Klassiker der Volkswirtschaftslehre 07: Geldpolitik, Inflation und Wechselkurse IWP | Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik https://www.youtube.com/watch?v=UTcEtyTAcZ0 Transkript (automatisch erstellt) 0:02 Geldpolitik, Inflation und Wechselkurse. Die Stabilität des Geldes. Tina kauft sich jede Woche in Gustavs Konditorei ein Stück Torte für 5 Franken. Eines 0:11 Tages jedoch kostet das Stück plötzlich 50 Rappen mehr. Aber nicht nur das, auch ihre Lieblingszeit trifft, ihre Stammpizzeria und ihr Handyabo sind 0:18 teurer geworden. Betrifft ein solcher Preisanstieg nicht nur ein Produkt, sondern eine Vielzahl von Gütern, spricht man von Inflation. Die Inflation 0:26 gefährdet eine der wichtigsten Funktionen des Geldes, die Wertaufbewahrung. Steigen alle Güterpreise, so verliert das Geld an 0:32 Kaufkraft. Tina bekommt nicht mehr gleich viel für eine Zehner Note. Die Inflation hängt eng mit der Veränderung der Geldmenge zusammen. Die 0:39 Quantitätsgleichung bietet eine gute Annäherung, um diesen Zusammenhang zu beschreiben. Das Produkt aus Preisniveau P und produzierter Gütermenge Q ist 0:47 gleich dem Produkt aus Geldmenge M und Geldumlaufgeschwindigkeit V. Dabei beschreibt die Geldumlaufgeschwindigkeit V, wie oft eine einzelne Geldeinheit wie 0:55 eine Zehnernote jährlich für Zahlungen verwendet wird. In der Regel wird angenommen, dass die Geldumlaufgeschwindigkeit V konstant 1:01 ist, weil sich die Zahlungsgewohnheiten der Menschen nicht stark ändern. Im Schnitt brauchen wir eine Zehnernote im Verlauf eines Jahres stets gleich oft. 1:08 Die Gleichung zeigt auch, wie sich die Veränderung einer der Größen auf die anderen Größen auswirkt. Steigt beispielsweise die Geldmenge M stärker 1:15 als die produzierte Gütermenge Q, bei konstanter Geldumlaufgeschwindigkeit V steigt das Preisniveau P. Inflation entsteht also, wenn bei konstanter 1:24 Geldumlaufgeschwindigkeit die Geldmenge M stärker wächst als die produzierte Gütermenge Q. Aber wie genau funktioniert dieser Mechanismus? Bei 1:31 Ausweitung der Geldmenge sinkt der Preis des Geldes und die Zinsen fallen. Es wird günstiger, Geld auszuleihen und Güter zu kaufen. Die 1:38 gesamtwirtschaftliche Nachfrage wird angekurbelt. Die Leute konsumieren mehr. Die Wirtschaft boomt. Dies führt dazu, dass mehr Güter nachgefragt werden, als 1:45 bei Normalauslastung produziert werden können. Der sogenannte Nachfrageüberschuss. Trotz Überstunden können Gustavs Arbeitskräfte nicht mehr 1:52 alle nachgefragten Torten herstellen. Die Preise für Maschinen, Arbeitskräfte und Rohstoffe ziehen an und dasselbe gilt für andere Branchen und Industrien. 1:59 Es droht Inflation. Um Inflation zu verhindern, strebt die Zentralbank ein Gleichgewicht zwischen der Geldmengenentwicklung und dem Wachstum 2:06 der produzierten Gütermenge an. Die Geldmenge sollte stets im Einklang mit der produzierten Gütermenge wachsen. Zur Gewährleistung von Preisstabilität muss 2:14 die Zentralbank deshalb vorausschauend die wirtschaftlichen Entwicklungen abschätzen. Aber auch Gustav ist von der Inflation betroffen. Das Geld auf seinem 2:21 Sparkonto hat ein Wert verloren. Um den weiteren Wertverlust seiner Ersparnisse zu verhindern, bleibt Gustav nur noch die Flucht in physische Güter wie Gold 2:28 oder