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Abfallwirtschaft in China
Abfallwirtschaft umfasst neben der Vermeidung und Verwertung die Beseitigung von Abfällen. Als weltweit größter Produzent von Abfällen und weltweit größter Müll …
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Aufgabe, Entwicklung und Zuständigkeiten
Abfallwirtschaft umfasst die Vermeidung, Verwertung und Beseitigung von Abfällen. In China ist sie eine staatliche Aufgabe. Zuständig sind vor allem das Ministerium für Ökologie und Umwelt (MEE) sowie das Ministerium für Wohnungswesen und Städtebau (MOHURD). Das MEE verwaltet und überwacht grundsätzlich alle Abfallarten; das MOHURD setzt technische Gesetze und Standards für Entsorgung und Deponierung um. Für Siedlungsabfall ist das MOHURD zuständig, für Abfallimporte und -exporte die Abteilung Bodenumweltmanagement des MEE. Industrieabfälle regelt das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT).
In den 1970er Jahren wurde Hausmüll noch stark wiederverwertet und fast vollständig in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt. 1981 bestanden 7 Millionen Biogasanlagen für Fäkalien. Zugleich wurde Sondermüll oft nicht fachgerecht gelagert; Industrieabfälle gelangten in Flüsse oder auf Felder, während es kaum Kläranlagen gab. Feste Abfälle werden in Städten seit 1979, auf Kreisebene seit 2000 erfasst. Nach dem Umweltschutzgesetz von 1979 gewann die Abfallwirtschaft politisch an Bedeutung. Erste Deponien entstanden ab 1985, technische Ablagerungsstandards 1988 und gesetzliche Regeln zur Abfalllagerung 1996. Ab 2001 wurden große geordnete Deponien in Küstenregionen gebaut.
Abfallmengen und Entsorgungsdruck
China ist weltweit der größte Produzent von Abfällen. Das Aufkommen städtischen Siedlungsabfalls stieg von rund 118 Mio. t im Jahr 2000 über 179 Mio. t im Jahr 2014 auf 203,6 Mio. t im Jahr 2016. Etwa 8 bis 10 % des Mülls werden nicht erfasst, weil Müllsammler ihn entsorgen. 2016 fielen außerdem 3,09 Mrd. t industrieller Festmüll und 53,5 Mio. t Sondermüll an. Für 2030 werden jährlich mehr als 480 Mio. t Siedlungsabfall erwartet. Guangdong war 2016 mit rund 23 Mio. t die abfallreichste Provinz.
Ursachen sind Urbanisierung, schnelles Wirtschaftswachstum und Müllimporte. In den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts wuchs die Menge an Siedlungsabfall jährlich um 9 %; in Städten wie Peking lag das Wachstum 2015 bei rund 15 % bis 20 %. 2015 wurden 63,7 % des Mülls deponiert und 34,3 % verbrannt. China baut daher Verbrennungsanlagen aus und will Deponien, besonders wilde Deponien, verringern.
Deponien und Umweltfolgen
Nach Schätzungen gibt es mehr als 10.000 technisch minderwertige Deponien, davon rund 1.000 allein in Peking. Die größte Deponie liegt laut SASAC in Chongqing und umfasst knapp 420 Hektar. Peking, Shenzhen und Shanghai setzten sich das Ziel, ab 2020 keine Abfälle mehr zu deponieren.
Siedlungsabfall enthält viel organisches Material und Wasser: Der Feuchtigkeitsgehalt betrug 2015 im Nordwesten rund 46 %, in Nord- und Südchina rund 58 %. Dadurch entsteht viel feuchter biologischer Abfall und klimarelevantes Deponiegas. Zwei Drittel der Klein- und Mittelstädte waren 2015 von Deponien und teils illegalen Müllkippen umgeben; ein Viertel hatte zu wenig Entsorgungsfläche. Am Rand Pekings werden 400–500 illegale Deponien als „7. Ringstraße“ bezeichnet.
Die feuchten Abfälle verschlechtern die Qualität des Sickerwassers, also des durch Müll fließenden und belasteten Wassers. Bei rund 47 % der Müllkippen wurde dessen Entsorgung vernachlässigt; 10 % leiteten es in die Kanalisation, 20 % nutzten biochemische Verfahren. Wegen mangelhafter Gasrückgewinnung entweichen Ammoniak (NH3), Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4). Methankraftwerke sollen deshalb Strom erzeugen. Das Kraftwerk an der Deponie Shuige bei Nanjing kann den Bedarf von 15.000 Haushalten decken.
In Guiyu in Guangdong entstand eine der größten Elektroschrott-Deponien der Welt. Dort zeigten schon Säuglinge erhöhte Bleikonzentrationen im Blut. Mehr als 5.000 Familienbetriebe sortierten und recycelten Elektroschrott; nicht verwertbare Reste wurden mit giftigen Chemikalien abgelagert und belasteten Boden und Wasser. Verbote offener Feuer etwa ab 2005 sowie ein Industriepark etwa seit 2015 verbesserten die Belastung für Beschäftigte und Luft.
