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Countdown zur Diktatur: Hitler und das Ende der Weimarer Republik (1/4) | ZDFinfo Doku
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 355 Zeilen
- Die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts. Deutschland lernt Demokratie. Nach mehr als einem Jahrtausend Herrschaft des
- Adels. Jetzt keimt im Land die Hoffnung, es könnten gute Jahre kommen, eine bessere
- Zukunft für Deutschland. Die Demokratie übersteht schwere Krisen, doch die goldenen 20er sind nur kurz. Es
- gab schon viele Demokraten in dem Staat, aber sie konnten sich nicht durchsetzen. Ein Börsencrash bringt die nächste
- Krise. Profiteure sind die Feinde der Demokratie. Am Ende stehen Diktatur und Terror.
- Hitler hatte nie einen Zweifel daran gelassen, dass er diesen Staat, diese Demokratie wieder abschaffen möchte. Wir
- haben ein Ziel uns gewählt und was fährt es fanatisch rücklos dieses Grab hinein. Warum lassen die Deutschen ihre erste
- Demokratie zugrunde gehen? Wer hat versagt? Wer sich verführen lassen? Wer trägt die Schuld am Sturz in die
- Diktatur? Berlin vor 100 Jahren. Hauptstadt und Herz der ersten deutschen Demokratie.
- Am 11. [musik] August 1924 feiert die Republik das fünfjährige Bestehen ihrer Verfassung.
- Reichspräsident ist Friedrich Ebert von der SPD. Das Staatsoberhaupt inspiziert eine
- Ehrenformation. Viele der Soldaten haben ihren Eid noch auf den Kaiser geschworen.
- Die Weibre Republik schleppt ja die Erplasten des Kaiserreichs und des Weltkriegs mit sich herum. Diese
- Gesellschaft in Deutschland ist eigentümlich segmentiert. Da gibt es eine Trennlinie zwischen Stadt und Land,
- zwischen den Konfessionen. Also Katholiken und Protestanten trennt eine alltäglich sehr sehr äh starke Linie
- voneinander. Wir haben konservative und monarchische Interessen, wir haben sozialistische [musik]
- sozialdemokratische Zukunftsentwürfe seit dem Kaiserreich. Wir haben starke kommunistische Partei und dann diesen
- ganzen völkischen Bereich und es gibt ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie es mit Deutschland weitergehen könnte
- und diese Vorstellungen verstehen sich nicht sagen als lebendige Konkurrenz oder als wechselseitige Bereicherung,
- wie wir es heute gerne sehen würden, sondern das sind nicht nur Gegner, sind im Grunde genommen Feinde.
- Viele Deutsche tun sich noch schwer mit der in Weima gegründeten Republik. Sie verbinden die Demokratie mit Niederlage
- und Wirtschaftskrise. Das sind Chaosjahre, schwierige Jahre. Wir haben hier eine
- Nachkriegsgesellschaft. Wir haben eine Transformationsgesellschaft
- von der Monarchie zur Demokratie und wir haben eine Gewaltkultur in der Wahlmarer Republik, die sich immer wieder
- bahnbricht und immer wieder deutlich wird. Das Land steht zwischen politischen
- Extremen. Rechte Nationalisten wollen die Monarchie zurück oder eine Diktatur errichten.
- Kommunistische Linke kämpfen für eine Reiterpublik nach sowjetischem Vorbild. Die Staatbedingungen der ersten
- deutschen Demokratie sind denkbar schlecht, doch sie erweist sich zunächst [musik] als erstaunlich robust. 1924
- hatte die Wahlmarcher Republik schon sehr viele schwere Krisen [musik] erlebt. Einmal natürlich das Kriegsende,
- der verlorene Erste Weltkrieg mit auch [musik] einem wirtschaftlichen Niedergang sofort
- verbunden. Die Verhältnisse in Deutschland waren sehr schwierig. Es herrschte Wohnungsnot, es herrschte
- Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit. Dann das Super Krisenjahr 1923
- mit dem Einmarsch französisch-belgischer Truppen in das Rheinland im Januar und dem sogenannten Ruhkampf. Das heißt, die
- Reichsregierung finanzierte den Streik der Arbeiter im Ruhrgebiet. Das bedeutete aber auch, dass finanziell
- Deutschland zu dieser Zeit in eine Schieflage geriet und die ohnehin schon vorhandene Inflation zur Hyperinflation
- wurde. Der Höhepunkt im Oktober 1923, als man im Grunde zum Einkaufen ging mit einer Schubkarre voller Geld, weil das
- Geld nichts mehr wert war. Dann im November 1923 der Hitler Ludendorf Putsch in München.
- NSDP Chef Hitler und Weltkriegsgeneral Erich Ludendorf wollen erst die Regierung in München stürzen, dann die
- in Berlin. Damals war Hitler Deutschlandweit noch gar nicht so bekannt. Da war das Kalkül,
- dass Ludendorf überall in Deutschland und in konservativen Kreisen angesehen ist und dass wenn man auf Ludendorf
- setzt, dass man dann auch landesweit bekannt wird und Unterstützung in konservativen Zirkeln findet.
- Der Putschversuch scheitert kläglich im Gewehrfeuer bayerischer Polizisten. Hitler muss ins Gefängnis.
- Die NSDP wird verboten. [musik] Der gescheiterte Pchist muss seine politische Strategie überdenken.
