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Countdown zur Diktatur: Hitler und das Ende der Weimarer Republik (1/4) | ZDFinfo Doku

ZDFinfo Dokus & Reportagen44:37 313.723 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. Die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts. Deutschland lernt Demokratie. Nach mehr als einem Jahrtausend Herrschaft des
  2. Adels. Jetzt keimt im Land die Hoffnung, es könnten gute Jahre kommen, eine bessere
  3. Zukunft für Deutschland. Die Demokratie übersteht schwere Krisen, doch die goldenen 20er sind nur kurz. Es
  4. gab schon viele Demokraten in dem Staat, aber sie konnten sich nicht durchsetzen. Ein Börsencrash bringt die nächste
  5. Krise. Profiteure sind die Feinde der Demokratie. Am Ende stehen Diktatur und Terror.
  6. Hitler hatte nie einen Zweifel daran gelassen, dass er diesen Staat, diese Demokratie wieder abschaffen möchte. Wir
  7. haben ein Ziel uns gewählt und was fährt es fanatisch rücklos dieses Grab hinein. Warum lassen die Deutschen ihre erste
  8. Demokratie zugrunde gehen? Wer hat versagt? Wer sich verführen lassen? Wer trägt die Schuld am Sturz in die
  9. Diktatur? Berlin vor 100 Jahren. Hauptstadt und Herz der ersten deutschen Demokratie.
  10. Am 11. [musik] August 1924 feiert die Republik das fünfjährige Bestehen ihrer Verfassung.
  11. Reichspräsident ist Friedrich Ebert von der SPD. Das Staatsoberhaupt inspiziert eine
  12. Ehrenformation. Viele der Soldaten haben ihren Eid noch auf den Kaiser geschworen.
  13. Die Weibre Republik schleppt ja die Erplasten des Kaiserreichs und des Weltkriegs mit sich herum. Diese
  14. Gesellschaft in Deutschland ist eigentümlich segmentiert. Da gibt es eine Trennlinie zwischen Stadt und Land,
  15. zwischen den Konfessionen. Also Katholiken und Protestanten trennt eine alltäglich sehr sehr äh starke Linie
  16. voneinander. Wir haben konservative und monarchische Interessen, wir haben sozialistische [musik]
  17. sozialdemokratische Zukunftsentwürfe seit dem Kaiserreich. Wir haben starke kommunistische Partei und dann diesen
  18. ganzen völkischen Bereich und es gibt ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie es mit Deutschland weitergehen könnte
  19. und diese Vorstellungen verstehen sich nicht sagen als lebendige Konkurrenz oder als wechselseitige Bereicherung,
  20. wie wir es heute gerne sehen würden, sondern das sind nicht nur Gegner, sind im Grunde genommen Feinde.
  21. Viele Deutsche tun sich noch schwer mit der in Weima gegründeten Republik. Sie verbinden die Demokratie mit Niederlage
  22. und Wirtschaftskrise. Das sind Chaosjahre, schwierige Jahre. Wir haben hier eine
  23. Nachkriegsgesellschaft. Wir haben eine Transformationsgesellschaft
  24. von der Monarchie zur Demokratie und wir haben eine Gewaltkultur in der Wahlmarer Republik, die sich immer wieder
  25. bahnbricht und immer wieder deutlich wird. Das Land steht zwischen politischen
  26. Extremen. Rechte Nationalisten wollen die Monarchie zurück oder eine Diktatur errichten.
  27. Kommunistische Linke kämpfen für eine Reiterpublik nach sowjetischem Vorbild. Die Staatbedingungen der ersten
  28. deutschen Demokratie sind denkbar schlecht, doch sie erweist sich zunächst [musik] als erstaunlich robust. 1924
  29. hatte die Wahlmarcher Republik schon sehr viele schwere Krisen [musik] erlebt. Einmal natürlich das Kriegsende,
  30. der verlorene Erste Weltkrieg mit auch [musik] einem wirtschaftlichen Niedergang sofort
  31. verbunden. Die Verhältnisse in Deutschland waren sehr schwierig. Es herrschte Wohnungsnot, es herrschte
  32. Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit. Dann das Super Krisenjahr 1923
  33. mit dem Einmarsch französisch-belgischer Truppen in das Rheinland im Januar und dem sogenannten Ruhkampf. Das heißt, die
  34. Reichsregierung finanzierte den Streik der Arbeiter im Ruhrgebiet. Das bedeutete aber auch, dass finanziell
  35. Deutschland zu dieser Zeit in eine Schieflage geriet und die ohnehin schon vorhandene Inflation zur Hyperinflation
  36. wurde. Der Höhepunkt im Oktober 1923, als man im Grunde zum Einkaufen ging mit einer Schubkarre voller Geld, weil das
  37. Geld nichts mehr wert war. Dann im November 1923 der Hitler Ludendorf Putsch in München.
  38. NSDP Chef Hitler und Weltkriegsgeneral Erich Ludendorf wollen erst die Regierung in München stürzen, dann die
  39. in Berlin. Damals war Hitler Deutschlandweit noch gar nicht so bekannt. Da war das Kalkül,
  40. dass Ludendorf überall in Deutschland und in konservativen Kreisen angesehen ist und dass wenn man auf Ludendorf
  41. setzt, dass man dann auch landesweit bekannt wird und Unterstützung in konservativen Zirkeln findet.
  42. Der Putschversuch scheitert kläglich im Gewehrfeuer bayerischer Polizisten. Hitler muss ins Gefängnis.
  43. Die NSDP wird verboten. [musik] Der gescheiterte Pchist muss seine politische Strategie überdenken.
  44. [musik] Gewaltsame Umsturzfantasien kommen bei den Deutschen nach Krieg und Krisen nicht gut an. Das zeigt auch das
  45. Wahlergebnis [musik] vom Dezember 1924. Die Nachfolgepartei der verbotenen NSDP verliert [musik] im Vergleich zu den
  46. letzten Wahlen im Mai mehr als die Hälfte ihrer Wähler. Auch die Kommunisten verlieren.
