Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Wassermusik (Händel)
Die Wassermusik (Water Music, HWV 348, 349 und 350) von Georg Friedrich Händel (1685–1759) ist eine Sammlung von drei Suiten mit Ouvertüre und einundzwanzig …
Inhalt5 Abschnitte
Werk und Anlass
Die Wassermusik (Water Music, HWV 348, 349 und 350) von Georg Friedrich Händel (1685–1759) ist eine Sammlung von drei Suiten mit einer Ouvertüre und einundzwanzig Tanzsätzen. Die Musik hat einen repräsentativen Charakter und wurde für eine königliche Wasserfahrt auf der Themse komponiert. Historisch sicher belegt ist ihre Aufführung am 17. Juli 1717 während einer Lustfahrt des englischen Königs Georg I. von Whitehall nach Chelsea und zurück.
Georg I. war von der Musik so angetan, dass er einzelne Stücke beziehungsweise die Musik mehrfach wiederholen ließ. Die Wassermusik ist deshalb sowohl als Freiluftmusik für eine königliche Veranstaltung als auch als später bearbeitetes Konzert- und Theaterwerk überliefert. Die heute verbreitete Gliederung in drei Suiten entspricht nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand zur ursprünglichen Satzfolge.
Sätze und Suitenordnung
Die vollständige Übersicht umfasst 22 Sätze. Die Forschung von 2004 geht von der Reihenfolge 1–22 aus. Die HWV-Nummern und die häufig verwendete Einteilung in drei Suiten führen jedoch zu einer anderen, nach Instrumentierung und Tonarten geordneten Anordnung:
- Die Hornsuite in F-Dur umfasst die Sätze Nr. 1–10 und trägt die Nummer HWV 348. Die Tonarten wechseln dabei unter anderem zwischen F-Dur und d-Moll. Zu den bezeichneten Sätzen gehören Ouverture, Adagio e staccato, Andante, Allegro, Air, Minuet, Bourée und Hornpipe.
- Die Trompetensuite in D-Dur umfasst die Sätze Nr. 11, 12, 16, 17 und 22 und trägt die Nummer HWV 349. Bezeichnet sind unter anderem Lentement und Menuet.
- Die Flötensuite in G-Dur umfasst die Sätze Nr. 13–15 und 18–21 und trägt die Nummer HWV 350. Zu den bezeichneten Sätzen gehören Menuet; weitere Sätze sind teilweise ohne Bezeichnung überliefert. Die Tonarten sind G-Dur oder g-Moll.
Diese Dreiteilung ist heute zur Orientierung weiterhin gebräuchlich, gilt aber als überholt. Eine zweisätzige beziehungsweise zweisuitige Auffassung fasst die Sätze Nr. 1–10 sowie die Sätze Nr. 11–22 zusammen.
Die Editionen unterscheiden sich außerdem bei einzelnen Satzbezeichnungen und Zusammenfassungen. Friedrich Chrysander verband HWV 348/4 und HWV 348/5 zu (Allegro)-Andante, wobei das Allegro nach dem Andante mit der Angabe da capo wiederholt wird. HWV 350/17 und HWV 350/18 fasste er als Aria (Allegro) zusammen; HWV 350/19 und HWV 350/20 erscheinen bei ihm als Menuett (Menuett). In der Edition Eulenburg wird HWV 350/17 häufig Rigaudon genannt, außerdem werden HWV 350/21 und HWV 350/22 unter der Bezeichnung Country Dance zusammengefasst.
Aufführung auf der Themse
Der Daily Courant berichtete am 19. Juli 1717 über die Wasserfahrt vom Mittwochabend, dem 17. Juli. Georg I. bestieg gegen 20 Uhr bei Whitehall eine offene Barke. Ihn begleiteten unter anderem die Herzoginnen von Bolton und New Castle, die Gräfin von Godolphin, Madame Kilmasegg und der Earl of Orkney.
Viele weitere Boote mit Personen hohen Ranges nahmen an der Fahrt teil, sodass der Fluss nahezu vollständig bedeckt war. In einer Barke einer Stadtgilde spielte ein Orchester mit über 50 Instrumenten. Die Musiker spielten von Lambeth bis Chelsea, während die Boote mit der Strömung ohne Rudern trieben. Der Zeitungsbericht bezeichnet die Musik als eigens für diesen Anlass von „Mr Hendel“ komponierte Sinfonien. Georg I. ließ sie während der Hin- und Rückfahrt dreimal wiederholen.
Gegen 23 Uhr ging der König in Chelsea an Land. Nach einem Abendessen erklang dort weitere Musik, die bis 2 Uhr dauerte. Anschließend fuhr der König auf demselben Weg zurück; die Musik spielte bis zur Ankunft an Land weiter.
Orchester und Klangwirkung
Als Besetzung werden zwei Flöten, zwei Oboen, Fagott, zwei Hörner, zwei Trompeten, zwei Solo-Violinen und Streicher genannt. Für die Aufführung im Freien war eine starke Besetzung mit Hörnern und Trompeten nötig. Zeitzeugen und der Daily Courant sprechen von insgesamt 50 Musikern. Der Gesandte Friedrich Bonet erwähnte außerdem Traversflöten, Blockflöten, Violinen und Bässe.
Ob bei der Aufführung auf der Themse ein Cembalo den Continuo-Part spielte, gilt als wenig wahrscheinlich. In frühen Quellen fehlt ein bezifferter Bass. Vermutlich wurde der Bass von Fagott, Violoncelli und Kontrabässen ausgeführt. Die Bezifferung und damit der mögliche Einsatz eines Cembalos stammen wahrscheinlich aus einer späteren Aufführungspraxis für Konzert- oder Theatermusik. Hans Ferdinand Redlich hielt deshalb eine spätere Bearbeitung zumindest von Teilen der Wassermusik für den Konzertsaal mit Continuo-Unterstützung für wahrscheinlich, betonte aber, dass die Authentizität der Bezifferung wegen des fehlenden vollständigen Autographs unsicher ist.