- [musik] Gewaltsame Umsturzfantasien kommen bei den Deutschen nach Krieg und Krisen nicht gut an. Das zeigt auch das
- Wahlergebnis [musik] vom Dezember 1924. Die Nachfolgepartei der verbotenen NSDP verliert [musik] im Vergleich zu den
- letzten Wahlen im Mai mehr als die Hälfte ihrer Wähler. Auch die Kommunisten verlieren.
- Die SPD dagegen verzeichnet Zugewinne. Das katholische Zentrum bleibt stabil bei etwa 13inhalb% [musik] Punkten.
- Ebenso die nationalkonservative DNVP, die an die 20% halten kann und [musik] die DDP mit über 6%.
- Die liberale DVP gewinnt leicht und kommt auf über 10%. Den Vorsitzender [musik] Gustav
- Stresemann ist Außenminister und der wichtigste Mann im Kabinett. Eine konservative [musik]
- Minderheitsregierung, toleriert von der SPD. Stresemann [musik] war als junger Mann
- noch alles anderer als ein Demokrat. Stresemann war vor und während des ersten Weltkrieges ein strammer
- Nationalist. hatte also eine völlig andere Haltung als dann nach Gründung der Weimarer Republik. Hier sagt er, wir
- müssen uns äh im Grunde jetzt in den Dienst dieser Republik stellen, eben vernünftig sein für Ausgleichsorgen,
- damit wir auch unsere Wirtschaft äh wieder ans Laufen kriegen, um diesen Staat auch zu einem Erfolg zu machen.
- Größte Belastung für die junge Demokratie ist der Friedensvertrag von Wersailli. Nach dem verlorenen Ersten
- Weltkrieg muss Deutschland Gebiete abtreten und hohe Reparationszahlungen leisten.
- Neben Stresemann ist eher die zweite große Persönlichkeit der jungen Demokratie Friedrich Ebert SPD
- Handwerker aus der Kirche ausgetreten. Seine Wahl zum ersten Reichspräsidenten 1919 erweist sich als Glücksfall für die
- Deutschen. Friedrich Eber kann als große Integrationsfigur gesehen werden. Also,
- er kommt aus der Sozialdemokratie. Er hat da eine klare Geschichte. Er war auch während des Krieges in der
- Streikbewegung hat er sich profiliert. Ähm und er war in der Lage und das war, denke ich, für die Anfangszeit durchaus
- sehr wichtig, sich mit der Reichswert zu einigen und das macht ihn damit zu der großen Integrationsfigur.
- Friedrich Ebert ist eigentlich die menschene Versprechung der deutschen Sozialdemokratie,
- der ehemalige Sattlergeselle, der zum Reichspräsidenten aufsteigt. Das ist ein Versprechen, das seit Jahrzehnten
- sozusagen eine Zukunftshoffnung der Sozialdemokratie, der sozialistischen Bewegung war. Friedrich Ebert war auch
- wahnsinnig verhasst. Genau deswegen, also für die allermeisten Menschen in der warmer Republik und das gilt nicht
- nur für Rechtsextremisten, sollte sich der Herrschende von den Beherrschten deutlich unterscheiden.
- Im Dezember 1924 wird [musik] Hitler vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wegen guter Führung. Er will jetzt mit
- legalen Mitteln an die Macht kommen. Ein scheinbar geläuterter Rechtsextremist. Nur zwei Wochen nach seiner Entlassung
- aus der Haft bekommt Hitler die Möglichkeit, sich mit dem neuen Ministerpräsidenten Heinrich Held zu
- treffen. Und in diesem Gespräch [musik] sagt Held Hitler zu, er dürfe die NSDP neu gründen. Er verlangt einfach nur,
- dass Hitler ein guter Katholik sei und keine Revolte mehr anzetteln solle. Aber er lässt im im Grunde den Nazis freie
- Hand. Das Bündnis von Nazis und Konservativen wird die Demokratie von innen heraus
- zerstören. Doch noch ist es nicht soweit. Reichspräsident Friedrich Ebert ist im
- Volk beliebt und das trotz ständiger Anfeindungen [musik] der konservativen Presse. Mehrfach führt
- Eberart Prozesse wegen Verläung, zuletzt in Magdeburg. Ebert, so die Behauptung, habe 1917 als
- Anführer des Munitionsarbeiterstreiks im Krieg Landesverrat begangen. Das Gericht in Magdeburg entscheidet
- schließlich, ja, der Reichspräsident ist beleidigt worden, aber er ist nicht verläumdet worden. Und damit steht der
- Begriff des Landesverrats weiter im Raum. Etwas, was Friedrich Ebert wirklich im Kern trifft, seine Ehre
- berührt und er wollte diesen Prozess verfolgen und schieb deshalb eine dringend notwendige chirurgische
- Behandlung auf. In München bereitet Adolf Hitler unterdessen die Wiedergründungsfeier der
- nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei vor. Plakate kündigen an. Sprechen werde
- Parteigenosse Hitler über Deutschlands [musik] Zukunft und unsere Bewegung. Unten links der Hinweis: Juden haben
- keinen Zutritt. Am 27. Februar 1925 drängen sich in der Gaststätte
- Bürgerbreukeller [musik] in der Rosenheimerstraße knapp 2000 Männer und Frauen. Hitler wird
- alleiniger Vorsitzender der neugegründeten NSDAP. [musik] Nicht durch Abstimmung, sondern per
- Aklamation. Hitler gibt nun das Konzept der Führerpartei aus und damit das Konzept
- wirksam ist, muss man natürlich einen Führer installieren und dieser Führer muss auch eine Propaganda für sich
- machen. Das heißt, man muss ein neues Image kreieren und darum ging es für Hitler, dass wir jetzt hier jemanden
- haben, einen Führer, einen Herrscher aus dem Volk. Hitler wird kurze Zeit darauf mit einem
- Redeverbot belegt, weil er sich nicht zügeln konnte. Das konnte er sein Leben lang nicht, so auch in diesem Moment
- nicht. Dieses Redeverbot führt dazu, dass Hitler sich selbst seiner schärfsten politischen Waffe beraubt,
- nämlich seine Rhetorik, seinen öffentlichen Auftritten. Er ist jetzt nicht mehr präsent in der
- Öffentlichkeit, zumindest als Redner nicht. Nur wenige Stunden nach der Neugründung
- der NSDP kommt völlig unerwartet am Morgen des 28. Februar 1925 [musik] die Meldung Friedrich Ebert ist tot.
