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Der Martin-Luther-Check | Reportage für Kinder | Checker Tobi

CHECKER WELT24:22 631.828 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 199 Zeilen
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  1. . * Titelsong: Checker Tobi *
  2. ♪ Achtung! Hier kommt Checker Tobi. ♪ Das ist Tobi, Checker Tobi. Der ist cool, hey, ziemlich groovy.
  3. ♪ Der, der immer fragt. Der die Action mag. ♪ Der, der alles wagt. Der, der niemals klagt.
  4. ♪ Das ist Tobi, Checker Tobi. Der ist cool, hey, ziemlich groovy. ♪ Der, der ständig rennt. Der, der niemals pennt.
  5. ♪ Der auch manchmal flennt. Der tausend Leute kennt. ♪ Das ist Tobi, Checker Tobi. Checker Tobi!
  6. Warum rülpset und furzet Ihr nicht, hat es Euch nicht geschmacket? Ja. (rülpsen) - Sorry, aber ich bin als Martin Luther verkleidet.
  7. Der hat vor ca. 500 Jahren gelebt und Dinge gemacht, die viel verändert haben, v.a. in der Kirche und der Religion.
  8. Der soll das gesagt haben. Damals hat man wohl so gegessen. Genau darum geht's heute: um Martin Luther.
  9. Martin Luther lebte im späten Mittelalter, vor über 500 Jahren. Damals waren fast alle Menschen in Europa Christen,
  10. genauer: Katholiken. Die katholische Kirche hatte damals viel mehr Macht als heute:
  11. Wer sich nicht an ihre Regeln hielt, musste um sein Leben fürchten. Trotzdem hat Luther gesagt, was ihm an der Kirche nicht passt,
  12. und hat damit was losgetreten. Viele hörten nicht mehr auf den Papst, sondern auf Luther.
  13. Es entstand eine christliche Kirche, die wir evangelisch nennen. Heute leben in Deutschland ca. 22 Mio. evangelische Gläubige.
  14. Ohne Luther würde es die nicht geben. Weil er damit die Kirche reformiert hat,
  15. nennt man ihn bis heute: den großen Reformator. Ich verwandle mich selbst in Martin Luther
  16. und checke, was er kritisiert hat und was seine Kritik ausgelöst hat. Außerdem finde ich raus,
  17. warum er sich ein Jahr auf einer Burg verstecken musste. Ich will wissen, wie Luther und seine Zeitgenossen gelebt haben.
  18. Damals gab es keine Autos, keine Supermärkte und kein Internet. Also, seid ihr alle bereit? Hier kommt:
  19. Jetzt die Checkerfragen: Das check ich für euch!
  20. Los geht meine Luther-Spurensuche in der Lutherstadt Wittenberg. Mit dabei hab ich Paula. Sie studiert Religion
  21. und will evangelisch-lutherische Pfarrerin werden. In Wittenberg findet man überall Bilder von Luther,
  22. weil er da lange gelebt hat. Vielleicht sehen wir sogar Luther selbst?
  23. Ist er das? Kann nicht sein, Luther ist schon lange tot.
  24. Aber wer ist dann der Mann in dem Umhang? Wo kommet ihr itzo her?
  25. Und was begehret ihr hier zu Wittenberg? Wir wollen zu dir. Warte, wir kommen hoch. - Dann kommet!
  26. Das ist nicht der echte Luther, sondern der Kirchmeister der Stadtkirche Wittenberg: Bernhard.
  27. Hallo. -Oh, ihr habet ein fröhlich Antlitz. Wie sag ich? Ein Christ muss sein ein fröhlich Mensch.
  28. Und so er es nicht ist, so ist er vom Teufel versuchet. Äh, okay. Das ist Paula, wenn ich vorstellen darf.
  29. Gott zum Gruße, schönes Weib. - Hallo. Was sprichst du für eine Sprache?
  30. Ja das, was wir zu unserer Zeit gesprochen haben. Wenn ihr es nit verstan könnt, ist's eure Sach'.
  31. Das war immer noch Luther-Sprache? - Etwas schon, ja. Du stellst Luther auch manchmal so dar, als Schauspieler, wie gerade.
