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Abschied (Eichendorff)
Abschied (O Täler weit, o Höhen) ist ein Gedicht von Joseph von Eichendorff, das 1810 entstand und 1815 in dem Roman Ahnung und Gegenwart erstmals …
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Gedicht und Kernaussage
„Abschied“ (auch nach seinem Anfangsvers „O Täler weit, o Höhen“ bekannt) ist ein Gedicht von Joseph von Eichendorff. Es entstand 1810 und wurde 1815 erstmals in seinem Roman „Ahnung und Gegenwart“ veröffentlicht. Das lyrische Ich nimmt Abschied vom Wald und der Heimat. Der Wald erscheint als geschützter, ruhiger Ort, der dem Ich im Gegensatz zur hektischen Außenwelt Trost, Werte und Orientierung gibt. Diese Erinnerung soll es auch in der Fremde bewahren.
Entstehung und Fassungen
Eichendorff schrieb das Gedicht wahrscheinlich im Oktober 1810 vor der Abreise nach Wien, wo er mit seinem Bruder Wilhelm juristische Examina ablegen wollte. Der Abschied bezieht sich damit auf Schloss Lubowitz und dessen Ländereien, wo die Brüder ihre Kindheit verbracht hatten.
Eine frühe Handschrift heißt „An den Hasengarten“. Der Hasengarten war ein Teil des Schlossparks mit Blick auf die Oder und die angrenzenden Wälder. Diese Urfassung hatte noch eine fünfte Strophe mit persönlichen, biographischen Bezügen. Eichendorff verringerte solche Bezüge in späteren Fassungen und machte das Gedicht dadurch allgemeingültiger. Die titellose Fassung von 1815 besitzt bereits nur vier Strophen. Spätere Titel waren „Im Walde bei L.“, „Im Walde der Heimat“ und „Im Walde“; erst die Gedichtsammlung von 1837 gab ihm den endgültigen Titel „Abschied“.
Aufbau und sprachliche Gestaltung
Das Gedicht hat vier Strophen mit jeweils acht Versen. Das Reimschema lautet ababcdcd und besteht aus Kreuzreimen, also sich abwechselnden Reimen. Das Metrum, die regelmäßige Betonungsfolge der Verse, ist ein dreihebiger Jambus: Auf eine unbetonte folgt jeweils eine betonte Silbe. Weibliche und männliche Kadenzen, also unterschiedlich endende Verse, wechseln einander ab.
Die Anapher, die Wiederholung am Versanfang, „O Täler weit, o Höhen / O schöner, grüner Wald“ hebt die begeisterte Anrede des Waldes hervor. Der Wald wird personifiziert, also wie ein ansprechbares Wesen behandelt, und als „grünes Zelt“ metaphorisch zum Schutzraum.
Deutung der Strophen
In der ersten Strophe steht der „schöne, grüne Wald“ der „geschäft’gen Welt“ gegenüber. Der Wald ist ein Ort für „Lust und Wehen“, also für angenehme und schmerzhafte Gefühle, während die Außenwelt als ruhelos und trügerisch wirkt.
Die zweite Strophe zeigt den Wald am Morgen: Erde, Dampf, Glanz und Vogelgesang lassen das Herz erklingen. In dieser Natur darf das „trübe Erdenleid“ vergehen; die Anrede „dir“ bezieht auch die Lesenden ein. Die dritte Strophe wird ernster. Im Wald steht symbolisch ein „stilles, ernstes Wort“ von „rechtem Tun und Lieben“. Der Wald erinnert das lyrische Ich an seine Ursprünge und Werte und vermittelt ihm Halt.
Erst die vierte Strophe nennt den bevorstehenden Abschied. Das Ich geht „fremd in der Fremde“ in die „buntbewegten Gassen“ und erlebt dort „des Lebens Schauspiel“. Die Stadt steht für gesellschaftliche Verpflichtung und Ungewissheit. Die Erinnerung an die Ernsthaftigkeit des heimatlichen Waldes soll das einsame Ich jedoch erheben und verhindern, dass sein „Herz nicht alt“ wird.
Vertonung und gleichnamige Gedichte
Die bekannteste Vertonung ist Felix Mendelssohn Bartholdys „Abschied vom Wald“ (op. 59, Nr. 3) von 1843. Sie gilt heute als Volkslied.
Eichendorff schrieb außerdem zwei weniger bekannte Gedichte mit dem Titel „Abschied“: „Abendlich schon rauscht der Wald“, 1837 in den „Gedichten“ gedruckt, sowie das Sonett „Laß, Leben, nicht so wild die Locken wehen!“, das 1839 entstand und im „Deutschen Musenalmanach für 1840“ veröffentlicht wurde.