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Ötzi
ä. genannt, ist eine Gletschermumie aus der späten Jungsteinzeit bzw. Kupfersteinzeit, die 1991 im Südtiroler Anteil der Ötztaler Alpen gefunden wurde.
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Bedeutung und Fund
Ötzi ist eine Gletschermumie aus der späten Jungsteinzeit beziehungsweise Kupfersteinzeit. Er starb zwischen 3368 und 3108 v. Chr. und ist die älteste bekannte natürliche menschliche Mumie Europas sowie eine der ältesten weltweit. Weil sein Körper und viele Gegenstände erhalten blieben, liefert der Fund wichtige Erkenntnisse über das Leben in der Steinzeit Europas.
Die beiden deutschen Bergwanderer Erika und Helmut Simon entdeckten ihn am 19. September 1991 am 3188 m hohen Tisenjoch in den Ötztaler Alpen. Der Mann lag mit dem Gesicht nach unten; schmelzendes Eis hatte Hinterkopf und Rücken freigegeben. Die Fundstelle liegt 92,55 Meter westlich der 1923 gezogenen Grenzlinie auf italienischem Staatsgebiet in Südtirol, obwohl sie auf der österreichzugewandten Seite der tatsächlichen Wasserscheide liegt.
Die Mumie wurde am 23. September 1991 geborgen. Da ihre große wissenschaftliche Bedeutung zunächst nicht erkannt wurde, entstanden dabei Schäden: Hüfte und beide Oberarme wurden nach dem Tod beschädigt, und der zu große Bogen wurde zerbrochen. Nach einem Rechtsstreit erhielten die Simons als Entdecker Anerkennung; Erika Simon erhielt 2010 einen Finderlohn von 175.000 Euro.
Erhaltung, Körper und Erbgut
Ötzi war gefriergetrocknet, nahezu vollständig und etwa 1,54 m groß sowie 13 kg schwer. Da sein Körper beim Gefrieren schrumpfte, war er zu Lebzeiten vermutlich etwa 1,60 m groß. Sein wahrscheinliches Sterbealter lag bei 45–46 Jahren, mit einer möglichen Abweichung von bis zu ±5 Jahren. Er hatte Bandscheibenverschleiß an der Lendenwirbelsäule, starke Zahnabnutzung, Karies, leichte bis fortgeschrittene Parodontitis und eine Zahnlücke zwischen den oberen mittleren Schneidezähnen. Außerdem sind Arterienverkalkung, drei Gallensteine und Helicobacter pylori im Magen nachgewiesen. Die mitgeführten Birkenporlinge können auf akute Magenbeschwerden als Grund für ihre Verwendung hindeuten.
Erhalten sind 61 Einzeltätowierungen aus in kleine Wunden eingeriebenem Kohlenstaub. Dazu gehören Linien im Lendenbereich, Streifen am rechten Fußknöchel und ein Kreuz hinter dem rechten Knie. Da einige Punktierungen an klassischen Akupunkturpunkten liegen, wird eine therapeutische Funktion vermutet, sie ist aber nicht gesichert.
Das 2023 wesentlich besser sequenzierte Genom korrigierte Teile älterer, durch moderne DNA verunreinigter Ergebnisse. Ötzis Erbgut stimmt zu 91 Prozent mit dem früher europäischer Ackerbauern überein, die ab 7000 v. Chr. Landwirtschaft aus Anatolien nach Europa brachten; 9 Prozent stammen von westeuropäischen Jägern und Sammlern. Er war laktoseintolerant, hatte Blutgruppe 0 und vermutlich braune Augen. Wahrscheinlich war er glatzköpfig und hatte eine relativ dunkle Hautfarbe, dunkler als heutige Südeuropäer. Seine Y-DNA gehört zur seltenen Haplogruppe G2a4-L91; seine mütterliche mtDNA zu einer Untergruppe von K1, zu der derzeit keine Überlebenden bekannt sind.
Letzte Tage und ungeklärter Tod
Pollen aus dem Darminhalt zeigen, dass Ötzi in seinen letzten Tagen verschiedene Vegetationszonen durchquerte. Zunächst hielt er sich nahe der damaligen Baumgrenze von etwa 2400 m auf, stieg dann wahrscheinlich in das Schnals- oder Etschtal ab und etwa sechs Stunden vor seinem Tod wieder zum Tisenjoch auf. Zahlreiche Pollen der Hopfenbuche im Magen sprechen für einen Tod im Frühjahr. Etwa eine Stunde vor seinem Tod rastete er und aß reichlich, unter anderem Fleisch vom Alpensteinbock. Damit gilt die frühere Vorstellung einer hastigen Flucht aus dem Tal als widerlegt.