  32. Was war der für ein Typ Mensch? Was war er für ein Charakter? Er war ein Mensch, der sehr ursprünglich geglaubt hat.
  33. Für ihn war Jesus Christus der wichtigste Messgrad im Leben. Für sein Leben und das Leben der anderen Menschen.
  34. Er konnte Missbräuche des Glaubens, Missbräuche in der Kirche, nicht ertragen.
  35. Er musste die Bibel und das Wort Gottes wieder in den Mittelpunkt stellen. Das hat ihn getrieben. Ganz sicher.
  36. Luther, Martin, hat mich sehr gefreut. Es war mir eine Ehre.
  37. Gott zum Gruße und vor allen Dingen Gott befohlen. Vielen Dank. - Danke schön.
  38. Ja, viel Freunde am Predigen des Wortes des Herrn. Deiner Worte auch? - Ja.
  39. Mach es gut, tschüss. Martin Luther wurde vor über 530 Jahren in Eisleben geboren.
  40. Das ist hier, im heutigen Sachsen-Anhalt. Luthers Vater fand es wichtig, dass sein Sohn zur Schule gehen kann.
  41. Das war damals nicht selbstverständlich, weil viele Leute sich das nicht leisten konnten.
  42. Der junge Luther hatte also Glück, dass er schon so früh lernen konnte und durfte.
  43. Später hat Luther Jura in Erfurt studiert. Er hat sich mit den Gesetzen auseinandergesetzt
  44. und wie man sie anwendet. Hey, Achtung!
  45. Das hat ihm aber nie viel Spaß gemacht. Luther wollte sich vielmehr mit der Theologie beschäftigen.
  46. Also mit der Lehre von Gott, seinen Geboten und der Kirche. Einmal soll Luther in ein schweres Gewitter geraten sein,
  47. bei dem er Angst hatte zu sterben. Er soll gesagt haben:
  48. "Wenn ich das überlebe, werde ich Mönch." Luther hat überlebt und sein Versprechen gehalten.
  49. Er ist wirklich Mönch geworden. Später noch Professor für Bibelkunde in Wittenberg.
  50. Er hat sich mit der Bibel auseinandergesetzt und damit, was sie bedeutet.
  51. Dabei kam Luther der Gedanke, dass zwischen jedem Menschen und Gott ein direkter Draht ist.
  52. Dass man keinen Priester und kein Geld braucht, um sich vor dem Teufel zu schützen,
  53. sondern nur Gott und den Glauben an ihn. Der Gedanke hat Luther nicht mehr losgelassen.
  54. Deshalb hat er kritische Bemerkungen über die Kirche verfasst und sie an das Tor der Wittenberger Schlosskirche genagelt.
  55. Diese Bemerkungen nannte er: 95 Thesen. Die waren auf Latein, das war die Sprache der Gelehrten.
  56. Das ist dieses berühmte Tor? - Genau. Wo er seine 95 Thesen angeschlagen hat? - Genau.
  57. Das ist nicht das Originaltor, das ist im 19.Jh. verbrannt. Warum hat Luther das hier ans Kirchentor genagelt?
  58. Das Kirchentor galt damals als schwarzes Brett, für das gebildete Volk und die Studenten.
  59. Was war an Luthers 95 Thesen so wichtig? Luther hatte Kritik an der Kirche. Die hat er in 95 Thesen kompakt,
  60. sehr kurz dargestellt und für jeden verständlich. Weil damals die Bevölkerung auch große Kritik an der Kirche hatte.
  61. Und er hat das ausgesprochen, zu Papier gebracht, was viele Leute dachten.
  62. Luther war ein mutiger Typ, weil er sich was getraut hat, was sich vor ihm kaum jemand getraut hat? - Ja.
  63. Was hat er gewollt, gesagt und was stand da drauf? Martin Luther war gegen den Ablasshandel.
  64. Warte, das hab ich schon mal gehört. Eine Checkerfrage! Das heißt, dass man sich durch Geld von etwas loskaufen konnte,
  65. was man Böses auf der Erde gemacht hat. Damals hatten die Leute Angst vor dem, was nach dem Tod passiert.