- Der Reichspräsident stirbt mit 54 [musik] an den Folgen einer Blinddarmentzündung,
- die zu spät behandelt wird. Die Republik [musik] betrauert den Verlust ihrer prägensten Persönlichkeit.
- Am Tag der Beerdigung steht in ganz Deutschland [musik] der Verkehrstill.
- Und mit dem Blick auf das Ende von Friedrich Ebert muss man ja sagen, dieser Mann ist im Grunde zu Tode
- defamiert worden. Die Lücke, die Friedrich Eberart hinterließ, konnte so schnell nicht gefüllt werden.
- Viele ahnen schon damals, dass [musik] Eberats plötzlicher Tod schwere politische Folgen haben wird. Wer seine
- Nachfolger antreten soll, ist völlig offen. Beim ersten Wahlgang im März 195
- kann keiner der Bewerber die nötige Mehrheit erzielen. Um im zweiten Wahlgang größere Chancen
- zu haben, einigen sich die Parteien der Mitte auf den ehemaligen Reichskanzler Wilhelm Marx von der katholischen
- Zentrumspartei als gemeinsamen Kandidaten. Die Kommunisten schicken ernst Tellmann
- ins Rennen. Der ehemalige Hafenarbeiter und Weltkriegsveteran hat jedoch kaum Chancen.
- Zentrumskandidat Marx steht aus [musik] Sicht der rechtsnationalen Parteien Zuseher für die verhasste Demokratie.
- Sie überreden den 77-jährigen Generalfeldmarschall Paul von Hintenburg für ihr Lager
- anzutreten. Also Hinnburg ist als Kriegsheld ausgeschieden im Sommer 1919, also stand
- damals noch absolut im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, war unglaublich populär, trotz der
- militärischen Niederlage, die er ja zu großen Teilen eigentlich zu verantworten hatte. Das heißt, er kam eigentlich aus
- dieser Niederlage für mich unbeschadet heraus und war nach wie vor eigentlich die größte öffentliche Figur in der
- frühen Baimara Republik. Der Greisefeldmarschall verbreitet die Lüge: Deutschland habe den Weltkrieg
- militärisch gar nicht verloren. Schuld an der Niederlage seien die Politiker der neuen Republik.
- Er hat sich so ein bisschen bitten lassen, das war sein Ding, dass er wie jemand wirken wollte, der quasi vom Volk
- gerufen wird, von den nationalen Kreisen gerufen wird und wenn die Bedingungen stimmten, war eigentlich ab 1920 bereit
- anzutreten. Das Ergebnis fällt knapp aus. Am Ende geben 700.000 Stimmen aus dem
- überwiegend katholischen [musik] Bayern den Ausschlag für den Sieg des ostpreußischen Protestanten.
- Die bayerische Volkspartei hatte dazu aufgerufen, Hintenburg zu wählen. Mit Wilhelm Marx hatten die Republik
- Freunde [schnauben] einen Kandidaten aufgestellt, der sehr für das Neue und für eine starke
- Republik stand. Das stieß in Bayern konservative Kräfte vor den Kopf und sie haben sich dann für Hintenburg
- entschlossen, was wenn man die preußisch-Bayerische Geschichte sich anschaut. Merkwürdig wirkt, zumal die
- bayerische Volkspartei äh eigentlich die Schwesterpartei des Zentrums gewesen ist, der Willem Marx
- angehörte. Es spricht auch für einen gewissen Leichtsinn, der damals in solchen
- Entscheidungen gewaltet hat, dass man ohne Folgen zu bedenken einfach aus Stimmung, aus Interessen des Tages
- heraus solche Entscheidungen [musik] getroffen hat. Bayern Ministerpräsident Heinrich Held
- glaubt, dass die Rechtsextremen vernünftig bleiben. Der Würtenbergische Gesamte berichtet aus München:
- "Man ist hier mächtig stolz und bezeichnet [musik] es in erster Linie als das Verdienst Bayerns, wenn
- Hintenburg gewählt worden ist. Damit habe es [musik] die Scharte des Hitlerputsches ausgewetzt."
- Am 12. Mai 1925 wird Hintenburg feierlich vereidigt. Ein schwerer Schlag für die deutsche
- Arbeiterbewegung. Die klassenlose Gesellschaft droht eine Utopie zu bleiben. Aufmarsch der KPD in Gera.
- Nicht die Rechten sein der Hauptgegner heißt es hier, sondern die Sozialdemokraten.
