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Klassiker der Volkswirtschaftslehre 07: Geldpolitik, Inflation und Wechselkurse

IWP | Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik 5:11 9.660 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. Geldpolitik, Inflation und Wechselkurse. Die Stabilität des Geldes. Tina kauft sich jede Woche in Gustavs Konditorei ein Stück Torte für 5 Franken. Eines
  2. Tages jedoch kostet das Stück plötzlich 50 Rappen mehr. Aber nicht nur das, auch ihre Lieblingszeit trifft, ihre Stammpizzeria und ihr Handyabo sind
  3. teurer geworden. Betrifft ein solcher Preisanstieg nicht nur ein Produkt, sondern eine Vielzahl von Gütern, spricht man von Inflation. Die Inflation
  4. gefährdet eine der wichtigsten Funktionen des Geldes, die Wertaufbewahrung. Steigen alle Güterpreise, so verliert das Geld an
  5. Kaufkraft. Tina bekommt nicht mehr gleich viel für eine Zehner Note. Die Inflation hängt eng mit der Veränderung der Geldmenge zusammen. Die
  6. Quantitätsgleichung bietet eine gute Annäherung, um diesen Zusammenhang zu beschreiben. Das Produkt aus Preisniveau P und produzierter Gütermenge Q ist
  7. gleich dem Produkt aus Geldmenge M und Geldumlaufgeschwindigkeit V. Dabei beschreibt die Geldumlaufgeschwindigkeit V, wie oft eine einzelne Geldeinheit wie
  8. eine Zehnernote jährlich für Zahlungen verwendet wird. In der Regel wird angenommen, dass die Geldumlaufgeschwindigkeit V konstant
  9. ist, weil sich die Zahlungsgewohnheiten der Menschen nicht stark ändern. Im Schnitt brauchen wir eine Zehnernote im Verlauf eines Jahres stets gleich oft.
  10. Die Gleichung zeigt auch, wie sich die Veränderung einer der Größen auf die anderen Größen auswirkt. Steigt beispielsweise die Geldmenge M stärker
  11. als die produzierte Gütermenge Q, bei konstanter Geldumlaufgeschwindigkeit V steigt das Preisniveau P. Inflation entsteht also, wenn bei konstanter
  12. Geldumlaufgeschwindigkeit die Geldmenge M stärker wächst als die produzierte Gütermenge Q. Aber wie genau funktioniert dieser Mechanismus? Bei
  13. Ausweitung der Geldmenge sinkt der Preis des Geldes und die Zinsen fallen. Es wird günstiger, Geld auszuleihen und Güter zu kaufen. Die
  14. gesamtwirtschaftliche Nachfrage wird angekurbelt. Die Leute konsumieren mehr. Die Wirtschaft boomt. Dies führt dazu, dass mehr Güter nachgefragt werden, als
  15. bei Normalauslastung produziert werden können. Der sogenannte Nachfrageüberschuss. Trotz Überstunden können Gustavs Arbeitskräfte nicht mehr
  16. alle nachgefragten Torten herstellen. Die Preise für Maschinen, Arbeitskräfte und Rohstoffe ziehen an und dasselbe gilt für andere Branchen und Industrien.
