Eine Welt ohne Wirtschaftswachstum – geht das? Was kostet die Welt? https://www.youtube.com/watch?v=WEf1UCvPJNA Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Diese beiden Kurven bestimmen darüber, wie wir in Zukunft leben werden. Ob wir den Klimawandel stoppen können, ob wir das mit unserem Wirtschaftssystem 0:07 hinbekommen oder ob der Kapitalismus am Ende ist. Es geht dabei um die eine große Frage. Müssen wir unsere Wirtschaft für das Klima schrumpfen oder 0:15 brauchen wir gerade jetzt Wachstum mehr denn je? Das ist eine ziemlich komplexe Frage und es gibt dazu unzählige Studien, Artikel 0:23 und Talkshowrunden. Wir haben deshalb versucht, das für euch mal aufzudröseln. Wir haben uns beide Seiten angeschaut, mit Leuten aus beiden Lagern gesprochen. 0:31 Das Ergebnis: In diesem Video stellen wir euch jeweils die drei wichtigsten Argumente auf beiden Seiten vor. Los geht's. 0:39 [Musik] Okay, zunächst müssen wir mal klären, über was genau da eigentlich gestritten 0:46 wird. Diese blaue Kurve zeigt, wie sich die Weltwirtschaft seit 1960 entwickelt hat. Und das ist erstmal eine ziemlich krasse Erfolgsgeschichte. Gemessen wird 0:55 das am Brutto Inlandsprodukt kurz BIP, also dem Wert aller Waren und Dienstleistung, die in einem Jahr produziert werden. Heute liegt das BIP 1:03 fast acht mal so hoch wie 1960. Das hat die Menschheit insgesamt viel reicher gemacht und über eine Milliarde Menschen aus der Armut befreit. Wachstum führt zu 1:11 Wohlstand. Das ist eine zentrale Idee unseres Wirtschaftssystems. Aber dieser Wohlstand hat seinen Preis und das sieht man an dieser Kurve hier. Sie zeigt uns 1:19 die jährliche Menge an CO2, die die Menschheit weltweit in die Luft geblasen hat und diese Menge geht Jahr für Jahr immer weiter hoch. Und ihr seht, die 1:26 beiden Kurven hängen sehr eng zusammen. Mehr BIP bedeutet mehr Produktion, mehr Produktion erfordert mehr Fabriken, mehr Fabriken brauchen mehr Energie und die 1:34 klimaschädlichen CO2 Emissionen steigen. Bis Ende der 70er sind diese Kurven ziemlich im gleichen Tempo gewachsen. Seitdem tut sich etwas. Die Emissionen 1:42 wachsen deutlich weniger als das BIP. Diese Entwicklung hat einen Namen, relative Entkopplung. Das ist zunächst mal eine gute Nachricht. Mehr Wachstum 1:49 bedeutet nicht in gleichem Maße mehr Emissionen. Das Problem ist, es reicht nicht. Die Emissionen müssen nicht nur langsamer steigen, sie müssen fallen. 1:57 Nur dann können wir die Erderwärmung stoppen. Da sind sich außer ein paar Klimawandelleugnern eigentlich alle einig. Aber wie soll das gehen? Im 2:04 Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten. Die erste ist, wir senken das BIP, dann fallen auch die Emissionen. Das hieße also, wir schrumpfen absichtlich unsere 2:12 Wirtschaft. Genau das fordern Anhänger der sogenannten Dgrowth Bewegung. z.B. einer von Deutschlands prominentesten Wachstumskritikern. 2:19 Wir werden in den Industrie- und Konsumländern, weil eine Entkopplung nicht denkbar ist, tatsächlich den Wohlstand reduzieren müssen. 2:28 Und diese Idee gewinnt tatsächlich immer mehr Fans, vor allem in der Klimabewegung. 