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Adolf-Hitler-Schulen

Adolf-Hitler-Schulen (AHS) waren Internate in der Zeit des Nationalsozialismus, die den Nationalpolitischen Erziehungsanstalten („Napolas“) ähnelten und zu …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Aufgabe
  2. 2. Leitung und Aufbau
  3. 3. Auslese der Schüler
  4. 4. Schulorte und Kriegsfolgen
  5. 5. Unterricht und Erziehung

Einordnung und Aufgabe

Adolf-Hitler-Schulen (AHS) waren kostenlose Internate des Nationalsozialismus und gehörten zu dessen Ausleseschulen. Sie ähnelten den Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (Napolas), waren aber besonders als Vorschulen für die nationalsozialistischen Ordensburgen und für eine spätere Laufbahn als Parteifunktionär gedacht. Die AHS sind von den zahlreichen Schulen zu unterscheiden, die 1933 lediglich den Namen Adolf-Hitler-Schule erhielten.

Der Schulbesuch endete nach fünf Jahren – vor dem Krieg waren ursprünglich sechs Jahre vorgesehen – mit dem Diplom der Adolf-Hitler-Schulen. Dieses war dem staatlichen Abitur gleichgesetzt und sollte den Absolventen jede Laufbahn in Partei und Staat öffnen. Schulgeld wurde nicht erhoben.

Adolf Hitler erlaubte am 15. Januar 1937, neu einzurichtete nationalsozialistische Schulen nach ihm zu benennen. Wichtige Organisations- und Finanzierungsfragen waren damals jedoch noch ungeklärt. Der Unterricht begann daher zunächst nur am 19. April 1937 in der NS-Ordensburg Krössinsee in Hinterpommern. Zehn beteiligte Gaue sollten jeweils 30 Jungen im Alter von 12 bis 13 Jahren stellen.

Leitung und Aufbau

Die AHS wurden als Einheiten der Hitlerjugend (HJ) geführt. Reichsjugendführer Baldur von Schirach und Robert Ley, Leiter der Deutschen Arbeitsfront (DAF), bestimmten Lehrstoff, Lehrplan und Lehrkörper reichseinheitlich. Die Schulaufsicht lag beim jeweiligen Gauleiter der NSDAP, der sie selbst ausüben oder dem Gauschulungsamt übertragen konnte.

Eine Erklärung von Schirach und Ley vom 17. Januar 1937 sah sechs Klassen und die Aufnahme im Allgemeinen nach Vollendung des zwölften Lebensjahres vor. Aufgenommen werden sollten Jungen, die sich im Deutschen Jungvolk hervorragend bewährt hatten und von zuständigen NSDAP-Funktionären vorgeschlagen wurden.

Im Unterschied zu den Napolas unterstanden die AHS nicht dem Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung unter Bernhard Rust. Beide Schulformen sollten überzeugte und fähige Nationalsozialisten heranziehen und waren kostenlose Internate, häufig in Burgen oder verstaatlichten Internaten. Bei den AHS stand jedoch die gewünschte spätere Parteikarriere stärker im Mittelpunkt; Napola-Absolventen sollten auch studieren oder einen Beruf ergreifen.

Auslese der Schüler

Die Auswahl trafen Hoheitsträger der Partei und HJ-Führer. Maßgeblich waren die Beurteilung durch die Hitlerjugend und die Frage, ob ein Junge sich bereits als „Führernatur“ beziehungsweise „Rädelsführer“ durchgesetzt hatte. Außerdem verlangte das Verfahren vollständige Gesundheit, einen Nachweis der „Erbgesundheit“ der Familie sowie die politische Betätigung der Eltern in der „völkischen Gemeinschaft“, etwa durch Parteimitgliedschaft oder Tätigkeit in NS-Organisationen.

Ein zentraler Bestandteil war der nationalsozialistische, rassistische „Ariernachweis“: Die Vorfahren mussten nach den damaligen Vorgaben bis zum 1. Januar 1800 nachgewiesen werden. Falls Unterlagen nicht lückenlos vorlagen, konnte das SS-Rasse- und Siedlungshauptamt anhand eingesandter Fotos eine angebliche „Rassenreinheit“ bescheinigen. Das Artikelbeispiel nennt dieses biometrische Verfahren bei Theo Sommer vor dessen Aufnahme in Sonthofen.

Ab 1938 präzisierte Kurt Petter, Inspekteur der AHS, die Ausleseverfahren. In Gruppen von etwa acht Pimpfen wurden neben kognitiven Fähigkeiten auch Verhalten und gesamter Tagesablauf bewertet.

Schulorte und Kriegsfolgen

Bis 1941 waren zunächst zehn AHS vorgesehen, jeweils einem Gau zugeordnet. Ihre geplanten Standorte waren Tilsit, Potsdam beziehungsweise später Frankfurt (Oder), Waldbröl, Koblenz, Plauen, Weimar, Hesselberg, Mittenwald beziehungsweise später Chiemsee, Heiligendamm und Landstuhl. 1941 kam Schule 11 für Schlesien mit geplantem Standort Wartha hinzu; 1943 entstand durch Abspaltung von Schule 8 Schule 12 für Böhmen-Mähren mit geplantem Standort Iglau.

Am 15. Januar 1938 erfolgte in allen zehn Gauen gleichzeitig der Spatenstich für die Neubauten. Die Grundsteinlegung in Waldbröl nahmen Robert Ley und Baldur von Schirach persönlich vor. Wegen Krieg, Arbeitskräfte- und Materialmangel kamen die Bauvorhaben jedoch kaum voran. 1940 waren daher alle Schulen mit insgesamt rund 1.500 Schülern in der NS-Ordensburg Sonthofen im Oberallgäu untergebracht.

Ab Herbst 1941 wurden die Schulen provisorisch ausgelagert: Schule 1 nach Krössinsee, Schule 3 in Schloss Drachenburg bei Königswinter, die Schulen 4, 7 und 10 in die NS-Ordensburg Vogelsang, Schule 5 in Schloss Sonnenstein, Schule 6 nach Schloss Blankenhain bei Weimar sowie die Schulen 2, 8 und 9 nach Sonthofen.

Unterricht und Erziehung

Der Unterricht setzte neben dem regulären Lehrbetrieb auf erweiterten Sportunterricht und Wehrsportlager. Wehrsport bezeichnete hier die körperliche und vormilitärische Ertüchtigung. Das Lagerleben sollte Kameradschaft betonen.

Theo Sommer, ehemaliger Schüler der AHS Sonthofen, beschrieb den Grundsatz mit dem Satz „Gute Kameraden muss man sein“. Nach seiner Darstellung hatte Kriegsertüchtigung einen höheren Stellenwert als der Lehrbetrieb.

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