- Die Kommunistische Partei hat immense Fehler gemacht. Das beginnt ja schon damit, dass sie Telmann dann ins Rennen
- schicken für die Wahl des Reichspräsidenten. Das sind Stimmen, die dann gefehlt haben. Auch da ist ein
- Grund durchaus für Hintenburg übrigens gegen die Empfehlung der kommunistischen Internationalen. Also die da war man der
- Meinung, dass es keine gute Idee sei. Und dann natürlich die ewige Uneinigkeit, also die Kommunisten haben
- dann den Hauptfeind in der Sozialdemokratie gesehen. Ähm, eine wirkliche gemeinsame Front, anders als
- in Frankreich beispielsweise, konnte nicht gebildet werden. In den Berg des Gardener Alpen will
- Adolf Hitler sein im Gefängnis begonnenes Buch [musik] "Mein Kampf beenden." Aus sicherer Entfernung
- beobachtet er, wie sich ein politischer Rivale ins Abseits manövriert. Erich Ludendorf überschätzt seine
- Chancen auf das Amt des Reichspräsidenten dramatisch. Mit einem Ergebnis von gut 1% der
- Stimmen im ersten Wahlgang ist der radikale [musik] General krachend gescheitert.
- An dem Debake Ludendorf bei der Reichspräsidenten Wahl 1925 war nicht nur allein Hitler Schuld. Man muss sich
- vorstellen, dass die NSDP bei ihrer Neugründung 1925, auch wenn sie viel Wind machte, ja gar nichts war. Diese
- Partei hatte äh überhaupt keine finanziellen Ressourcen. Äh sie hatten kaum noch Mitglieder. Sie wurden im
- Grunde belacht. Sie wurden äh wirklich überhaupt nicht ernst genommen. Sie spielten eigentlich auf nationaler Ebene
- überhaupt gar keine [musik] Rolle. Im Juli erscheint der erste Band von meinem Kampf. Der Verkauf des
- Hassfüllten Buches verläuft zunächst schleppend. [musik] Erst ab 1930 wird die Auflage rasant
- ansteigen. [musik] Hitler muss eine Strategie entwickeln,
- um sich [musik] eine neue Gefolgschaft aufzubauen. Er bereitet sich auf die Zeit [musik]
- vor, in der er wieder öffentlich auftreten kann. Hitlers Vorbild ist Benito Mussolini.
- Der ist seit 1922 Herrscher in Italien und liebt theatralische Auftritte. Muselini kommt biographisch aus der
- sozialistischen Partei und er schafft es gewissermaßen diese linke Dynamik der Massenmobilisierung,
- dann das Element der Nation, imperiale Elemente und sogar noch das Königstum alles zu integrieren. Und diese neue
- hochmilitante hochnationalistische Massenbewegung, die gleichzeitig sich moderner Formen in der Agitation
- bedient, das ist der Faschismus. Das ist eben das Neue und da fängt tatsächlich auch ein großer Teil der
- deutschen Rechten an interessiert zu schauen, was passiert da eigentlich. Ein Modell auch für Deutschland,
- faschistische Diktatur und Wiederherstellung der Monarchie. In Bayern hoffen die Wittelsbacher auf
- die Rückkehr auf den bayerischen Königstruh, wollen aber mit den Nazis nichts zu tun haben.
- 1918 von Hintenburg zur Abdankung gedrängt, sehnt auch Exkaiser Wilhelm II ein Ende seines Exils im holländischen
- Dorn herbei. Aus sicherer Quelle weiß ich, dass Hintenburg erklärt hat, er betrachte
- sich nur als meinen Stadthalter. Er hat geäußert, dass er viel an mir gut zu machen habe.
- Wenn man auf die zweite Hälfte der 20er Jahre guckt, dann sieht man überall in Europa ein Vormarsch autoritärer Regime
- und faschistischer Bewegung. Die sind, wenn man genauer hinschaut, dann sehr unterschiedlich. Also, man hat die
- autoritäre Regierung in Ungarn, man hat seit Mitte der 20er Jahre unter Josef Besutki äh ein stark autoritäres Regime
- in Polen. Man hat eine starke faschistische Bewegung in Finnland. Man hat in Spanien ein autoritäres
- Militärregime. Im Vergleich damit wirkt die warm Republik zunächst
- fast wie eine stabile [musik] Demokratie. gefährdet, labil, aber [musik] sie
- funktioniert relativ gut noch. Das politische System hält sich. 1925 hat Deutschland etwas mehr als 63
- Millionen Einwohner. Die wirtschaftliche Lage hat sich stabilisiert. Das Volkseinkommen steigt von umgerechnet
- etwa 34 auf rund 43 Milliarden Euro innerhalb von 4 Jahren. Doch noch immer ist das Ruhrgebiet von
- französischen und belgischen Truppen besetzt. Die Ruhrbesetzung war wirklich eine
- Riesenhypothek für die Warmrepublik. So, das wurde dann auch von vielen Deutschen als Ohnmacht der Reichsregierung
- angesehen. Also, das wurde wirklich dann als Schmach wahrgenommen, vielleicht noch mehr als der Vess Vertrag für viele
- Leute. Und dass dort die Reichsregierung nicht geschafft hat, etwas dagegen zu tun, äh war ganz problematisch. Und das
- hat auch wirklich dazu geführt, dass die extrem linke und extrem rechte großen Zuspruch fand.
- 5. Oktober 1925 [musik] Konferenz in Lucano, Schweiz. Außenminister Gustav Stresemann erreicht
- die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund, [musik] den Vorläufer der UNO.