2:37 Das Wohlstandsrisiko ist genau dieser Profitdrang, dieser Zwang zu Profitmaximierung zu einer angeblichen Wirtschaftswachstum. Die zweite 2:46 Möglichkeit ist, wir schaffen eine absolute Entkopplung. Das heißt, die Wirtschaft kann weiterwachsen, während die Emissionen sinken. Das ist das, was 2:53 viele Politiker und Ökonomen als grünes Wachstum bezeichnen. Wir werden reicher und dem Klima geht's besser. Aber ist das überhaupt möglich? Ja, das sagen 3:01 zumindest renommierte Klimaökonomen. Meiner Auffassung ist es nicht notwendig, dass man das Wirtschaftswachstum reduziert. Man kann 3:08 also Wirtschaftswachstum und Emissionsreduktion miteinander vereinbaren. Das wäre genau das, was wir brauchen. 3:14 Die Wirtschaft wächst, die Emissionen fallen. Absolute Entkopplung. Das sind also die zwei Auswege, die wir haben. Nachhaltiges Wachstum oder Verzicht. 3:23 Green Growth oder Degrowth. auf Anreize und Innovationen setzen oder den Kapitalismus, wie wir ihn kennen, abschaffen. Aber welcher dieser Wege 3:30 bringt uns tatsächlich ans Ziel? Schauen wir uns die Argumente einmal an. Zuerst die der Wachstumskritiker. 3:39 Argument 1: Der Planet stößt an seine Grenzen. Grünes Wachstum ist ja eine schöne Idee, sagen die Degrowth Anhänger. Dagegen spricht für sie aber 3:46 ein einfacher logischer Zusammenhang. Die Erde ist ein Ökosystem mit endlichen Ressourcen und mit endlichen Ressourcen lassen sich auch nicht unendlich viele 3:53 Dinge herstellen. Und selbst bei grünen Technologien benötigen wir unglaublich viele natürliche Ressourcen. Für E-Autos brauchen wir Materialien wie Litium und 4:01 Windräder und Solarparks nehmen viel Fläche ein. Wenn die Technologie, die zum Einsatz gelangte, um dies zu ermöglichen, so 4:08 viel Flächen zerstört, so viel Natur zerstört, so viel Biodiversität zerstört, dass ich dann letztenendes einen umweltpolitischen Kannibalismus 4:16 vor mir sehe. Ich löse ein Problem, aber erzeuge neue Probleme. Pech sagt also, den Preis des Wachstums zahlt am Ende doch wieder die Umwelt, 4:26 selbst bei grünen Technologien. Ein australischer Kollege von ihm kommt sogar zu dem Ergebnis, dass dieses Problem grundsätzlich nicht in den Griff 4:33 zu bekommen ist. Dort heißt es, unser Modell zeigt, dass das Wachstum des BIP letztlich nicht plausibel vom Wachstum des Material und Energieverbrauchs 4:41 abgekoppelt werden kann. Viele Wachstumskritiker glauben also, dass die Idee von absoluter Entkopplung völlig utopisch ist. Okay, zumindest was 4:49 unseren Ressourcenverbrauch angeht, sind das erstmal ziemlich schlechte Nachrichten. Für den Klimawandel ist vor allem der CO2 Ausstoß relevant. In 4:56 diesem Video konzentrieren wir uns deshalb darauf. Schauen wir uns den noch mal an. Wir haben in Deutschland unsere Emissionen zwar in den letzten Jahren 5:03 ziemlich stark gesenkt, aber wie ihr seht, blasen wir immer noch fast doppelt so viel CO2 in die Luft wie der weltweite Durchschnitt. Deutlich zu 5:09 viel. Im Klimaabkommen von Paris 2015 haben die Regierungen sich darauf geeinigt, die Erdwärmung auf 1,5° zu begrenzen. Um dieses Ziel irgendwie noch 5:18 zu erreichen, müssten die weltweiten CO2 Emissionen um 6,8% im Jahr gesenkt werden und das ist zumindest nach aktuellem Forschungsstand unerreichbar. 