  47. Die SPD dagegen verzeichnet Zugewinne. Das katholische Zentrum bleibt stabil bei etwa 13inhalb% [musik] Punkten.
  48. Ebenso die nationalkonservative DNVP, die an die 20% halten kann und [musik] die DDP mit über 6%.
  49. Die liberale DVP gewinnt leicht und kommt auf über 10%. Den Vorsitzender [musik] Gustav
  50. Stresemann ist Außenminister und der wichtigste Mann im Kabinett. Eine konservative [musik]
  51. Minderheitsregierung, toleriert von der SPD. Stresemann [musik] war als junger Mann
  52. noch alles anderer als ein Demokrat. Stresemann war vor und während des ersten Weltkrieges ein strammer
  53. Nationalist. hatte also eine völlig andere Haltung als dann nach Gründung der Weimarer Republik. Hier sagt er, wir
  54. müssen uns äh im Grunde jetzt in den Dienst dieser Republik stellen, eben vernünftig sein für Ausgleichsorgen,
  55. damit wir auch unsere Wirtschaft äh wieder ans Laufen kriegen, um diesen Staat auch zu einem Erfolg zu machen.
  56. Größte Belastung für die junge Demokratie ist der Friedensvertrag von Wersailli. Nach dem verlorenen Ersten
  57. Weltkrieg muss Deutschland Gebiete abtreten und hohe Reparationszahlungen leisten.
  58. Neben Stresemann ist eher die zweite große Persönlichkeit der jungen Demokratie Friedrich Ebert SPD
  59. Handwerker aus der Kirche ausgetreten. Seine Wahl zum ersten Reichspräsidenten 1919 erweist sich als Glücksfall für die
  60. Deutschen. Friedrich Eber kann als große Integrationsfigur gesehen werden. Also,
  61. er kommt aus der Sozialdemokratie. Er hat da eine klare Geschichte. Er war auch während des Krieges in der
  62. Streikbewegung hat er sich profiliert. Ähm und er war in der Lage und das war, denke ich, für die Anfangszeit durchaus
  63. sehr wichtig, sich mit der Reichswert zu einigen und das macht ihn damit zu der großen Integrationsfigur.
  64. Friedrich Ebert ist eigentlich die menschene Versprechung der deutschen Sozialdemokratie,
  65. der ehemalige Sattlergeselle, der zum Reichspräsidenten aufsteigt. Das ist ein Versprechen, das seit Jahrzehnten
  66. sozusagen eine Zukunftshoffnung der Sozialdemokratie, der sozialistischen Bewegung war. Friedrich Ebert war auch
  67. wahnsinnig verhasst. Genau deswegen, also für die allermeisten Menschen in der warmer Republik und das gilt nicht
  68. nur für Rechtsextremisten, sollte sich der Herrschende von den Beherrschten deutlich unterscheiden.
  69. Im Dezember 1924 wird [musik] Hitler vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wegen guter Führung. Er will jetzt mit
  70. legalen Mitteln an die Macht kommen. Ein scheinbar geläuterter Rechtsextremist. Nur zwei Wochen nach seiner Entlassung
  71. aus der Haft bekommt Hitler die Möglichkeit, sich mit dem neuen Ministerpräsidenten Heinrich Held zu
  72. treffen. Und in diesem Gespräch [musik] sagt Held Hitler zu, er dürfe die NSDP neu gründen. Er verlangt einfach nur,
  73. dass Hitler ein guter Katholik sei und keine Revolte mehr anzetteln solle. Aber er lässt im im Grunde den Nazis freie
  74. Hand. Das Bündnis von Nazis und Konservativen wird die Demokratie von innen heraus
  75. zerstören. Doch noch ist es nicht soweit. Reichspräsident Friedrich Ebert ist im
  76. Volk beliebt und das trotz ständiger Anfeindungen [musik] der konservativen Presse. Mehrfach führt
  77. Eberart Prozesse wegen Verläung, zuletzt in Magdeburg. Ebert, so die Behauptung, habe 1917 als
  78. Anführer des Munitionsarbeiterstreiks im Krieg Landesverrat begangen. Das Gericht in Magdeburg entscheidet
  79. schließlich, ja, der Reichspräsident ist beleidigt worden, aber er ist nicht verläumdet worden. Und damit steht der
  80. Begriff des Landesverrats weiter im Raum. Etwas, was Friedrich Ebert wirklich im Kern trifft, seine Ehre
  81. berührt und er wollte diesen Prozess verfolgen und schieb deshalb eine dringend notwendige chirurgische
  82. Behandlung auf. In München bereitet Adolf Hitler unterdessen die Wiedergründungsfeier der
  83. nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei vor. Plakate kündigen an. Sprechen werde
  84. Parteigenosse Hitler über Deutschlands [musik] Zukunft und unsere Bewegung. Unten links der Hinweis: Juden haben
  85. keinen Zutritt. Am 27. Februar 1925 drängen sich in der Gaststätte
  86. Bürgerbreukeller [musik] in der Rosenheimerstraße knapp 2000 Männer und Frauen. Hitler wird
  87. alleiniger Vorsitzender der neugegründeten NSDAP. [musik] Nicht durch Abstimmung, sondern per
  88. Aklamation. Hitler gibt nun das Konzept der Führerpartei aus und damit das Konzept
  89. wirksam ist, muss man natürlich einen Führer installieren und dieser Führer muss auch eine Propaganda für sich
  90. machen. Das heißt, man muss ein neues Image kreieren und darum ging es für Hitler, dass wir jetzt hier jemanden
  91. haben, einen Führer, einen Herrscher aus dem Volk. Hitler wird kurze Zeit darauf mit einem
  92. Redeverbot belegt, weil er sich nicht zügeln konnte. Das konnte er sein Leben lang nicht, so auch in diesem Moment
  93. nicht. Dieses Redeverbot führt dazu, dass Hitler sich selbst seiner schärfsten politischen Waffe beraubt,
  94. nämlich seine Rhetorik, seinen öffentlichen Auftritten. Er ist jetzt nicht mehr präsent in der
  95. Öffentlichkeit, zumindest als Redner nicht. Nur wenige Stunden nach der Neugründung
  96. der NSDP kommt völlig unerwartet am Morgen des 28. Februar 1925 [musik] die Meldung Friedrich Ebert ist tot.
