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Countdown zur Diktatur: Wie Hitler Millionen Deutsche verführte (3/4) | ZDFinfo Doku
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Transkriptautomatisch erstellt · 261 Zeilen
- Die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts. Deutschland lernt Demokratie. Nach mehr als einem Jahrtausend Herrschaft des Adels.
- Jetzt keimt im Land die Hoffnung, es könnten gute Jahre kommen, eine bessere Zukunft für Deutschland. Die Demokratie übersteht schwere Krisen,
- doch die goldenen 20er sind nur kurz. Es gab schon viele Demokraten in dem Staat, aber sie konnten sich nicht durchsetzen. Ein Börsencrash bringt die nächste
- Krise. Profiteure sind die Feinde der Demokratie. Am Ende stehen Diktatur und Terror. Hitler hatte nie einen Zweifel daran
- gelassen, dass er diesen Staat, diese Demokratie wieder abschaffen möchte. Wir haben ein Ziel uns gewählt und was fährt es fanatisch rücklos dieses Grab hinein.
- Warum lassen die Deutschen ihre erste Demokratie zugrunde gehen? Wer hat versagt? Wer sich verführen lassen? Wer trägt die Schuld am Sturz in die
- Diktatur? Anfang Oktober 1931 Bad Harzburg am Nordrand des Harzes.
- Massenversammlung radikaler Demokratiefeinde, die sogenannte Harzburger Front. Mit dabei auch Hitlers NSDAP.
- Mehr als 10 000 Rechtsextreme haben ein gemeinsames Ziel, die Abschaffung der Demokratie. Die Gründung der Harzburger Front zeigte
- vor allem eins, diese Demokratie ist am Ende. Und das war ja etwas, worauf die [musik] Nationalsozialisten immer bauten, zu
- zeigen, diese Demokratie ist ein Fehlschlag, sie ist keine Lösung, sie ist das Problem, sie muss abgeschafft werden und wir sind stark. Das Bild, das
- transportiert wird, ist, dass diese Bewegung mächtig ist. dass es wahrscheinlich schon eine Mehrheit der Deutschen ist, die sich äh hinter diese
- NS Bewegung, hinter Hitler stellen und dass im Grunde die Demokratie eigentlich schon fast abgeschafft ist. Rechtsextreme und Monarchisten sehen
- sich kurz vor dem Ziel. Die nächsten Wahlen sollen den Durchbruch bringen und die Feinde der Demokratie endlich an die Macht.
- Ein halbes [musik] Jahr später, Frühjahr 1932. Kameramann Wilfrid Basse dreht in Hamburg. [musik] Sein Film Deutschland
- zwischen gestern und heute zeigt Alltagsszenen im Gängeviertel der Hansestadt. Arbeitslose prägen das Bild. Jeder
- dritte Erwerbsfähige hat keinen Job. 1932 war ja die Krise perfekt. Also, man wusste ja wirklich nicht mehr, wie es
- weitergehen sollte. Diese Zahl an Arbeitslosigkeiten, diese wirtschaftliche Not, das Elend auf den Straßen in den Familien war
- unbeschreiblich. Das ist auch mit den bisherigen Erfahrungen nicht mehr zu greifen gewesen. Und dann gibt es eine sehr eingeschränkte Auswahl an
- politischen Optionen. Was soll man denn machen? Soll man eine Demokratie vertrauen, die schon seit Jahren nicht funktioniert. Wir haben schon
- Präsidialkabinette und in diesem Moment propagieren ja die Nationalsozialisten einen tatsächlichen Rettungsplan,
- nämlich diesen Hitler als Erlöser, als Messias. Er würde mit einem Schlag alles beseitigen und die gesamte Not lindern. Das war jetzt nicht viel mehr als ein
- Versprechen, aber dies große soziale Elend, das ist eben das Wasser auf die Mühen der NSDP. Hitler und seine Partei zeigen offen
- ihre Verachtung für die Weimarer Republik. Allen Restriktionen zumtrotz marschieren mehrfach [musik] tausende SA und SS-Männer auf, wie hier in München.
- Kampfansage an die Demokratie. Auch viele deutsche Firmenbosse wollen die Demokratie abschaffen.
