Sophie Scholl & die Weiße Rose: die 5 letzten Tage MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=ram6HLr-aWI Transkript (automatisch erstellt) 0:00 In diesem Video geht es um Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit. Das hört sich vielleicht erst mal überzogen an, aber es stimmt. 0:06 Wir erzählen euch die Geschichte fünf dramatischer Tage im Februar 1943. 0:11 In diesen fünf Tagen entscheidet sich das Schicksal einer Gruppe, die unter dem Namen die "Weiße Rose" 0:17 die Nazidiktatur herausfordert. Sie sind die bekannteste Gruppe des bürgerlichen Widerstandes, 0:22 die für ihre Ideale auch den eignen Tod in Kauf nimmt. (Nachdenkliche Musik) 0:28 Bevor es mit der spannenden und zugleich grausamen Geschichte losgeht, 0:31 einige Fakten vorab. Die "Weiße Rose", so nennt sich die Widerstandsbewegung 0:36 gegen die Nazidiktatur. Ihr gehören die Medizinstudenten 0:39 Hans Scholl und Alexander Schmorell an, ihre Freunde Christoph Probst und Willi Graf, 0:43 Hans' Schwester Sophie und Prof. Kurt Huber. Während die Scholls in ihrer Jugend noch bei der Hitlerjugend mitmachen, 0:51 ist Willi Graf schon damals gegen die Nazis. Als Mitglieder der Weißen Rose 0:55 wollen sie etwas gegen die Diktatur unternehmen. Zum einen, weil sie als kritisch denkenden junge Leute 1:00 vom NS-Staat ungerecht behandelt werden. Zum anderen, weil sie als Soldaten an der Front 1:05 und als aufmerksame Menschen in der Heimat sehen, wie verbrecherisch das Regime ist. Deshalb wollen sie nicht schweigen, 1:12 sondern den Deutschen die Augen öffnen. Sie wollen die Wahrheit sagen 1:16 und zum Widerstand gegen die Verbrecher ermutigen. Dazu verfassen sie Flugblätter, vervielfältigen diese 1:21 und verschicken sie dann zu Tausenden vor allem im Raum München und dem weiteren Umland, 1:26 aber auch in österreichischen Städten. Schnell finden sie auch in anderen Städten Mutige, 1:31 die die Blätter weitergeben, nachdrucken und versenden. In München bringen sie auch Parolen an den Hauswänden an. 1:38 Zum Beispiel schreiben sie groß "Hitler Massenmörder" an ein Haus in der Münchner Fußgängerzone. 1:45 Und dann kommt der Donnerstag, 18 Februar 1943. Zwei Studierende betreten die Universität München. 1:54 Es handelt sich um Hans Scholl und seine Schwester Sophie Scholl. Die beiden Geschwister tragen einen Koffer bei sich, 2:01 in dem sich Flugblätter befinden, die sie im Unigebäude auslegen wollen. 2:05 Seit Monaten ist die Gruppe die Weiße Rose aktiv. Ihr Ziel: die Naziregierung stürzen. 2:10 Ihre Motive: die Verbrechen der Regierung müssen aufhören. Ihre Aktionen werden immer größer, 2:16 und die Staatsmacht tappt wohl im Dunkeln. Obwohl die Universität überwacht wird, 2:21 versenden sie über 1.000 Flugblätter. Eine Flugblattaktion in der Universität wird erwogen. 2:26 Was treibt sie zu dieser riskanten Aktion? Sind sie sich des Risikos bewusst? 2:32 Wenn dann eher abstrakt. Konkret fürchten die sich nicht. 2:35 Wer so lange gegen die Nazis kämpft, weiß, dass er erwischt werden kann. Aber ihr Gewissen ist stärker als ihre Angst. 2:42 In der Uni sind die Flure wegen der Vorlesungen leer. Die beiden kommen gut voran. 2:46 Zum Schluss steigen sie die Treppe hinauf. Von der Balustrade des Lichthofs flattert bald 2:51 ein ganzer Stapel Flugblätter in die Tiefe. Ein Hausmeister, der genau das sieht, 2:57 hastet alarmiert die Treppe nach oben. Er erklärt Sophie und Hans für verhaftet und nimmt sie mit, 3:03 um sie kurze Zeit später der Gestapo zu übergeben, dem Geheimdienst der Nazis. 3:08 Hans Scholl trägt noch einen Zettel bei sich. Es handelt sich um einen Textentwurf für das nächste Flugblatt 3:14 der Weißen Rose, den Christoph Probst formuliert hat. Der Hausmeister vereitelt Hans' Versuch, den Zettel zu beseitigen. 3:20 Ein Beweisstück mehr. Etwa ab elf Uhr werden die beiden von der Gestapo befragt. 3:25 Sophie erzählt den Beamten, dass sie, wie ihr Bruder, Mitglied der HJ war, der Hitlerjugend. 