  97. Der Reichspräsident stirbt mit 54 [musik] an den Folgen einer Blinddarmentzündung,
  98. die zu spät behandelt wird. Die Republik [musik] betrauert den Verlust ihrer prägensten Persönlichkeit.
  99. Am Tag der Beerdigung steht in ganz Deutschland [musik] der Verkehrstill.
  100. Und mit dem Blick auf das Ende von Friedrich Ebert muss man ja sagen, dieser Mann ist im Grunde zu Tode
  101. defamiert worden. Die Lücke, die Friedrich Eberart hinterließ, konnte so schnell nicht gefüllt werden.
  102. Viele ahnen schon damals, dass [musik] Eberats plötzlicher Tod schwere politische Folgen haben wird. Wer seine
  103. Nachfolger antreten soll, ist völlig offen. Beim ersten Wahlgang im März 195
  104. kann keiner der Bewerber die nötige Mehrheit erzielen. Um im zweiten Wahlgang größere Chancen
  105. zu haben, einigen sich die Parteien der Mitte auf den ehemaligen Reichskanzler Wilhelm Marx von der katholischen
  106. Zentrumspartei als gemeinsamen Kandidaten. Die Kommunisten schicken ernst Tellmann
  107. ins Rennen. Der ehemalige Hafenarbeiter und Weltkriegsveteran hat jedoch kaum Chancen.
  108. Zentrumskandidat Marx steht aus [musik] Sicht der rechtsnationalen Parteien Zuseher für die verhasste Demokratie.
  109. Sie überreden den 77-jährigen Generalfeldmarschall Paul von Hintenburg für ihr Lager
  110. anzutreten. Also Hinnburg ist als Kriegsheld ausgeschieden im Sommer 1919, also stand
  111. damals noch absolut im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, war unglaublich populär, trotz der
  112. militärischen Niederlage, die er ja zu großen Teilen eigentlich zu verantworten hatte. Das heißt, er kam eigentlich aus
  113. dieser Niederlage für mich unbeschadet heraus und war nach wie vor eigentlich die größte öffentliche Figur in der
  114. frühen Baimara Republik. Der Greisefeldmarschall verbreitet die Lüge: Deutschland habe den Weltkrieg
  115. militärisch gar nicht verloren. Schuld an der Niederlage seien die Politiker der neuen Republik.
  116. Er hat sich so ein bisschen bitten lassen, das war sein Ding, dass er wie jemand wirken wollte, der quasi vom Volk
  117. gerufen wird, von den nationalen Kreisen gerufen wird und wenn die Bedingungen stimmten, war eigentlich ab 1920 bereit
  118. anzutreten. Das Ergebnis fällt knapp aus. Am Ende geben 700.000 Stimmen aus dem
  119. überwiegend katholischen [musik] Bayern den Ausschlag für den Sieg des ostpreußischen Protestanten.
  120. Die bayerische Volkspartei hatte dazu aufgerufen, Hintenburg zu wählen. Mit Wilhelm Marx hatten die Republik
  121. Freunde [schnauben] einen Kandidaten aufgestellt, der sehr für das Neue und für eine starke
  122. Republik stand. Das stieß in Bayern konservative Kräfte vor den Kopf und sie haben sich dann für Hintenburg
  123. entschlossen, was wenn man die preußisch-Bayerische Geschichte sich anschaut. Merkwürdig wirkt, zumal die
  124. bayerische Volkspartei äh eigentlich die Schwesterpartei des Zentrums gewesen ist, der Willem Marx
  125. angehörte. Es spricht auch für einen gewissen Leichtsinn, der damals in solchen
  126. Entscheidungen gewaltet hat, dass man ohne Folgen zu bedenken einfach aus Stimmung, aus Interessen des Tages
  127. heraus solche Entscheidungen [musik] getroffen hat. Bayern Ministerpräsident Heinrich Held
  128. glaubt, dass die Rechtsextremen vernünftig bleiben. Der Würtenbergische Gesamte berichtet aus München:
  129. "Man ist hier mächtig stolz und bezeichnet [musik] es in erster Linie als das Verdienst Bayerns, wenn
