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Countdown zur Diktatur: Vom Kanzler zum Diktator (4/4) | ZDFinfo Doku

ZDFinfo Dokus & Reportagen44:22 155.864 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 255 Zeilen
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  1. Die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts. Deutschland lernt Demokratie. Nach mehr als einem Jahrtausend Herrschaft des Adels.
  2. Jetzt keimt im Land die Hoffnung, es könnten gute Jahre kommen, eine bessere Zukunft für Deutschland. Die Demokratie übersteht schwere Krisen,
  3. doch die goldenen 20er sind nur kurz. Es gab schon viele Demokraten in dem Staat, aber sie konnten sich nicht durchsetzen. Ein Börsencrash bringt die nächste
  4. Krise. Profiteure sind die Feinde der Demokratie. Am Ende stehen Diktatur und Terror. Hitler hatte nie einen Zweifel daran
  5. gelassen, dass er diesen Staat, diese Demokratie wieder abschaffen möchte. Wir haben ein Ziel uns gewählt und was fährt fanatisch rücklos dieses Grab hinein.
  6. Warum lassen die Deutschen ihre erste Demokratie zugrunde gehen? Wer hat versagt? Wer sich verführen lassen? Wer trägt die Schuld am Sturz in die
  7. Diktatur? Berlin, Anfang Februar 1933. Seit wenigen Tagen ist Hitler Kanzler
  8. des Deutschen Reiches. Die NSDP stellt die stärkste Fraktion im Reichstag. Im Triumphzug marschieren Kolonnen der SA durchs Brandenburger Tor.
  9. Für die Nationalsozialisten bedeutete die Ernennung Hitlers zum Reichkanzler im Januar 33, dass ein Traum war. Also sie konnten es nicht fassen, dass sie es
  10. tatsächlich geschafft hatten, denn es wurde ja immer gesagt, ihr schafft es nicht. Viele Jahre war die Partei im Grunde bedeutungslos. Und hier beginnt
  11. eine Erzählung, die sich dann später äh auch noch weiterspinnt, dass sie sagen, man muss nur stark genug glauben und dann erreicht man alles. Wir haben an
  12. ihn geglaubt, als niemand an Hitler geglaubt hat und deswegen haben wir gesiegt. Und es wird klar, dass die Nationalsozialisten
  13. die Macht, die sie jetzt haben, nicht mehr abgeben werden. Das wird auch so formuliert und es wird mit eisernem Wesen durch das Reich gekehrt. Also
  14. alles das, was man versprochen hat, das wird man jetzt umsetzen. Und heute würden wir sagen, wir sind gekommen, um zu bleiben. Wir geben diese Macht nicht
  15. mehr ab. Und genau das war auch so. Ich werde mit eisernem Besen auskehren und alle diejenigen, die ausschließlich wegen ihrer roten oder schwarzen
  16. Gesinnung und zur Unterdrückung aller nationalen Bestrebungen in Amts und Bürden sitzen hinausfen. Hermann Göring ist jetzt preußischer
  17. Innenminister und kontrolliert damit die [musik] Polizei in weiten Teilen Deutschlands. Er macht die SA zur Hilfspolizei und
  18. somit Willkür legal. Tausende politische Gegner werden verhaftet ohne Gerichtsbeschluss. Der neue Kanzler Hitler garniert den
  19. Terror mit politischen Phrasen. Die Regierung der nationalen Erhebung will arbeiten und sie wird arbeiten. Sie hat nicht 14 Jahre lang die deutsche
  20. Nation zugrunde gerichtet, sondern will sie wieder nach oben führen. Sie ist entschlossen, in 4 Jahren die Schuld von 14 Jahren wieder gut zu machen.
  21. 5. Februar [musik] 1933 in Berlin wird der S-Mann Hans Maikowski zu Grabe getragen. Er war mit seinem als Mördersturm
  22. bekannten Trup im Anschluss an den Fackelzug vom 30. [musik] im Januar durch ein kommunistisches Viertel marschiert und dort erschossen worden.
  23. Die Nazis stilisieren Maikowski zum Meert. Dass in Wahrheit ein SA Kamerad geschossen hat, wird vertuscht.
  24. Die Kommunisten verhalten sich abwartend. Ernst Tellmann und Walter Ulbricht glauben, Hitler werde sich nicht an der Macht halten können.
  25. Gegen die neue Regierung mobilisieren vor allem die Sozialdemokraten. Am 7. Februar finden sich rund 200.000 Menschen zu einer Demonstration im