5:27 Noch mal, wenn wir weiter so wirtschaften wie bisher, Gerät der Klimawandel außer Kontrolle. Was wir also brauchen ist ein Ausweg und viele 5:35 Leute setzen ihre Hoffnungen da auf ein ganz bestimmtes Pferd und wir wollen es vor allem mit Technologie lösen. 5:42 Die Hoffnung von Leuten wie Friedrich Merz ist, der technische Fortschritt soll uns helfen, klimaneutral zu werden und das ohne, dass unser Wohlstand 5:49 abnimmt. Da gibt es nur leider ein ziemlich großes Problem. Argument 2: Technischer Fortschritt allein reicht nicht. Nur weil 5:57 technischer Fortschritt die Wirtschaft effizienter macht, heißt es noch lange nicht, dass die Emissionen fallen. Um das zu verstehen, müssen wir einen 6:03 kleinen Exkurs in die Geschichte machen und zwar mitten in die industrielle Revolution ins Jahr 1865. Gerade hat James Watt seine neue 6:10 besonders effiziente Dampfmaschine vorgestellt. Die Maschine wird ein Hit und verbreitet sich schnell im ganzen Vereinigten Königreich. Da macht der 6:17 Ökonom William Stanley Javins eine eigenartige Entdeckung. Die neue Maschine ist viel effizienter als ihre Vorgänger und trotzdem verbraucht das 6:25 Land jetzt sehr viel mehr Kohle. Javins hat eine Erklärung dafür. Durch die effizientere Maschine sparen die Fabrikeigentümer Geld. Dieses Geld 6:32 investieren Sie in neue Maschinen. Mit den neuen Maschinen wird jetzt einfach viel mehr produziert. Heute wissen wir, das was Jevinstar entdeckt hat, ist der 6:40 Rebound Effekt. Unternehmen entwickeln neue Technologien, um effizienter zu werden. Sie wollen entweder Zeit, Energie oder einfach nur Geld sparen. 6:48 Diese freigewordenen Ressourcen investieren Sie in neue Mitarbeiter, in Forschung oder in eine neue Kantine. Für die Wirtschaft insgesamt bedeutet das, 6:56 Effizienzsteigerungen führen zu mehr Wirtschaftswachstum. Schön für die Kapitalisten. Für den Kampf gegen den Klimawandel ist das aber ein Problem. 7:03 Das Umweltbundesamt gibt beispielsweise an, dass die direkten Reboundekte für Raumwärmenutzung zwischen 10 und 30% liegen. Das heißt, Familie Meer dämmt 7:13 ihr Haus, spart dadurch Gas und dreht dafür die Heizung im Winter höher als zuvor. Oder sie behalten ihre gewohnte Temperatur bei, sparen Gas und 7:20 investieren das gesparte Geld in einen Langstreckenflug. Das Problem ist, dass diese indirekten Effekte nahezu unmöglich messbar sind. 7:28 Deshalb gibt es nur sehr wenige belastbare Zahlen. Aus Einzeluntersuchungen zeichnet sich aber ein düsteres Bild ab. Studien zeigen, 7:35 dass Rebounde Effekte sogar mehr als 50% der Einsparung zur Nichte machen können. Die Energieeinsparungen werden dann nur halb so wirksam wie ursprünglich 7:42 gedacht. Kommen wir noch mal zurück zu unserer Grafik. Wenn der Reboundeffekt voll einschlägt, dann fällt dieser Graf hier längst nicht so schnell, wie er 7:49 theoretisch könnte. Innovationen helfen dann zwar bei der relativen Entkopplung, weil die Energie effizienter genutzt wird, aber sie treiben gleichzeitig 7:56 diese Kurve in die Höhe. Und ohne absolute Entkopplung heißt das mehr Emissionen. Im Klartext heißt das die Effizienzgewinde durch den 8:04 technologischen Fortschritt nutzen dem Klima wenig. Sie verpuffen den mehr Konsum. Noch härter attackieren Wachstumskritiker allerdings diesen 8:11 Grafen. Sie sagen, dass wir überhaupt so auf das BIP gucken, ist an sich schon ein Problem. Und das bringt uns zu Argument 3: Das BIP misst nicht das 8:19 Wohlergehen. Das BIP ist sowas wie der Erzfeind der Wachstumskritiker. Sie sagen, das BIP ist als Wohlstandsmaß für ein Land völlig ungeeignet. 