- In der Schwerindustrie unterstützen Stahlbarone wie Emil Kierdorf, aber auch Großindustrielle wie Fritz Tüssen die Nazis. Vor allem mit Geld, [musik]
- aber auch mit Kontakten, die Macht und Einfluss sichern. Fritz Tüssen ist es, der es Hitler ermöglichte im Januar 1932
- vor dem Industrieklub Düsseldorf seine Programmatik, seine Ideen für die Wirtschaft vorzustellen. Hier sieht man auch schon wieder, wie desperat im
- Grunde ähm die Wirtschaft in Deutschland war, wie problematisch die ganze Ökonomie in Deutschland war, wegen der Reparationszahlungen,
- aber auch ähm natürlich ab 1930 wegen der Weltwirtschaftskrise. Also Hitler wird, das ist ganz deutlich hier auch von Industriellen mittlerweile
- als eine Lösung angesehen. Man vertraut der Demokratie nicht mehr. Auch der eingefleischte Monarchist und Vorsitzende des Industrieverbands Gustav
- [musik] Grupp von Bohlen und Halbach spendet an die NSDP. Doch noch verhält er sich abwartend. Am 26. Im Januar 1932 spricht [musik] Hitler zu den Spitzen
- der Ruheindustrie. Die Rede vor dem Düsseldorfer Industrieclub ist ein Angebot oder eine Versicherung gegenüber den führenden
- Wirtschaftskreisen, dass man eben auf keinen Fall revolutionär agieren wird. Das ist ein Bündnisangebot,
- weil man natürlich auch in der NSDP weiß, dass dort ein Misstrauen herrscht gegenüber allen Massenbewegungen, weil man die Massendynamik mit der
- Linken eben verbindet und dass die Neigungen eher deutschnational sind. Kronprinz Wilhelm will bei der bevorstehenden Wahl des [musik]
- Reichspräsidenten kandidieren. Hitler soll sein Reichskanzler werden. Wilhelm II. geht dazwischen. Wenn du diesen Posten übernimmst, so
- musst du den Eid auf die Republik schwören. Tust du das, [musik] so bist du für mich erledigt. Ich enterbe dich und schließe dich aus meinem Hause aus.
- Die hohen Zolln sahen sich halt als rechtmäßige Inhaber des Throns. Man hat eigentlich versucht so auf verschiedenen Ebenen die Bewegungen, von denen man
- sich irgendwann eine Restauration der Monarchie erhoffte, zu kultivieren. Und das Ganze steht ja eigentlich eher auch für die Zerrissenheit, würde ich sagen,
- der nationalkonservativen Kreise in der Weimarer Republik. Der Kronprinz gehorcht. Nach seinem [musik] Rückzug überredet das Umfeld
- Paul von Hintenburgs, den 84-jährigen Feldmarschall, [musik] doch noch einmal zu kandidieren. Der alte Herr erfreut sich ungebrochener Beliebtheit [musik]
- bei den Deutschen und pflegt sein Bild als Großvater der Nation. Ich erkläre Ihnen daher mein Einverständnis
- dazu, dass mein Name auf den von Ihnen vorbereiteten Wahlvorschlag für die Reichspräsidentenwahl gesetzt wird und ich hoffe so mit meiner letzten Kraft
- dem dienen zu können, was mir in meinem langen Leben stets hoch und heilig war im Vaterlande. Eigentlich wollte er sowieso nur antreten, wenn seine
- Amtszeit einfach verlängert wird. Also, er wollte sich eigentlich überhaupt keinem Wahlkampf aussetzen, weil Wahlkampf immer auch Parteienstreit
- bedeutete. Und Parteienstreit ist ja zur Demokratie dazu gehört, war ihm zu wieder. Also er wollte eigentlich per Aklamation sozusagen aufgefordert
- werden, auf seinem Posten zu bleiben. Hitler will selbst für das höchste Amt im Staat [musik] kandidieren. Die SPD stellt keinen eigenen Kandidaten
- auf. Gemeinsam mit den letzten republiktreuen Kräften wirbt sie dafür, Hitler zu verhindern.
- Ausgerechnet der Demokratieverächter [musik] Hintenburg wird so zum letzten Bollwerk der Demokraten. Auch Kanzler Brüing stellt sich hinter ihn. Hitler
- hofft auf die Stimmen von Millionen Enttäuschten, die der Republik nichts mehr zutrauen.
- Es gab, und das ist das entscheidende am Wahlkampf äh 1932, keinen republikanischen Kandidaten auf diesem Wahlzettel Telmann stand für die KPD
- noch drauf, sondern wer die Republik unterstützen wollte, sollte Hintenburg äh ausgerechnet wählen.
- Revolutionsstimmung liegt in der Luft. Die KPD sieht sich im finalen Kampf [musik] gegen den Kapitalismus. Auch die Kommunisten sind Feinde der
- Republik, doch sie sehen ihren Hauptfeind nicht in den Nationalsozialisten, sondern in der anderen großen
- Arbeiterpartei der SPD. Der Bruderkampf der Deutschen Linken wird so einer der [musik] Sagnägel der ersten deutschen Demokratie.
- Die Direktiven der KPD kommen aus Moskau. Dort hat Josef Stalin die Macht an sich gerissen. Seine Maifeier 1932 soll zeigen, wie die glücklichen Völker
- der Sowjetunion entschlossen den Sozialismus aufbauen. In Wahrheit herrscht vor allem in der Ukraine eine verheerende Hungersnot, die Millionen
- das Leben kosten wird. Ganz Europa scheint instabil von Krisen geschüttelt. Mehr als [musik] die Hälfte
- der europäischen Demokratien überstehen die zwei Jahrzehnte nach dem Ersten Weltkrieg nicht. Vor allem in Südmittel und Osteuropa werden sie durch
- autoritäre oder faschistische Systeme ersetzt. Im Deutschen Reichstag wird der Ton [musik] der Debatten immer
- unversöhnlicher. Vor einer Parlamentssitzung laufen Reichskanzler Heinrich Brüing und
- Medienzahr Alfred Hugenberg wortlos [musik] an den Kameras vorbei. Der einzige, der die Gelegenheit nur zu gern nutzt, mit den wartenden
- Journalisten zu sprechen, ist der NSDP Abgeordnete Josef Göbbel. Dr. Göbel, ein paar Worte Mikrofon bitte.
