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Bengt-Arne Wickström
Bengt-Arne Wickström machte sein Abitur 1967 an einem berühmten Internatsgymnasium in Sigtuna bei Stockholm. 1969 schloss er ein Studium der Physik und der …
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Überblick
Bengt-Arne Wickström (* 6. April 1948 in Borgsjö, Schweden) ist ein schwedischer Finanzwissenschaftler und Wissenschaftsmanager. Er wurde vor allem als Professor für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft bekannt. Von 1992 bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand 2013 lehrte er an der Humboldt-Universität zu Berlin und leitete dort das Institut für Finanzwissenschaft der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, an deren Aufbau er wesentlich beteiligt war.
Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in der Public-Choice-Theorie, also der ökonomischen Analyse politischer Entscheidungen, in der Bevölkerungsökonomie, der Wohlfahrtstheorie, der Theorie der Alterssicherung sowie im Gebiet „Ökonomie und Sprache“. Seit 2014 ist er Herder-Professor und seit 2016 Gastprofessor an der Andrássy-Universität Budapest.
Ausbildung und akademische Laufbahn
Wickström machte 1967 sein Abitur an einem Internatsgymnasium in Sigtuna bei Stockholm. Danach studierte er Physik und Mathematik am Bowdoin College in Brunswick im US-Bundesstaat Maine und schloss dieses Studium 1969 als Bachelor of Arts ab. An der Stony-Brook-Universität im Bundesstaat New York setzte er sein Physikstudium fort und erwarb 1970 den Master of Arts.
Anschließend studierte er an derselben Universität Volkswirtschaftslehre. 1973 erhielt er einen zweiten Mastertitel. 1975 promovierte er mit der Arbeit „An economic system with changeable preferences“ zum Doctor of Philosophy. Der deutsche Titel lautet „Ein Wirtschaftssystem mit veränderlichen Präferenzen“.
Lehre und Forschung
Nach einem Jahr als Lehrbeauftragter an der Northwestern University in Evanston, Illinois, ging Wickström 1976 als Professor an die Norwegische Wirtschaftshochschule in Bergen. Dort blieb er bis 1988 hauptberuflich und von 1988 bis 1992 nebenberuflich tätig. Seine Arbeit wurde durch Forschungsaufenthalte an der Universität Mannheim unterbrochen, die mit einem Alexander-von-Humboldt-Forschungsstipendium verbunden waren. 1986 wechselte er von der Norwegischen Wirtschaftshochschule an die Universität Bergen.
Ab 1988 war er ordentlicher Professor an der Johannes Kepler Universität Linz. 1992 übernahm er den Lehrstuhl für Finanzwissenschaft an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin und hatte ihn bis 2013 inne. Zusätzlich war er seit 2003 Lehrbeauftragter an der Universität Lucian Blaga Sibiu in Rumänien und seit 2007 Honorarprofessor der Universidad de La Habana in Kuba.
Zu seinen Lehrgebieten gehörten Finanzwissenschaft, Wohlfahrtstheorie, Theorie der Alterssicherung und „Ökonomie und Sprache“. Gastaufenthalte führten ihn zwischen 1995 und 2012 unter anderem nach Orléans, Stockholm, Bergen, München, Canberra, Paris, Haifa, Havanna, Ramat-Gan, Rom, Shanghai, Bozen und Wuhan.
Im Bereich „Ökonomie und Sprache“ untersuchte Wickström mit anderen Forschenden, wie ökonomische Methoden auf Sprachfragen angewendet werden können. Gemeinsam mit Michele Gazzola und Torsten Templin bildete er die Forschungsgruppe REAL. Sie organisierte Konferenzen und Symposien zu Sprachpolitik, Sprachgerechtigkeit, Sprachkenntnissen und sozialer Teilhabe. Von 2014 bis 2019 war die Gruppe an der Humboldt-Universität angesiedelt und Teil des EU-geförderten Projekts MIME („Mobilität und Inklusion in einem vielsprachigen Europa“); seit 2020 ist sie an der Ulster University angesiedelt.