8:27 [Musik] Der Grund wird klar, werden wir uns angucken, wie sich dieser Wert zusammensetzt. Das BIP ist die Summe 8:38 aller Waren und Dienstleistungen, die in einer Volkswirtschaft in einem Jahr produziert werden. Egal, ob ihr zum Friseur geht, ein neues Auto kauft oder 8:45 einfach Urlaub macht. Am Ende des Jahres rechnen Deutschlands Statistiker all unsere Käufe und Verkäufe zu einer einzigen Zahl auf. Wenn man das BIP 8:53 durch die Anzahl der Bewohner des Landes dividiert, kann man es ganz gut mit anderen Ländern vergleichen. In Deutschland waren das zuletzt etwa 46 9:00 000 €. Das BIPR Kopf ist so ziemlich die wichtigste Wirtschaftszahl eines Landes. Sie wird oft dafür verwendet, auszudrücken, wie es um den Wohlstand 9:07 eines Landes steht. Aber dafür ist das BIP eigentlich nicht gedacht und das hat einige absurde Folgen. Geschieht z.B. eine Umweltkatastrophe, ist das erstmal 9:15 gut fürs BIP. Die Wiederaufbaukosten fließen ja schließlich auch in die Kennzahl ein. Das ist natürlich ein Widerspruch, das 9:21 ist eine Pathologie. die zeigt, dass das Bruttoinlandsprodukt überhaupt nicht geeignet ist, um die Lebensqualität der Menschen zu messen. 9:29 Was Nico Pech hier sagt, ist das BIP misst immer nur den Output einer Wirtschaft. Deshalb geht es manchmal auch dann hoch, wenn die Menschen gar 9:35 nicht besser dran sind. Wachstumskritiker bemängeln auch, dass das BIP keine Faktoren wie Bildung, Gesundheit, Lebensqualität oder soziale 9:43 Sicherheit berücksichtigt. Diese Aspekte sind aber entscheidend für das Wohlergehen der Bevölkerung. Das zeigt z.B. ein Vergleich der USA mit Spanien. 9:50 Das BIP pro Kopf ist in Amerika fast doppelt so hoch wie das der Spanier. Trotzdem werden Spanier z.B. im Schnitt fast 6 Jahre älter als Amerikaner. Grund 9:59 dafür ist vor allem die deutlich größere Ungleichheit in den USA, die das BIP nicht abbildet. Das BIP ignoriert außerdem auch wichtige Tätigkeiten, bei 10:06 denen kein Geld fließt. Ehrenamt, unbezahlte Hausarbeit. All das spielt bei der Bewertung des Wohlstands keine Rolle. Und genau daran knüpfen auch die 10:14 Forderungen der Wachstumskritiker an. Das BIP misst auch in reichen Ländern ohnehin nicht, wie gut es den Leuten geht. Dann brauchen wir unsere 10:19 Gesellschaft auch nicht auf immer mehr Wirtschaftswachstum ausrichten, oder? Also fassen wir die drei wichtigsten Argumente der Wachstumskritiker noch mal 10:26 zusammen. Wachstum in einer ähnlichen Welt muss irgendwann an Grenzen stoßen. Technologischer Fortschritt führt nur zu noch mehr Konsum und Wirtschaftswachstum 10:34 macht die Menschen in reichen Ländern nicht glücklicher. Das klingt erstmal ziemlich überzeugend, aber längst nicht alle sehen das so. Zeit sich die 10:41 stärksten Argumente der Gegenseite anzuschauen. Argument 1: Klimaschutz und Wachstum sind vereinbar. Die meisten Ökonomen 10:51 sagen, eine effektive globale Klimapolitik kann absolut verträglich mit Wachstum sein. Ein Ende des Wachstums ist