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Aktionsschrift

Musikalische Notation hat zwei grundlegende Funktionen: zum einen übersetzt sie die klanglichen Intentionen eines Komponisten in eine angemessene grafische …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Funktion
  2. 2. Entstehung und Merkmale
  3. 3. Fluxus und Realisationsschrift
  4. 4. Werke ohne herkömmliche Klangerzeugung

Grundidee und Funktion

Die Aktionsschrift ist ein alternatives Notationssystem, das einer musikalischen Partitur ähnelt. Musikalische Notation erfüllt grundsätzlich zwei Aufgaben: Sie übersetzt die klanglichen Absichten eines Komponisten in eine grafische Darstellung und vermittelt Aufführungsanweisungen an die Interpreten. Die Aktionsschrift richtet sich dagegen vor allem auf Gesten und Handlungen der Interpreten. Diese können Klänge erzeugen, müssen es aber nicht.

Für Aktionsschriften gibt es keinen einheitlichen visuellen Maßstab. Sie können verschiedene Sprachen, Schriftzeichen und Symbole, graphische Notation oder ausschließlich verbale Anweisungen verbinden. Entscheidend ist, dass sie eine Handlung oder Geste anleiten und damit die Aufführung prägen.

Entstehung und Merkmale

Bis ins 20. Jahrhundert war die traditionelle Notenschrift an harmonische und rhythmische Grundbedingungen der Klassik und Romantik gebunden. In der Neuen Musik entstanden jedoch Klangvorstellungen, die sich damit nicht eindeutig festhalten ließen. Unbestimmtheit, Mehrdeutigkeit, Zufall beziehungsweise Aleatorik und Geräusch wurden wichtige Bestandteile von Kompositionen und mussten an die Ausführenden vermittelt werden.

Seit den 1950er Jahren wurden solche, oft kaum sprachlich ausdrückbaren Ideen mit Aktionsschriften kommuniziert. Besonders für Geräusche entstanden neue Zeichen. Sie beschrieben eine Aktion nicht immer genau, vermittelten aber bildhaft-assoziative Hinweise zur Anschlagsdynamik, zur Geschwindigkeit und vor allem zur Gestik.

Typisch sind ein fehlender zeitlicher Rahmen, viel Raum für Unbestimmtheit und die Aufforderung an Interpreten und Publikum, die Darstellung selbst zu deuten. Dadurch verschob sich auch das Verhältnis zwischen Komponist und Interpret: Der schöpferische Anteil der Interpreten erhielt ein neues Gewicht.

Fluxus und Realisationsschrift

Aktionsschriften wurden besonders in Fluxus verwendet, einer internationalistischen avantgardistischen Kunstrichtung, die vor allem in den 1960er und 1970er Jahren präsent war. Fluxus wurde stark vom Komponisten John Cage beeinflusst. Als Lehrer an der New York School hatte Cage Schüler wie George Brecht, Al Hansen, Allan Kaprow und Alison Knowles. Deren Performance-Kunst wurde durch mündliche Vorschläge und Anweisungen geleitet und galt deshalb als typische Notation des Fluxus-Happenings.

Im Umfeld der Aktionsschrift entwickelte sich die noch wesentlich abstraktere Realisationsschrift. Sie wird in der elektronischen Musik verwendet. Ein Beispiel für eine solche Partitur ist Karlheinz Stockhausens Plus Minus aus dem Jahr 1963.

Werke ohne herkömmliche Klangerzeugung

Ramón Barce (1928–2008) fasste neo-dadaistische Werke zusammen, die vollständig ohne Klang auskommen konnten. In Joseph Byrds (* 1937) Stück für K. Maxfield besteigen sechs Musiker das Podium, klatschen einige Male und ziehen sich zurück. In George Brechts (1926–2008) Quartett für Streicher geben sich vier Musiker die Hand, begrüßen das Publikum und verschwinden.

Nam June Paiks (1932–2006) Violinstück besteht darin, dass der Künstler eine Geige hochhebt, als müsse er eine unheimliche rituelle Kraft überwinden, und sie mit voller Kraft am Tisch zerschmettert. Ben Pattersons (1934–2016) Paper Music lässt mehrere Musiker größere Papierflächen zerreißen; dabei entstehen unterschiedliche dynamische Effekte. In anderen Ausführungen verändern sich die Verfahren, und oft wird auch der gewöhnliche Klang eines Instruments einbezogen.

George Brechts Künstlerbuch Water Yam wurde 1963 erstmals in Deutschland veröffentlicht. Die Box wurde von George Maciunas gestaltet, der Schriftsatz stammt von Tomas Schmit. Sie enthält viele kleine gedruckte Karten mit Anweisungen, die als Aktionsschriften oder Flux-Notationen bezeichnet werden. Water Yam wurde in verschiedenen Ländern wiederveröffentlicht und gilt als eines der einflussreichsten Kunstwerke des Fluxus.

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