  26. Berliner Lustgarten zusammen. SPD Chef Otto Welz ruft auf zum Kampf für die Demokratie.
  27. den warnenden Stimmen, sowohl in den Tagen und Wochen vor der Ernenung Hitlers als Reichskanzler, als auch in den ersten Wochen seiner
  28. Reichskanzlerschaft sind eigentlich alle Verhalt, äh weil sich zu viele konservative äh Deutsche gesagt haben: "Na ja, Hitler
  29. ist doch nun der Führer der größten Partei, lass es uns doch einfach mal probieren." Dem ging auch damit einher die Vorstellung, dass vielleicht wenn
  30. Hitler einmal einer Macht ist, dass man ihn zähmen würde. Propagandachf Göbbels organisiert eine Kundgebung im Berliner Sportpalast und droht den linken
  31. Parteien mit Gewalt. Im übrigen können unsere Parteigossen des Armen auch darüber beruhigt sein, dass eher als wir alle denken, die
  32. Stunde des Endes des röen Terrors gekommen sein wird. auch die Veranstaltung am 10. Februar 1933
  33. wird mit mehreren Kameras gefilmt und soll überall in Deutschland in den Kinos gezeigt werden. Unser Führer, der Reichkanzler Adolf
  34. Hitzler hat das Wort. Wir wollen nicht lügen und wollen nicht spindeln. Ich habe es [jubel]
  35. Ich habe deshalb es abgelehnt, jemals vor dieses Volk hinzutreten und billige Versprechungen zu geben. Es kann niemand hier gegen mich
  36. aufstehen und zeigen, was ich je gesagt habe. Der Wiedufstieg Deutschlands sei nur eine Frage von wenigen Tagen.
  37. Immer und immer wieder predig ich der Wiederstieg der deutschen Nation ist die Frage der Wiergewinnung der inneren Kraft und Gesundheit des
  38. deutschen Volkes. Am 27. Februar 1933 brennt der Reichstag. Hitler ist gerade
  39. 4er Wochen im Amt. Die Feuerwehr kann nicht verhindern, dass das Gebäude völlig ausbrennt. Die Zerstörung des Parlaments [musik]
  40. ist ein Fanal für den Untergang der Demokratie. Die Nazis erkennen sofort die Gelegenheit mit politischen Gegnern abzurechnen. In einem Leitartikel
  41. bezichtigt Göbbels noch in der Nacht die Kommunisten der [musik] Brandstiftung. Tatsächlich ist der festgenommene Täter Kommunist. Der Holländer Marinus van der
  42. Lübbe [musik] war über einen Balkon in den Reichstag eingedrungen und hatte Feuer gelegt. Doch es gibt Zweifel [musik] an seiner alleinigen
  43. Täterschaft. Es ist ja bis heute etwas umstritten, wieso jetzt genau der Reichstag gebrannt hat, aber es ist letztlich fast
  44. zweitrangig herauszufinden, ob das nun jetzt bewusst von der P selbst gelegt worden ist oder ob sie das geschickt ausgenutzt haben. Also letztlich ist das
  45. Resultat das gleiche, dass sie eine solche Krise entweder kreiert oder ausgenutzt haben, um dann gegen die Linke, sowohl die Extremlinke als auch
  46. gegen die moderate Linke hervorzugehen. Die Anführer der Kommunistischen Partei werden zur Verfahnung ausgeschrieben. Am 3. März wird [musik] Ernst Tellmann
  47. verhaftet. Andere wie Wilhelm Peak und Walter Ulbricht können nach [musik] Moskau fliehen.
  48. Schon am Morgen nach dem Reichstagsbrand [musik] schränkt eine Notverordnung bürgerliche Freiheiten massiv ein. Der Reichstagsbrand ist ja im Grunde
  49. genommen ein Geschenk für die Nationalsozialisten. Äh sie können unmittelbar handeln und die Gewaltentfestlung geht rasend
  50. schnell. trifft zunächst äh die Kommunisten, Sozialdemokraten, alle Feinde des Nationalsozialismus. Alleine in Preußen sind bis Mitte März über
  51. 10.000 Menschen in sogenannter Schutzhaft. Alle Parteibüros der KPD werden geschlossen. In allen Großen Städten
  52. errichten die Nazis wilde Konzentrationslager, in denen [musik] S-Schläger ihre rechtlosen Opfer zu Tode quälen.
  53. Kommunisten, Sozialdemokraten, politische Gegner aller Art. Die Wahlen zum Reichstag am 5. März 1933 sollen die letzten sein, hat Präsident
  54. Hintenburg verlangt. Göbbels prophezeit. Es wird ein ganz großer Sieg. Hitler hofft auf eine komfortable Mehrheit [musik] für die NSDP, um
  55. diktatorische Vollmachten durchzusetzen und das verhasste Parlament endlich loszuwererden. Nur der Reichspräsident stünde dann noch über ihm. Vizekanzler
  56. [musik] Franz von Papen sieht nichts dergleichen kommen und wähnt sich bei seiner Stimmabgabe noch als starker Mann der Regierung.
  57. Diese Wahl wird Stadt Deutschland und auch für die Welt von entscheidender Bedeutung sein. Natürlich ist es so, dass ähm die Weimar
  58. Republik jetzt nicht nur wegen einiger Herren im Hinterzimmer untergegangen ist, sondern auch aufgrund des Wählerwillens. Ähm nur da muss man
  59. bedenken, es hat natürlich nie die absolute Mehrheit gegeben. Also selbst äh dann im März 33 mit all der Einschüchterung
  60. ähm selbst dann nicht. Und von daher macht man sich es auch zu einfach, wenn man sagt, die Wähler wollten das doch. Ähm, und die Nazis sind irgendwie
  61. demokratisch legitimiert gewesen. Aber natürlich gab es ähm eine breite Unterstützung. Es war eine Volkspartei, eigentlich die einzige zu dem Zeitpunkt,
  62. die wirklich in breiten Wählerschichten verschiedenen Klassen, verschiedenen Regionen Rückhalt hatte. Landesweit erreichen die
  63. Nationalsozialisten [musik] 43,9% der Stimmen. In zahlreichen Wahlkreisen wählt die Mehrheit NSDAP. Doch trotz Terror und Verfolgung
  64. erhalten die linken Parteien noch fast ein Drittel der Stimmen. Wer sich öffentlich gegen die Regierung stellt, ist in Lebensgefahr.