also überhaupt nicht 10:58 nötig. Warum das so ist, wie klar werden wir uns noch mal den Grafen von eben angucken. Dieses Mal aber für bestimmte Länder. Hier ist z.B. Deutschland und 11:06 hier ist das Vereinigte Königreich und hier die USA. Dort ist überall genau das passiert, was wir brauchen. Nicht nur relative, sondern absolute Entkopplung 11:15 von Wachstum und Emissionen. Die Emissionen gehen seit Jahren runter, die Wirtschaft wächst weiter. So eine absolute Entkopplung kann man heute 11:23 schon in insgesamt 32 Ländern sehen. Es spricht also erstmal nichts dagegen, dass das auch anderswo klappen kann. Die Enkopplung liegt übrigens nicht nur 11:30 daran, dass wir die dreckigen Industrien in andere Länder ausgelagert haben. Auch wenn man diesen Effekt mit einrechnet, hat es eine Entkopplung gegeben. 11:37 Entkopplung ist also grundsätzlich möglich. Die Frage ist dann nicht, ob sie gelingen kann, sondern wie schnell. Es spricht aber einiges dafür, dass das 11:44 durchaus machbar ist. Das zeigen auch immer wieder Studien. Hier mal ein aktuelles Beispiel aus der Fachzeitschrift Nature Climate Change. 11:51 Angenommen, wir hätten eine effektive weltweite Klimapolitik. Also alle Länder setzen die richtigen Anreize, um schnell genug klimaneutral zu werden. Dann 11:59 müsste der Konsum im Mittel nur um 0,06% Punkte im Jahr niedriger ausfallen als sonst. Das ist so wenig, dass es im Prinzip kaum ins Gewicht fällt. Trotzdem 12:08 in Kopplung ist kein Automatismus. Es muss noch viel passieren, um die Emissionen auf null zu senken. Aber technisch ist heute schon super viel 12:15 möglich. Solar und Windenergie sind heute die günstigsten Energieformen, die es gibt. In China werden heute schon jedes Jahr mehr Solarzellen installiert, 12:22 als viele Länder insgesamt haben. Selbst im konservativen Texas ist ein Solarboom ausgebrochen. Wärmepumpen und Elektroautos werden in den nächsten 12:30 Jahren voraussichtlich besser und billiger werden. Und die Industrie, die heute noch so viel CO2 ausstößt, auch dafür gibt's längst Lösungen. 12:37 Klimaforscher haben ausgerechnet, wir können voraussichtlich bald 99% der europäischen Industrie elektrifizieren. Es ist also schon echt viel möglich. Für 12:45 so ziemlich jeden Sektor gibt es eine realistische emissionsfreie Alternative. Entscheidend wäre jetzt auch die Anreize zu schaffen, damit diese Alternativen 12:53 noch eingesetzt werden. Wir haben die politischen Instrumente, wir haben die Technologien, um die Emissionen zu senken. Wir könnten die 13:01 schädlichen Aktivitäten alle bepreisen und besteuern und die würden wir dann zurückfahren. Edenhofer sagt, wenn wir ökonomische 13:08 Anreize ausnutzen und z.B. einen CO2 Preis einführen, gehen auch nur solche Aktivitäten zurück, die schädlich sind. und nicht die, die eigentlich sehr 13:16 nützlich sind. Das ist dann viel gezielter und auch gerechter als eine allgemeine Schrumpfung der Wirtschaft. Klimaschutz wäre vielen Wissenschaftlern 13:23 zufolge also auch ohne großen Verzicht auf Wachstum möglich. Okay, wir haben jetzt also gesehen, rein technisch ist es möglich, Wachstum von Emissionen zu 13:31 trennen. Ob es wirklich klappt, ist offen. Sollten wir dann so wie die Wachstumskritiker