Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Antarktische Halbinsel
Die Antarktische Halbinsel ist eine Halbinsel und Region von Westantarktika. Sie hat eine Länge von etwa 1200 km. Ihre nördliche Spitze ragt über den …
Inhalt5 Abschnitte
Überblick und Lage
Die Antarktische Halbinsel ist eine etwa 1.200 km lange Halbinsel und Region in Westantarktika. Sie liegt zwischen dem Weddell-Meer und der Bellingshausen-See. Ihre nördliche Spitze reicht über den südlichen Polarkreis hinaus. Das nahe der Südspitze Südamerikas gelegene Prime Head ist ihr nördlichstes Kap und zugleich der am weitesten vom Südpol entfernte Punkt Antarktikas.
Die Halbinsel ist für Antarktika besonders wichtig, weil sie dort das mildeste Klima besitzt und deshalb auf ihr sowie auf den vielen benachbarten Inseln die höchste Konzentration von Forschungsstationen des antarktischen Kontinents liegt.
Namen und Gliederung
Für Teile der Halbinsel wurden lange unterschiedliche Bezeichnungen verwendet: die britische Bezeichnung Grahamland und der amerikanische Name Palmerland. Heute bezeichnet Grahamland den Teil nördlich einer Linie zwischen Kap Jeremy und Kap Agassiz. Palmerland liegt südlich dieser Linie.
In Argentinien wird Grahamland außerdem Tierra de San Martín genannt. In Chile heißt die gesamte Halbinsel Península Tierra de O’Higgins.
Relief und Klima
Die Antarktische Halbinsel ist stark gebirgig. Ihr höchster genannter Punkt ist Mount Hope mit 3.239 m. Das Gebirge wird als Fortsetzung der südamerikanischen Anden angesehen und deshalb Antarctandes genannt.
An der Küste liegen die Sommertemperaturen bei 0 bis 3 °C, die Wintertemperaturen bei −10 bis −20 °C. Hope Bay an der Ostküste der Trinity-Halbinsel ist der nördlichste Punkt der Halbinsel.
Südliche Abgrenzung
Die Südgrenze der Antarktischen Halbinsel ist nicht in allen Auffassungen gleich. Bis 2009 galt allgemein eine Linie von Kap Adams, ungefähr am Rand des Filchner-Ronne-Schelfeises, bis zu einem Punkt der English-Küste bei 73° 24′ S, 72° 0′ W gegenüber den Eklund-Inseln als Südgrenze. Chile setzt die Südgrenze der Tierra de O’Higgins weiter südlich bei 76° 0′ S, 66° 0′ W an.
2009 definierte Großbritannien die Grenze anhand neuer Erkenntnisse über den unter Schelfeis verborgenen Küstenverlauf neu: Sie verläuft von der Rydberg-Halbinsel bei 73° 0′ S, 80° 0′ W bis zur Aufsetzlinie des Evans-Eisstroms bei ungefähr 76° 34′ S, 75° 0′ W. Eine Aufsetzlinie ist die Grenze, an der ein Eisstrom vom aufliegendem Eis in schwimmendes Schelfeis übergeht. Dadurch zählen Objekte zwischen alter und neuer Südgrenze nach britischer Auffassung zu Palmerland, nach US-amerikanischer Auffassung dagegen zu Ellsworthland, weil die USA an der früheren Grenze festhalten.
Entstehung und politische Ansprüche
Geologisch ist die Antarktische Halbinsel wie die Anden ein Beispiel für eine Kollision zwischen ozeanischen und kontinentalen Lithosphärenplatten, die durch Subduktion entsteht. Subduktion bedeutet, dass eine Platte unter eine andere abtaucht. Die Halbinsel ist daher ein Subduktionsorogen, also ein durch Subduktion gebildetes Gebirge. Beim Abtauchen des Pazifiks entstanden umfangreicher Magmatismus, also aufsteigendes und erstarrendes Gestein, in Form von Plutonen und Vulkanen.
Die komplizierte Verformung und Umwandlung der Gesteine umfasst Faltung, Überschiebungstektonik und Metamorphose. Besonders genannt werden Palmerland, die Alexander-I.-Insel, die Trinity-Halbinsel, die östlichen Südlichen Shetland-Inseln und Elephant Island. Auf Elephant Island entwickelte sich die für Subduktionszonen typische Hochdruckmetamorphose. Die tektonische Entwicklung wird in drei Phasen gegliedert: Grabenbruch- und erste Subduktionsphase, mittlere Subduktionsphase und letzte Subduktionsphase. Dabei bildeten sich wiederholt Gebirge und Vulkane.
Argentinien, Chile und Großbritannien beanspruchen die Halbinsel jeweils als Teil ihrer Antarktisterritorien; diese Ansprüche überlappen sich vollständig. Nach dem Antarktisvertrag von 1961 lassen die Staaten ihre Ansprüche jedoch ruhen.