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Air (Musik)

Das Air (auch das Ayr, Ayre) oder die Aria ist eine Nebenform der musikalischen Gattung Lied, kann aber auch ein einfaches liedhaftes Instrumentalstück …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Begriff und musikalische Grundform
  2. 2. Englische Sololieder mit Laute
  3. 3. Air in Suiten von Bach und Händel

Begriff und musikalische Grundform

Ein Air, auch Ayr, Ayre oder Aria, ist eine Nebenform der musikalischen Gattung Lied. Die Bezeichnung kann sowohl eine Vokalkomposition als auch ein einfaches, liedhaftes Instrumentalstück meinen. Gemeinsam ist diesen Stücken eine einfache Anlage, meist in zweiteiliger Liedform.

Im Barock bezeichnete Air, wenn es kein Vokalstück war, ein liedartiges Instrumentalstück ohne Anspielung auf einen Tanz. Es konnte auch innerhalb einer Suite stehen. Der Titel kann daher vor allem auf den melodischen, liedhaften Charakter eines Satzes hinweisen.

Englische Sololieder mit Laute

Englische Ayres für Singstimme und Laute entstanden gegen Ende des 16. Jahrhunderts am Hof der Königin Elisabeth I. von England. Sie waren bis in die 1620er Jahre sehr beliebt. Wahrscheinlich beruht diese Form einerseits auf der italienischen Monodie, also einem Sologesang mit Begleitung, und andererseits auf dem Air de cour.

Es handelt sich um Sololieder mit einer Lautenbegleitung aus mehreren, gewöhnlich drei, Stimmen beziehungsweise Teilen. Die große Popularität setzte mit John Dowlands First Book of Songs or Ayres von 1597 ein. Dowland (1563–1626) veröffentlichte bis 1612 vier Bücher mit lautenbegleitetem Gesang. Zu seinen bekannten Ayres gehören Come again, Flow My Tears, I saw my Lady weepe und In darkness let me dwell.

Thomas Campion (1567–1620) und Philip Rosseter entwickelten die Gattung weiter. Ihr Book of Ayres von 1601 enthält mehr als 100 Lieder für Singstimme und Laute und wurde 1610 viermal nachgedruckt. Zwar ließ dieser Druckboom in den 1620er Jahren nach, doch Ayres wurden weiterhin geschrieben, aufgeführt und häufig in Maskenspielen verwendet. Campion wandte sich im Vorwort vermutlich gegen Madrigalismen, also etwa tonmalerische Effekte und extreme Chromatik der italienischen Madrigale. Deshalb sind die Ayres schlicht und gesanglich gestaltet.

Air in Suiten von Bach und Händel

Johann Sebastian Bach verwendete die Satzbezeichnung Air oder Aria in mehreren Suiten, etwa in der zweiten und vierten Französischen Suite sowie in der vierten und sechsten Partita. Da diese Sätze in Tempo und Charakter stark voneinander abweichen, lässt sich aus dem Titel keine eindeutige Form ableiten. Bei Bach dürfte damit einfach „Melodie“ gemeint sein.

Georg Friedrich Händel nannte den sechsten Satz der ersten Suite in F-Dur seiner Wassermusik, HWV 348, Air. Das Stück ist melodiös und durch charakteristische punktierte Rhythmen geprägt; es wird häufig von Barockensembles gespielt.

Das bekannteste Air steht wahrscheinlich in Bachs Orchestersuite D-Dur BWV 1068. Im zweiten Satz schweigen Trompeten, Oboen und Pauken. Nur Streicher und Basso continuo, die Gruppe für die fortlaufende Bassbegleitung, spielen einen liedhaften Satz im 4/4-Takt. Kennzeichnend sind die ausladende Melodie der Oberstimme, ein in regelmäßigen Achteln fortschreitender Bass und motivisch ausgearbeitete, imitierende Mittelstimmen.

August Wilhelmj bearbeitete dieses Air für Violine und Klavier. Dabei transponierte er es nach C-Dur und richtete es so ein, dass es ausschließlich auf der G-Saite gespielt wird. Diese Fassung heißt Air auf der G-Saite und wird ebenso wie weitere darauf beruhende Bearbeitungen bis heute aufgeführt.

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