- Viele Deutsche haben erst mit Zeitverzögerung, also eigentlich erst nachdem die Bestimmung des Wessiay
- Vertrages bekannt gegeben wurden, gemerkt, dass Deutschland wirklich den Krieg verloren hatte. Und nun äh besteht
- auf einmal die Hoffnung oder die Chance, dass Deutschland jetzt doch in den Völkerbund aufgenommen wird, womit jetzt
- man letztlich wieder an den Punkt angekommen ist, den sich viele Deutsche am Ende des Ersten Weltkrieges erhofft
- hatten, dass es eine ganz neue Weltordnung geben würde, indem Deutschland ein gleichwertiges Mitglied
- der Völkerfamilie ist. Stresemann und sein französischer Amtskollege Arestit [musik] Brillant
- setzen auf Versöhnung zwischen ihren lang verfeindeten Ländern. 1926 erhalten beide den Friedensnobelpreis.
- Französische Künstler wie die Sängerin Misting werden vom Berliner Publikum begeistert gefeiert.
- Auch die in Paris zum Star gewordene Josephine [musik] Baker tritt mit ihrem Bananenröckchen am Kurfürsten Damm auf.
- Sie wird zum Symbol neuer Freiheiten und provoziert Empung im konservativen Bürgertum.
- Unsere Vorstellung von der Weimer Republik ist ja oft mit dem Nachtleben Berlins verbunden und das ist erstens
- Berlin spezifisch. In vielen anderen Städten ist das nicht so. Selbst in anderen Großstädten ist das nicht so.
- Und dann ist natürlich auch, dass nicht die ganze Berliner Bevölkerung an diesen Dingen teilhaben kann oder teilhaben
- möchte. Das gleiche gilt für dieses Bild der neuen Frau, von der wir immer denken, dass also alle Frauen in der
- Weimarer Republik jetzt mit Bubikopf und Zigarette und kurzem Kleid auf der Straße rumlaufen und dann abends traurig
- und alleine, aber doch quasi unabhängig im Kaffee sitzen und irgendein Cocktail schlürfen. Auch das ist natürlich nur
- eine ganz ganz kleine Schicht. Frauen dürfen wählen und gewählt werden. 1925 gibt es 1,5 Millionen weibliche
- Angestellte. Die meisten sind [musik] allerdings sogenannte mithelfende Familienangehörige,
- Ehefrauen, die im Familienbetrieb mitarbeiten müssen. Sie haben weder Anspruch auf Lohn, noch
- sind sie versichert. Vor allem die linken Parteien wollen für die einfache Bevölkerung bessere
- Lebensbedingungen schaffen. Raus aus den verdreckten Hinterhöfen in moderne Siedlungen.
- So entstehen Musterprojekte [musik] wie die Berliner Hufeisensiedlung, entworfen vom Architekten Bruno Taut.
- Also dieser Gestaltungswille, dass man sich auf die Gegenwart [musik] und die Zukunft konzentriert, das war nie für
- alle eine republikanische Gegenwart oder Zukunft. Ja, das konnten ganz unterschiedliche politische Entwürfe
- sein. Aber Idee, dass man irgendwas jetzt gestalten möchte und in der Zukunft gestalten würde, statt dass man
- zurückguckt und und sehr betrauert, was man verloren hatte, das zieht sich in die durch die gesamte Weimer Republik
- durch. Das ist die die ein Tatendrang und die Idee, dass man etwas gestalten und verändern kann.
- Doch die Zukunftserwartungen schwanken zwischen Hoffen und Bang. Der Regisseur Fritz Lang thematisiert die Ängste
- seiner Zeit im Stummfilm Metropolis, der teuersten deutschen Kinoproduktion der 20er Jahre. Für das süße Leben der
- Herrscher in der Oberstadt müssen sich die geknechteten Arbeiter in der Unterwelt einem Maschinenmolloch
- unterwerfen. Metropolis geht in die Filmgeschichte ein. An den Kinokassen ist der Film ein
- Flop. Nicht für unsichere Zukunft, sondern für verklärte Vergangenheit. steht das Wort
- Kage Staatsoberhaupt Paul von Hintenburg. Im Mai 1926 besucht der Reichspräsident
- Hamburg. Zeitgleich unterschreibt er eine neue Flaggenordnung. Auslandsvertretungen dürfen nun neben
- schwarzrot, Gold auch wieder die kaiserlichen Farben zeigen. Die Flagge der Monarchie, die Deutschland in Krieg
- und Massentot geführt hat, erfreut sich weiter großer Beliebtheit. Hintenburg ist oft öffentlich
- aufgetreten und in vielen der Filmaufnahmen dieser Zeit sieht man ihn eben umringt von Menschen. Also es gibt
- eigentlich immer ein Publikum, was seine Verbundenheit mit der deutschen Bevölkerung unterstreichen soll. Und da
- kommt dieser ja doch irgendwie Großvater der Nation, steigt aus dem Auto und die Menschen erwarten ihn enthusiastisch.