- Sie die Lage ja, wo ich denn reinreden? Bitte, ich halte diesen Reis dafür vollkommen überfällig und bin der Überzeugung, dass
- er aufgelöst werden muss, weil er nicht mehr dem Willen des Volkes entspricht. In der Reichstagssitzung vom 23. Februar 1932
- greift Göbbels die SPD und den von ihr unterstützten Hintenburg frontal an. Macht sowohl die Sozialdemokraten als auch den Reichspräsidenten verächtlich.
- Sage mir, wer dich lobt und ich sage dir, wer du bist. gelobt von der Berlinerfe.
- Gelob der Seider Deserteure. Der SPD Abgeordnete Kurtschumacher hält in seiner ersten und letzten Rede im
- Reichstag dagegen. Und wenn wir irgendetwas beim Nationalsozialismus anerkennen, dann ist es die Anerkennung, dass in zum ersten Mal in der deutschen
- Politik die restlose Mobilisierung der menschlichen Dummheit gelungen ist. Hitler ist noch immer nicht deutscher Staatsbürger, das aber ist Voraussetzung
- für eine Kandidatur zur Präsidentenwahl. Nach gescheiterten Versuchen in Thüringen und Bayern öffnet ihm [räuspern] der Freistaat Braunschweig
- den Weg zur Staatsbürgerschaft. Das Wahlergebnis vom 13. März 1932. Hintenburg 49,5%. Hitler etwas mehr als 30, Telmann 13,2.
- Zwei weitere Kandidaten kommen zusammen auf gut 7%. Ein zweiter Wahlgang ist notwendig.
- Die NSDP verstärkt noch einmal ihre Wahlkampfanstrengungen. Im Berliner Lustgarten versammeln sich am 4. April 10tausende Zuhörer.
- Hitler gibt sich Volksnah, sucht das Bad in der Menge und stilisiert sich zum Retter eines Volkes, das durch andere in Leid und Verzweiflung gestürzt worden
- sei. Wir reden nicht von den Ztausenden, die Jahr für Jahr
- den Gas aufdrehen. Nicht, weil es ihnen zu gut geht. Können uns unterdrücken. Sie können uns meinetwegen töten.
- Kapitulieren werden wir nicht. 1932 im Wahlkampf um das Amt des Reichspräsidenten unterliegt Hitler Paul von Hintenburg.
- Er kann im Grunde gegen diesen Weltkriegshelden nichts ausrichten. Er hat noch nicht das
- Standing. Er ist bereits eine Marke, das ist wahr. So wird er auch äh von Göbbels inszeniert. Für dieses Amt des Reichspräsidenten zieht das nicht. Er
- verliert. Das ist für die Nationalsozialisten wieder einmal eine bittere Niederlage und sie merken, dass das gar nicht so einfach ist bei Wahlen
- zu bestehen und sich wirklich gegen starke potentielle Konkurrenten durchzusetzen. Das Ergebnis des zweiten Wahlgangs
- [musik] am 10. April 1932 ist eindeutig. Hintenburg bleibt Präsident.
- Wenige Tage später muss Hitler einen weiteren Rückschlag einstecken. Die Reichsregierung lässt die SA verbieten. Hitlers Weggefährte Ernst Röm [musik]
- hat die Schlägertruppe zu einer Art Parteiarmee ausgebaut mit mehreren hunderttausend Männern. Offiziell ist die SA unbewaffnet. Tatsächlich verfügt
- sie über illegale Waffenbestände. Otto Braun, der SPD Ministerpräsident [musik] von Preußen, fürchtet einen
- Bürgerkrieg. Dieses absolut stichhaltige Material beweist hinrechend, dass die
- Nationalsozialisten immer mehr einsehen, dass sie durch Wahlen also auf gesetzlichen Wege nicht zur Macht kommen können, suchen wollen
- durch ein Meer von Blut, durch ein Bürgerkrieg, in den Deutsche gegen Deutsche kämpfen müssen, das Heft in die Hand zu bekommen. Das wäre das letzte,
- was unser schwer geprieftes Land noch ertragen könnte. wäre gleichbedeutend mit dem Zusammenbruch unserer Wirtschaft mit Hunger, Not und Tod für große Massen
- unserer Volksgenossen. Die liberale fossische Zeitung veröffentlicht belastendes Material über die SA.
- Die NSDP war gewarnt. Sie wusste, dass dieser Schritt kommt. Sie konnte sich vorbereiten. Wobei der Schritt zum Verbot aus Sicht einer Demokratie ja nur
- folgerichtig war. Nun gab es ja die Demokratie gar nicht mehr so, wie wir sie uns vorstellen für eine weimer Republik, aber das Verbot der SA war im
- Grunde genommen völlig überfällig und hätte sehr viel früher und sehr viel konsequenter umgesetzt werden müssen. Die SA umgeht das Verbot und wechselt
- einfach das Hemd. Aufmarsche und öffentliche Auftritte werden bis auf weiteres in weißen Oberhemden abgehalten.