  66. Es gab damals die Vorstellung, dass man nach dem Tod ins Fegefeuer kommt.
  67. In der katholischen Kirche glaubt man, dass man nach dem Tod ins Fegefeuer muss.
  68. Ein sehr unangenehmer Ort, wo jeder für seine Sünden büßen soll. Die Kirche hatte versprochen, dass man diese Zeit verkürzen kann.
  69. Alles, was man machen muss: Der Kirche Geld bezahlen und die Sünden sind erlassen.
  70. Wie damals gesagt: abgelassen. Deshalb das Wort: Ablasshandel. Die Kirche verwendete das Geld nicht,
  71. wie versprochen, für gute Taten, sondern für prunkvolle Kirchen wie den Petersdom in Rom.
  72. Das fanden Luther und viele andere Menschen nicht gut. Einen Sündenerlass konnte man für Geld kaufen.
  73. Der Ablasshandel. Ablass, weil die Strafe für die Sünde erlassen wurde.
  74. "Nur aus einem glücklichen Ar... kommt ein fröhlicher Furz?" Das hat Luther gesagt?
  75. Jetzt erst mal eine Frage an euch! Checkt, ob ihr die Antwort entdeckt. Die Lösung zum Schluss.
  76. Luthers Thesen haben sich schnell verbreitet. Das ging nur dank des Buchdrucks.
  77. Der wurde nicht lange vor Luthers Geburt erfunden. Wie das damals funktionierte, weiß Druckermeister Andreas.
  78. Mit ihm drucke ich meine eigenen Thesen wie damals zu Zeiten Luthers.
  79. Hallo Andreas! - Guten Tag, hallo! Wieso war das Drucken für Luther so wichtig?
  80. Damit seine Ideen schnell vervielfältigt oder verbreitet werden konnten im Deutschen Lande.
  81. Nicht nur in Wittenberg. Ich kann einen Text 2- bis 3-mal abschreiben, das kostet Zeit.
  82. Beim Drucken kann ich in der gleichen Zeit, wie ich abschreibe, x Drucke anfertigen.
  83. Ein Beispiel: die 95 Thesen. Die er an die Kirche gehämmert hat? - Ja, handschriftlich. Einmal.
  84. Das wurde in Massen gedruckt und verteilt. Die gebildeten Menschen konnten sich damit auseinandersetzen.
  85. Weil sie lesen konnten und Latein verstanden haben? - Genau. Wie ein früher Flyer? - Ja, Flugblatt oder Flyer.
  86. Der Buchdruck funktionierte früher so: Der Text wurde aus Einzelbuchstaben zusammengesetzt
  87. und in einen Rahmen eingespannt. Die Buchstaben wurden mit Druckerfarbe eingestrichen
  88. und auf ein Papier gepresst. Ich bin gespannt, was ihr zu meinen Thesen sagt, wenn ihr sie gedruckt seht.
  89. Jetzt wird wieder aufgerollt. - Dann ist es fertig? Werden wir sehen. - Uh, ich bin gespannt.
  90. Fantastisch. Mein erster Druck mit meinen Thesen: Wie findest du die? Stark? - Ja.
  91. Davon bräuchte ich 200 Stück, bitte. - Hast du Zeit? Braucht man ein bisschen? - Ja! Fangen wir an.
  92. Ich glaub, das mach ich anders. Mit der Druckerpresse
  93. ging's zwar schon viel schneller als handschriftlich. Aber noch viel schneller geht's mit dem Kopierer.