- Die Feinde der Demokratie [musik] genießen fatale Freiheiten. Im Juli tritt der Vorsitzende der Bayerischen
- [musik] Splitterpartei NSDP Adolf Hitler in Weimar auf. [musik]
- Im Verlauf dieses zweiten Nazipparteitags beruft der selbsternannte Führer seinen ehrgeizigen
- Anhänger Josef Göbbels [musik] zum Gauleiter Berlins. Im Nationaltheater, wo 5 Jahre [musik]
- zuvor Friedrich Ebert die Weimacher Verfassung verkündet hatte, hält Hitler eine Rede. Hier in Thüringen hat der
- verurteilte [musik] Pschist kein Redeverbot. Die ersten Hochburgen des
- Nationalsozialismus [musik] und plötzlich des Rechtsextremismus sind Mecklenburg, Thüringen und
- Ostpreußen, also ländliche konservative protestantische Gegenden, sehr bäuerliche Gegenden. Das ist jetzt
- während dieser Zeit ist diese Mischung aus Agrar und einem bestimmten Protestantismus, [musik] wo halt auch
- wirklich diese Krisenwahrnehmung der Zeit sehr groß ist und dort ist halt die Bereitschaft sich auf den
- Nationalsozialismus und auf den Extremismus einzulassen besonders hoch. 30% der Bevölkerung lebt auf dem Land in
- der Weimar Republik. Wir sollten nicht glauben, das sei irgendwie ein [musik] Staat, wo immer nur alle in großen
- Metropolen wohnten. Das ist ein Versäumnis. ein Versäumnis aller republikanischen Parteien, dass man sich
- ums [musik] Land deutlich weniger gekümmert hat und da auch nicht Fuß gefasst hat. Es ist besonders ein
- Versäumnis der Sozialdemokraten, denn tatsächlich [musik] sind ja viele dieser Verhältnisse auf
- dem Land, ob es jetzt Landarbeiter sind oder kleine Bauern, sehr von Hierarchien, von Ausbeutung und eben von
- nationalkonservativen Strukturen geprägt. Das heißt, also das Potenzial, was ich eventuell [musik] hätte haben
- können, indem man sagt, okay, wir sind hier auch unglücklich, wir finden das auch nicht gut in so pseudoalen
- Verhältnissen zu leben. Wir finden es auch nicht gut, dass wir sehr abhängig sind von Großgrundbesitzern und so
- weiter. Diese Chance hat man verpasst. Ende 1926 erschüttern [musik] zwei Skandale das
- Vertrauen der Bevölkerung in die Republik. Beide drehen sich um die Reichswehr, die
- seit [musik] Kriegsende auf hundert.000 Mann beschränkt ist. Als bei einem Manöver unangekündigt ein
- Kaiserenkel teilnimmt, fürchte die Regierung ein Bündnis der Reichswehr mit den abgesetzten hohen Zollern.
- Der Chef der Heresleitung muss zurücktreten. Wenig später der nächste Skandal.
- Im Dezember enthüllt die SPD, dass [musik] die Regierung eine geheime Zusammenarbeit mit der sowjetischen
- Armee gebilligt hat, um Verbote des Versayer Vertrags zu umgehen. Deutschland darf keine Luftwaffe
- besitzen. Deshalb trainieren deutsche Piloten illegal in der Sowjetunion. Man würde eigentlich denken, dass diese
- beiden Skandale ein Zeichen der Stärke Weimars gewesen ist, denn äh letztlich wurde damit verhindert, dass es eine
- illegale Kooperation mit einem bolschewistischen Regime gibt und dass eine mögliche Wiedereinführung
- der Monarchie verhindert wird. [musik] Aber letztlich führt es dennoch zur Schwächung der Demokratie, weil einfach
- dadurch Personen geschwächt werden, die eigentlich bereit waren, die war Republik zu unterstützen. [musik] Das
- sind halt Leute, die meinen, dass man aber auch durchaus ein Pakt mit dem Teufel eingehen muss.
- Kanzler Wilhelm Marx muss zurücktreten. Die demokratische Mitte ist geschwächt. Um weiter Regierungen bilden zu können,
- wird die Zusammenarbeit mit extremen Parteien in Betracht gezogen. Einer der möglichen Partner wäre die NSDP.
- Die Hitlerpartei ähnelt noch einem zusammengewürfelten Haufen, doch sie lässt ihr Auftreten von Anfang an auf
- Film festhalten. Die Idee dazu stammt vom neuen Berliner Gauleiter. Josef Göbbels will alle
- vorhandenen Mittel für die Propaganda [musik] nutzen. In einem Hinterhof richtet er
- seine erste Geschäftsstelle ein. Am Tag [musik] seines Umzugs aus dem Rheinland in die Hauptstadt notiert Göbbelz in
- sein Tagebuch. Auf nach Berlin, Asphalt oder Erfüllung. Die Anker sind gelichtet.
- Miss man zentral und als Gaulleiter in Berlin kann er seine Fähigkeiten voll ausspielen, weil in Berlin hat die NSDP
- ein Problem. Es ist eine Stadt mit einem überwiegend proletarischen Anteil und hier kann Göbbels dann die soziale
- Demagogie auch voll ausspielen. Also es gibt mit dem Angriff dann eine eigene Zeitung, die dafür gemacht wird, extra
- auf diese Zielgruppe hinigned ist, um die Arbeiterschaft von den linken Parteien natürlich auch
- ja wegzukriegen. Da ist schon ein sehr negatives Talent, das zum Tragen kommt und auf dem dann
- auch sehr viel Propaganda aufbauen kann. Schnell macht sich der Propagandist einen Namen. Die Gaufilmstelle Berlin
- lässt vor allem den neuen Gaulleiter filmen. In seinen Reden hetzt er gegen Juden und
- Kommunisten, provoziert Saalschlachten und Gerichtsprozesse. Er schreibt:
- "Wer die Straße erobern kann, kann auch einmal den Staat erobern. Am 5. März 1927
- wird das Redeverbot für Hitler in Bayern aufgehoben. 5 Monate später Parteitag in Nürnberg, wo von nun an alle NSP
- Parteitage stattfinden werden. Göbbels lässt auch diese Veranstaltung aufwendig filmen.