3:30 Sophie bei der Jungmädelschaft und im BDM, von 1934 bis 1941. Sie steigt zur Gruppenführerin auf. 3:35 Sie schildert ihre Abkehr von der Organisation und sagt, dass sie mit den Nazis nichts zu tun haben will. 3:41 Sophie und ihr Bruder Hans leugnen aber, etwas mit den Flugblättern zu tun zu haben. 3:45 Aber die Gestapo hat bei Hans Beweismaterial gefunden. So erklärt er: "Ja, ich habe die Flugblätter verfasst, alleine." 3:52 Er nimmt damit alle Beteiligten in Schutz, indem er alles auf sich zieht. 3:56 Auch seine Schwester habe nichts gewusst. Er habe sie erst eingeweiht, als er die Flugblätter verteilen wollte. 4:02 Auch Probst versucht er aus der Schusslinie zu ziehen. Der habe den Text auf seinen Auftrag hin verfasst 4:08 und nichts von den Flugblättern gewusst. Freitag, der 19. Februar 1943. (Beklemmende Musik) 4:15 Die Gestapo verhaftet Christoph Probst. Der Medizinstudent hat an der Ostfront Kriegsdienst geleistet 4:20 und studiert in München Medizin. Hier lernt er die Geschwister Scholl kennen. 4:25 Probst hat an den Flugblättern mitformuliert. Aber weil er drei kleine Kinder hat, 4:29 hat er sich bei der Weißen Rose zurückgehalten. Der Entwurf für das siebte Flugblatt stammt von ihm. 4:35 Genau diesen Entwurf trug Hans Scholl bei sich und konnte ihn nicht mehr vernichten. 4:39 So kommt die Gestapo auf die Spur von Probst. Sophie Scholl wird von der Gestapo 4:44 mit dem Geständnis ihres Bruder konfrontiert. Sie macht klar, dass sie von Anfang an 4:49 in die Idee mit den Flugblättern eingeweiht und sogar maßgeblich daran mitbeteiligt war. 4:54 Sie habe auch mitgeschrieben. Samstag, der 20, Februar 1943. (Beklemmende Musik) 5:01 Die Gestapo verhört Hans Scholl noch einmal. Wieder gibt er an, eigentlich alles allein unternommen zu haben. 5:08 Sophie und Alexander Schmorell hätten nur einmal auf sein Bitten hin Flugblätter in andere Städte gefahren. 5:13 Er erklärt auch den Namen die "Weiße Rose". Er habe einfach einen Namen mit gutem Klang gesucht. 5:19 Christoph Probst, den man nach München gebracht hat, wird ebenfalls verhört. 5:23 In der Vernehmung gibt er an, wegen der Niederlage im Osten das Vertrauen zur deutschen Führung verloren zu haben. 5:29 Über seine Ängste habe er mit Hans Scholl gesprochen. Den Text habe er in seiner Depression geschrieben, 5:35 um sich abzureagieren. Er sei nicht zur Veröffentlichung gedacht gewesen. 5:39 Von den Aktivitäten seiner Freunde habe er nichts gewusst. Er sei in unpolitischer Mensch. Warum macht Probst das? 5:46 Na ja, ihr müsst daran denken, sich gegen Hitler zu stellen, gegen das Regime, das war lebensgefährlich. 5:51 Wer gegen Hitler war, schwieg in den allermeisten Fällen. Kann man als feige bezeichnen, ist aber menschlich. 5:57 Probst schwieg nicht, er wagte den Widerstand. Und jetzt, im Moment seiner Verhaftung, 6:02 den Tod vor Augen, dass er in diesem Moment versucht, sich und seine Familie zu schützen, das ist eben nur menschlich 6:08 und nicht feige. Sonntag, der 21. Februar 1943. (Beklemmende Musik) 6:15 Auch an diesem Tag gehen die Verhöre weiter. Weil die jungen Männer der Weißen Rose, 6:20 wie nahezu alle jungen Männer, im Krieg offiziell Soldaten sind, dürfen sich eigentlich nicht vor ein Zivilgericht gestellt werden. 6:27 Deshalb werden sie aus der Armee entlassen. Damit ist der Weg frei, die Mitglieder der Weißen Rose 6:33 vor das damals oberste deutsche Gericht zu bringen: den Volksgerichtshof. 6:39 Dessen Präsident Roland Freisler reist extra mit dem Flugzeug nach München. 6:43 Er will die Widerstandskämpfer persönlich verurteilen. Freisler versteht sich besonders auf Schauprozesse, 6:49 in denen die Angeklagten vorgeführt und gedemütigt werden. Der NS-Apparat arbeitet schnell. 6:55 Noch an diesem Sonntag liegen die Anklageschriften vor. Montag, 22. Februar 1943. (Beklemmende Musik) 7:03 Am Montag füllt sich der Verhandlungssaal des Volksgerichtshofes mit Zuschauern. 7:08 Es sind Frauen und Männer, die treue Anhänger Hitlers sind. Richter Freisler betritt um zehn Uhr die Bühne. 