh im Herzogtum Lauenburg gehört seit 1871 zur fürstlichen Linie; es war Teil der Dotation für Otto von Bismarck.
Durch Enteignungen im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone und durch die Vertreibung aus Hinterpommern verlor die Familie 1945 den größten Teil ihres Grundbesitzes. Erhalten blieb das westdeutsche Friedrichsruh mit dem Sachsenwald, obwohl das dortige Schloss im Krieg zerstört worden war. Schloss Schönhausen I, Otto von Bismarcks Geburtshaus, wurde 1958 auf Betreiben der DDR-Führung gesprengt.
Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurden wichtige Stammsitze zurückerworben: Briest befindet sich seit etwa 1997 wieder im Familienbesitz, Döbbelin seit 1991. Auch Welle wurde von verwandten Nachfahren zurückgekauft. Familienmitglieder erwarben außerdem neue Land- und Forstwirtschaftsbetriebe, darunter Gut Braunsroda in Thüringen.
Wappen und St.-Gertraud-Hospital
Das Stammwappen zeigt in Blau ein goldenes Kleeblatt, das mit drei silbernen Eichenblättern in der Anordnung 2:1 besteckt ist. Auf dem Helm mit blau-silbernen Decken befindet sich eine goldene Blätterkrone zwischen zwei übereck geteilten Büffelhörnern in Blau und Silber beziehungsweise Silber und Blau. Die Wappen einzelner Linien und später entstandene „gebesserte Wappen“ weichen davon teilweise ab. So zeigt das Wappensiegel Ludolfs von Bismarck von 1465 als Helmzier ein achtendiges Hirschgeweih. Eine Wappenform in der Klosterkirche Krevese verwendet Brennnessel- statt Eichenblätter.
1370 stiftete Nikolaus von Bismarck gemeinsam mit Johann und Burkhard Sweder das Sankt-Gertrud-Hospital vor dem Uenglinger Tor in Stendal. Es diente der Aufnahme armer Pilger und Reisender. Nikolaus, auch Klaus I. von Bismarck genannt, behielt sich und seinen Nachkommen das Patronat auf „ewige Zeit“ vor. Bis 1945 wurde das Hospital von den Gütern Briest, Welle und Schönhausen unterhalten.