Ämter und Redaktion
Wickström übernahm zahlreiche wissenschaftsorganisatorische Aufgaben. Im Verein für Socialpolitik war er seit 1988 in verschiedenen Funktionen tätig. Von 2001 bis 2005 war er Vorsitzender des Ausschusses für Bevölkerungsökonomie und von 2005 bis 2009 Vorsitzender des Finanzwissenschaftlichen Ausschusses.
Seit 1992 ist er Senator der Internationalen Akademie der Wissenschaften San Marino. Von 2001 bis 2003 war er Vizepräsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Dort trug er dazu bei, Forschungskooperationen mit Universitäten auszubauen, die Verbindung zur Berliner Wissenschaftsszene zu stärken und die internationale, besonders europäische Vernetzung zu erweitern.
Außerdem war er an mehreren wissenschaftlichen Tagungen organisatorisch beteiligt, etwa an der Jahrestagung der European Society for Population Economics 1992 in Gmunden, an der Jahrestagung der European Public Choice Society 2004 in Berlin und an einer Tagung der European Association for Research in Industrial Economics 2004 in Berlin. Als Redaktionsmitglied wirkte er beim „Journal of Population Economics“ von 1988 bis 2006 und bei „Public Choice“ von 1990 bis 2016 mit.
Sprache, Esperanto und Interlinguistik
Wickström beschäftigte sich privat und wissenschaftlich mit internationaler sprachlicher Kommunikation. Seine Kinder wuchsen mit Englisch, Schwedisch, Norwegisch und Deutsch auf; Wickström beherrscht außerdem Französisch und Spanisch. Daraus entwickelte sich sein Interesse an Mehrsprachigkeit, Sprachenlernen und Sprachgerechtigkeit.
Esperanto lernte und verwendete er bereits als Schüler in Schweden. In Norwegen und besonders nach seiner Teilnahme am Esperanto-Weltkongress in Warschau 1987 wurde er in der Esperanto-Bewegung aktiv. Seitdem nutzte er Esperanto für private und wissenschaftliche Kommunikation.
Er war Mitglied des Organisationskomitees der Esperanto-Weltkongresse in Bergen 1991 und Wien 1992. Von 1995 bis Mai 1999 leitete er als Vorsitzender des örtlichen Kongresskomitees die Vorbereitung des 84. Esperanto-Weltkongresses in Berlin 1999. Dieser Kongress stand unter der Schirmherrschaft des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog, hatte mehr als 2700 Teilnehmende aus 66 Ländern und behandelte das Thema „Globalisierung – eine Chance für den Frieden?“. In der Durchführungsphase koordinierte Wickström als Leiter des Kongresszentrums mehr als 190 Einzelveranstaltungen.
Seit 1993 ist Wickström Mitglied der Gesellschaft für Interlinguistik. Er hielt dort Vorträge zu „Ökonomie und Sprache“, Sprachplanung, Kosten sprachpolitischer Entscheidungen und Minderheitensprachenrechten. Diese Themen verbinden seine finanzwissenschaftliche Forschung mit Fragen der Sprachpolitik.
Persönliches und Veröffentlichungen
Wickström ist mit der US-amerikanischen Sprachlehrerin Judith Wickström-Haber verheiratet. Seit seiner Tätigkeit in Linz ist er österreichischer Staatsbürger. Seine Frau unterrichtet Englisch an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Er hat zwei erwachsene Kinder: David-Emil, geboren 1978 in Bergen, ist Professor an der Popakademie Baden-Württemberg; Anna-Laura, geboren 1980 in Bergen, ist promovierte Mathematikerin.
Seine Schriften zeigen die Breite seiner Forschung. Früh veröffentlichte er auch Arbeiten aus der Physik, etwa zu Sonnenbeobachtungen. In der Volkswirtschaftslehre schrieb er über Präferenzen, soziale Sicherung, Umverteilung, öffentliche Güter, politische Stabilität, natürliche Monopole, Fiskalpolitik, Alterssicherung und Gerechtigkeit zwischen Generationen. Ein weiterer großer Bereich betrifft Sprache: Dazu gehören Arbeiten über Sprachwahl, Zweisprachigkeit, Sprachrechte, Sprachgerechtigkeit, Minderheitensprachen und Sprachpolitik. Mehrere Veröffentlichungen entstanden gemeinsam mit Forschenden wie Michele Gazzola, Torsten Templin, François Grin und Sabrina Hahm.