- Der Freistaat Preußen ist das größte Land des Deutschen Reiches. Es reicht von Sigmaringen bis Königsberg. In der Weimarer Republik wird Preußen
- fast durchgehend von republiktreuen Parteien regiert und gilt deshalb als Rückrat der Demokratie. sehr zum Ärger von Rechtsextremisten und Monarchisten.
- Die preußischen Landtagswahlen im April 1932 finden unter starken Polizeischutz statt. Die SA ist offiziell verboten,
- aber die politische Gewalt von rechts wie von links bleibt weiter präsent. Die SPD muss eine herbe Niederlage einstecken. Ministerpräsident Braun
- bleibt aber geschäftsführend im Amt. Wahlsieger ist die NSDP, die auf fast 37% kommt. Doch sie kann keine [musik] Regierung melden. Göbbelsz notiert ins
- Tagebuch: "Die Rechte hat neun Mandate zu wenig. Was nun? Es muss etwas geschehen. Wir müssen Macht bekommen, sonst siegen
- [musik] wir uns noch tot." Mitte 1932 sind in Deutschland etwa 5,6 Millionen Menschen arbeitslos. Nahzu
- jeder dritte Erwerbstätige ist ohne Job. Das Vertrauen in den Start und seine Organe [musik] schwindet weiter. Die Künstlerin Käte Kolitz schreibt in ihr
- Tagebuch: "Die unsagbare, schwere, allgemeine Lage, die Not, das Heruntersinken der Menschen in dunkle Not, die politische widerwärtige
- Verhetzung. erschöpft sind die Menschen vor allem durch die Not des Alltags zunächst einmal, weil sie sagen, ihr Leben
- gestalten müssen, weil sie leben und überleben müssen und sie müssen sich selbst und ihre Familie irgendwie durch die Zeiten bringen. Verdrossen sind sie
- vielleicht, unglücklich sind sie bestimmt. Ähm, aber viele setzen auch auf eine völlige Erneuerung Deutschlands.
- Am 30. Mai 1932 entzieht Reichspräsident Hintenburg Kanzler Heinrich Brüing sein Vertrauen und macht den konservativen Franz von
- Papen zum Nachfolger. Das Parlament wird nicht gefragt. Hintenburg war, nachdem man ihn zum Präsidenten gewählt hatte, schwer
- enttäuscht darüber, dass ihn die Linke oder die, die er für die Linke hielt gewählt hatten. Das wollte er korrigieren vor sich selber, vor der
- Öffentlichkeit und vor der Geschichte dieses Bild. Er war wirklich enttäuscht darüber und er hat Franz von Papen zum Kanzler gemacht als ein mit
- dem er gut klar kam als ein der alle kannte als ein der seit Jahren Netzwerkarbeit in republik feindlichen Kreisen betrieb.
- Nicht als Parteimann, sondern als Deutscher bin ich seinem Rufe gefolgt. Gemeinsam mit einer Gruppe parteiloser Minister bildet Franz von [musik] Papen
- das sogenannte Kabinett der Barone. Ohne demokratische Legitimation [musik] sollen sie dafür sorgen, dass aus Deutschland dauerhaft ein autoritär
- geführter präsidialer Staat wird. Zwei Wochen nach seinem Amtsantritt reist der neue Kanzler nach Losanne,
- [musik] um weitere Erleichterungen in der Reparationsfrage zu erreichen. Tatsächlich werden angesichts der Krise
- in Deutschland [musik] die Reparationen auf eine Restzahlung von 3 Milliarden Goldmark reduziert.
- Ger er war anfangs sehr erfolgreich. Er wollte die Republik zerstören. Das hat
- er geschafft und zwar relativ zügig. Eine seiner ersten Amtshandlung ist ja dann, dass er die SA wieder zulässt und dann gibt es wirklich so etwas wie
- Bürgerkriegsähnliche Zustände auf den Straßen. 17. Juli 1932. 7000 SA Männer marschieren durch das
- kommunistisch geprägte Altuna. Schüsse fallen. Am Ende sind 18 Menschen tot. Die meisten werden von Polizeikugeln getroffen.
- Kanzler Papen nutzt das Blutbad als Vorwand, die preußische Regierung unter SPD-mann Otto Braun abzusetzen. Die stärkste Bastion der [musik]
- Demokratie wird geschleift. Man entscheidet sich eben dafür quasi über die Reichsregierung, über
- Notstandsrecht, die preußische Regierung abzusetzen und das Land Preußen Unterreichsverwaltung zu stellen. Das ist ein Putsch, das ist
- ein Staatsstreich. In diesem Moment ist Preußen als sozialdemokratischer Einflussbereich und als Garantie gewissermaßen überhaupt der Weimaraer
- Demokratie ausgeschaltet und davon profitieren werden auch wieder die Nationalsozialisten. Der Altun Blutson hat diesen Staatsstreich nicht
- gerechtfertigt, der das stattgefunden hat. Der Sinn war tatsächlich die endgültige Ausschaltung der Sozialdemokratie.