  65. Sozialdemokraten wie der Reichstagsabgeordnete Bernhard Kund aus Kemnitz werden öffentlich gedemütigt. Fotos wie verkauft die SA als
  66. Postkarten. Wie im Rest des Reiches beherrschen auch in München SA und SS-Männer die Straßen. Sie haben die gleichen Vollmachten wie
  67. die Polizei. Heinrich Himmler, seit dem 9. März 1933 kommissarischer Polizeipräsident von München lässt ein politisches
  68. Konzentrationslager bei Dachau einrichten. Er weist die Polizei an rücksichtslos von der Waffe gebraucht zu machen. Die
  69. bayerische Staatsregierung wird abgesetzt und Heinrich Held, der Hitler einst die Rückkehr in die Politik ermöglicht hatte, aus dem Amt gejagt.
  70. 12. März 1933. Ein Kamerateam der Wochenschau filmt die Ankunft des Reichskanzlers auf dem Flughafen Riem in München. SSchef
  71. Heinrich Himmler und SAER Ernst Röm gehören zum Empfangskomitee. Hitler ist vom Wahlergebnis enttäuscht, denn er bleibt von den Konservativen
  72. abhängig. Noch kann er nicht schalten und wten, wie er will. Per Gesetz sollen als nächstes alle Landesregierungen des
  73. Reiches entmachtet und gleichgeschaltet werden. 21. März [musik] 1933. Die Feier zur Eröffnung des neugewählten
  74. [musik] Reichstags findet ausgerechnet in Potzdam statt in der Stadt der preußischen Monarchie. Friedrich der Große gilt vielen
  75. Deutschen als Idealtypus eines Herrschers. An seinem Grab in der Garnisonenkirche demonstrieren Reichspräsident Hintenburg
  76. als Vertreter der Alten und Reichskanzler Hitler als Vertreter der neuen Zeit Einigkeit. Eine Täuschung, die Konservative und
  77. Monarchisten auf Hitlers Seite ziehen soll. Mission. Es soll im Grunde sagen, das alte und das junge Deutschland geben sich äh die
  78. Hand und jetzt kommt das Erwachte, das große Deutschland. Es ist inszeniert, als wolle man allen, die sich für monarchisch
  79. konservativ halten, die auf Ordnung und alte Werte setzen, sagen: "Jetzt ist eure Stunde wieder gekommen." Hitler [musik] ohne Uniform will
  80. Verlässlichkeit vorgaukeln. Viele lassen sich nur zu gern täuschen. Man war der Meinung in diesem Handel, den man mit Hintenburg dann
  81. letztendlich erreicht hat, dass Hitler in diese Position des Kanzlers kommen kann, er aber kontrolliert wird durch die
  82. Kreise Papens. Das war quasi die Garantie. Nicht Hitler, sondern Hintenburg nimmt die Parade von Reichswehr und SA ab.
  83. Mehr als 100.000 Menschen sind nach Pozdam gekommen, um diesen Tag zu feiern. Auch die Söhne des Exkaisers sind da. Im
  84. holländischen Exil hat Wilhelm [musik] II. eine Vorahnung. Dieser Frederikos Rummel liegt mir gar nichts. Das ist ja nur, um die Republik
  85. salonfähig zu gestalten. Überhaupt sehe ich nach [musik] der Wahl viele unerfreuliche Dinge. Sie machen bereits so viel Unsinn, dass es höchste Zeit
  86. wird, dass ich eingreife. [musik] Vor allem auch, um zu verhindern, dass ein Nazistaat kommt.
  87. Göbels schreibt [musik] ins Tagebuch: "Am Ende einziger Rausch, so wird Geschichte gemacht.
  88. Weil der Reichstag eine ausgebrannte [musik] Ruine ist, muss ein ehemaliges Opernhaus als Parlamentsgebäude dienen.
  89. Am Nachmittag des 21. [musik] Maps trat der Reis zum ersten Mal in der Grolloper zusammen. Zwei Tage später brachte der