Häufig werden zusätzlich Pauken eingesetzt, obwohl sie in der Partitur nicht notiert sind. Ouvertüre, Hörner und Trompeten verstärken den repräsentativen Charakter. Hörner galten vermutlich als Lieblingsinstrumente Georgs I., der als leidenschaftlicher Jäger ihren Klang schätzte; Trompeten standen traditionell für die Königswürde. Der Gegensatz zwischen Hörnern und Trompeten ist in den HWV-349-Sätzen daher vor allem ein Unterschied der Klangfarben und nicht lediglich ein Gegensatz von laut und leise.
Der Einsatz der Traversflöte war im England des frühen 18. Jahrhunderts sehr selten. Die Wassermusik gilt als früheste englische Komposition für dieses Instrument. Da Travers- und Blockflöten im Freien nur schwer hörbar sind, vermutet Siegbert Rampe, dass ihre Stimmen durch Hörner, Trompeten, Oboen oder Fagott verstärkt wurden.
Überlieferung und spätere Rezeption
Georg Ludwig, Kurfürst von Hannover, wurde im September 1714 aufgrund der britischen Thronfolgeregelung König von Großbritannien. Zur Steigerung seiner Popularität veranstaltete er ab 1715 Wasserfahrten auf der Themse zwischen Whitehall und Chelsea. Für den 5. Juli 1716 ist Musik von zwei Orchestern auf verschiedenen Schiffen überliefert; ob dabei Händels Musik erklang, ist unbekannt. Eine Aufführung bei der Hochzeit des Prince of Wales am 26. April 1736 wird gelegentlich vermutet, ist aber nicht belegt. Diese Vermutung beruht lediglich darauf, dass Händel für die Hochzeit den Hymnus Sing unto God komponierte. Eine von Hans Ferdinand Redlich angenommene Abspaltung der dritten Suite aus diesem Anlass gilt nach aktuellem Forschungsstand als nicht haltbar.
Händels Autograph ist verschollen. Terence Best entdeckte im Oktober 2004 ein frühes Manuskript von Händels Hauptkopisten aus dem Jahr 1718 mit der Satzreihenfolge 1–22. Zuvor galten eine unvollständige Claviertranskription von 1721 und das Clavierbuch aus dem Besitz von Elizabeth Legh von 1722 als wichtige frühe Quellen. Die Abschrift von 1731/32 enthält alle Sätze, ordnet sie aber als 1–6, 8, 9, 7, 10–22. Spätere Handschriften aus den Jahren 1738 bis 1743 weisen unterschiedliche Reihenfolgen auf; häufig steht das Trompetenmenuett Nr. 22 nicht mehr am Schluss, sondern nach Nr. 12. Eine Abschrift von etwa 1738 lässt den Satz Nr. 10 aus.
Der erste Druck erschien 1733/34 bei J. Walsh unter dem Titel THE CELEBRATED WATER MUSICK IN SEVEN PARTS. Er enthält nicht alle Sätze und sieht einen Bass für Cembalo oder Kontrabass vor. Samuel Arnold veröffentlichte 1788 die erste vollständig gedruckte Partitur und orientierte sich an der Reihenfolge des Clavierbuchs von 1722. Friedrich Chrysander übernahm diese Reihenfolge 1886. Seine Ausgabe blieb bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts maßgeblich.
Ab 1950 führte das Studium einer Abschrift von 1738 zu der Annahme, Händel oder spätere Bearbeiter hätten die Musik nach Instrumentierung und Tonarten in drei Suiten geordnet. Diese Auffassung wurde unter anderem in Ausgaben von 1959, bei Brian Priestman und bei Roger Fiske vertreten. Bernd Baselt schrieb den drei Suiten in seinem Werkverzeichnis von 1978–1986 unterschiedliche Entstehungsdaten und Anlässe zu: 1715 für die erste, 1717 für die zweite und 1736 für die dritte Suite. Die Gesamtausgabe der 1960er Jahre empfahl die Dreiteilung für praktische Aufführungen, warnte aber davor, die Tonartenkreise F, D und G zu vermischen.
Parallel setzte sich eine zweisuitige Auffassung durch. Trevor Pinnock fasste 1983 die Sätze Nr. 1–10 zu einer F-Dur-Suite und Nr. 11–22 zu einer zweiten Suite mit D- und G-Dur-Sätzen zusammen. Der Fund des Manuskripts von 1718 und seine Auswertung durch Terence Best und Christopher Hogwood in der Gesamtausgabe von 2007 bestätigten die Reihenfolge 1–22.
In den 1720er bis 1740er Jahren wurde die Musik in mehreren Londoner Theatern als Begleitung von Bühnenstücken verwendet und dafür bearbeitet. Einzelne Sätze erklangen, häufig kamen Pauken und wahrscheinlich ein Cembalo hinzu. Eine Cembalo-Bearbeitung erschien 1743 unter dem Titel HANDEL'S Celebrated WATERMUSIC Compleat. Set for HARPSICORD. Zwischen 1746 und 1770 wurde die Musik außerdem in Lehrwerken für Querflöte, Horn und Violine verwendet. Die Sätze Nr. 7, 18 und 22 wurden als eigenständige Instrumentalstücke und teilweise auch als Lied arrangiert. Heute gehört die Wassermusik neben der Feuerwerksmusik zu Händels bekanntesten Werken und ist fest im Konzertrepertoire verankert.