fordern, bewusst auf Wachstum verzichten? Es gibt jedenfalls 13:39 gute Argumente, warum das keine so gute Idee ist. Argument 2: Wachstum hilft Menschen zu einem besseren Leben. Wachstumskritiker sagen, das 13:46 Bruttoinlandsprodukt ist ein schlechter Indikator für Glück. Dafür ist das BIP als Messwert aber eigentlich auch gar nicht gedacht. Und trotzdem, man kann 13:53 sehr gut sehen, je höher das BIP in einem Land, desto höher die Zufriedenheit der Menschen. Das gilt nicht nur in Ländern mit großer Armut. 14:00 In der reichen Schweiz sind die Menschen zufriedener als im wenigerreichen Frankreich und in Frankreich sind sie zufriedener als in Polen. So einen 14:07 Zusammenhang sieht man bei vielen anderen Indikatoren für gutes Leben. Kindersterblichkeit, Einkommen der Ärmsten, Gesundheit. Auch wenn das BIP 14:15 sie nicht direkt misst, sie alle hängen sehr eng mit dem Wirtschaftswachstum zusammen. Das BIP ist also sicherlich kein perfekter Indikator, aber 14:22 Wirtschaftswachstum macht dann doch vieles möglich, das Menschen glücklicher macht. Ein Ende des Wachstums würde im Umkehrschluss bedeuten, viele Dinge, die 14:29 ein Leben lebenswert machen, werden dann nicht mehr bezahlbar. Nun sagen viele Wachstumskritiker, die reichen Länder haben das doch alles schon. Vielleicht 14:36 haben sie sogar zu viel von allem. Deshalb sollen nur sie schrumpfen. Die Armen dürfen bis zu einem gewissen Punkt weiterwachsen. Das Problem gerade die 14:44 großen Schwellenländer wie China und Indien stoßen richtig viel klimaschädliches Treibhausgas aus. Ganz einfach, weil sie gerade sehr stark 14:51 wachsen. Das müssen sie auch. In Indien allein leben immer noch über 100 Millionen Menschen in Armut. In den vergangenen Jahren haben es hunderte 14:58 Millionen aus der Armut herausgeschafft, weil es so viel Wirtschaftswachstum gab. Das sieht man aber eben auch an den Emissionen. Schaut mal hier. China und 15:05 Indien allein verursachen fast 50% aller weltweiten Emissionen. Wenn diese beiden es nicht schaffen, klimaneutral zu werden, sieht es schlecht für uns alle 15:13 aus. Also nicht nur sagt das Wirtschaftswachstum eben doch was über die Lebensqualität aus. Noch dazu würde ein Verzicht darauf, vor allem in den 15:20 Ländern etwas bringen, die es gerade am dringendsten brauchen. Wirtschaftswachstum spielt eine sehr wichtige Rolle dabei, das Leben sehr 15:26 vieler Menschen besser zu machen. Die Wachstumskritiker glauben, dass man das mit der richtigen Politik auch anders erreichen kann. Z.B. indem der 15:33 Wohlstand, den wir haben, anders verteilt wird. Aber und das bringt uns zum dritten Punkt. Sie bleiben dabei eine Antwort auf eine ganz wichtige 15:39 Frage schuldig. Argument 3: Wir dürfen keine Zeit verlieren. Die Welt, die sich Wachstumskritiker vorstellen, klingt erstmal sehr idyllisch. In einer 15:48 Postwachstumsökonomie würden Menschen im Durchschnitt 20 Stunden kommerziell arbeiten. Wenn wir dann sogar dazu übergehen, die freigewordene Zeit zu 15:56 verwenden, um kooperativ in Netzwerken selber Güter zu produzieren, dann haben wir einen Fundus an reichhaltige Möglichkeiten sehr gut demokratisch, 16:07 frei und würdig zu leben. Im Klartext, den Wachstumskritikern schwebt eine völlig andere Arbeitswelt