- In diesen Sommertagen 1932 dreht Wilfrid Basse für seinen Film Deutschland zwischen gestern und heute Szenen, die an die goldenen 20er [musik]
- erinnern. Doch das politische Drama nimmt kein Ende. Hintenburg löst erneut den
- Reichstag auf. Wieder stehen Balen an. Die Weimarer Wähler haben relativ eifrig gewählt die ganze Zeit in der Weimer Republik. Sie mögen den demokratischen
- Parteien nicht mehr geglaubt haben, dass die ihre Probleme lösen oder so. Sie mögen vielleicht auch an diese Republik nicht mehr geglaubt haben, aber sie
- haben nicht daran geglaubt, dass sie plötzlich nicht mehr wählen sollten oder dass ihre politischen Rechte eingeschränkt werden sollten. Also, wir
- haben eine äh Wahlschnitt für Reichstawahlen bei 75%. Politische Informationen entnehmen die Deutschen damals vor allem Zeitungen. Es
- gibt linke Arbeiterzeitungen, kirchliche Blätter und Parteiorgane wie den völkischen Beobachter der NSDP. [musik]
- Größte Mediengruppe ist der Hugenberg Konzern mit Agenturen, Zeitungen und Filmen. Und ganz wesentlich sind natürlich
- Besitzer von Zeitung und anderen Massen Kommunikationsmitteln. Und das ist [musik] der Grund, wieso Alfred Rugenberg, der wohl wichtigste
- [musik] Medienzar der Zwischenkriegszeit in Deutschland, wieso er all seine Mittel einsetzt, um diese Demokratie zu
- zerstören mit der Macht seines Medienkonzerns, aber er ist wie so häufig in solchen Fällen. [musik] Er ist im Zerstören viel besser als im Kreieren
- etwas Positivem. Hugenbergs Mediengruppe erreicht große Teile der Bevölkerung und macht Stimmung gegen die Demokratie.
- Noch extremer sind die Manipulationsstrategien der Nazis. Hitler und Göbbels setzen auf Lüge und Hass.
- Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse [musik] ist nur sehr beschränkt. Jede wirkungsvolle Propaganda hat sich auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken
- und diese schlagwortartig [musik] so lange zu verwerten, bis auch bestimmt der letzte das Gewollte sich vorzustellen vermag.
- Göbbels versucht das so modern wie möglich zu machen. Sie versuchen auch eine sehr spezifische Ansprache der Zielgruppen, also für Frauen, für
- Studenten, für Arbeiter, äh für Beamte. Das Hauptmittel ist aber Massierung. Das geht so weit, dass Josef Gbels ein
- Flugzeug engagiert und im Wahlkampf 1932 Hitler einfliegen lässt. Also diese Deutschlandflüge, Hitler über Deutschland unten das Land von Not und
- Elend geschüttelt, [musik] äh verzweifelte Menschen und dann kommt das Flugzeug herbei und wer steigt aus? Der Retter, der Erlöser, der Messias. Diese
- Modernität des Wahlkampfes führt dazu, dass Hitler na ja für damalige Verhältnisse fast omnipräsent ist. heute hier, dann fliegt er wieder am
- Nachmittag dahin, ist abends schon wieder am dritten Ort. Das ist natürlich eine Präsenz, die die anderen Politiker mit traditionellen Fortbewegungsmitteln
- so nicht leisten können. Und so wird dieser Wahlkampf von Göbbels effektiver. Es werden immer mehr Menschen erreicht, die anders nicht erreicht werden könnten
- und zwar auch in Regionen, wo sonst berühmte Politiker einfach nicht hinkommen. Hunderttausende lassen sich bereitwillig
- von Naziinszenierungen und antidemokratischen Parolen verführen. 40.000 erwarten Hitler allein in Easwalde
- nordöstlich [musik] von Berlin. Sie haben dann natürlich Parteien gewählt, die mit der Republik nicht mehr
- viel am Hut hatten. Das hat unter anderem mit der Enttäuschung in die existierenden Parteien zu tun. Das hat aber auch damit zu tun, dass die
- Nationalsozialisten nicht nur bei der Problemlösung ähm überzeugend waren, aber auch bei diesem Versprechen einer
- sehr viel einfacheren Gesellschaft. Die Gegner werfen uns Nationalsozialisten vor und mir insbesonders,
- dass wir intolerante, unverträgliche Menschen sein. Wir wollten, sagen Sie, mit anderen Parteien nicht arbeiten.
- Politiker verschärft das noch, indem er sagt, die Nationalsozialisten sind überhaupt nicht deutsch, denn
- sie lehnen die Arbeit mit anderen Parteien ab, also ist es typisch deutsch, 30 Parteien zu besitzen. Ich habe eines zu erleen: Die Herren
- haben ganz recht. Wir sind intolerant. Ich habe mir ein Ziel gestellt, nämlich die 30 Parteien aus Deutschland hinauszuegen.