  130. Hintenburg gewählt worden ist. Damit habe es [musik] die Scharte des Hitlerputsches ausgewetzt."
  131. Am 12. Mai 1925 wird Hintenburg feierlich vereidigt. Ein schwerer Schlag für die deutsche
  132. Arbeiterbewegung. Die klassenlose Gesellschaft droht eine Utopie zu bleiben. Aufmarsch der KPD in Gera.
  133. Nicht die Rechten sein der Hauptgegner heißt es hier, sondern die Sozialdemokraten.
  134. Die Kommunistische Partei hat immense Fehler gemacht. Das beginnt ja schon damit, dass sie Telmann dann ins Rennen
  135. schicken für die Wahl des Reichspräsidenten. Das sind Stimmen, die dann gefehlt haben. Auch da ist ein
  136. Grund durchaus für Hintenburg übrigens gegen die Empfehlung der kommunistischen Internationalen. Also die da war man der
  137. Meinung, dass es keine gute Idee sei. Und dann natürlich die ewige Uneinigkeit, also die Kommunisten haben
  138. dann den Hauptfeind in der Sozialdemokratie gesehen. Ähm, eine wirkliche gemeinsame Front, anders als
  139. in Frankreich beispielsweise, konnte nicht gebildet werden. In den Berg des Gardener Alpen will
  140. Adolf Hitler sein im Gefängnis begonnenes Buch [musik] "Mein Kampf beenden." Aus sicherer Entfernung
  141. beobachtet er, wie sich ein politischer Rivale ins Abseits manövriert. Erich Ludendorf überschätzt seine
  142. Chancen auf das Amt des Reichspräsidenten dramatisch. Mit einem Ergebnis von gut 1% der
  143. Stimmen im ersten Wahlgang ist der radikale [musik] General krachend gescheitert.
  144. An dem Debake Ludendorf bei der Reichspräsidenten Wahl 1925 war nicht nur allein Hitler Schuld. Man muss sich
  145. vorstellen, dass die NSDP bei ihrer Neugründung 1925, auch wenn sie viel Wind machte, ja gar nichts war. Diese
  146. Partei hatte äh überhaupt keine finanziellen Ressourcen. Äh sie hatten kaum noch Mitglieder. Sie wurden im
  147. Grunde belacht. Sie wurden äh wirklich überhaupt nicht ernst genommen. Sie spielten eigentlich auf nationaler Ebene
  148. überhaupt gar keine [musik] Rolle. Im Juli erscheint der erste Band von meinem Kampf. Der Verkauf des
  149. Hassfüllten Buches verläuft zunächst schleppend. [musik] Erst ab 1930 wird die Auflage rasant
  150. ansteigen. [musik] Hitler muss eine Strategie entwickeln,
  151. um sich [musik] eine neue Gefolgschaft aufzubauen. Er bereitet sich auf die Zeit [musik]
  152. vor, in der er wieder öffentlich auftreten kann. Hitlers Vorbild ist Benito Mussolini.
  153. Der ist seit 1922 Herrscher in Italien und liebt theatralische Auftritte. Muselini kommt biographisch aus der
  154. sozialistischen Partei und er schafft es gewissermaßen diese linke Dynamik der Massenmobilisierung,
  155. dann das Element der Nation, imperiale Elemente und sogar noch das Königstum alles zu integrieren. Und diese neue
  156. hochmilitante hochnationalistische Massenbewegung, die gleichzeitig sich moderner Formen in der Agitation
  157. bedient, das ist der Faschismus. Das ist eben das Neue und da fängt tatsächlich auch ein großer Teil der
  158. deutschen Rechten an interessiert zu schauen, was passiert da eigentlich. Ein Modell auch für Deutschland,
  159. faschistische Diktatur und Wiederherstellung der Monarchie. In Bayern hoffen die Wittelsbacher auf
  160. die Rückkehr auf den bayerischen Königstruh, wollen aber mit den Nazis nichts zu tun haben.
  161. 1918 von Hintenburg zur Abdankung gedrängt, sehnt auch Exkaiser Wilhelm II ein Ende seines Exils im holländischen
  162. Dorn herbei. Aus sicherer Quelle weiß ich, dass Hintenburg erklärt hat, er betrachte
  163. sich nur als meinen Stadthalter. Er hat geäußert, dass er viel an mir gut zu machen habe.
  164. Wenn man auf die zweite Hälfte der 20er Jahre guckt, dann sieht man überall in Europa ein Vormarsch autoritärer Regime
  165. und faschistischer Bewegung. Die sind, wenn man genauer hinschaut, dann sehr unterschiedlich. Also, man hat die
  166. autoritäre Regierung in Ungarn, man hat seit Mitte der 20er Jahre unter Josef Besutki äh ein stark autoritäres Regime
  167. in Polen. Man hat eine starke faschistische Bewegung in Finnland. Man hat in Spanien ein autoritäres
  168. Militärregime. Im Vergleich damit wirkt die warm Republik zunächst
  169. fast wie eine stabile [musik] Demokratie. gefährdet, labil, aber [musik] sie
  170. funktioniert relativ gut noch. Das politische System hält sich. 1925 hat Deutschland etwas mehr als 63
  171. Millionen Einwohner. Die wirtschaftliche Lage hat sich stabilisiert. Das Volkseinkommen steigt von umgerechnet
  172. etwa 34 auf rund 43 Milliarden Euro innerhalb von 4 Jahren. Doch noch immer ist das Ruhrgebiet von
  173. französischen und belgischen Truppen besetzt. Die Ruhrbesetzung war wirklich eine
  174. Riesenhypothek für die Warmrepublik. So, das wurde dann auch von vielen Deutschen als Ohnmacht der Reichsregierung
  175. angesehen. Also, das wurde wirklich dann als Schmach wahrgenommen, vielleicht noch mehr als der Vess Vertrag für viele
  176. Leute. Und dass dort die Reichsregierung nicht geschafft hat, etwas dagegen zu tun, äh war ganz problematisch. Und das
  177. hat auch wirklich dazu geführt, dass die extrem linke und extrem rechte großen Zuspruch fand.
  178. 5. Oktober 1925 [musik] Konferenz in Lucano, Schweiz. Außenminister Gustav Stresemann erreicht
  179. die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund, [musik] den Vorläufer der UNO.