  90. Reichkanzler Adolf Hitler das Ermächtigungsgesetz ein, das mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde.
  91. Per Gesetz werden die Reste der Demokratie beseitigt. Am 23. März 1933 beschließt der Reichstag das
  92. Ermächtigungsgesetz und damit entmachtet er sich selbst. Nur ist es so, dass äh an dieser Reichstagssitzung schon nicht mehr die KPD teilnimmt. Sie ist bereits
  93. verboten. Auch viele SPD Mitglieder sind bereits auf der Flucht, werden geradezu gejagt von den Nationalsozialisten. Der Saal, der Reichstagssal
  94. ist umstellt mit SS und SA, die Hakenkreuzfahne über dem Rednerpult. Trotz massiver Drohungen haben 94 sozialdemokratische Abgeordnete den
  95. Spießruten in den Sitzungssaal überstanden. Die NSDP terrorisiert schon die anderen demokratischen Parteien und nur wenige
  96. können sich auch diesem Druck entziehen. Hier ist Otto Welz von der SPD zu nennen, der wirklich sich hinstellt und eine Gegenrede hält und für die
  97. Demokratie eintritt auch diesen Mut hat, das zu machen. Freiheit und Leben kann man uns nehmen,
  98. die Ehre nicht. Nach den Verfolgungen, die die sozialdemokratische Partei in
  99. der letzten Zeit erfahren hat, wird niemand von ihr billigerweise verlangen und erwarten können, dass sie für das hier eingebrachte
  100. Ermächtigungsgesetz stimmt. Das bringt zwar in diesem Moment nichts, aber dennoch hat er natürlich vor der Geschichte einen wichtigen Punkt gesetzt
  101. und deutlich gemacht, dass es eben auch Gegner gab und dass es auch Menschen gab, die gegen diese Diktatur frühzeitig aufgestanden sind.
  102. Die NSDP hatte trotz Trickerei, dass die KPD Mandate nicht zählten, nicht genug Stimmen für eine Zweidrittel Mehrheit. Notwendig war die Zustimmung der noch
  103. verbliebenen Parteien allen voran des Zentrums. Die Rechtsregierung beabst daher nicht durch dieses Ermächtigungsgesetz die
  104. Länder aufzuheben. Wohl aber wird sie diejenige Maßnahmen treffen, die von nun ab und für immer eine Gleichmäßigkeit der politischen Intentionen in Reich und
  105. in den Ländern gewähr lässt. Es ist Sache des Reichstags nun mehr seinerseits eine klare Stellung einzunehmen. Am Schicksal des
  106. Kommunismus und der sich mit ihm verbrüenden anderen Organisationen ändert dies nichts. Die Auseinandersetzungen sind groß in
  107. der Zentrumsfraktion. Ähm, es sind ja dramatische Momente. Ein Heinrich Brüing soll für das Ermächtigungsgesetz seine Hand heben und
  108. dann wird eben der Fraktionszwang verhängt und dann heben alle Zentrumsabgeordnete ihre Hand. Auch ein bedauernswerter Heinrich Brüing heben
  109. die Hand für dieses Ermächtigungsgesetz und besiegeln damit endgültig die Geschichte des Parlamentarismus in Deutschland.
  110. Die Nazis nehmen jetzt auch Deutschlands Juden ins Visier. Es kommt zu Misshandlung und Mord auf offener Straße.
  111. Aus der unbedeutenden Regionalzeitung [musik] der Stürmer wird ein landesweites Hetzblatt. In steigender [musik] Auflage verbreitet
  112. der Stürmer Hass und antisemitische Hetze. [musik]
  113. den Tyreche im Ausland kommt es zu protesten gegen die antisemitischen Übergriffe. Göbbelsz
  114. will zeigen, dass die ganze Bevölkerung hinter dem Hass auf Juden steht. Am 1. [musik] April 1933 sollen landesweit jüdische Geschäfte
  115. boikottiert werden. Doch viele Deutsche machen nicht mit. Die Absicht war natürlich so viele Juden wie möglich zur Auswanderung zu bewegen.
  116. Äh das waren die Staatsfeinde, so wurde es gesehen, die Menschheitsfeinde. Und diese Menschen wollte man einfach loswerden. Und man dachte auch, dass mit
  117. dieser Boyottaktion auch die Bevölkerung dazu gebracht würde, eben nicht mehr bei Juden zu kaufen. eben eine doch noch mal eine Progromstimmung schon eine
  118. antijüdische Stimmung zu erzeugen, aber das funktionierte nicht. Dieser Boikott [musik] hatte eine enorme Wirkung auf die jüdischen Deutschen.
  119. Also, der Schock war riesig. Also jetzt greifen sie zur offenen Gewalt und zwar zur statisch legitimierten Gewalt ähm auf unserem Besitz, auf unser Leben, auf
  120. unser Gut. Und äh das berührt ja auch ein Trauma der Juden, nämlich was sie dort sehen. Ist zwar neu in Deutschland dieser Boikott und die Gewaltanwendung,
  121. aber es ist ein ururaltes Prinzip. Wie in Dachau bei München entsteht auch in Oranienburg bei Berlin ein Konzentrationslager.
  122. Propagandaufnahmen sollen vortäuschen, es handle sich um eine harmlose Umerziehungseinrichtung. Tatsächlich regiert hier brutale Gewalt.
  123. Am 26. April 1933 gründet Göring die geheime Staatspolizei. Landesweit werden Ratien durchgeführt.
  124. Deutsche Volksgenossen, das Mikrofon der Funkstunde Berlin steht jetzt in den frühen Morgenstunden des 5. April in der übel beläumndesten Gegend
  125. Berlins. Das dauert ein paar Minuten, nicht mal Sekunden. Der ist ein großer Komplex abgesperrt, ein ungeheures Aufsehen, [musik]
  126. eine irrsinn Angst bei den Kommunisten, bei den sozialdemokratischen Funktionären. Sie haben alle in ihren Wohnungen noch tausenderlei Drucksachen
  127. versteckt. Verbotenes Hetzmaterial. [musik] Die stürmen die Treppen auf. Achtung,
  128. Polizei aufmachen und dann nach wenigen Minuten, kurz nach Beginn der Aktion kommen dann die ersten politischen Gefangenen.
