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Bart
Biologie. Bearbeiten. Das Barthaar ist in der Regel ab der Pubertät des Mannes verbreitet und zählt somit zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen. Ausgelöst …
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Begriff und biologischer Bartwuchs
Ein Bart besteht aus Barthaaren, die zur menschlichen Körperbehaarung gehören. Ihre Wachstumszone liegt meist um Mund und Kinn, an Wangen sowie am vorderen Hals. Barthaare haben gewöhnlich einen dickeren Schaft, sind starrer und bleiben kürzer als Kopfhaare.
Beim Mann ist Barthaar in der Regel ab der Pubertät verbreitet und damit ein sekundäres Geschlechtsmerkmal, also ein Merkmal der körperlichen Geschlechtsreife. Auslöser des Wachstums ist das Androgen Testosteron. Sichtbares Barthaar bei Frauen heißt „Damenbart“ und kann unter Umständen nach der Menopause beginnen.
Am Ende der männlichen Pubertät, etwa zwischen 14 und 18 Jahren, erscheint meist zuerst weicher Flaum über der Oberlippe. Danach beginnen Haare bei den Ohren, später am Kinn und Hals, zuletzt an den Wangen zu wachsen. Erst dann ist eine regelmäßige Rasur für ein nacktes Gesicht nötig; dieses Stadium wird etwa 4–5 Jahre nach dem ersten Auftreten der Schambehaarung erreicht. Stärke und Wachstum hängen teilweise von Testosteron und genetischen Faktoren ab. Regelmäßiges Rasieren beeinflusst sie nicht. Mit dem Alter nehmen Wachstumsgeschwindigkeit und Stärke aufgrund des steigenden Hormonniveaus zu; der Bart wächst dann etwa 2,8 mm pro Woche.
Bartformen und Pflege
Bartformen oder Barttrachten unterscheiden sich je nach Kultur, Mode und Epoche. Ihre Abgrenzung ist nicht immer eindeutig, weil Länge, zuvor kahle Stellen und die Wuchsrichtung den Eindruck eines Bartes verändern können. Ein Schnurr- oder Oberlippenbart wächst ausschließlich oberhalb des Mundes. Zwirbelbärte reichen mit ihren Enden über die Mundwinkel und werden dort gedreht.
Wichtige Formen sind der Schnauzbart als dicker Oberlippenbart, der Bleistiftbart als dünner Schnurrbart und der Fu-Manchu-Bart, dessen lange Oberlippenhaare seitlich nach unten fallen, während die Partien unter dem Mund rasiert sind. Der Mongolenbart reicht seitlich bis zum Unterkiefer, nutzt aber im Unterschied dazu auch Haare unterhalb der Mundwinkel. Ein Soul Patch sitzt unter der Unterlippe. Kinnbart oder Goatee wächst nur unterhalb des Mundes. Beim Knebelbart sind Schnurr- und Kinnbart getrennt; beim Henriquatre umschließt das Haar den Mund vollständig. Der Balbobart verbindet Schnurrbart, Soul Patch und Kinnbart.
Backenbärte verlaufen von den Koteletten an den seitlichen Gesichtspartien, Kinn und Oberlippe bleiben rasiert. Die Schifferkrause ist ein Vollbart ohne Oberlippe und höhere Wangenpartie. Ein Vollbart lässt alle wachsenden Barthaare stehen und verbindet Schnurr-, Kinn- und Backenbart. Der Dreitagebart ist seine auf etwa 1–2 Millimeter gestutzte Kurzform; der Rauschebart wird nicht zurückgestutzt. Beim Tirpitzbart reicht der Bart unter dem Kinn etwa 20–30 cm nach unten und ist mittig geteilt.
Zur Kürzung dient meist die Rasur, je nach Wachstum mehrmals täglich bis wöchentlich. Verwendet werden Rasierapparate, Rasierhobel, Systemrasierer sowie klassische und Wechselklingen-Rasiermesser. Die Annahme, häufiges Rasieren stimuliere den Wuchs, ist ein Irrglaube: Das Gefühl entsteht durch nachwachsende harte Stoppeln. Rasur kann alle Haare entfernen oder nur bestimmte Partien stehen lassen beziehungsweise stutzen; Bartformen benötigen regelmäßige Pflege, oft auch Bartwichse. Hans Langseth, 1927 in den USA verstorbener Norweger, trug mit 5,33 m den damals längsten Bart.