  94. Sehr gut. Das bring ich jetzt unter die Leute. Martin Luther hat hier in der Stadt
  95. vor 500 Jahren seine Thesen angeschlagen. - Ja. Ich habe auch Thesen:
  96. Für alle Kinder ein sicheres Zuhause, ... die Erwachsenen sollten den Kindern öfter zuhören.
  97. Das find ich richtig so. Alle fünf? - Ja. Welche wäre dir am wichtigsten?
  98. Für alle Kinder ein sicheres Zuhause. Finde ich gut. - Warum?
  99. Damit man geschützt ist, wenn es gewittert oder so. Weil manche Kinder leben im Krieg.
  100. Das ist schon wichtig, dass die Kinder ein gutes Zuhause haben.
  101. Weißt du, wer Martin Luther war? Was der gemacht hat? Ja, die Kirche verändert.
  102. War das ein wichtiger Typ? - Ja, etwas schon. Meine Thesen sind auch gut angekommen.
  103. Aber wie war das bei Luther damals? Das Oberhaupt der katholischen Kirche, der Papst,
  104. und auch der Kaiser, fanden Luthers Thesen überhaupt nicht gut. Denn Luther sagte ja:
  105. Lasst euch von den Mächtigen nicht alles vorschreiben. Jeder Einzelne hat eine direkte Verbindung zu Gott.
  106. Äh, ich geh mal lieber. Luther musste daraufhin vor den Reichstag treten.
  107. Eine große Versammlung von Fürsten, dem Kaiser und Gesandten des Papstes.
  108. Telefon und E-Mail gab es noch nicht. Briefe waren oft wochenlang unterwegs.
  109. Man musste sich persönlich treffen. Dieser Reichstag fand 1521 in Worms statt.
  110. Da sollte Luther zurücknehmen, was er über die Kirche geschrieben hatte.
  111. Er wollte das nicht, weil er überzeugt war, dass er recht hatte.
  112. Mutig, denn beim Reichstag kam das gar nicht gut an. Der Kaiser verhängte eine Reichs-Acht über Luther:
  113. Seine Schriften wurden verboten und Luther hatte keine Rechte mehr. Zum Glück hatte er einen mächtigen Freund:
  114. Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen. Der hat Luther mit einem Trick gerettet.
  115. Auf dem Rückweg vom Reichstag hat er Luther "entführen" lassen und auf eine Burg in der Nähe von Eisenach bringen lassen.
  116. Auf die Wartburg. Ist sie das? Ja. - Die ist aber weit weg noch.
  117. Deshalb hab ich mir für den Weg Hilfe organisiert. Esel Moritz ist mit dabei. Ich muss trotzdem laufen.
  118. Luther ist aber vermutlich nicht auf einem Esel geritten. Die wurden früher als Lasttiere genutzt.
  119. Mit dem Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Opa von Moritz wurden Wasser und Lebensmittel auf die Wartburg gebracht.
  120. Das letzte Stück gehen wir zu Fuß. Da oben hat er gewohnt. - In den Fenstern da?
  121. Ja. Die führten zu seinem Raum. Hier hat Luther sich ein Jahr lang versteckt.
  122. Ich spiel das für euch nach. Es war eine schwere Zeit für ihn, er hatte Angst um sein Leben.
  123. Er war getrennt von Freunden und Familie. Auf der Burg hatte er einen Decknamen:
  124. "Junker Jörg", also Ritter Jörg. Die Zeit in seinem Zimmer verbrachte er v.a. am Schreibtisch
  125. und arbeitete an der Übersetzung der Bibel. Aber warum? Checkerfrage!
  126. Das ist der Raum, wo Luther gelebt hat, als er sich hier versteckt hat? - Als Junker Jörg, ja.
  127. Luther hatte Zeit, saß hier, konnte sonst nichts machen. Dann hat er sich gedacht: Jetzt übersetz ich doch die Bibel.
  128. Können wir eine Bibel haben? Das ist doch ein Oschi. Ungefähr das hintere Drittel hat er übersetzt.
  129. Nur das Neue Testament? - Genau. Daraus besteht die Bibel: Aus dem Alten und dem Neuen Testament.
  130. Das Neue Testament ist der jüngere Teil, über die Geschichte von Jesus. Das war vorher nicht auf Deutsch? - Nein.
  131. Auf Latein und auf Altgriechisch. Das musste er übersetzen. Er hat unsere Sprache, so wie wir sie heute in unseren Büchern lesen,
  132. mit dieser Bibel-Übersetzung erfunden. Echt jetzt? - Ja.