7:14 Er ist in seinem Element. Wenn er die Angeklagten befragt, schreit und tobt er herum, 7:19 springt immer wieder auf. Hans Scholl hat recht, 7:22 wenn er den Prozess als ein "Affentheater" bezeichnet. Gegen Christoph Probst hat Freisler wenig in der Hand. 7:28 Nur den zerrissenen Text, den außer Hans Scholl niemand gesehen hat. Probst erklärt, er sei wegen seiner kranken Frau depressiv. 7:35 Auch Hans Scholl bittet Freisler darum, Probst zu verschonen. Aber Freisler verurteilt den dreifachen Vater gnadenlos. 7:42 Um 12.45 Uhr verkündet Freisler das Urteil: Die Angeklagten haben im Kriege in Flugblättern zur Sabotage 7:49 der Rüstung und zum Sturz der nationalsozialistischen Lebensform unseres Volkes aufgerufen, defätistische Gedanken propagiert 7:56 und den Führer aufs Gemeinste beschimpft. Und dadurch den Feind des Reiches begünstigt 8:00 und unsere Wehrkraft zersetzt. Sie werden deshalb mit dem Tode bestraft. 8:05 Die Geschwister Scholl bekommen noch einmal Besuch von ihren Eltern. Christoph Probst darf seine Frau und seine Kinde nicht mehr sehen. 8:12 Er lässt sich noch vom katholischen Pfarrer taufen, danach rauchen die drei Freunde eine letzte Zigarette. 8:18 Um 17 Uhr beginnen die Hinrichtungen. Sieben Stunden nach Beginn der Gerichtsverhandlung, 8:23 und nur fünf Tage nach den ersten Verhaftungen. Als Erste wird Sophie Scholl hingerichtet. 8:30 Es wird berichtet, sie sei völlig gefasst gewesen. Hans Scholls letzter Satz ist ein Bekenntnis: 8:35 "Es lebe die Freiheit!" Dann legt er den Kopf unter das Fallbein der Guillotine. 8:41 Als Letzter stirbt auch Christoph Probst. Damit sind die fünf dramatischen Tage vorüber. 8:48 Aber die Verfolgung der Weißen Rose und des Netzwerkes des Widerstandes gehen weiter. 8:53 Auch Schmorell, Huber und Graf werden gefasst, verurteilt und hingerichtet. Weitere Helfer und Mitwisser der Weißen Rose 8:59 werden in den kommenden Monaten und Jahren zu Haftstrafen verurteilt. Das sechste Flugblatt gelangt durch Widerstandskreise nach England. 9:07 Im Juli 1943 werfen alliierte Flugzeuge das Flugblatt über deutschen Städten ab. 9:11 In einem Film würde die Geschichte jetzt enden. Ein letzter Triumph der Weißen Rose. 9:16 Aber in Wirklichkeit gehen der Krieg und die Terrorherrschaft weiter, noch fast zwei lange Jahre. 9:21 Die Nazis verursachen weiteres unendliches Leid bis zur bedingungslosen Kapitulation. 9:27 Das Ziel der Weißen Rose hat Deutschland also nicht erreicht: Die Kraft aufzubringen, das Naziregime selbst zu stürzen. 9:35 War damit alles vergebens? Was bleibt von der Weißen Rose? 9:39 Wie kann ihr Wirken auf uns heute noch Einfluss nehmen? So merkwürdig es auch klingen mag, 9:44 das Einfachste und Bequemste für uns heute ist, Hans und Sophie Scholl, Wilhelm Graf, Alexander Schmorell, 9:50 Christoph Probst und Kurt Huber als Helden zu verehren, weil sie für Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit kämpften. 9:56 Denn vor Helden kann man sich problemlos demütig verneigen. Helden spielen in einer ganz anderen Liga. 10:02 Aber was kann ich tun, wo ich doch kein Held bin? Das ist es eben nicht, 10:07 was die Weiße Rose bis heute ausmacht. Es waren junge Menschen, keine Überwesen. 10:11 Sie wollten keine Helden sein, die die Sache für uns richten wie Superman und Wonder Woman. Sie wollten was anderes sein. 10:18 Sie wollten unser böses Gewissen sein. Uns nicht in Ruhe lassen, 10:22 bis wir uns gegen das Unrecht erheben. Und genau diese Botschaft hat immer Gültigkeit. 10:27 Gestern, heute, morgen. Wenn das bei uns ankommt, war ihr Wirken nicht vergebens, 10:32 würde ich zumindest sagen. Wie seht ihr das? Was bedeutet für euch die Weiße Rose? 10:36 Wie würdet ihr den Widerstand bewerten? Schreibt's gerne in die Kommentare. 10:40 Hier gibt's ein Video zu einem besonderen Schriftzeugnis des Nationalsozialismus: dem Tagebuch der Anne Frank. 10:46 Und direkt darunter eins, das Sophie Scholl ganz besonders beleuchtet. 10:50 Danke fürs Zuschauen. Bis zum nächsten Mal!