vor, ein anderes Wirtschaftssystem, ganz schön 16:14 revolutionär, aber irgendwie muss das Ganze auch in die Realität umgesetzt werden. Und die Frage, die offen bleibt, ist, wie wäre das auf demokratischen 16:21 Wege möglich? Nur wenn es dafür eine realistische Perspektive gibt, bringt es uns auch etwas gegen den Klimawandel. Wir haben den Anthropologen und die 16:28 Growthanickel gefragt, wie er politisch eine Wirtschaft ohne Wachstum umsetzen würde. Als wichtigsten Hebel sieht er die sogenannte demokratische Planung. Im 16:37 Moment schreibtickel: "Im Kapitalismus planen Unternehmen ihre Produktion zu steigern, nicht um bestimmte menschliche Bedürfnisse zu 16:44 befriedigen, sondern um ihre Gewinne zu maximieren. Es gibt keinen Grund, warum dieser Planungsprozess nicht auch für das Gegenteil genutzt werden kann. Das 16:54 klingt erstmal plausibel, aber überlegt euch mal, was das bedeutet. Es würde einen extremen Eingriff in die Art und Weise bedeuten, wie unser 17:00 Wirtschaftssystem funktioniert. Wir müssten den Unternehmen genau vorschreiben, welche Ziele sie sich setzen müssen. Das wäre eine komplette 17:06 Abkehr von der Marktwirtschaft, wie wir sie kennen und hätte mehr mit einer kommunistischen Planwirtschaft gemeint. Jetzt kann man absolut unterschiedlicher 17:12 Meinung darüber sein, ob der Kapitalismus so wie er ist gut funktioniert und was wir daran ändern sollten, ganz unabhängig vom 17:19 Klimawandel. Der Punkt ist aber ein ganz anderer. Die Wachstumskritiker sagen: "Ja, ein grünes Wachstum ohne Emissionen erreichen wir nicht schnell genug." Und 17:27 erinnert euch, dass es so langsam geht, hat inzwischen nicht mehr in erster Linie mit fehlender Technologie zu tun. Es liegt vor allem daran, dass die 17:33 politische Umsetzung zu Träge ist. Und dann soll die Alternative ein noch viel krasserer Umbau unserer Wirtschaftsordnung sein, der sich 17:40 demokratisch noch viel viel schwerer umsetzen ließe. Das Problem sieht übrigens auch Nico Pech. Eine Postwachstumsökonomie lässt sich im 17:47 Moment politisch nicht ohne weiteres umsetzen, weil die Wählermehrheiten in den ausgereiften Konsum und Industriegesellschaften 17:57 unfähig sind, so zu leben, wie sie leben können müssten. Auch Pech sieht also derzeit keine Perspektive, wie man die Growth als 18:04 politisches Programm durchsetzen kann. Vielleicht wird sich irgendwann einmal eine Mehrheit für eine Postwachstumsgesellschaft finden. Aber 18:11 selbst um den Klimawandel nur auf 2° zu beschränken, bleiben uns nur noch 23 Jahre. Für das 1,5° Ziel sogar nur noch 6 Jahre. Nach dieser Zeit ist das 18:20 weltweite CO2 Budget aufgebraucht. Bis dahin müssen also die weltweiten Emissionen auf null fallen. Gelingt das nicht, hieße das noch mehr gefährliche 18:29 Hitzewellen, ein Anstieg des Meeresspiegels, das Aussterben vieler Tierarten, schlechtere Ernten. Für Milliarden von Menschen werden die 18:35 Folgen katastrophal. Es kommt jetzt auf jedes Jahr an und je schneller man die Menschen vom Klimaschutz überzeugen kann, desto besser. Dass das mit die 18:43 Growth gelingen kann, ist zumindest zweifelhaft. Es ist gar nicht so einfach, sich da vorzustellen, mit welchen politischen Instrumenten das 18:49 überhaupt gehen