  133. Luther hat das Deutsche erfunden? Er hat die Schriftsprache erfunden.
  134. So, dass wir das alle lesen können. Er wollte, dass jeder Mensch die Bibel von sich aus lesen, verstehen kann
  135. und keine Mittlerperson braucht. In Gottesdiensten, in Messen usw. Früher waren die Gottesdienste auf Latein.
  136. Das verstanden aber nur die Gelehrten und Priester. Luther wollte aber, dass jeder die Bibel lesen konnte.
  137. Also hat er auf Deutsch geschrieben. So, dass es jeder versteht. Er erfand sogar neue Worte: Plappern z.B. oder Lästermaul.
  138. Die gibt's bis heute. Die Bibel und die Gottesdienste waren früher auf Latein.
  139. Luther wollte, dass jeder die Bibel versteht. Deshalb hat er sie übersetzt.
  140. 1522 hat Luther, trotz Gefahr, die Wartburg verlassen, damit seine Gedanken richtig verstanden und verbreitet würden.
  141. Seine Lehren haben für Wirbel in Europa gesorgt. Er hatte immer mehr Anhänger, wurde immer bekannter.
  142. Er wurde so was wie eine Berühmtheit. Vor Luther gab es in Europa nur die katholische Kirche.
  143. Durch seine Kritik an der Kirche bildeten sich evangelische Kirchen. Es gab Streit darum, welcher Glaube der richtige sei.
  144. Es wurden sogar Kriege deswegen geführt. Neben Luther gab es noch weitere Reformatoren:
  145. Jean Calvin oder Ulrich Zwingli. Die Lehren dieser Reformatoren sorgen bis heute dafür,
  146. dass es Unterschiede zwischen der evangelischen und der katholischen Kirche gibt.
  147. In der evangelischen Kirche dürfen Frauen Pfarrerinnen werden. Bei den Katholiken geht das nicht.
  148. Evangelische Pfarrer dürfen heiraten und Kinder haben, katholische dürfen das nicht.
  149. Das Oberhaupt der katholischen Kirche ist der Papst, aber nicht das der evangelischen.
  150. Heute existieren die evangelische und katholische Kirche friedlich nebeneinander.
  151. Es gibt gemeinsame Gottesdienste, die nennt man Ökumene. Weiter geht's mit Mona.
  152. Sie ist Historikerin und erforscht, wie Menschen früher gelebt haben. Nach der Wartburg wurde Luther für viele eine Art Superheld.
  153. Weil er sich gegen die katholische Kirche gewehrt hat. Aber hatte Luther auch schlechte Seiten?
  154. Ich denke, jeder, der als Superheld tituliert wird, hat auch negative Seiten. Die darf man nie ausblenden.
  155. Was ganz schlimm war: Dass Luther keine Juden mochte. Der hat sehr negativ über Juden geschrieben.
  156. Das ist auch seiner theologischen Überzeugung entsprungen, dass für ihn der christliche Glaube, der einzige Glaube sein konnte.
  157. Luther war wichtig und hat viele Sachen auch gut bewegt, aber Luther hatte auch seine Fehler. Das muss man klar sagen. - Genau.
  158. Wir schlüpfen in Kostüme und wollen Luthers Alltag nachspielen. Nach der Wartburg wollte Luther kein Mönch mehr sein.
  159. Deshalb zieh ich kein Mönchsgewand mehr an. Und: Luther hat geheiratet, Katharina von Bora.
  160. Wer das war, check ich jetzt. Die war Nonne und die ist auch aus dem Kloster rausgegangen
  161. und dann haben die beiden geheiratet. Dann hieß sie Katharina Luther.
  162. Luther hat noch geheiratet? - Ja, der war schon 42 Jahre alt. Und sie hatten sechs Kinder.
  163. Um rauszufinden, wie das bei Luthers lief im Haushalt, schmeißen wir uns beide in Schale.
  164. Ich ins Luther-Kostüm und Mona spielt Katharina von Bora. Sollen wir? - Gerne, aber du hast was vergessen.
  165. Es gehört eine Mütze dazu. Hat der das so getragen? - Ja, jeden Tag.
  166. Echt? - Ja. - Dann los. Wir veranstalten ein großes Essen.
  167. Dabei hilft uns Leo mit seinen Freunden von der Vereinigung Alt-Brettheim.
  168. In Bretten ist jedes Jahr ein Mittelalterfest. Die kennen sich super aus mit dem Essen
  169. und den Gewändern der damaligen Zeit. Übrigens: Die Klamotten sind alle selbst genäht.