  17. Es droht Inflation. Um Inflation zu verhindern, strebt die Zentralbank ein Gleichgewicht zwischen der Geldmengenentwicklung und dem Wachstum
  18. der produzierten Gütermenge an. Die Geldmenge sollte stets im Einklang mit der produzierten Gütermenge wachsen. Zur Gewährleistung von Preisstabilität muss
  19. die Zentralbank deshalb vorausschauend die wirtschaftlichen Entwicklungen abschätzen. Aber auch Gustav ist von der Inflation betroffen. Das Geld auf seinem
  20. Sparkonto hat ein Wert verloren. Um den weiteren Wertverlust seiner Ersparnisse zu verhindern, bleibt Gustav nur noch die Flucht in physische Güter wie Gold
  21. oder Immobilien. Und als Unternehmer kann er sich keine neuen Öfen mehr leisten. Auch das teurere Mehl, die steigende Miete und die höheren
  22. Personalkosten setzen ihm zu. Er muss seine Verkaufspreise anheben. Dadurch können sich seine Stammkunden und Stammkundinnen wie Tina die Torten nicht
  23. mehr leisten. Ihre Kaufkraft schmilzt dahin. Eine hohe Inflation geht folglich mit erheblichen Kosten für eine Volkswirtschaft einher. Deshalb strebt
  24. die Zentralbank mittels der Geldmengensteuerung langfristige Preissabilität an. Damit dies gelingt, ist entscheidend, dass die Zentralbank
  25. politisch unabhängig ist. Für einen Finanzminister könnte es verlockend sein, erhöhte Staatsausgaben einfach durch neugedrucktes Geld zu finanzieren.
  26. Eine unabhängige Zentralbank stellt hingegen eine Steuerung der Geldmenge der Gestalt sicher, dass die Preisstabilität unter Berücksichtigung
  27. der Gütermengenentwicklung gewährleistet ist. Die Zentralbank sollte stets eine Geldpolitik verfolgen, die dem Gesamtinteresse eines Landes dient und
  28. nicht nur einzelnen Wirtschaftszweigen. Die Ausweitung der Geldmenge wirkt sich allerdings nicht nur auf das Preisniveau, sondern auch auf die
  29. Entwicklung des Wechselkurses aus. Der Wechselkurs gibt an, wie viele Einheiten der inländischen Währung wie z.B. Schweizer Franken du tauschen musst, um
  30. eine Einheit der ausländischen Währung beispielsweise Euro zu erhalten. Musst du 95 Rappen bezahlen, um 1 € zu erhalten, liegt der Wechselkurs bei 0,95
  31. Franken pro Euro. Der Wechselkurs wird maßgeblich durch die Geldpolitik beeinflusst. Eine Ausweitung oder Reduktion der Geldmenge durch die
  32. Schweizer Nationalbank verändert die relative Anzahl an Franken im Vergleich zum Euro. Bei der Erhöhung der Geldmenge des Frankens wird der Franken relativ
  33. zum Euro weniger knapp und verliert an Wert. Diese Schwächung des Frankens ist vorteilhaft für Exporte, da Schweizer Waren für den Euroraum günstiger werden.
  34. Gleichzeitig reduzieren sich die Importe, weil ausländische Waren für Schweizerinnen und Schweizer teurer werden. Dies führt zu einem Anstieg der
  35. Nettoexporte. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach in der Schweiz produzierten Gütern steigt. Umgekehrt wird es für Leute aus der Schweiz
  36. teurer, im Ausland Ferien zu machen oder zu investieren. Wenn Tina also in Neapel eine Pizza Margarita bestellt, wird diese teurer, da der Schweizer Franken
  37. gegenüber dem Euro an Wert verliert. Umgekehrt kann die Zentralbank durch eine Reduktion der inländischen Geldmenge den Franken verknappen. Er
  38. gewinnt gegenüber dem Euro an Wert. Für die Schweizer Firmen wird es schwieriger, ihre Waren ins Ausland zu exportieren, weil die Waren für den
  39. Euroraum teurer wurden. Gleichzeitig werden aus dem Euroraum importierte Rohstoffe günstiger, was die Produktionskosten der Schweizer Firmen
  40. senkt. Ein starker Franken macht es für Schweizerinnen und Schweizer günstiger im Ausland Ferien zu machen oder Investitionen zu tätigen. Wertet sich
  41. der Franken gegenüber dem Euro auf, wird die Pizza im Sommerurlaub in Neapel für Tina als Schweizerin billiger. Nun weißt du, was Inflation ist, wie sie entsteht
  42. und wie der Wechselkurs und die Preisstabilität damit zusammenhängen.

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