- Diese Parteitage dienten zunächst einmal der Mobilisierung der eigenen Mitglieder und es ging auch um die Außenwirkung der
- NSB. Nun hatte Nürnberg zahlreiche Vorteile. Man konnte Nürnberg gut erreichen. Dann gab es ein geeignetes
- Veranstaltungsgelände. Auch das musste gefunden werden. Eine Polizei, die gutmütig auf die NSBegung schaute, das
- war wichtig. Und der Gaulleiter von Franken Julius Streicher hatte eine sehr straff
- organisierte NSDP aufgebaut und wusste sie hinter sich und bildete sozusagen die lokale regionale Basis für diese
- Massenveranstaltung konnte sie auch sagen mit Menschen auffüllen, konnte für die entsprechende Kulisse sorgen.
- Wichtig ist auch zu verstehen, Nürnberg war [musik] eine alte Kaiserstadt. Schon zur Zeit
- des Heiligen Römischen Reiches fanden dort Hoftage und Reichstage statt und die Nationalsozialisten knüpften immer
- an dieses erste Reich, an dieses alte Reich, um Ihr Reich, ihr drittes Reich zu legitimieren. Das war ganz wichtig.
- Geschichte war wichtig für die Nationalsozialisten, um sich selber wichtig zu machen.
- Der Vertreter [musik] des aus Nazisicht Zweiten Reiches Paul von Hintenburg durch die Republik. Im September 1927
- [musik] ist der Gereise Reichspräsident in Strahlsund in Vorpommern. Wenige Wochen später steht er im Zentrum eines
- Skandals, Korruption. Hintenburgschwägerin Lina hatte das völlig überschuldete Familiengut Neudeck
- [musik] in Masuren zum Verkauf anbieten müssen. Reiche ostpreußische Landbesitzer kaufen es [musik] und
- schenken es dem Reichspräsidenten zum 80. Geburtstag. Ein Geschenk, [musik] das Verdacht
- weckt. Hintenburg hatte zuvor die ersten Maßnahmen zur sogenannten Osthilfe [musik]
- unterschrieben. Ein millionenschweres Subventionsprogramm zugunsten eben jener Ostpreußischer [musik]
- Adeligen, die den Reichspräsidenten jetzt so großzügig beschenkt hatten. In Schleswig-Holstein brechen
- gleichzeitig immer mehr Höfe unter der Last ihrer Steuerschulden zusammen. Die Wiedereinführung internationale
- Handelsabkommen und der damit verbundene Preisverfall löst [musik] eine Agrarkrise aus.
- Es kommt vermehrt zu Zwangsversteigerungen von Vieh und Höfen. Die ländliche Bevölkerung leidet
- und beginnt sich zu radikalisieren. Ohne ein Subventionsprogramm wie das für Ostpreußen ist Schlesigstein besonders
- betroffen. Die Landvolkbewegung ist sehr interessant für das Ende der
- Weimacher Republik. Es hat immer Bauernproteste gegeben. Da geht es um das Eintreiben von Steuerschulden.
- Und die Bauern haben guten Grund sauer zu sein, weil sie, wenn sie ihr Vieh verlieren, wenn sie ihren Hof verlieren,
- ihre Existenzgrundlage den Mittelpunkt ihres Lebens, ihrer Welt verlieren. Diese Proteste sind von Anfang an
- rechtsextrem und nationalistisch organisiert. Die Verarmung führt zu Landflucht.
- Hunderttausende ziehen in die Städte und suchen Arbeit in den Fabriken. Im Juli 1927
- verabschiedet der Reichstag ein Gesetz zur Einführung einer staatlichen Arbeitslosenversicherung.
- Eine gute Nachricht für Arbeiter und Angestellte. Bei den Reichstagswahlen am 20. Mai 1928
- profitiert davon vor allem die SPD. Die Demokratiefreundlichen Parteien erhalten noch einmal eine Mehrheit.
- Die Nationalkonservativen von der DNVP verlieren. Die NSDP tritt nach ihrer Neugründung zum ersten Mal an, erhält
- einen schweren Dämpfer und bleibt unter 3%. Der Sozialdemokrat Hermann Müller führt
- eine große Koalition als Kanzler an. Zeitgenossen schätzen die Aussichten für Müllers Kabinett als günstig ein.
- Tatsächlich ist es die letzte stabile demokratische Regierung. Als 1928 Hermann Müller
- Sozialdemokratkan Kanzler wurde, meinte er, dass der Gedanke der Demokratie und die Republik fest im deutschen Volke
- verankert sein. Es gibt ein nicht [musik] ganz so euphorisches, aber doch verlässliches Zutrauen Republik unter
- vielen Zentrumsanhängern und Katholiken, die ergreifen die Chance und versuchen dieses Gemeinwesen zu gestalten.
- Am [musik] rechten politischen Rand bleibt die NSDP auf die Rolle einer Splitterpartei beschränkt.
- Hier hatte man zum ersten Mal die Gelegenheit, national aufzutreten, in den Reichstag gewählt zu werden. Das
- misslang vollkommen. Aber 1928 befand sich die Wahlmarer Republik immer noch in einer sehr soliden Phase. Es gab sehr
- viele amerikanische Investitionen in Deutschland wieder. Die Arbeitslosigkeit war zurückgegangen, die Löhne hatten
- sich erhöht. Also im Grunde eine doch sehr gemäßigte und solide Situation im Vergleich zu vorher.