  129. Ein in Großbritannien gedrehter Antinaifilm soll zeigen, wie Deutschlands Kommunisten im Untergrund aktiv sind. Doch in Wahrheit gibt es nur
  130. vereinzelte Aktionen. Spitzel liefern [musik] der Polizei immer neue Opfer. Protest regt sich kaum. In den Augen der Mehrheit der Bevölkerung geht es nur
  131. Unruhestiftern an den Kragen. Die Einrichtung [musik] von gerade der frühen Konzentrationslager ähm die Schutzhaft, das ist etwas, was
  132. die Menschen nun als Alltag neu erfahren müssen. Wenn du etwas sagst, äh wirst du mitgenommen. Dieses Abholen der Menschen wird zu einem Stück der deutschen
  133. Realität. Es ist ein Alltag, von denen sich die fürchten, die damals zu Feinden erklärt wurden. Alles soll legal wirken. Offensichtliche
  134. Willkür wie der Aprilboott gegen die Juden verschrecken zu sehr. Tatsächlich glauben viele an bessere Zeiten. Die jüdische Journalistin Bella From fragt
  135. sich: "Warum all das? Fügen sich die Deutschen nur dem Druck oder befindet sich die ganze Nation in Trans? Wie der Führer, unser Volkskanzler Adolf
  136. Hitler wiederholt betont hat, ist der Reichsregierung jeder zur Mitarbeit willkommen, der sich zu Deutschland bekennt. Jeder aber, der sich gegen
  137. Deutschland wendet, soll wissen, dass er als Feind des Volkes aus der Volksgemeinschaft ausgemerzt wird. Nur wem Volk und Heimat über alles geht, ist
  138. würdig an der heiligen Aufgabe des Deutschen Freiheitskampes mitzuarbeiten. Millionen Deutsche entscheiden sich für die Seite des offensichtlich stärkeren.
  139. Viele hoffen auf persönliche Vorteile und bessere Chancen bei der Jobsuche. Die Gaufilmstelle Halle Merseburg dokumentiert, wie die Parteibüros der
  140. NSDP sich vor Mitgliedsanträgen kaum retten können. Als am 1. Mai ein Aufnahmestopp [musik] erlassen wird, sind seit Hitlers
  141. Ernennung zum Kanzler 1,6 Millionen Deutsche in die Partei eingetreten. 1. Mai 1933. Tempelhoferfeld Berlin.
  142. Die Nazis erfüllen eine alte Forderung der Arbeiterbewegung und erklären den 1. Mai zum Feiertag. Göbbels schreibt in sein Tagebuch:
  143. "Die technischen Anlagen sind grandios und genial. Wir haben doch wenigstens Ideen. De Volk ist nicht mehr das Volk der
  144. Ehrlosigkeit, der Schande, der Selbsterfleischung, der Gleichmüdigkeit und Gleäuigkeit.
  145. Das deutsche Volk ist wieder stark geworden [schreien] in seinem Geist, stark in seinem W, stark in seiner Beherrlichkeit,
  146. stark in der Kran aller [stöhnen][schreien] Opfer. Wir hasen mich von.
  147. Noch während des abschließenden Feuerwerks bereitet sich die SA in ganz Deutschland auf den nächsten Schlag vor.
  148. Am 2. Mai 1933 besetzen Rollkommandos die Gewerkschaftshäuser. Das Vermögen der Arbeiterbewegung wird
  149. beschlagnahmt. Die Gewerkschaften wären ja bereit gewesen. Das gehört ja in [musik] die Tragik hinein. Also da ein Bekenntnis zu
  150. leisten. Sie waren nicht mehr gefragt aus dem einfachen Grund, weil der NSDP ein völlig anderes Modell vorschwebt, nämlich eine nationale
  151. Arbeitsorganisation, die von oben nach unten dirigiert wird. Und das hat man äh auch klar begründet mit der Notwendigkeit beispielsweise von
  152. Aufrüstung. Man wollte auf keinen Fall riskieren, dass wie im ersten Weltkrieg, dass es da irgendwelche Probleme geben könnte. insofern war die Zerschlagung
  153. der Gewerkschaften ohnehin im Interesse der verbündeten Arbeitgeber. Also man hatte ja auch bestimmte Zusagen gegenüber der Industrie zu erfüllen und
  154. es war auch im Sinne der eigenen Konzeption als erklärt antimarxistische Kraft war kein Platz mehr dafür. In anderen Universitätsstädten Deutschland
  155. wurden undeutsche und unsittliche Bücher von den Studenten eingesammelt und öffentlich verbrannt. Das Scheiterhaufen auf dem Operplatz in
  156. Berlin. 10. Mai 1933. Mehr als 20.000 Bücher werden allein in Berlin verbrannt. Die Autoren sind
  157. Juden, Linke oder andere unliebsame Denker. Tausende Schaulustige, darunter viele Studenten und Professoren, bilden die Staffage.