  180. Viele Deutsche haben erst mit Zeitverzögerung, also eigentlich erst nachdem die Bestimmung des Wessiay
  181. Vertrages bekannt gegeben wurden, gemerkt, dass Deutschland wirklich den Krieg verloren hatte. Und nun äh besteht
  182. auf einmal die Hoffnung oder die Chance, dass Deutschland jetzt doch in den Völkerbund aufgenommen wird, womit jetzt
  183. man letztlich wieder an den Punkt angekommen ist, den sich viele Deutsche am Ende des Ersten Weltkrieges erhofft
  184. hatten, dass es eine ganz neue Weltordnung geben würde, indem Deutschland ein gleichwertiges Mitglied
  185. der Völkerfamilie ist. Stresemann und sein französischer Amtskollege Arestit [musik] Brillant
  186. setzen auf Versöhnung zwischen ihren lang verfeindeten Ländern. 1926 erhalten beide den Friedensnobelpreis.
  187. Französische Künstler wie die Sängerin Misting werden vom Berliner Publikum begeistert gefeiert.
  188. Auch die in Paris zum Star gewordene Josephine [musik] Baker tritt mit ihrem Bananenröckchen am Kurfürsten Damm auf.
  189. Sie wird zum Symbol neuer Freiheiten und provoziert Empung im konservativen Bürgertum.
  190. Unsere Vorstellung von der Weimer Republik ist ja oft mit dem Nachtleben Berlins verbunden und das ist erstens
  191. Berlin spezifisch. In vielen anderen Städten ist das nicht so. Selbst in anderen Großstädten ist das nicht so.
  192. Und dann ist natürlich auch, dass nicht die ganze Berliner Bevölkerung an diesen Dingen teilhaben kann oder teilhaben
  193. möchte. Das gleiche gilt für dieses Bild der neuen Frau, von der wir immer denken, dass also alle Frauen in der
  194. Weimarer Republik jetzt mit Bubikopf und Zigarette und kurzem Kleid auf der Straße rumlaufen und dann abends traurig
  195. und alleine, aber doch quasi unabhängig im Kaffee sitzen und irgendein Cocktail schlürfen. Auch das ist natürlich nur
  196. eine ganz ganz kleine Schicht. Frauen dürfen wählen und gewählt werden. 1925 gibt es 1,5 Millionen weibliche
  197. Angestellte. Die meisten sind [musik] allerdings sogenannte mithelfende Familienangehörige,
  198. Ehefrauen, die im Familienbetrieb mitarbeiten müssen. Sie haben weder Anspruch auf Lohn, noch
  199. sind sie versichert. Vor allem die linken Parteien wollen für die einfache Bevölkerung bessere
  200. Lebensbedingungen schaffen. Raus aus den verdreckten Hinterhöfen in moderne Siedlungen.
  201. So entstehen Musterprojekte [musik] wie die Berliner Hufeisensiedlung, entworfen vom Architekten Bruno Taut.
  202. Also dieser Gestaltungswille, dass man sich auf die Gegenwart [musik] und die Zukunft konzentriert, das war nie für
  203. alle eine republikanische Gegenwart oder Zukunft. Ja, das konnten ganz unterschiedliche politische Entwürfe
  204. sein. Aber Idee, dass man irgendwas jetzt gestalten möchte und in der Zukunft gestalten würde, statt dass man
  205. zurückguckt und und sehr betrauert, was man verloren hatte, das zieht sich in die durch die gesamte Weimer Republik
  206. durch. Das ist die die ein Tatendrang und die Idee, dass man etwas gestalten und verändern kann.
  207. Doch die Zukunftserwartungen schwanken zwischen Hoffen und Bang. Der Regisseur Fritz Lang thematisiert die Ängste
  208. seiner Zeit im Stummfilm Metropolis, der teuersten deutschen Kinoproduktion der 20er Jahre. Für das süße Leben der
  209. Herrscher in der Oberstadt müssen sich die geknechteten Arbeiter in der Unterwelt einem Maschinenmolloch
  210. unterwerfen. Metropolis geht in die Filmgeschichte ein. An den Kinokassen ist der Film ein
  211. Flop. Nicht für unsichere Zukunft, sondern für verklärte Vergangenheit. steht das Wort
  212. Kage Staatsoberhaupt Paul von Hintenburg. Im Mai 1926 besucht der Reichspräsident
  213. Hamburg. Zeitgleich unterschreibt er eine neue Flaggenordnung. Auslandsvertretungen dürfen nun neben
  214. schwarzrot, Gold auch wieder die kaiserlichen Farben zeigen. Die Flagge der Monarchie, die Deutschland in Krieg
  215. und Massentot geführt hat, erfreut sich weiter großer Beliebtheit. Hintenburg ist oft öffentlich
  216. aufgetreten und in vielen der Filmaufnahmen dieser Zeit sieht man ihn eben umringt von Menschen. Also es gibt
  217. eigentlich immer ein Publikum, was seine Verbundenheit mit der deutschen Bevölkerung unterstreichen soll. Und da
  218. kommt dieser ja doch irgendwie Großvater der Nation, steigt aus dem Auto und die Menschen erwarten ihn enthusiastisch.