Verbrennung, Recycling und Küchenabfälle
2016 gab es 231 Müllverbrennungsanlagen, davon 28 in Peking. Die Regierung fördert sie, weil Deponieflächen knapp sind und Deponien häufig technisch schlecht ausgestattet sind, etwa ohne ausreichende Filter oder Grundwasserschutz. Bis 2030 soll fast ein Drittel des Mülls verbrannt werden. Bis 2020 wurden 800 weitere Anlagen benötigt; sie sollten oft als Public-Private Partnerships entstehen, entweder als BOT-Projekte („build, operate, transfer“: bauen, betreiben, übertragen) oder BOO-Projekte („build, operate, own“: bauen, betreiben, besitzen).
Der hohe Organik- und Wasseranteil des Mülls führt jedoch zu einem niedrigen Heizwert und einer ineffizienten Auslastung der Anlagen. Außerdem entsteht Flugasche mit giftigen Schwermetallen, chlororganischen Verbindungen, Dioxinen und Furanen; sie gilt als Sonderabfall. Für die folgenden fünf Jahre wurden über 5 Mio. t Flugasche erwartet. Befürchtete Schadstoffemissionen führten unter anderem in Guangdong, Hubei, Hunan, Shandong, Hainan, Jiangxi und Zhejiang zu Protesten.
Zehn große Entsorgungsunternehmen können zusammen über 200.000 t Müll täglich verbrennen und halten 80,4 % des Marktes. Der 13. Fünfjahres-Plan strebte eine Verbrennungskapazität von 467.000 t pro Tag an. Die Hangzhou Jinjiang Group Co. Ltd. war mit 43.688 t pro Tag das größte Unternehmen; das entsprach etwa 15,38 % der chinesischen Waste-to-Energy-Kapazität.
Das Recyclingsystem gilt als unterentwickelt: Im Jahr 2000 wurden beispielsweise nur 20 % des Mülls behandelt; bis 2020 sollte die Recyclingrate 35 % erreichen. Küchenabfall ist eine eigene Abfallart. Er fällt mit etwa 30 Mio. t jährlich an, wovon rund 80 % als Schweinefutter verwendet werden. Geplant war eine Behandlungskapazität von 34.400 t pro Tag. Wegen der Gefahr der Maul- und Klauenseuche sollen Kontrollen verstärkt und die Verarbeitung zu Gossen-Öl verhindert werden. Gossen-Öl ist illegal wiederaufbereitetes Speiseöl; laut einem Artikel der Washington Post von 2013 beruhte ein Zehntel des Speiseöls in China darauf. Küchenabfall wird auch zur Kakerlakenfütterung genutzt: Eine Farm in Jinan verarbeitete 2017 mit rund 300 Mio. Periplaneta americana etwa 15 t täglich und verwendete überschüssige Tiere als Hühnerfutter.
Staatliche Planung und Importverbot
Der 13. Fünfjahres-Plan (2016 bis 2020) sah Investitionen von über 38 Mrd. US-Dollar in die Abfallwirtschaft vor: knapp 25,7 Mrd. US-Dollar für die umweltschonende Behandlung von Siedlungsabfall, 3,9 Mrd. US-Dollar für Sammlung und Transport, 1,4 Mrd. US-Dollar für Recycling- und Sortieranlagen sowie 2,8 Mrd. US-Dollar für Küchenabfälle. Das Compulsory Waste Classification System sollte in 43 ausgewählten Städten eine Mülltrennung von mehr als 90 % erreichen. Für Sammlung und Transport war eine Tageskapazität von 440.000 t vorgesehen. Die Kreislaufwirtschaft wird zudem durch das Circular Economy Promotion Law gefördert, das im Januar 2009 in Kraft trat.
China war über etwa 30 Jahre der weltweit größte Müll-Importeur. 2012 gingen rund 56 % der weltweit exportierten Plastikabfälle nach China, entsprechend 9 Mio. t. 2016 wurden rund 7,3 Mio. t Plastikmüll im Wert von 3,7 Mrd. US-Dollar exportiert, darunter 1,6 Mio. t aus Europa; außerdem gingen jährlich über 70 % der weltweiten Elektronikabfälle nach China. Importierter Müll bot finanzielle Anreize und lieferte Sekundärrohstoffe, deren Recycling meist preiswerter und weniger aufwändig als eine Neuproduktion ist.
Im Juli 2017 meldete China der WTO ein Verbot für 24 Abfallarten, darunter unsortierten Plastikabfall, Altpapier mit höchstens 0,5 % Verunreinigung sowie Metall- und Elektroschrott und Textilien. Das Verbot gehört zur National Sword-Kampagne; die Green-Fence-Politik hatte seit 2013 die Kontrollen bereits verschärft. Ab Dezember 2018 sollten 16 weitere und ab Dezember 2019 nochmals 16 Festabfallarten verboten werden. Im ersten Halbjahr 2018 sank die Müllimportmenge gegenüber dem Vorjahr um 56 %; im Mai 2018 wurden 137.000 t illegale Müllimporte beschlagnahmt. Das Verbot beeinflusst globale Lieferketten. Exporte in Länder Südost- und Südasien oder in den Mittleren Osten können Chinas Verarbeitungskapazität nicht ersetzen.