  158. Ausgeleuchtet und gefilmt von der Wochenschau. Viele der verfähemten Autoren sind schon ins Exil geflohen. Die meisten in
  159. demokratische Länder wie die Schweiz, die Tschechoslowakei oder Frankreich. Das Zeitalter eines überspitzten jüdischen
  160. Intellektualismus ist nun zu Ende. Unser Durchbruch der deutschen Revolution hat auch dem deutschen Weg wieder die
  161. Gasse freigemacht. Und der kommende deutsche Mensch wird nicht nur ein Mensch des Buches, sondern auch ein Mensch des Charakter
  162. sein. Und dazu wollen wir euch erziehen. Und deshalb du dir gut daran, um diese mitnächtige Stunde,
  163. den Ungeist der Vergangenheit, den Flammen anzu vertrauen. Übergebe dem Feuer die Schriften von Heinrich W, Ernst Gläser, Erik Hestner.
  164. So etwas wie eine Bücherverbrennung, die an vielen Orten Deutschland stattfand, ähm ist der Beleg für die Radikalität des neuen. Äh Bücherverbrennung sagen in
  165. diesem Ausmaß unter Beteiligung von auch Studierenden, auch von Jugend, also nicht nur ein paar alte weiße Männer, die immer ihre Probleme mit der Moderne
  166. haben, sondern auch mit anderen Bevölkerungsgruppen. Das macht in einem negativen Sinne tatsächlich Eindruck. die meinen es ernst und diese
  167. Formulierung, dass irgendwie Scheiterhaufen angezündet werden in Deutschland, die finden sich im Gefolge dieser Bücherverbrennung und wo man
  168. Bücher verbrennt, na ja, wir wissen, wie es weitergeht, das war vielen damals schon als Sorge durchaus präsent.
  169. Auch bald Heinrich Held, der sich ins Schweizerische Lugano zurückgezogen hat, kommt Resignation auf. Man sollte an einen Wut und Verzweiflungsaufstand
  170. gegen das Regime in Bde glauben. Ich wollte, ich könnte es. Das neue Regime verändert Deutschland in rasendem Tempo durch Terror und ebenso
  171. flächendeckende wie effiziente Manipulation. Der neue Propagandaminister Göbbels bringt Rundfunk, Presse und Film unter
  172. seine Kontrolle. Unabhängigen [musik] Journalismus soll es nicht mehr geben. In die Kinos kommen nur noch seichte Unterhaltung oder
  173. Propaganda. Am 12. September 1933 feiert der Film Hitlerjunge Queckspremiere.
  174. Ist die neue Zeit? Heinrich George in der Rolle des tyranischen kommunistischen Vaters.
  175. Mensch, du hast ja das gelernt. Was? Lass doch den Jungen. Ja, der wird du. Wenn hier was gesungen wird, dann singst du. Hel gehört die Signale
  176. auf zum letzten S. V gehört die Signale auf zum letzten kannst du nicht singen? Sohn Hain will lieber sterben als der
  177. Hitlerjugend abzuschwören. Unsere Fahne uns voran
  178. wir am 21. September 1933 beginnt vor dem Reichsgericht in Leipzig
  179. der Prozess gegen den der Brandstiftung verdächtigten Marinus van der Lübe und vier kommunistische Funktionäre. Die mitangeklagten unter ihnen der
  180. ehemalige Vorsitzende der Kpd Fraktion im Reichstag Ernst Torgler werden freigesprochen. Van der Lüppe wird zum Tode verurteilt
  181. auf Grundlage eines Gesetzes, das erst nach der Tat erlassen wird und nun rückwirkend Gültigkeit hat. Ein Vorzeichen für die Art und Weise,
  182. wie Recht Justiz in Hitlers Deutschland fortan missbraucht werden. Wenige Tage später reist Minister Göbbels nach Genf zu den
  183. Abrüstungsberatungen des Völkerbunds. Vor der Presse gibt er sich friedfertig. Der Frieden in Europa muss erhalten bleiben. Ich bin weiterhin der festen
  184. Überzeugung. käme ein Krieg, er wäre das größte Unglück für die Welt. Und wie er ausgehen mag, sowohl die Sieger als die Besiegten würden nur furchtbarstes
  185. Unglück und schwerste Not dadurch ernten können. Deshalb wird es das Bestreben der deutschen Regierung sein, den Frieden auf jeden Fall zu erhalten, um
  186. den Völker ihre Sorgen, ihre Nöte und ihre Arbeitslosigkeit abnehmen. Nur drei Wochen später verlässt Deutschland [musik] den Völkerbund.
  187. Hitler hat sehr geschickt die Vorstellung inszeniert, dass der Völkerbund eigentlich nur darin besteht, um die Interessen von anderen Ländern
  188. durchzusetzen. Also er hat eigentlich mal gesagt, den Völkerbund gibt's ja eigentlich nur, damit Länder wie Großbritannien und Frankreich andere
  189. Länder wie uns ausnutzen können. Angesichts [musik] Wirtschaftskrise und Massenarbeitlosigkeit glauben viele Deutsche solchen Parolen.