- Am 31. Juli ist Wahltag. Die britische Wochenschau berichtet. Der letzte Schliff von Adolf Hitlers energischer Wahlkampagne war die Abgabe
- seiner Stimme. Hier sehen Sie den NSFührer, wie er die Wahlkabine betritt. Beobachtet von einer kleinen, aber begeisterten Menschenmenge. Ebenso
- besucht hier von Papen, der deutsche Reichskanzler, die Wahlurne. Beim Betreten passiert er eine Reihe von Wahlplakaten. Er erklärt sich bereit,
- Movone ein paar Worte zur wirtschaftlichen Lage zu sagen. economic situation
- energies great problems will have to solved to bring about reconstruction of the world after the war
- inable to the Germ 14 years after the war claim to equality to entitled as great civilized nation should still beeld
- Am 31. Juli 1932 [musik] wird die NSDP mit 37,3% stärkste Kraft im Reichstag. Mehr als 13,7 Millionen Deutsche
- entscheiden sich für Hitler. Besonders hoch sind erneut die Ergebnisse in ländlichen [musik] und protestantischen Regionen.
- Dies Ergebnis führte natürlich zu Bestürzung gerade bei denjenigen, die von den Nazis als Feinde bezeichnet wurden. Äh wenn wir schauen, äh viele
- jüdische Deutsche schrieben jetzt in ihre Tagebücher: "Um Gottes Willen, was soll jetzt kommen? Ist das der Schritt in die Katastrophe?" Sozialdemokraten
- waren entsetzt. Ähm, die Kommunisten sahen sich sozusagen nur noch bestätigt. Die NSDP konnte in dem Moment vor Kraft kaum gehen. Das war nun wirklich äh eine
- Stunde des Erfolgs. 230 NSDP Abgeordnete ziehen in den Reichstag ein. Hitlers vertrauter Hermann Göring wird Reichstagspräsident.
- Göbbels schreibt ins Tagebuch: "Nun geht es an den Ausbau unserer Stellungen. Wir müssen an die Macht und regieren, zeigen, was wir können. Nur
- nicht zu bescheiden sein. Entweder schärfste Opposition oder die Macht. Tolerieren macht Tod." Das ist auch Hitlers Meinung.
- Reichspräsident Hintenburg aber vertraut den Nazis nicht und deren Führer schon gar nicht. Vier Regierungsposten bietet Kanzler Parten der [musik] NSDP an.
- Hitler lehnt ab. Hintenburg ist empört über den böhmischen Gefreiten, wie er ihn nennt, weil er dessen Geburtsort Braunau am Inn mit Braunau in Böhmen
- verwechselt. Der alte Feldmarschall sieht im Parteichef der NSDP einen überschätzten [musik]
- Emporkömmling mit schlechten Manieren. Hitler hat so eine Maximalstrategie verfolgt dann nach dem Juli 32, als die
- Nazis dann ja stärkste Kraft waren. Ähm und hat verlangt, dass er zum Kanzler gemacht wird. Und da hat sich Hintenburg eben dagegen äh ausgesprochen. Hitler
- ist halt zu forsch aufgetreten, hat zu viele Bedingungen gestellt und äh hat so die Autorität angegriffen, untergraben und das hat ihm
- nicht gepasst. September 1932 in Berlin kommen gut 150.000 Mitglieder des Stahlhelm auf dem Tempelhofer Feld
- zusammen. Am Reichsfrontsoldatentag leisten sie einen öffentlichen Treueschwur auf die Regierung Papen. Doch ohne die Unterstützung der Nazis im
- Reichstag [musik] ist die Regierung handlungsunfähig. Hintenburg ordnet die erneute Auflösung des Reichstags an.
- Im November soll schon wieder gewählt werden. Ein Naziwerbeblatt zeigt die Stempelkarte eines Arbeitslosen, stürzt
- das System laut die Parole. Göbbel setzt auch auf moderne Technik und nutzt den neuen Tonfilm, um in Kinos
- direkt zu den Wählern zu sprechen. Wir glauben daran, dass das Volk nur insgesamt mit der Zusammenballung all deiner
- Kräfte, die Not überwinden, das Unglück wenden kann. Und darum appellieren wir an das Volk. Bauen, Arbeiter, Bürger und Soldaten
- marschieren heute hinter den Bahnen Adolf Hitler. Ein ganzes Volk legt das feierliche Gelöcktis ab. bis hierher
- und nichts weiter. Ein ganzes Volk ist entschlossen, das System zu brechen. Ein ganzes Volk will weg mit den Männern
- des Systems und weg mit den furchtbaren Folgen ihrer Politik. Am 3. November, drei Tage vor den
- erneuten Reichstagswahlen, demonstrieren die Demokratiefeinde von rechts und links, wie weit sie zu gehen bereit sind, um die Republik zu stürzen.
- Tagelang legen Kommunisten und Nazis gemeinsam die öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin lahm. Bei einer Kundgebung sind KPD Funktionär
- Walter Ulbricht und Göbbels nebeneinander auf der Rednertribüne zu sehen. Göbbels schreibt ins Tagebuch: "Die ganze Presse schimpft toll auf uns.
- Sie nennt das Bolschevismus. Und dabei bleibt uns gar nichts anderes übrig. Viele bürgerliche Kreise werden durch unsere Teilnahme am Streik abgeschreckt.