Mindestens etwa 24 Stunden vor der tödlichen Pfeilattacke war er offenbar in einen Nahkampf verwickelt: Schnittverletzungen an linkem Arm und Händen sowie Kratzspuren am Körper belegen dies. Eine 2001 erkannte Pfeilspitze steckte von hinten in seiner linken Schulter. Der Pfeil stammte wahrscheinlich von einem Verfolger, weil seine Spitze anders geformt ist als die zwei erhaltenen Pfeilspitzen aus Ötzis Köcher. Er verletzte das Schulterblatt und möglicherweise Gefäße nahe dem Schlüsselbein. Außerdem ist ein Schädel-Hirn-Trauma nachgewiesen.
Die genaue Todesursache ist umstritten. Als Möglichkeiten gelten eine arterielle oder venöse Blutung, ein unmittelbarer Tod durch das Schädel-Hirn-Trauma oder langsames Verbluten; 2012 nachgewiesenes Fibrin in der Pfeilwunde spricht für einen direkten Tod durch den Pfeilschuss. Unklar ist auch, ob der Fundort zugleich der Tatort war. Dass das wertvolle Kupferbeil zurückblieb, macht einen Raubmord weniger wahrscheinlich, schließt ihn aber nicht aus. Die umstrittene Bestattungstheorie, nach der Ötzi erst im Tal starb und später auf dem Pass bestattet wurde, wurde von Fachleuten zurückgewiesen.
Kleidung und Ausrüstung
Ötzis Kleidung und Geräte zeigen eine gut an das Hochgebirge angepasste Lebensweise. Stilmerkmale des Kupferbeils und lessinischer Feuerstein bei Dolch und Pfeilspitzen ordnen ihn der südalpinen Remedello-Kultur zu. Seine Jacke bestand aus Ziegen- und Schafhaut, die Beinlinge aus Ziegenfell. Er trug einen Gürtel aus Kalbsleder, einen bis zu den Knien reichenden Lendenschurz aus Schaffell und eine Mütze aus Braunbärenfell.
Die Schuhe bestanden aus Rindsleder für den Schaft, Bärenfell für die isolierende Sohle und einem Innenschuh aus Grasschnüren. Trockenes Süßgras diente als Polster und Isolierschicht. Überkreuzte Lederstreifen an der Unterseite bilden die älteste bekannte Profilsohle eines Schuhs. Die Schuhe wurden mit Lindenbast geschlossen.
Das vollständig erhaltene Kupferbeil besitzt eine zu 99 % kupferne Klinge aus südtoskanischem Erz und einen Schaft aus Eibenholz. Es konnte Bäume fällen; wegen des hohen Werts von Kupfer könnte es zugleich ein Statuszeichen oder eine Waffe gewesen sein. Der 1,80 m lange Bogen aus Eibenholz war wahrscheinlich noch nicht vollständig fertiggestellt. Seine 14 Pfeile bestanden aus Holz des Wolligen Schneeballs; zwei trugen noch mit Pflanzenfasern und Birkenpech befestigte Feuersteinspitzen. Nachbauversuche zeigen bei Schalenwild auf 30–50 Meter tödliche Durchschlagskraft.
Zur Ausrüstung gehörten außerdem ein Feuersteindolch mit Eschenholzgriff, ein Retuscheur zum Nacharbeiten von Feuersteinklingen, eine vermutlich als Rückentrage dienende Holzkonstruktion sowie zwei Birkenrindendosen. Eine davon diente wahrscheinlich als Glutbehälter für Holzkohle. Die Gürteltasche enthielt unter anderem Klingenkratzer, Bohrer, Ahle, Feuersteinbruchstück, Feuerschwamm und Pyrit für ein Schlagfeuerzeug. Zwei Birkenporlinge wurden vermutlich medizinisch verwendet.
Datierung, Eis und Aufbewahrung
Die Radiokohlenstoffdatierung ergibt für Ötzis Tod 3368–3108 calBC bei 2σ, also 95,4 % Konfidenzniveau. Als zusammengefasstes Laborergebnis wurden 4550 ± 19 BP ermittelt; die Kalibrierung mit OxCal 4.4 ergibt einen Mittelwert von 3258 ± 89 calBC bei 1σ und einen Median von 3223 calBC.
Ötzi lebte in einer Phase zunehmender Vergletscherung der Ötztaler Alpen. Die Fundstelle war eine Felsmulde unter einer unbeweglichen Eismasse, die ihn lange schützte. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Mumie wiederholt auftaute und zumindest zeitweise in flüssigem Wasser lag. Wahrscheinlich starb er nicht genau in der Mulde, sondern auf einer höheren Schneefläche und rutschte später hinein. Diese Ergebnisse widerlegen die frühere Annahme, er sei unmittelbar nach dem Tod dauerhaft im Eis versiegelt worden.
Seit März 1998 wird die Originalmumie im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen aufbewahrt und ausgestellt. Eine Kühlzelle bei −6,5 °C und 97–99 % Luftfeuchtigkeit ahmt Gletscherbedingungen nach. Da die Mumie täglich vier bis sechs Gramm Wasser verliert, wird ihr alle drei Monate durch feinen warmen Wassernebel wieder Feuchtigkeit zugeführt.