  170. Und jetzt? - Eine Rede! Eine Rede wollt ihr? - Ja.
  171. Na gut. Ihr kriegt eine Tischrede. Kurz und gut gefällt jedermann. Kurz und rund.
  172. Sacra celerius absoluenda. Kurze Predigt und lange Bratwürst. Guten Appetit.
  173. Das hat Luther so gesagt, aber hier hätte wohl ein Tischgebet hingehört. Als Hausherr hatte Luther die Aufgabe, das Essen zu verteilen.
  174. Viel Arbeit, bei so vielen Gästen. Nicht nur Luthers 6 Kinder saßen mit am Tisch,
  175. sondern auch Gelehrte und Freunde, von überall her. Dazu kamen noch die Studenten, die bei Luther zur Miete wohnten.
  176. Die haben Luther verehrt und alles mitgeschrieben, was er beim Essen gesagt hat.
  177. Du bist ein Student von mir? - Ja. Was schreibst du auf? - Alles, was du sagst.
  178. Du schreibst mit, was ich sage? Auch, wenn ich Quatsch rede? - Ja. Bli, blu, blubb. Das auch?
  179. Luthers Fans hingen an seinen Lippen. Weil sie seine Tischreden aufgeschrieben haben,
  180. wissen wir heute genau, was Luther damals so gesagt hat. Vielleicht waren die Studenten so fleißig, weil das Essen so gut war.
  181. Ihr hattet Rinder, Schweine, Hühner, Gänse, Enten, Ziegen. Übers Jahr verteilt gab es immer etwas anderes an Fleisch zu essen.
  182. Zu Ostern das Zicklein, zum Martinstag die Gans. So haben die Nahrungsmittel den Jahresverlauf widergespiegelt.
  183. Man hatte, zu Luthers Zeit, ganzjährig wechselhafte Speisen? Wenn Katharina ihren Job richtig gemacht hat, ja.
  184. War Katharina von Bora, meine Frau, wichtig für Luther? Ja, sie hat ihm ermöglicht, dass er viele Bücher schreiben konnte.
  185. Weil sie den kompletten Haushalt geschmissen hat und auch sehr viel Eigenverantwortung hatte.
  186. Das war für eine Frau der damaligen Zeit eine verantwortungsvolle Rolle.
  187. Also du warst Chefin vom Haushalt? Auch die Chefin von einem Koch und von allen Angestellten,
  188. die es in einem Haushalt gab? - Genau. Aber alles, was außerhalb des Haushalts war,
  189. da hatte ich keine Rechte. Da hatte Luther das Sagen. Ich konnte nicht selbstständig Land erwerben,
  190. das war nur einem Mann möglich. Im Familienbetrieb Luther, lief nichts ohne Katharina.
  191. Luther schätzte sie sehr und nannte sie im Witz: Herr Käthe. Evtl. weil er dachte, dass nur Männer so zupacken können.
  192. Sie war Luthers Frau. Sie hatte in Luthers Haus viel Verantwortung
  193. und hat ihn in seiner Arbeit sehr unterstützt. Jetzt die Antwort auf die Mitmachfrage.
  194. Habt ihr es vorhin gecheckt? Auf dem Rückweg vom Reichstag hat er Luther "entführen" lassen
  195. und auf eine Burg in der Nähe von Eisenach bringen lassen. Auf die Wartburg.
  196. Richtig ist Antwort C: Auf der Wartburg. Das war es von Martin Luther.
  197. Mir hat es viel Spaß gemacht mit meiner Tischgesellschaft. Ich bleib noch hier und feiere ein Fest mit denen.
  198. Bis zum nächsten Mal. Wo seid ihr denn?
  199. Untertitelung: BR 2017

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