Bedeutung in Kulturen und Religionen
Der Bart galt früher als Zeichen von Kraft und männlicher Zierde. Seine Pflege war daher wichtig. Barttrachten unterscheiden sich zwischen Kulturen stark; Abweichungen von der jeweiligen Norm konnten als ungepflegt oder fremd gelten. In frühen Zeiten hatte der Bart auch kultische, also religiös-rituelle, Bedeutung. In der säkularisierten westlichen Gegenwart ist er vor allem Ausdruck von Individualität und Mode.
Im Alten Ägypten trugen Pharaonen, auch Frauen, einen künstlichen, stilisierten Zeremonialbart als Zeichen viriler Omnipotenz; natürlichen Bartwuchs rasierten sie. Im antiken Griechenland waren Bärte bis zur Unterwerfung durch Alexander den Großen üblich und wurden vor allem bei Trauer oder als Strafe rasiert. Kurz gehaltene „Strategenbärte“ sollten im Kampf nicht stören. Mit den Makedonen wurde Rasur in den oberen Schichten Sitte. In Rom wurde sie durch Kontakte mit dem Hellenismus üblich. Zwischen Hadrian und Diokletian waren viele Kaiser vollbärtig; von Konstantin dem Großen bis Phokas dagegen meist glattrasiert. Aus römischer Sicht galten Vollbart und Hose als typische Kennzeichen eines „Barbaren“.
Im Judentum stehen zwei Gebote des Alten Testaments zur Barttracht: Levitikus 19, 27 untersagt allen Israeliten, Haar am Haupt rundherum abzuschneiden oder den Bart zu stutzen; Levitikus 21, 5 richtet sich entsprechend an Priester. Hintergrund ist die Abgrenzung von heidnischen Kultformen. Daraus entstanden unterschiedliche Auffassungen dazu, ob Rasieren und Trimmen erlaubt sind. Orthodoxe und ultraorthodoxe Juden tragen deshalb oft lange Vollbärte und teils Schläfenlocken.
Das Christentum kennt keine einheitliche Bartpflicht. Traditionen unterscheiden sich nach Zeit und Konfession: Der katholische Klerus ist überwiegend glattrasiert, verheiratete amische Männer tragen etwa Schifferkrause, und manche Mönchsorden bestimmen Rasurzeiten.
Der Koran erwähnt den Bart nicht. In zahlreichen Ahadith wird jedoch berichtet, Mohammed habe einen dichten Bart getragen und Gläubigen den Bartwuchs geboten. Ob Kürzen erlaubt ist und ob der Oberlippenbart vollständig rasiert werden darf, bleibt in der ḥadīṯ-Literatur offen. Der Bart gilt im Islam als Zeichen der Frömmigkeit, natürlicher Veranlagung und Männlichkeit; in säkularen Gesellschaften wurde er dagegen als Zeichen von Rückständigkeit bewertet. Er soll auch von Angehörigen anderer Religionen unterscheiden. Empfohlenes Färben ist nur rötlich oder gelblich, nie schwarz. Zwangsweises Abrasieren konnte als Strafe Ansehen, religiöse Kennzeichnung und soziale Erkennbarkeit als Nichtverbrecher verletzen.
Bartmode vom 19. Jahrhundert bis heute
Im 19. Jahrhundert war Bart in Europa eine säkularisierte ästhetische Frage und stark von Mode geprägt. Während Ludwig XIV. die Glattrasur zum Standard machte, popularisierte Heinrich IV. den Henriquatre. In den Revolutionen von 1789 bis 1848 wurde der Bart zum Zeichen von Volksnähe, Radikalismus und oppositioneller Haltung. Friedrich Ludwig Jahn propagierte ihn ab 1811 als Abgrenzung von den französischen Besatzern und als Rückkehr zu mittelalterlich verstandenen Idealen. In Frankreich signalisierten Bartformen politische Positionen: Konservative Royalisten waren glattrasiert, Republikaner trugen Koteletten und kleinen Kinnbart, Liberale bevorzugten den Schnurrbart; Vollbart blieb zunächst Künstlern und politischen Außenseitern vorbehalten.