Immobilien. Und als Unternehmer kann er sich keine neuen Öfen mehr leisten. Auch das teurere Mehl, die steigende Miete und die höheren 2:35 Personalkosten setzen ihm zu. Er muss seine Verkaufspreise anheben. Dadurch können sich seine Stammkunden und Stammkundinnen wie Tina die Torten nicht 2:42 mehr leisten. Ihre Kaufkraft schmilzt dahin. Eine hohe Inflation geht folglich mit erheblichen Kosten für eine Volkswirtschaft einher. Deshalb strebt 2:50 die Zentralbank mittels der Geldmengensteuerung langfristige Preissabilität an. Damit dies gelingt, ist entscheidend, dass die Zentralbank 2:57 politisch unabhängig ist. Für einen Finanzminister könnte es verlockend sein, erhöhte Staatsausgaben einfach durch neugedrucktes Geld zu finanzieren. 3:04 Eine unabhängige Zentralbank stellt hingegen eine Steuerung der Geldmenge der Gestalt sicher, dass die Preisstabilität unter Berücksichtigung 3:11 der Gütermengenentwicklung gewährleistet ist. Die Zentralbank sollte stets eine Geldpolitik verfolgen, die dem Gesamtinteresse eines Landes dient und 3:19 nicht nur einzelnen Wirtschaftszweigen. Die Ausweitung der Geldmenge wirkt sich allerdings nicht nur auf das Preisniveau, sondern auch auf die 3:25 Entwicklung des Wechselkurses aus. Der Wechselkurs gibt an, wie viele Einheiten der inländischen Währung wie z.B. Schweizer Franken du tauschen musst, um 3:33 eine Einheit der ausländischen Währung beispielsweise Euro zu erhalten. Musst du 95 Rappen bezahlen, um 1 € zu erhalten, liegt der Wechselkurs bei 0,95 3:42 Franken pro Euro. Der Wechselkurs wird maßgeblich durch die Geldpolitik beeinflusst. Eine Ausweitung oder Reduktion der Geldmenge durch die 3:49 Schweizer Nationalbank verändert die relative Anzahl an Franken im Vergleich zum Euro. Bei der Erhöhung der Geldmenge des Frankens wird der Franken relativ 3:57 zum Euro weniger knapp und verliert an Wert. Diese Schwächung des Frankens ist vorteilhaft für Exporte, da Schweizer Waren für den Euroraum günstiger werden. 4:05 Gleichzeitig reduzieren sich die Importe, weil ausländische Waren für Schweizerinnen und Schweizer teurer werden. Dies führt zu einem Anstieg der 4:11 Nettoexporte. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach in der Schweiz produzierten Gütern steigt. Umgekehrt wird es für Leute aus der Schweiz 4:18 teurer, im Ausland Ferien zu machen oder zu investieren. Wenn Tina also in Neapel eine Pizza Margarita bestellt, wird diese teurer, da der Schweizer Franken 4:26 gegenüber dem Euro an Wert verliert. Umgekehrt kann die Zentralbank durch eine Reduktion der inländischen Geldmenge den Franken verknappen. Er 4:33 gewinnt gegenüber dem Euro an Wert. Für die Schweizer Firmen wird es schwieriger, ihre Waren ins Ausland zu exportieren, weil die Waren für den 4:40 Euroraum teurer wurden. Gleichzeitig werden aus dem Euroraum importierte Rohstoffe günstiger, was die Produktionskosten der Schweizer Firmen 4:47 senkt. Ein starker Franken macht es für Schweizerinnen und Schweizer günstiger im Ausland Ferien zu machen oder Investitionen zu tätigen. Wertet sich 4:55 der Franken gegenüber dem Euro auf, wird die Pizza im Sommerurlaub in Neapel für Tina als Schweizerin billiger. Nun weißt du, was Inflation ist, wie sie entsteht 5:04 und wie der Wechselkurs und die Preisstabilität damit zusammenhängen.