  190. Die Nazis [musik] versprechen millionen neue Jobs. Vor den Propagandakameras marschieren ganze Kolonnen zu den staatlichen
  191. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Hitler persönlich kommt zum ersten Spartenstich. Jahre vergangen soll ein Riesenberg
  192. zeugen von unserem Bien, unserem Fleiß, unserer Fähigkeit und unsere Entschlusskraft. Arbeiter an das
  193. finanziert wird das Ganze mit neuen Schulden. Was der NFDP ja sehr zugute kommt in der Situation, das ist ja die Wirkung der
  194. staatlichen Programme, die ja eben nicht von Hitler eingesetzt werden, sondern die seit Brünningen eigentlich praktiziert werden. wirkliche
  195. Arbeitsbeschaffungsprogramme, Baumaßnahmen, ähm Immobilien äh Bau, Straßenbau, die Autobahn, das ist eben eine der großen Propagandalegenden, aber
  196. die Planungen sind alle schon älter und auch eine Beruhigung der wirtschaftlichen Situation, das ist ja nicht alles, weil Hitler jetzt gerade äh
  197. ja an die an die Macht gebracht wurde. Nein, das ist die Vorarbeit, aber er kann die Früchte ernten.
  198. Noch sitzt das Regime nicht fest im Sattel und ist auf die Zustimmung von Arbeitern und Bürgertum angewiesen.
  199. Der Filmamateur Willy Beutler dreht diese Szenen anfang November 1933 in Hamburg. Die nächste Wahl steht an, gekoppelt mit
  200. einer Volksabstimmung über den Austritt aus dem Völkerbund. Es gibt nur noch eine Einheitsliste, geführt von der NSDP. Die SPD ist
  201. verboten. Die Zentrumspartei hat sich selbst aufgelöst. Am 11. November inszeniert Göbbels die Abschlusskundgebung.
  202. Aus ganz Berlin reisen Arbeiter nach Siemensstadt in Spandau. Kameras der Wochenschau werden in Stellung gebracht. Der
  203. Propagandaminister persönlich überwacht den Ablauf der Aktion. In sein Tagebuch schreibt er: "Heute der große Propagandatag, ein
  204. neuer Triumph meines Ministeriums. Nur Arbeiter! Stürmischer Jubel. Vor einem Jahr noch hätte man uns tot
  205. geschlagen. Chef in bester Form. Ganz Deutschland steht still. [jubel]
  206. Hitlers Rede wird im Reichsrundfunk deutschlandweit übertragen. Wir haben nun gearbeitet und wir haben in diesen neuen Monaten
  207. ungeheuerliches erreicht. Vielleicht wird Mann Konine sein, der es mir nicht verzeihen kann, dass ich die marxistischen Parteien vernichtete. Aber
  208. mein Freund, ich habe die anderen genauso vernichtet. Wie hier in Hamburg werden die Deutschen überall im Reich aufgefordert,
  209. Hakenkreuzfahnen aufzuhängen. Bei der Wahl am 12. November 1933 erhält die NSDP Einheitsliste mehr als 92% der Stimmen. Mehr als 95% stimmen
  210. dem Austritt aus dem Völkerbund zu. Nazis dominieren das Stadtbild. Regelmäßig marschiert die S durch die
  211. Straßen und demonstriert den Machtanspruch des Regimes. Schef Ernst Röm ist einer der prominentesten und mächtigsten Komplizen
  212. Hitlers. Ein Mann mit Ambitionen. 1934 ist die Situation, dass in Teilen des Bürgertums und vor allem des
  213. Militärs große Sorgen da sind, nämlich Sorgen, den eigenen Einfluss zu verlieren. Die SA strebt danach, sich als
  214. Volksmiliz an die Stelle der Reichswehr zu setzen. Das war im Denken der Berufssoldaten unmöglich. Das ging nicht. Und das war
  215. klar, das wurde gesehen als ein Anspruch, der letztendlich den Nationalsozialisten nicht zusteht. Röhms SA umfasst jetzt 3 Millionen Mann.
  216. Nach seinen Plänen soll sie die Reichswehr ersetzen und mit ihr zu einem Volksher verschmelzen. Und was Röm sich vorstellt
  217. nach der Ernennung Hitlers zum Reichkanzler, dass er der nächste Reichswehrminister wird, dass er eine Armee der Volksgemeinschaft, so nennt
  218. [musik] er das, führt. Das war allerdings nicht im Sinne Hitlers. Öffentlich kritisiert der SAF Hitlers Politik, droht mit einer zweiten [musik]
  219. Revolution. Röm lebt zudem offen homosexuell, was den Nationalsozialisten als Zitat [musik]
  220. entartet gilt. Seine Rivalen, vor allem Hermann Göring und Heinrich Himmler, melden Hitler angeblich von röm geschmiedete
  221. Putschpläne und erstellen Listen vermeintlicher Mitverschwörer. Hitler muss sich entscheiden.
  222. Ende 33 sind das mehr als 3 Millionen SA Mitglieder. Das ist ja schon mal eine Armee, [musik] also eine ein Staat im State sozusagen.