Der Schnauzbart wurde im 19. Jahrhundert zum Kennzeichen des Militärs, besonders der Husaren. In Großbritannien durfte ihn ab 1830 zunächst nur elitäre Kavallerie tragen, später alle Militärangehörigen; in Frankreich war er ab 1833 für alle Militärangehörigen erlaubt, in Spanien bis 1845 auf Offiziere beschränkt. Um die Mitte des Jahrhunderts trugen fast alle europäischen Kavallerieangehörigen und die meisten regulären Offiziere Schnauzbart. In Bayern verbot eine Verordnung von 1838 Zivilpersonen unter Androhung von Arrest und Zwangsrasur den Schnauzbart. Nach dem Scheitern bürgerlicher Bewegungen um 1850 verlor Bart seine politische Bedeutung und wurde in allen Gesellschaftskreisen getragen. Napoleon III. und in Großbritannien der Entertainer Albert Richard Smith trugen zur gesellschaftlichen Anerkennung des Vollbarts bei.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Glattrasur erneut zum westlichen Standard. King Camp Gillettes Rasierhobel von 1901 verbilligte und vereinfachte die tägliche Rasur, gilt aber nicht als Ursache des Trends. Mit der Keimtheorie Louis Pasteurs wurde der Bart zunehmend mit Krankheitsübertragung verbunden: 1907 wurde vor der Übertragung von Tuberkulose- und Diphtherie-Erregern beim Küssen gewarnt, 1909 berichtete Lancet, glattrasierte Männer litten seltener unter Erkältungen. Glattrasur stand nun für Jugend, Energie, Reinheit und Verlässlichkeit. Nach dem Ersten Weltkrieg verschwanden ausufernde Voll- und stark stilisierte Backenbärte weitgehend. Nach Oldstone-Moore begann dieser Wandel schon vor dem Krieg und nicht vor allem wegen der Gasmasken.
Seit den 1960er-Jahren machten Beatniks und Hippies Bärte wieder als Zeichen von Individualität und Querdenkertum modisch. In den 1980er-Jahren war der Oberlippenbart beliebt, in den 1990er- und 2000er-Jahren der Dreitagebart. Seit etwa 2010 wurde besonders der längere Vollbart im Umfeld der Hipster-Bewegung wieder zum Mode-Accessoire. Im Sikhismus, in der Rastafari-Bewegung und bei hinduistischen Sadhus werden Bärte aus religiösen oder asketischen Gründen getragen; Eishockey-Spieler tragen seit 1980 während der Playoffs sogenannte Playoff-Bärte.
Bärte als sprachliches und literarisches Zeichen
In Literatur und Wissenschaft kann Barttracht Figuren und gesellschaftliche Haltungen kennzeichnen. Kaiser Julian verfasste 331–363 die ironische Schrift Misopogon („der Barthasser“). Burchardus, Abt des Zisterzienserklosters Bellevaux, schrieb in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine Abhandlung, nach der Bärte für landwirtschaftlich tätige Laienbrüder, nicht aber für Priestermönche angemessen seien. In Heinrich Manns Der Untertan zeigt der „Es-ist-erreicht“-Bart die Loyalität der Figur zu Wilhelm II.
Redensarten bewerten oder verwenden den Bart bildlich: „Das ist (nur) ein Streit um des Kaisers Bart“ bezeichnet einen belanglosen Streit. „Jemandem um den Bart gehen“ oder „Honig um den Bart schmieren“ bedeutet, jemandem zu schmeicheln. „Barba non facit philosophum, neque vile gerere pallium“ bedeutet: „Ein Bart macht noch lange keinen Philosophen, auch nicht, einen billigen Mantel zu tragen“.