- Vor allem in den Ballungsräumen scheint es aufwärts zu gehen. Kunst und Kultur blühen auf.
- Besonders in den großen Städten sehen wir da durch den Wegfall der Zensur oder den teilweise Weckfall der Zensur und
- die kulturelle Vielfalt, die dort gelebt wird. Eine Kulturszene, die vielen Menschenraum bietet, denen das in
- anderen Großstädten tatsächlich unmöglich ist. Also es gibt ja einen Grund, warum viele Schriftsteller und
- Künstler z.B. nach Berlin kommen in den 20er Jahren und deris auch der junge Berthold Brecht zieht aus
- Bayern nach [musik] Berlin. Am 31. August 1928 feiert seine drei Groschenoper Premiere
- und wird zur Sensation. ein Mess. Der Volk der drei Groschen Oper hat
- letztlich zwei Gründe. Vor allen Dingen natürlich geht sie auf die Stärke des linken Milieus in Deutschland zurück,
- aber halt auch auf die Gefühle von sozialer Ungleichheit, die sich immer mehr breit machen. Nicht erst zur
- Weltwirtschaftskrise, [musik] sondern schon vorher. Und es ist wirklich diese Art von sozialer
- Ungleichheit, die immer konstituierender für die Bayenre Republik wird. [musik] Schulmeier
- bleibt verschwunden und so mancher reiche Mann [musik][singen]
- und sein Geld hat. Das Theaterstück mit der Musik von Kurtweil wird zum erfolgreichsten der
- Weimaraer Republik. Zudem spielt die dreigroschen Oper mit der
- damals sehr zeitgemäßen Neigung bürgerlicher Schichten zum Gangstertum und zur Beschäftigung mit dem
- Gangstertum. Nichts sahen, lasen sie lieber. Es sind auch viele Vorstellungen der Dreikoschenoper gestört worden von
- Nationalsozialisten, die da Rabatt gemacht haben. Äh und in der Dreigroschenoper spürt man etwas von so
- einem revolutionären Inrim, der glaube ich auch sehr typisch für die Zeit gewesen ist.
- Verwirrung, Widersprüchlichkeit, Uneinheitlichkeit, das war die Strategie, weil man eben auch alle
- möglichen Gruppen adressieren wollte. Man hat sich auf der einen Seite ja rebellisch dargestellt, also man hat
- auch bewusst sich als Bürgerschreck inszeniert äh um äh auch interessant zu sein für die Schichten, die sich damit
- dann auch identifizieren konnten. Also das war das eine und man hat das hat gleichzeitig der Wirtschaft und dem
- Bürgertum immer wieder signalisiert, dass man selbstverständlich eine antimarxistische Kraft sein.
- Räumlich grenzt sich die [musik] NSDP ab vom Proletariat. Sitz der Berliner Gauleitung wird ein repräsentativer Bau
- in der Lostraße. Hier organisiert Josef Göbbels den ersten großen Auftritt seines Chefs in Berlin
- im Sportpalast, der Plätze für über 10.000 Menschen bietet. Mehrere Filmkameras halten die Veranstaltung
- fest, auf der sich wie ein Kind Freue, wie Göbbels seinem Tagebuch anvertraut. Der Saal ist voll besetzt. In seiner
- Rede ruft Hitler zum Kampf gegen die Zitat Vernäerung der Kultur, der Sitten und des Blutes auf. Göbbelsz notiert:
- "Der Chef ist ganz glücklich. Er lacht mich immer wieder an und dann beglückwünschen wir uns der größte
- Erfolg in meiner bisherigen Arbeit." Wichtig ist, dass Göbels die ganze Figur Hitler erstmal propagandistisch formt.
- Er gibt diesen selbsternannten Führer erst eine [musik] Figur. Ähm und damit trägt er dazu bei,
- dass das gesamte Gedankengut auch transportiert wird. Gbels ist ein fanatischer Mensch. Er ist laut, er
- spitzt zu und er ist Hitlergläubig und für seinen Hitler tut er wirklich alles und sein Antisemitismus, sein Judenhas
- ist grenzenlos und er ist eben die hässliche Fratze des deutschen Antisemitismus.
- Etwa 560.000 Jüden und Juden leben damals in Deutschland knapp 1% der Bevölkerung. Laut weimerer Verfassung
- sind sie endlich rechtlich gleichgestellt. Vor allem Berlin ist reich an jüdischer Kultur.
- Doch wenn Hitler und seine Anhänger vom deutschen Volk sprechen, dann gehören nicht alle Deutschen dazu.
- Das ist ein wunderbar diffuser Begriff, das Volk. Und wenn dahinter dann eine ein geschlossener Rassengedanke steht,
- ähm dann kann er entsprechend eingesetzt werden. Man kann es den einen als Integrationsbewegung verkaufen. Ja, wir
- wollen alle Klassen. Wir wir sind eine Volksgemeinschaft. Wir wollen alle Klassen und kann gleichzeitig klar
- machen, nee, aber selbstverständlich schließen wir auch aus. Wir wollen nämlich das Judentum vernichten.
- Göbbelsz lässt filmen, wie vier Stunden lang SA Männer am Feiertag des Laubhüttenfestes durch die jüdischen
- Viertel Berlins marschieren. Eine Drohung, die ihre Schatten vorauswirft auf das, was kommen wird.
- Ah.
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