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Asymmetrische Information

Asymmetrische Information ist ein wirtschaftswissenschaftlicher Begriff und bezeichnet den Zustand, in dem zwei Vertragsparteien bei Abschluss und/oder …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Was ist asymmetrische Information?
  2. 2. Neoklassik und Neue Institutionenökonomik
  3. 3. Das Problem asymmetrischer Information: drei Grundtypen
  4. 4. Verdeckte Eigenschaften (hidden characteristics)
  5. 5. Verdeckte Handlungen, verdeckte Informationen und verdeckte Absichten
  6. 6. Lösungsmöglichkeiten und staatliche bzw. Markt-Lösungen

Was ist asymmetrische Information?

Asymmetrische Information ist ein wirtschaftswissenschaftlicher Begriff. Er bezeichnet den Zustand, in dem zwei Vertragsparteien bei Abschluss und/oder Erfüllung eines Vertrags oder Marktteilnehmer nicht über dieselben Informationen verfügen.

In der Folge entstehen Probleme wie Adverse Selektion und Moral Hazard. Im Extremfall können Informationsasymmetrien zum Zusammenbruch eines Marktes führen (Marktversagen).

Die Auseinandersetzung mit diesen Problemen ist Gegenstand der Informationsökonomik sowie der ökonomischen Analyse des Privat-, Straf- und öffentlichen Rechts.

Neoklassik und Neue Institutionenökonomik

Die Neoklassik geht in ihren Modellen von vollständiger Information aus: Die Akteure kennen sämtliche Umweltzustände, können die Handlungen ihrer Vertragsparteien beobachten, Informationen sind kostenlos, Verträge sind vollständig, und ihre Erfüllung kann kostenlos beobachtet und durchgesetzt werden. Trotz dieser realitätsfernen Annahme funktionieren neoklassische Modelle gut, wenn ein Partialmarkt dem Modell des vollkommenen Marktes nahekommt, zum Beispiel im Wertpapierhandel.

Die Neue Institutionenökonomik führt dagegen begrenzte Rationalität ein. Informationsbeschaffung kostet nun Transaktionskosten. Sie unterscheidet je nach Erklärungsziel drei Ansätze:

  • Theorie der Verfügungsrechte: befasst sich mit Handlungs- und Verfügungsrechten
  • Transaktionskostentheorie: befasst sich mit Transaktionen, die die Übertragung von Verfügungsrechten betreffen, und den daraus resultierenden Kosten
  • Prinzipal-Agent-Theorie: befasst sich mit Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehungen

Das Problem asymmetrischer Information: drei Grundtypen

In der Prinzipal-Agent-Theorie wird eine Beziehung zwischen einem Auftraggeber (Prinzipal) und einem Auftragnehmer (Agent) betrachtet, bei der der Prinzipal über weniger Informationen verfügt als der Agent. Man unterscheidet drei Grundtypen asymmetrischer Information: verdeckte Eigenschaften (ex ante, vor Vertragsabschluss), verdeckte Handlungen und verdeckte Informationen (ex post, nach Vertragsabschluss) sowie verdeckte Absichten.

Verdeckte Eigenschaften (hidden characteristics)

Der Prinzipal kennt vor Vertragsabschluss bestimmte unveränderliche (oder nicht mehr kostenlos veränderbare) Eigenschaften des Agenten oder der angebotenen Güter nicht und kann die Qualität der Leistung ex ante nicht beurteilen. Die Gefahr ist adverse Selektion (nachteilige Auswahl): Es werden systematisch unerwünschte Vertragspartner ausgewählt.

George A. Akerlof beschrieb dies 1970 in seinem Aufsatz „The Market for Lemons“ (Der Markt für Rostlauben): Käufer können die Qualität eines Gebrauchtwagens vor Vertragsabschluss kaum beurteilen. Im Extremfall ist der Preis der einzige Anhaltspunkt. Senkt der Verkäufer den Preis, hält der Käufer das Produkt erst recht für wertlos. Der Händler kann keinen angemessenen Preis für gute Gebrauchtwagen erzielen und nur noch minderwertigste Produkte profitabel verkaufen. Im Extremfall bricht der Markt vollständig zusammen.

Solche Asymmetrien bestehen in vielen Märkten; so kann auch ein Versicherungsnehmer nicht beurteilen, welches Risiko er individuell darstellt.

Verdeckte Handlungen, verdeckte Informationen und verdeckte Absichten

Verdeckte Handlungen und verdeckte Informationen (hidden action and hidden information) treten erst ex post auf, also nach Vertragsabschluss. Bei verdeckten Handlungen hat der Agent Spielräume, weil der Prinzipal seine Handlungen nicht vollständig beobachten kann (Beispiele: Arbeitsverhältnisse, Werkstattaufenthalt eines Autos, Versicherungsverhältnisse). Bei verdeckten Informationen kann der Prinzipal zwar die Handlungen beobachten, nicht aber deren Qualität einschätzen (Beispiele: Patient-Arzt-Beziehung, Kreditwürdigkeitsprüfung durch Kreditinstitute, Verkäufer).