- Es gibt da unterschiedliche Stadtteile, in denen die aktiv werden. Das war aber damals angesichts zur verbreiteten Furcht für einen
- bolschewistischen Aufstand äh ein ungeheurer, beunruhigender Faktor gerade für viele äh, die sich selbst für bürgerlich hielten und mit den
- Nationalsozialisten liebe eäugelten. diese revolutionäre Phase, auch dieses betont antikapitalistische, was die
- Nationalsozialisten immer wieder herausstrichen. Oh, die gehen doch in Richtung Bolschevismus, war dann
- der Eindruck, den manche gewonnen haben. Um die Stimmen möglichst vieler Arbeiter zu gewinnen, nehmen die Nazis den Verlust konservativer bürgerlicher
- Wähler [musik] in Kauf. Die Strategie [musik] kostet mehr als sie einbringt. Gut 4% weniger wählen die
- NSDP, die dennoch stärkste [musik] Kraft bleibt. Eine realistische Mehrheitsbildung im Reichstag ist auch nach dieser Wahl
- nicht in Sicht. Während Deutschlands Zukunft ungewiss erscheint, siegen auf der anderen Seite
- des Atlantiks die Demokraten. Am 7. November 1932 wird Franklin D. Rosevelt zum 32. Präsidenten der USA gewählt. Der Mann, der in wenigen Jahren
- Hitlers stärkster Gegner werden wird, ist mit einem großen Versprechen angetreten. Ein New Deal soll die Wirtschaftskrise beseitigen, die auch
- die USA seit dem Börsenkrasch fest im Griff hat. [schreien]
- Schon als Gouverneur von New York hatte Roosevelt erfolgreich Reformen eingeleitet. Ein Hoffnungsträger, der von vielen
- enttäuschten Amerikanern [musik] herbeigesehn wird. Der Kontrast zwischen Roswell und Hitler [musik] 32 ist ein sehr interessanter,
- da es sowohl Parallelen als auch ganz wesentliche Unterschiede gibt. Das ist sowohl damals in Deutschland bei den Nazis als auch bei den äh bei Roosevelt
- ein Glauben an einen starken Staat, der die Krise meistern kann durch staatlichen Eingriff. Aber wo der Unterschied liegt, ist natürlich in der
- Art des staatlichen Eingriffs innerhalb von Demokratie. Die Nationalsozialisten stellen sich als die eigentlichen Demokraten da, als diejenigen, die
- wirklich den Volkswillen durch setzen werden. In Deutschland dreht der Amateurfilmer Wilfrid Basse Bilder [musik] des Elends.
- Die Krise hat ganze Stadtviertel fest im Griff. 5inhalb Millionen sind arbeitslos.
- Ende 1932, als ich die Situation in Deutschland immer mehr verschärfte, die wirtschaftliche Situation, die Arbeitslosenzahlen immer weiter nach
- oben gingen, gab es vielfältige Kreise, die den Hintenburg bearbeiteten, daraufhin eine Regierung Hitler zuzulassen. Das waren Industriekreise,
- aber auch in der Landwirtschaft und auch enge Berater. Franz von Papen beispielsweise, aber auch Oscar von Hintenburg. Das waren wichtige Berater
- um einen ja schon gereisen Reichspräsidenten herum, die ihn bearbeiteten jetzt Hitler zu ernennen. Und zwar sahen sie Hitler schon lange
- nicht als Problem, sondern als Lösung. Doch noch will Hintenburg von einer Ernennung Hitlers nichts wissen. Der Reichspräsident lässt den glücklosen
- Papen fallen und ernt seinen langjährigen Vertrauten Kurt von Schleicher zum neuen Reichskanzler.
- Der altgediente Offizier war Whrminister im Kabinett Papen und sorgt seit Jahren als graue Eminenz im Hintergrund für Zusammensetzung und Sturz der
- Präsidialkabinette. Nun hofft Schleicher mit einer sogenannten Querfront der Republik Feinde regieren zu können. Auf
- demokratische Mehrheiten kann er sich nicht stützen, aber immerhin auf Rückhalt in der Reichswehr. Ich werde meine Kraft daran setzen,
- dass die Reichsswer dazu befähigt wird, ihre Berufsaufgabe zu erfüllen, Deutschlands Grenzen zu schützen und seine nationale Sicherheit zu
- gewährleisten. Kurt von Schleicher hat eigentlich die Strategie verfolgt, diese rechte parlamentarische Mehrheit dadurch auf
- die Beine zu stellen, dass er die nationalsozialistische Bewegung spaltet. Und die Sorge war eben, dass wenn man weiter ein Präsidialkabinett hat ohne
- parlamentarische Mehrheit, wo die Nazis nicht beteiligt sind, dass die gemeinsam mit den Kommunisten ähm irgendwie in den Bürgerkrieg gegen die Reichswert zehen.
- Und das waren eben genau diese chaotischen Zustände mit dem Straßenkampf, die Hintenburg überhaupt nicht wollte.