  219. Die Feinde der Demokratie [musik] genießen fatale Freiheiten. Im Juli tritt der Vorsitzende der Bayerischen
  220. [musik] Splitterpartei NSDP Adolf Hitler in Weimar auf. [musik]
  221. Im Verlauf dieses zweiten Nazipparteitags beruft der selbsternannte Führer seinen ehrgeizigen
  222. Anhänger Josef Göbbels [musik] zum Gauleiter Berlins. Im Nationaltheater, wo 5 Jahre [musik]
  223. zuvor Friedrich Ebert die Weimacher Verfassung verkündet hatte, hält Hitler eine Rede. Hier in Thüringen hat der
  224. verurteilte [musik] Pschist kein Redeverbot. Die ersten Hochburgen des
  225. Nationalsozialismus [musik] und plötzlich des Rechtsextremismus sind Mecklenburg, Thüringen und
  226. Ostpreußen, also ländliche konservative protestantische Gegenden, sehr bäuerliche Gegenden. Das ist jetzt
  227. während dieser Zeit ist diese Mischung aus Agrar und einem bestimmten Protestantismus, [musik] wo halt auch
  228. wirklich diese Krisenwahrnehmung der Zeit sehr groß ist und dort ist halt die Bereitschaft sich auf den
  229. Nationalsozialismus und auf den Extremismus einzulassen besonders hoch. 30% der Bevölkerung lebt auf dem Land in
  230. der Weimar Republik. Wir sollten nicht glauben, das sei irgendwie ein [musik] Staat, wo immer nur alle in großen
  231. Metropolen wohnten. Das ist ein Versäumnis. ein Versäumnis aller republikanischen Parteien, dass man sich
  232. ums [musik] Land deutlich weniger gekümmert hat und da auch nicht Fuß gefasst hat. Es ist besonders ein
  233. Versäumnis der Sozialdemokraten, denn tatsächlich [musik] sind ja viele dieser Verhältnisse auf
  234. dem Land, ob es jetzt Landarbeiter sind oder kleine Bauern, sehr von Hierarchien, von Ausbeutung und eben von
  235. nationalkonservativen Strukturen geprägt. Das heißt, also das Potenzial, was ich eventuell [musik] hätte haben
  236. können, indem man sagt, okay, wir sind hier auch unglücklich, wir finden das auch nicht gut in so pseudoalen
  237. Verhältnissen zu leben. Wir finden es auch nicht gut, dass wir sehr abhängig sind von Großgrundbesitzern und so
  238. weiter. Diese Chance hat man verpasst. Ende 1926 erschüttern [musik] zwei Skandale das
  239. Vertrauen der Bevölkerung in die Republik. Beide drehen sich um die Reichswehr, die
  240. seit [musik] Kriegsende auf hundert.000 Mann beschränkt ist. Als bei einem Manöver unangekündigt ein
  241. Kaiserenkel teilnimmt, fürchte die Regierung ein Bündnis der Reichswehr mit den abgesetzten hohen Zollern.
  242. Der Chef der Heresleitung muss zurücktreten. Wenig später der nächste Skandal.
  243. Im Dezember enthüllt die SPD, dass [musik] die Regierung eine geheime Zusammenarbeit mit der sowjetischen
  244. Armee gebilligt hat, um Verbote des Versayer Vertrags zu umgehen. Deutschland darf keine Luftwaffe
  245. besitzen. Deshalb trainieren deutsche Piloten illegal in der Sowjetunion. Man würde eigentlich denken, dass diese
  246. beiden Skandale ein Zeichen der Stärke Weimars gewesen ist, denn äh letztlich wurde damit verhindert, dass es eine
  247. illegale Kooperation mit einem bolschewistischen Regime gibt und dass eine mögliche Wiedereinführung
  248. der Monarchie verhindert wird. [musik] Aber letztlich führt es dennoch zur Schwächung der Demokratie, weil einfach
  249. dadurch Personen geschwächt werden, die eigentlich bereit waren, die war Republik zu unterstützen. [musik] Das
  250. sind halt Leute, die meinen, dass man aber auch durchaus ein Pakt mit dem Teufel eingehen muss.
  251. Kanzler Wilhelm Marx muss zurücktreten. Die demokratische Mitte ist geschwächt. Um weiter Regierungen bilden zu können,
  252. wird die Zusammenarbeit mit extremen Parteien in Betracht gezogen. Einer der möglichen Partner wäre die NSDP.
  253. Die Hitlerpartei ähnelt noch einem zusammengewürfelten Haufen, doch sie lässt ihr Auftreten von Anfang an auf
  254. Film festhalten. Die Idee dazu stammt vom neuen Berliner Gauleiter. Josef Göbbels will alle
  255. vorhandenen Mittel für die Propaganda [musik] nutzen. In einem Hinterhof richtet er
  256. seine erste Geschäftsstelle ein. Am Tag [musik] seines Umzugs aus dem Rheinland in die Hauptstadt notiert Göbbelz in
  257. sein Tagebuch. Auf nach Berlin, Asphalt oder Erfüllung. Die Anker sind gelichtet.
  258. Miss man zentral und als Gaulleiter in Berlin kann er seine Fähigkeiten voll ausspielen, weil in Berlin hat die NSDP
  259. ein Problem. Es ist eine Stadt mit einem überwiegend proletarischen Anteil und hier kann Göbbels dann die soziale
  260. Demagogie auch voll ausspielen. Also es gibt mit dem Angriff dann eine eigene Zeitung, die dafür gemacht wird, extra
  261. auf diese Zielgruppe hinigned ist, um die Arbeiterschaft von den linken Parteien natürlich auch
  262. ja wegzukriegen. Da ist schon ein sehr negatives Talent, das zum Tragen kommt und auf dem dann
  263. auch sehr viel Propaganda aufbauen kann. Schnell macht sich der Propagandist einen Namen. Die Gaufilmstelle Berlin
  264. lässt vor allem den neuen Gaulleiter filmen. In seinen Reden hetzt er gegen Juden und
  265. Kommunisten, provoziert Saalschlachten und Gerichtsprozesse. Er schreibt:
  266. "Wer die Straße erobern kann, kann auch einmal den Staat erobern. Am 5. März 1927
  267. wird das Redeverbot für Hitler in Bayern aufgehoben. 5 Monate später Parteitag in Nürnberg, wo von nun an alle NSP