  223. Und Röm ist nicht zuletzt durch diese Armee SA Armee, die er im Rücken hat, sehr mächtig. Eine Macht, an der eigentlich niemand wirklich vorbeikam.
  224. Hitler plant Krieg und braucht dafür die Profis von der Reichswehr. Ins Geheim hat er längst damit begonnen, die militärischen Beschränkungen des Versaj
  225. Vertrags zu missachten und die Reichswehr wieder aufzurüsten. Die Konservativen um Franz von Papen verlieren an Einfluss. Ihr Plan Hitler
  226. politisch zu kontrollieren, ist von Anfang an gescheitert. Am 17. Juni 1934 fordert Papen in Marburg das Ende des Terrors und warnt vor Revolution.
  227. Die Marburger Rede kritisiert gewissermaßen den Griff der NSDP nach der vollkommenen Macht, kritisiert die Einschränkung der Presse beispielsweise
  228. und soll auch als Signal gelten. Ähm wir kümmern uns drum, wir kontrollieren, wir sind bereit [musik]
  229. auch ja bestimmten Schritten dann auch Einhalt zu gebieten. Die SA hat auch innerhalb der Nazibewegung Konkurrenz. Heinrich
  230. Himmler leitet die sogenannte Schutzstaffel Kurz [musik] SS. Mit ihrer Hilfe will Hitler nun zwei Probleme auf einmal lösen. Römen aus dem Weg räumen
  231. und zugleich die Konservativen um Vizekanzler Papen ausschalten. Es bildet sich im Grunde auch um Hitler herum aus der Partei und aus der
  232. Reichswehr eine Gruppe, die sagen: "Rö muss weg." Und so kommt es tatsächlich, dass man seinen Mord plant, dass im Grunde im Mai
  233. Juni 1934 überlegt wird, die SA zu entmachten, aber nicht nur einfach entmachten, sondern auch ihre Köpfe festzunehmen, zu
  234. töten. Und das passiert dann auch. Das wird dann später verbrät als Römputsch, den es nie gegeben hat. [musik]
  235. Am 30. Juni 1934 beginnt die Aktion gegen die Spitze der SA. Röm wird erschossen, sowie fast 200 weitere Opfer. Hitlers erster
  236. Massenmord. Es trifft auch Leute, die gar nichts mit der SA zu tun hatten, etwa Kurt von
  237. Schleicher, Mitarbeiter von Parts, viele, die an verschiedenen Stellen umgebracht werden. Das ist von Staatsseite geduldeter und betriebener
  238. mit den Mitteln einer Privatarmee, nämlich der SS ausgeführter politischer Mord. Wenig später Wagner Festspiele in Beeut.
  239. Hitler wohnt einer Aufführung des Reingold bei und gibt sich beim anschließenden Abendessen mit Winnifried Wagner [musik]
  240. gelassen. Ich muss eine Stunde hier aushalten und mich sehen lassen, sonst könnten die Leute glauben, ich hätte mit der Sache
  241. zu tun. Reichspräsident Hintenburg greift [musik] nicht ein. Ob er die
  242. anerkennende Botschaft, die in der NS-Presse erscheint, tatsächlich selbst geäußert hat, ist [musik] unklar. Sein Günstling Papen ist dem Gemetzel
  243. entkommen. Er bleibt dem Regime loyal, tritt als Vizekanzler [musik] zurück und wird als Botschafter nach Wien versetzt.
  244. Hintenburg lässt das alles [musik] geschehen. Er kümmert sich kaum. Er reagiert auch auf Anfragen von Leuten, mit denen er vorher viel zu tun hatte,
  245. kaum. Und dann äh stirbt er im Anfang August 1934. Und damit ist der letzte, der eine
  246. Machtposition hat, die Hitler gefährlich werden könnte, tot und dann wird die Armee auf den Führer einer Bewegung vereidigt.
  247. Die Reichswehr wird noch an Hintenburgs Todestag auf Hitler vereidigt. Am 20. August 1934 werden per Volksabstimmung die Ämter des
  248. Reichspräsidenten und des Reichskanzlers vereinigt. Offizieller Titel Hitlers ist jetzt Führer und Reichskanzler.
  249. Als unantastbarer Herrscher will Hitler sich zwei Wochen später den Deutschen präsentieren. Die junge Regisseurin Leni Riefenstahl
  250. erhält den Auftrag, den Reichsparteitag in Nürnberg aufwendig zu filmen. Jetzt erst steigt Hitler zum Alleinherrscher auf, denn nun übernimmt
  251. er auch dieses Amt. Also, er ist jetzt Führer und Reichskanzler. Es gibt niemanden mehr, der über [musik] ihm steht. Es gibt keinen Reichspräsidenten
  252. mehr, der ihn qu Verfassung vielleicht noch absetzen könnte. Also, er ist jetzt ganz oben angekommen. Er ist der Diktator, der niemanden mehr über sich
  253. hat. Triumph des Willens heißt Riefenstahls Propagandastreifen. Erst jetzt, im Sommer 1934
  254. ist der Weg in die Diktatur abgeschlossen. Millionen Deutsche haben diesen Weg geebnet und der ersten deutschen
  255. Demokratie den Todesstoß versetzt. Die Folgen werden verherend sein für Deutschland und die Welt. Ah.

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