- Schleicher hofft vergeblich, Hitlers innerparteilichen Rivalen Gregor Strasser zur Kooperation bewegen zu können. Doch die Nazis [musik] wollen
- die ganze Macht für sich. Gregor Strasser wollte auch, dass die NSDP an die Macht kommt, aber er hatte
- die Vorstellung, dass man vielleicht in eine Koalitionsregierung gehen könne. Und es kommt zu Absprachen mit Kurt von Schleicher, dem Reichskanzler. Das ist
- etwas, was Hitler ihm nie vergeben hat, denn für Hitler und seine Unterstützer war klar, wir wollen eine Führerpartei, wir wollen einen Führerstaat und da kann
- es nur einen geben und auf gar keinen Fall gehen wir in eine Koalition und machen Kompromisse. Hinter den Kulissen [musik]
- konspiriert Reichstagspräsident Göring mit Franz von Papen. Der sieht den [musik] Zeitpunkt gekommen, sich für seinen eigenen Sturz an Schleicher zu
- rechen. Gemeinsam betreiben sie dessen Absetzung. [musik] Hitler, der Führer der stärksten Fraktion im Reichstag, soll jetzt doch Kanzler werden.
- [räuspern] Papen glaubt, [musik] er könne die Nazis für seine eigenen Ambitionen benutzen. Hitler soll von seinen Gnaden Regierungschef werden.
- Kontrolliert von [musik] Konservativen wie dem Medienmogul Alfred Hugenberg. Hitler akzeptiert [musik] Papens Bedingungen, den Posten des
- Reichskanzlers und zwei weitere Ministerposten [musik] für seine Partei. Wilhelm Frick soll Innenminister und Göring Minister ohne
- Geschäftsbereich werden. Am Nachmittag des 28. [musik] Januar tritt Kurt von Schleicher zurück. Tags darauf meldet Göring:
- "Alles perfekt." Am 30. Januar 1933 um 11 Uhr verlässt Hitler das Hotel Kaiserhof und fährt zu Hintenburg, um die Ernennung zum
- Reichskanzler entgegenzunehmen. Die NS Propaganda wird diese Ernennung später zur Machtergreifung umdeuten. Also inwiefern
- wurde die NSDP gewählt bzw. hat sie die Macht ergriffen? Das ist eine klassische Frage. Sie waren die stärkste Partei ab äh Juli 32, haben aber dann im November
- ja einige Millionen Stimmen verloren, waren immer noch stärkste Partei, aber schienen auf dem absteigenden Ast zu sein. Und wenn es jetzt um den Erhalt
- der Republik ging, kann man natürlich das Argument machen, zu sagen, in dieser Situation sollte man dann alles dafür tun, diesen Abwärtstrend eher zu
- verstärken und nicht genau in dem Moment dann Hitler zum Kanzler zu machen. Aber das war wahrscheinlich genau das, was es letztendlich ermöglicht hat. Also, die
- Vorstellung, die werden eigentlich gerade schwächer und jetzt können wir sie doch einbinden mit nur ein ganz paar Kabinettsposten.
- Papen glaubt, die Nazis in Schach halten zu können. Der ihn warnt, er habe in Hitlers Hände begeben, entgegnet er.
- Sie irren sich. Wir haben ihn uns engagiert. Eine Illusion mit verheerenden Folgen. Hitler will die ganze Macht und aus
- Deutschland eine Diktatur machen. Das erste Kabinett Hitler schien ja zunächst einmal eine Präsidialregierung, ein Präsidialkabinett zu sein, wie alle
- anderen auch. Viele dachten auch 1933, dass sich das bald erledigt haben würde, dass auch er nicht lange an der Regierung bleiben würde. Für viele war
- nicht absehbar, was jetzt passieren würde, obwohl es auch viele gab, die das erkannten. Am Abend lässt Göbbels die SA durch
- Berlin marschieren. Der französische Botschafter beschreibt die Szene so: "Diese Fackeln bilden einen Feuerstrom
- und [musik] die Wellen dieses Stroms treffen mit großer Wucht auf das Herz der Hauptstadt." Die Journalistin Bella From notiert:
- "Ein Meer von Braun, eine Nacht des Schreckens, ein Ungeheuer in Gestalt von 20.000 Fackeln." Papen hat angeblich gesagt, er wollte in
- die Ecke drücken, bis er quietscht, aber er hat ihm nicht mal die Ecke gezeigt, in der er ihn hätte drücken können oder wollen. Jinenburg sah, dass ihm die Zeit
- davon läuft, weil er älter wurde und er wollte irgendwie sein politisches Lebenswerk mit [musik] einer Regierung der nationalen Einigung und Einigkeit
- grön. Hitler hat ihn in Gesprächen davon überzeugen können, dass er der richtige Mann dafür sei. Also Hintenburg fasste
- Vertrauen hat Hitler auch mehr zugestanden als allen anderen vorherigen Kanzlern. Trotz der Gewalt dieser Jahre, trotz der
- offenen Bekenntnisse zu Unrecht und zu Gewalt, haben viele noch gesagt, na ja, das wird so schlimm nicht werden. Das ist erstmal eine stabile kulturelle
- Fehlleistung, die man sich erlauben muss. Also, es gibt keine guten Gründe zu glauben, das wird schon nicht so schlimm. ähm das Gegenteil äh war zu
- erwarten und genau das Gegenteil ist dann ja auch eingetreten. Der Schriftsteller Klausmann schreibt: [musik]
- "Eine Nation, die sich sonst viel auf ihre Dichter und Denker zugute getan hatte, [musik] akzeptierte eine Wanze als Mann des Schicksals. Die Deutschen,
- ich verstand sie nicht. [musik]
Zum Nachlesen
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