  268. Parteitage stattfinden werden. Göbbels lässt auch diese Veranstaltung aufwendig filmen.
  269. Diese Parteitage dienten zunächst einmal der Mobilisierung der eigenen Mitglieder und es ging auch um die Außenwirkung der
  270. NSB. Nun hatte Nürnberg zahlreiche Vorteile. Man konnte Nürnberg gut erreichen. Dann gab es ein geeignetes
  271. Veranstaltungsgelände. Auch das musste gefunden werden. Eine Polizei, die gutmütig auf die NSBegung schaute, das
  272. war wichtig. Und der Gaulleiter von Franken Julius Streicher hatte eine sehr straff
  273. organisierte NSDP aufgebaut und wusste sie hinter sich und bildete sozusagen die lokale regionale Basis für diese
  274. Massenveranstaltung konnte sie auch sagen mit Menschen auffüllen, konnte für die entsprechende Kulisse sorgen.
  275. Wichtig ist auch zu verstehen, Nürnberg war [musik] eine alte Kaiserstadt. Schon zur Zeit
  276. des Heiligen Römischen Reiches fanden dort Hoftage und Reichstage statt und die Nationalsozialisten knüpften immer
  277. an dieses erste Reich, an dieses alte Reich, um Ihr Reich, ihr drittes Reich zu legitimieren. Das war ganz wichtig.
  278. Geschichte war wichtig für die Nationalsozialisten, um sich selber wichtig zu machen.
  279. Der Vertreter [musik] des aus Nazisicht Zweiten Reiches Paul von Hintenburg durch die Republik. Im September 1927
  280. [musik] ist der Gereise Reichspräsident in Strahlsund in Vorpommern. Wenige Wochen später steht er im Zentrum eines
  281. Skandals, Korruption. Hintenburgschwägerin Lina hatte das völlig überschuldete Familiengut Neudeck
  282. [musik] in Masuren zum Verkauf anbieten müssen. Reiche ostpreußische Landbesitzer kaufen es [musik] und
  283. schenken es dem Reichspräsidenten zum 80. Geburtstag. Ein Geschenk, [musik] das Verdacht
  284. weckt. Hintenburg hatte zuvor die ersten Maßnahmen zur sogenannten Osthilfe [musik]
  285. unterschrieben. Ein millionenschweres Subventionsprogramm zugunsten eben jener Ostpreußischer [musik]
  286. Adeligen, die den Reichspräsidenten jetzt so großzügig beschenkt hatten. In Schleswig-Holstein brechen
  287. gleichzeitig immer mehr Höfe unter der Last ihrer Steuerschulden zusammen. Die Wiedereinführung internationale
  288. Handelsabkommen und der damit verbundene Preisverfall löst [musik] eine Agrarkrise aus.
  289. Es kommt vermehrt zu Zwangsversteigerungen von Vieh und Höfen. Die ländliche Bevölkerung leidet
  290. und beginnt sich zu radikalisieren. Ohne ein Subventionsprogramm wie das für Ostpreußen ist Schlesigstein besonders
  291. betroffen. Die Landvolkbewegung ist sehr interessant für das Ende der
  292. Weimacher Republik. Es hat immer Bauernproteste gegeben. Da geht es um das Eintreiben von Steuerschulden.
  293. Und die Bauern haben guten Grund sauer zu sein, weil sie, wenn sie ihr Vieh verlieren, wenn sie ihren Hof verlieren,
  294. ihre Existenzgrundlage den Mittelpunkt ihres Lebens, ihrer Welt verlieren. Diese Proteste sind von Anfang an
  295. rechtsextrem und nationalistisch organisiert. Die Verarmung führt zu Landflucht.
  296. Hunderttausende ziehen in die Städte und suchen Arbeit in den Fabriken. Im Juli 1927
  297. verabschiedet der Reichstag ein Gesetz zur Einführung einer staatlichen Arbeitslosenversicherung.
  298. Eine gute Nachricht für Arbeiter und Angestellte. Bei den Reichstagswahlen am 20. Mai 1928
  299. profitiert davon vor allem die SPD. Die Demokratiefreundlichen Parteien erhalten noch einmal eine Mehrheit.
  300. Die Nationalkonservativen von der DNVP verlieren. Die NSDP tritt nach ihrer Neugründung zum ersten Mal an, erhält
  301. einen schweren Dämpfer und bleibt unter 3%. Der Sozialdemokrat Hermann Müller führt
  302. eine große Koalition als Kanzler an. Zeitgenossen schätzen die Aussichten für Müllers Kabinett als günstig ein.
  303. Tatsächlich ist es die letzte stabile demokratische Regierung. Als 1928 Hermann Müller
  304. Sozialdemokratkan Kanzler wurde, meinte er, dass der Gedanke der Demokratie und die Republik fest im deutschen Volke
  305. verankert sein. Es gibt ein nicht [musik] ganz so euphorisches, aber doch verlässliches Zutrauen Republik unter
  306. vielen Zentrumsanhängern und Katholiken, die ergreifen die Chance und versuchen dieses Gemeinwesen zu gestalten.
  307. Am [musik] rechten politischen Rand bleibt die NSDP auf die Rolle einer Splitterpartei beschränkt.
  308. Hier hatte man zum ersten Mal die Gelegenheit, national aufzutreten, in den Reichstag gewählt zu werden. Das
  309. misslang vollkommen. Aber 1928 befand sich die Wahlmarer Republik immer noch in einer sehr soliden Phase. Es gab sehr
  310. viele amerikanische Investitionen in Deutschland wieder. Die Arbeitslosigkeit war zurückgegangen, die Löhne hatten
  311. sich erhöht. Also im Grunde eine doch sehr gemäßigte und solide Situation im Vergleich zu vorher.