soll. Krasse Eingriffe, prohibitiv hohe Einkommenssteuern, das sind alles Dinge, die einfach schwer durchsetzbar sind. 18:58 Die Menschen zu überzeugen wird schwer genug. Guckt euch allein mal das Drama um das neue Heizungsgesetz an oder die Reaktionen auf die Aktionen der letzten 19:05 Generation. Auch wenn es manchmal weh tut, demokratische Prozesse sind zäh. Eine Politik, die auf Investitionen und gezielte Anreize setzt, wird es 19:13 vermutlich leichter haben, als eine Mehrheit für eine allgemeine Schrumpfung der Wirtschaft zu finden und sich wahrscheinlich schneller umsetzen 19:19 lassen. Und genau darauf kommt es jetzt an. Also noch mal kurz zusammengefasst, die meisten Klimaökonomen sind überzeugt, Wirtschaftswachstum und 19:26 Klimaschutz sind absolut vereinbar, wenn wir nur die richtigen Schritte in die Wege leiten. Wirtschaftswachstum hilft uns oben drein, Menschen auf der ganzen 19:33 Welt ein besseres Leben zu verschaffen. Und selbst wenn eine Schrumpfung der Wirtschaft erstrebenswert wäre, wir haben einfach nicht die Zeit, auf die 19:40 Durchsetzung so eines revolutionären Konzeptes zu warten. Die Wachstumskritiker legen den Finger in die Wunde. Sie haben ja recht. An der 19:49 Art, wie wir bisher gewirtschaftet haben. Mit immer weiter steigenden Emissionen, muss ich etwas ändern. Letztlich finde ich persönlich ihre 19:55 Vorschläge aber nicht überzeugend. Sie bieten keinen klaren Fahr zu einer klimaneutralen Wirtschaft und der Preis, den ihre Vorschläge einfordern würden, 20:02 wäre viel zu hoch. Sie würden sehr vielen Menschen den Wohlstand verwehren, nachdem sie sich sehnen. Ja, vermutlich werden wir in Zukunft unsere 20:08 Gewohnheiten ändern müssen, weniger Fliegen oder Fleisch essen. Und grünes Wachstum wird auch nicht einfach so von allein passieren. Das verhindert die 20:15 Trägheit der Menschen und oben drein noch der Rebound Effekt. Aber die gute Nachricht ist, wir haben schon sehr viele Werkzeuge, die für effektiven 20:22 Klimaschutz nötig wären. Nicht nur die Technologien, sondern auch Ideen, wie man die richtigen ökonomischen Anreize schafft. ob das über einen CO2 Preis 20:29 geschieht oder über Subventionen, wir müssen diese Werkzeuge nur einsetzen. Vielleicht ist die wichtigste Lehre aus dieser Debatte, wir müssen unbedingt die 20:36 Entkopplung schneller vorantreiben, sonst wird uns das teuer zu stehen kommen. Entweder, weil wir tatsächlich unsere Wirtschaft schrumpfen müssen oder 20:43 durch die gewaltigen Schäden, die der Klimawandel anrichtet, wenn wir nichts tun. Und jetzt will ich von euch wissen, glaubt ihr, dass Wirtschaftswachstum und 20:50 Klimaschutz vereinbar sind? Schaffen wir die Entkopplung von Wachstum und Emissionen rechtzeitig? Habe ich ein wichtiges Argument vergessen? Schreibt 20:57 uns in die Kommentare. Wenn euch das Video gefallen hat, würden wir uns über ein Abo freuen und wenn ihr noch nicht genug vom Thema Wirtschaftswachstum 21:03 habt, schaut euch doch mal dieses Video von meiner Kollegin Jessie an, die erklärt euch, warum Deutschlands langfristiges Wirtschaftswachstum gerade 21:10 in Gefahr ist. Und hier findet ihr ein weiteres Video von unserem Kollegen Mr. Wissen to Go. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.