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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Abendmahlssaal

Nach biblischer Darstellung feierte Jesus Christus am Vorabend seines Todes im Obergemach eines Jerusalemer Hauses mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lage
  2. 2. Biblische Überlieferungen
  3. 3. Entstehung der Tradition auf dem Zionsberg
  4. 4. Kreuzfahrerbau und heutiger Raum
  5. 5. Zugang und Gottesdienste

Bedeutung und Lage

Der Abendmahlssaal, lateinisch Coenaculum, ist eine christliche heilige Stätte auf dem Zionsberg im Südwesten der Jerusalemer Altstadt. Nach der biblischen Darstellung feierte Jesus Christus dort, genauer: im Obergemach eines Jerusalemer Hauses, am Vorabend seines Todes mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl. Die spätantike christliche Überlieferung verortete dieses Ereignis auf dem Zionsberg. Der heutige Raum gehört zu einem Bau, der in der Kreuzfahrerzeit entstand. Seit 1948 ist er faktisch Eigentum des Staates Israel und wird als Museum genutzt.

Biblische Überlieferungen

Nach Mk 14,12–16 EU und Lk 22,7–13 EU fanden die Jünger den Raum auf Jesu Weisung: Sie sollten in der Stadt einem Wasserträger in ein Haus folgen und den Hausherrn nach einem großen Raum im Obergeschoss fragen. Mt 26,17–19 EU nennt diese Einzelheiten nicht.

Mk 14,15 bezeichnet den Raum als „ἀνάγαιον ἐστρωμένον“ (anágaion estrōménon). Meist wird dies als für ein festliches Mahl mit Polstern oder Kissen hergerichtetes Obergemach übersetzt. Bei Flavius Josephus kann ἐστρωμένος jedoch auch „gedielt, getäfelt“ bedeuten. Die Lutherbibel gibt den Saal daher als „schön ausgelegt“ wieder; die Beschreibung lässt beide Deutungen zu.

Joh 13,1–17 EU erwähnt das Mahl, beschreibt den Raum aber nicht und überliefert auch nicht Jesu Deuteworte über Brot und Wein. Stattdessen verbindet dieses Evangelium das Mahl mit der zeichenhaften Fußwaschung.

Das Neue Testament erwähnt außerdem einen Versammlungsraum der Jerusalemer Urgemeinde: Nach der Kreuzigung schlossen sich die Jünger dort ein, und der Auferstandene begegnete ihnen mit dem Friedensgruß (Lk 24,36ff. EU; Joh 20,19ff. EU). In einem Obergemach verharrten sie außerdem mit den Frauen und Maria im Gebet und empfingen den Heiligen Geist (Apg 1,12–14 EU).

Entstehung der Tradition auf dem Zionsberg

Nach der römischen Zerstörung Jerusalems war der Südwesthügel, zuvor ein Gebiet mit eher ärmlicher herodianischer Wohnbebauung, weitgehend verlassen und landwirtschaftlich genutzt. Im 4. Jahrhundert berichten Quellen von einer Synagoge und einer kleinen Kirche, an denen ältere jüdische oder christliche Traditionen hafteten. Kyrill von Jerusalem und die Pilgerin Egeria identifizierten die Hauskirche mit dem Ort des Pfingstgeschehens.

Nach dem Konzil von Konstantinopel 381, das die Göttlichkeit des Heiligen Geistes definierte, wurde der Ort architektonisch aufgewertet: Aus der kleinen Kirche wurde zunächst die „Kirche der Apostel“, dann die Hagia-Sion-Basilika. Erzbischof Johannes II. von Jerusalem weihte diese Basilika wahrscheinlich am 15. September 394 ein. Die Verbindung mit dem Letzten Abendmahl bestand im 4. Jahrhundert noch nicht. Nach 550 zog die Basilika diese Überlieferung jedoch an sich, unter anderem durch Reliquien: den Abendmahlskelch und die Lampe, bei deren Licht Jesus seine Jünger belehrt haben soll. Eine konkurrierende Lokalisierung auf dem Ölberg wurde dadurch verdrängt.

Beim Persereinfall 614 wurden um die Basilika über 2000 Tote gezählt und die Kirche in Brand gesetzt; Patriarch Modestus ließ sie kurz darauf wiederherstellen. Im 7. Jahrhundert kam auch die Tradition der Entschlafung Mariens hinzu. Der Pilger Arkulf überlieferte einen Plan, nach dem die Südostecke der Basilika als „Locus hic caenae domini“ – Ort des Herrenmahls – verehrt wurde.

Kreuzfahrerbau und heutiger Raum

1099 feierte das Kreuzfahrerheer vor der Südmauer Jerusalems Gottesdienst in der Hagia Sion. Die damals ruinöse Kirche wurde nach der Eroberung schnell wiederaufgebaut und im Westen um drei Joche erweitert. 1219 rissen muslimische Verteidiger Jerusalems den Bau aus strategischen Gründen ab. Teilnehmer des 5. Kreuzzugs fanden eine Ruine vor: im Erdgeschoss die Gräber Davids und anderer Könige, im Obergeschoss den Abendmahlssaal. Die Restaurierung von 1229 bis 1244 schuf im Wesentlichen das Gebäude, das heute besteht.

Die Franziskaner richteten 1333 auf dem Zionsberg ein kleines Kloster ein, mussten ihn aber 1551 verlassen. Der Gebäudekomplex wurde zu einer muslimischen heiligen Stätte für den Propheten David, Nebi Daˤud, und erhielt ein Minarett. Christliche Pilger durften den Abendmahlssaal gegen Gebühr weiter besuchen. Heute gibt es wieder einen Franziskanerkonvent der Kustodie des Heiligen Landes beim Abendmahlssaal.

Der Saal selbst ist ein schlichter zweischiffiger Raum von etwa 15 m × 10 m. Kreuzrippengewölbe ruhen auf drei freistehenden Säulen sowie auf Pfeilern an der Nord- und Südwand. Spätere Einbauten sind zwei Treppenaufgänge, ein Mihrab in der Südmauer – eine Gebetsnische zur Gebetsrichtung im Islam – und ein Ziborium in der südwestlichen Ecke mit einem Pelikan-Kapitell.

Zugang und Gottesdienste

Eine Regelung aus der britischen Mandatszeit erlaubt Angehörigen aller Religionen den Zugang, beschränkt Gottesdienste jedoch stark. Christliche Besucher rezitieren oft Psalmen oder singen Kirchenlieder, doch Gottesdienste sind nur dreimal jährlich gestattet: am Gründonnerstag für Franziskaner, am Pfingstsonntag nach katholischem, orthodoxem und armenischem Ritus sowie am letzten Donnerstag im Januar zum Gebet für die Einheit der Christen. Im Raum sind keine christlichen Symbole wie Kreuze zu sehen.

Papst Franziskus wollte bei seinem Israelbesuch 2014 im Abendmahlssaal eine Messe feiern. Dies führte zuvor zu Protesten nationalreligiöser und ultraorthodoxer Juden, die häufigere Gottesdienste des Vatikans befürchteten. Die Messe fand am 26. Mai 2014 im Coenaculum statt.

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