  312. Vor allem in den Ballungsräumen scheint es aufwärts zu gehen. Kunst und Kultur blühen auf.
  313. Besonders in den großen Städten sehen wir da durch den Wegfall der Zensur oder den teilweise Weckfall der Zensur und
  314. die kulturelle Vielfalt, die dort gelebt wird. Eine Kulturszene, die vielen Menschenraum bietet, denen das in
  315. anderen Großstädten tatsächlich unmöglich ist. Also es gibt ja einen Grund, warum viele Schriftsteller und
  316. Künstler z.B. nach Berlin kommen in den 20er Jahren und deris auch der junge Berthold Brecht zieht aus
  317. Bayern nach [musik] Berlin. Am 31. August 1928 feiert seine drei Groschenoper Premiere
  318. und wird zur Sensation. ein Mess. Der Volk der drei Groschen Oper hat
  319. letztlich zwei Gründe. Vor allen Dingen natürlich geht sie auf die Stärke des linken Milieus in Deutschland zurück,
  320. aber halt auch auf die Gefühle von sozialer Ungleichheit, die sich immer mehr breit machen. Nicht erst zur
  321. Weltwirtschaftskrise, [musik] sondern schon vorher. Und es ist wirklich diese Art von sozialer
  322. Ungleichheit, die immer konstituierender für die Bayenre Republik wird. [musik] Schulmeier
  323. bleibt verschwunden und so mancher reiche Mann [musik][singen]
  324. und sein Geld hat. Das Theaterstück mit der Musik von Kurtweil wird zum erfolgreichsten der
  325. Weimaraer Republik. Zudem spielt die dreigroschen Oper mit der
  326. damals sehr zeitgemäßen Neigung bürgerlicher Schichten zum Gangstertum und zur Beschäftigung mit dem
  327. Gangstertum. Nichts sahen, lasen sie lieber. Es sind auch viele Vorstellungen der Dreikoschenoper gestört worden von
  328. Nationalsozialisten, die da Rabatt gemacht haben. Äh und in der Dreigroschenoper spürt man etwas von so
  329. einem revolutionären Inrim, der glaube ich auch sehr typisch für die Zeit gewesen ist.
  330. Verwirrung, Widersprüchlichkeit, Uneinheitlichkeit, das war die Strategie, weil man eben auch alle
  331. möglichen Gruppen adressieren wollte. Man hat sich auf der einen Seite ja rebellisch dargestellt, also man hat
  332. auch bewusst sich als Bürgerschreck inszeniert äh um äh auch interessant zu sein für die Schichten, die sich damit
  333. dann auch identifizieren konnten. Also das war das eine und man hat das hat gleichzeitig der Wirtschaft und dem
  334. Bürgertum immer wieder signalisiert, dass man selbstverständlich eine antimarxistische Kraft sein.
  335. Räumlich grenzt sich die [musik] NSDP ab vom Proletariat. Sitz der Berliner Gauleitung wird ein repräsentativer Bau
  336. in der Lostraße. Hier organisiert Josef Göbbels den ersten großen Auftritt seines Chefs in Berlin
  337. im Sportpalast, der Plätze für über 10.000 Menschen bietet. Mehrere Filmkameras halten die Veranstaltung
  338. fest, auf der sich wie ein Kind Freue, wie Göbbels seinem Tagebuch anvertraut. Der Saal ist voll besetzt. In seiner
  339. Rede ruft Hitler zum Kampf gegen die Zitat Vernäerung der Kultur, der Sitten und des Blutes auf. Göbbelsz notiert:
  340. "Der Chef ist ganz glücklich. Er lacht mich immer wieder an und dann beglückwünschen wir uns der größte
  341. Erfolg in meiner bisherigen Arbeit." Wichtig ist, dass Göbels die ganze Figur Hitler erstmal propagandistisch formt.
  342. Er gibt diesen selbsternannten Führer erst eine [musik] Figur. Ähm und damit trägt er dazu bei,
  343. dass das gesamte Gedankengut auch transportiert wird. Gbels ist ein fanatischer Mensch. Er ist laut, er
  344. spitzt zu und er ist Hitlergläubig und für seinen Hitler tut er wirklich alles und sein Antisemitismus, sein Judenhas
  345. ist grenzenlos und er ist eben die hässliche Fratze des deutschen Antisemitismus.
  346. Etwa 560.000 Jüden und Juden leben damals in Deutschland knapp 1% der Bevölkerung. Laut weimerer Verfassung
  347. sind sie endlich rechtlich gleichgestellt. Vor allem Berlin ist reich an jüdischer Kultur.
  348. Doch wenn Hitler und seine Anhänger vom deutschen Volk sprechen, dann gehören nicht alle Deutschen dazu.
  349. Das ist ein wunderbar diffuser Begriff, das Volk. Und wenn dahinter dann eine ein geschlossener Rassengedanke steht,
  350. ähm dann kann er entsprechend eingesetzt werden. Man kann es den einen als Integrationsbewegung verkaufen. Ja, wir
  351. wollen alle Klassen. Wir wir sind eine Volksgemeinschaft. Wir wollen alle Klassen und kann gleichzeitig klar
  352. machen, nee, aber selbstverständlich schließen wir auch aus. Wir wollen nämlich das Judentum vernichten.
  353. Göbbelsz lässt filmen, wie vier Stunden lang SA Männer am Feiertag des Laubhüttenfestes durch die jüdischen
  354. Viertel Berlins marschieren. Eine Drohung, die ihre Schatten vorauswirft auf das, was kommen wird.
  355. Ah.

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