Das Problem: Der Prinzipal kann ex post nicht beurteilen, ob das Ergebnis durch die Anstrengung des Agenten oder durch Umweltzustände beeinflusst wurde. Der Agent kann dieses Unwissen opportunistisch ausnutzen, was als Moral Hazard bezeichnet wird. Typische Beispiele sind Kreditinstitute und Versicherer. Kreditinstitute vermindern die Asymmetrie durch Kreditwürdigkeitsprüfung (§ 18 KWG), Kreditsicherheiten, Eigenfinanzierungsbeitrag und Kreditzinsen; Versicherer verlangen nach § 19 Abs. 1 VVG eine Anzeigepflicht über bekannte Gefahrumstände und können durch Selbstbeteiligung, Versicherungsprämien oder Attests (Lebens-/Krankenversicherung) das Risiko mindern. Adverse Selektion behandelt meist die verdeckten Eigenschaften, Moral Hazard das verdeckte Verhalten.

Verdeckte Absichten (hidden intention): Selbst ohne Beobachtungsprobleme kennt der Prinzipal ex ante die Absichten des Agenten nicht. Tätigt er irreversible spezifische Investitionen (versunkene Kosten), gerät er in ein Abhängigkeitsverhältnis und hat kein glaubwürdiges Drohpotenzial mehr. Nutzt der Agent dies aus, spricht man von Hold-up-Gefahr. Beispiel: der klassische Entführungs-/Erpressungsfall, bei dem der Prinzipal mit der Lösegeldübergabe auf den guten Willen des Agenten angewiesen ist. Hold-up ist kein Problem asymmetrischer Information, sondern ein Problem unvollständig ausgehandelter Verträge.

Lösungsmöglichkeiten und staatliche bzw. Markt-Lösungen

Asymmetrische Information wirkt sich ex ante (Auswahl des richtigen Partners) und ex post (Stabilität der Kooperation) negativ aus. Die Kosten gegenüber der idealen Lösung bezeichnet man als Agency-Kosten.

Lösungen bei verdeckten Eigenschaften: Durch Signaling signalisiert der Agent seine Eigenschaften und nimmt dafür Kosten auf sich; der Nutzen muss für erwünschte Agenten positiv, für unerwünschte negativ sein (Beispiele: Hochschuldiplome, Dekra-Gebrauchtwagensiegel). Beim Screening nimmt der Prinzipal Kosten auf sich, um mehr über die Agenten zu erfahren (Beispiele: Assessment-Center, Probefahrten). Durch ein Vertragsmenü erreicht man Selbstselektion: Für jeden Agententyp ist nur ein Vertrag optimal (Beispiel: Versicherungsverträge mit unterschiedlichen Selbstbeteiligungen – gute Risiken wählen höhere Selbstbeteiligung bei niedrigeren Beiträgen). Daneben ist Interessenangleichung möglich: Verträge so gestalten, dass nur erwünschte Agenten unterschreiben (Beispiele: Garantien, Reputation).

Lösungen bei verdeckten Handlungen und Informationen: Hauptmittel ist die Interessenangleichung, zum Beispiel durch Ergebnisbeteiligung des Agenten (anreizkompatibler Vertrag), etwa Aktienoptionspläne für Manager, Produkthaftungsgesetze und Reputation. Problem: Die Theorie nimmt einen risikoneutralen Prinzipal und einen risikoaversen Agenten an, der bei Ergebnisbeteiligung ein erhöhtes Risiko tragen muss. Durch Monitoring (Überwachung) kann der Prinzipal Handlungen beobachtbar und sanktionierbar machen, verursacht aber Monitoring-Kosten (Beispiel: Corporate-Governance-Aktivitäten). Costly state verification: Lösung mittels Anreizverträgen, die Zahlungsmodalitäten und einen Kontrollmechanismus festlegen.

Lösungen bei verdeckten Absichten: Nur Interessenangleichung hilft, etwa Sicherheiten, langfristigere Verträge und Gegengeschäfte (gegenseitige Hold-up-Situation). Weitere Ansätze: Kooperation durch Hierarchie ersetzen, Pfand oder Sicherheiten. Hold-up bedeutet, dass ein Vertragspartner einen Spielraum zu seinen Gunsten ausnutzt, den der andere beobachten kann (Beispiele: Betrug, Vertragslücken, ungünstige Vertragsgestaltung).

Beispiel Joint Venture: Die entsandten Kooperationsmanager können Eigenschaften verbergen, etwa größere Einsatzbereitschaft signalisieren oder Sprachkenntnisse vortäuschen (verdeckte Eigenschaften). Wegen kultureller Unkenntnis oder geographischer Distanz können die Prinzipale das Verhalten nicht beurteilen oder beobachten; daraus entstehen Spielräume für Leistungszurückhaltung (verdeckte Informationen). Die spezifischen Investitionen der Prinzipale können durch nicht vertragskonformes Verhalten des Agenten, etwa Abwanderungsandrohung oder nachlässige Geschäftstätigkeit, ausgebeutet werden (verdeckte Absichten).

Staatliche und Markt-Lösungen: Ob der Staat Lösungen bereitstellt (staatliche Zertifizierungen, staatliche Abschlüsse als Signalling, Produkthaftungsgesetz, Gewährleistungsrecht, Mindeststandards) oder die Parteien bilateral lösen wollen – es entstehen immer Agency-Kosten; die ideale Lösung der Neoklassik kommt nicht zustande. Die Neue Institutionenökonomik geht davon aus, dass staatliche Institutionen den Vertragsabschluss erleichtern: Beispiel AGB im Kaufhaus, die den Kunden nicht unangemessen benachteiligen dürfen, und die gesetzlich vorgeschriebene zweijährige Gewährleistung. Private Signale (z. B. drei Jahre Garantie mancher Autohersteller) bleiben daneben möglich; der Staat setzt teils nur Mindeststandards (z. B. Verbraucherschutz). Auch Insiderhandel wird staatlich durch Sanktionen unterbunden.

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