Physik · Klasse 10–12 · aktualisiert
Wurfbewegung: Formeln, Beispiele und Übungen
Vergleiche waagerechte und schräge Würfe: Zerlege die Bewegung und prüfe das passende Modell.
0 von 12 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Eine Wurfbewegung besteht im Modell ohne Luftwiderstand aus unabhängiger horizontaler und vertikaler Bewegung. Horizontal bleibt die Geschwindigkeit konstant; vertikal wirkt die Erdbeschleunigung. Beim schrägen Wurf kommt eine vertikale Anfangsgeschwindigkeit hinzu.
Eine Wurfbewegung entsteht, weil sich eine horizontale und eine vertikale Bewegung überlagern. Ohne Luftwiderstand beeinflussen sich beide Komponenten nicht: Horizontal bleibt die Geschwindigkeit konstant, vertikal wirkt die Erdbeschleunigung nach unten. Auf dieser Seite lernst du zuerst den waagerechten Wurf. Danach überträgst du das Verfahren auf den schiefen Wurf.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Stell dir einen Ball vor, der eine waagerechte Tischkante verlässt. Er bewegt sich weiter nach vorn und fällt gleichzeitig nach unten. Beide Bewegungen laufen während derselben Zeit ab. Wir wählen die positive x-Richtung nach rechts und die positive y-Richtung nach oben. Die Tabelle zeigt den waagerechten Wurf aus der Höhe h. Dabei ist v_0 die waagerechte Anfangsgeschwindigkeit. Die Fallbeschleunigung beträgt nahe der Erdoberfläche ungefähr g=9{,}81\,\mathrm{m/s^2}; in Schulaufgaben wird häufig mit g=10\,\mathrm{m/s^2} gerechnet.
Definition
Superpositionsprinzip
Das Superpositionsprinzip besagt: Eine Bewegung in zwei Dimensionen lässt sich als Überlagerung unabhängiger Teilbewegungen beschreiben. Beim idealen Wurf werden die horizontale und die vertikale Bewegung getrennt berechnet und anschließend zusammengesetzt.
| Richtung | Bewegungsart | Ort | Geschwindigkeit | Beschleunigung |
|---|---|---|---|---|
| horizontal | gleichförmig | x(t)=v_0t | v_x=v_0 | a_x=0 |
| vertikal | gleichmäßig beschleunigt | y(t)=h-\frac12gt^2 | v_y=-gt | a_y=-g |
Merke: Die horizontale Geschwindigkeit bestimmt, wie weit der Körper in einer gegebenen Zeit kommt. Die Fallhöhe bestimmt die Flugzeit. Eine größere horizontale Anfangsgeschwindigkeit verlängert die Flugzeit nicht.
Teste dich
Beim Auftreffen ist die Höhe y=0. Setze diese Bodenbedingung in das vertikale Bewegungsgesetz ein:
0=h-\frac12gt_\mathrm{F}^2
Umstellen liefert die Flugzeit:
t_\mathrm{F}=\sqrt{\frac{2h}{g}}
Während dieser Zeit bewegt sich der Körper horizontal mit der konstanten Geschwindigkeit v_0. Seine Reichweite w ist deshalb:
w=v_0t_\mathrm{F}
w=v_0\sqrt{\frac{2h}{g}}
Für Bahnkoordinaten betrachten wir einen Ball mit h=18\,\mathrm m und v_0=7\,\mathrm{m/s}. Nahe der Erdoberfläche verwenden wir näherungsweise g=9{,}81\,\mathrm{m/s^2}. Bei t=1\,\mathrm s gilt:
x=7\,\mathrm{m/s}\cdot1\,\mathrm s=7\,\mathrm m
y=18\,\mathrm m-\frac12\cdot9{,}81\,\mathrm{m/s^2}\cdot(1\,\mathrm s)^2
y\approx13{,}1\,\mathrm m
Nach einer Sekunde befindet sich der Ball näherungsweise am Punkt (7\,\mathrm m\mid13{,}1\,\mathrm m).
Beispiel
- 1Ein Ball verlässt in h=18\,\mathrm m Höhe eine Kante mit v_0=7\,\mathrm{m/s}. Nahe der Erdoberfläche verwenden wir näherungsweise g=9{,}81\,\mathrm{m/s^2}; Luftwiderstand bleibt unberücksichtigt.
- 2Die Flugzeit folgt aus der vertikalen Bewegung:
- 3t_F=\sqrt{\frac{2h}{g}} t_F=\sqrt{\frac{2\cdot18\,\mathrm m}{9{,}81\,\mathrm{m/s^2}}} t_F\approx1{,}92\,\mathrm s
- 4Dieselbe Zeit gilt für die waagerechte Bewegung:
- 5Für die Weite verwenden wir die ungerundete Flugzeit t_F\approx1{,}91565\,\mathrm s: w=v_0t_F w\approx7\,\mathrm{m/s}\cdot1{,}91565\,\mathrm s w\approx13{,}4\,\mathrm m
- 6Die Sekunden kürzen sich heraus; die Reichweite hat die Einheit Meter.
Teste dich
Die Zeit kannst du aus x=v_0t als t=x/v_0 ausdrücken. Setzt du dies in die Höhengleichung ein, erhältst du die Bahnkurve:
y(x)=h-\frac{g}{2v_0^2}x^2
Der Term mit x^2 zeigt: Die Flugbahn ist eine Parabel, die sogenannte Wurfparabel. Die Bahnkurve beschreibt die räumliche Spur des Körpers. Sie ist nicht dasselbe wie ein Ort-Zeit-Diagramm: In der Bahnkurve wird y gegen x aufgetragen, nicht gegen die Zeit.
Die Geschwindigkeit besitzt ebenfalls zwei Komponenten:
v_x=v_0,\qquad v_y=-gt
Da beide Komponenten senkrecht aufeinander stehen, folgt der Betrag der momentanen Geschwindigkeit aus dem Satz des Pythagoras:
v(t)=\sqrt{v_0^2+g^2t^2}
Beim Auftreffen kann t_\mathrm F^2=2h/g eingesetzt werden:
v_\mathrm W=\sqrt{v_0^2+2gh}
Für den Ball mit h=18\,\mathrm m, v_0=7\,\mathrm{m/s} und näherungsweise g=9{,}81\,\mathrm{m/s^2} gilt:
v_\mathrm W=\sqrt{(7\,\mathrm{m/s})^2+2\cdot9{,}81\,\mathrm{m/s^2}\cdot18\,\mathrm m}
v_\mathrm W\approx20{,}1\,\mathrm{m/s}
Die Flugrichtung folgt aus dem Geschwindigkeitsdreieck:
\tan\alpha=\frac{v_y}{v_x}
Beim Fallen ist v_y<0 und damit auch der Winkel zur positiven Horizontalen negativ.
Merke: Die Bahn ist gekrümmt, die Geschwindigkeit zeigt tangential zur Bahn und die Beschleunigung zeigt während des gesamten idealen Flugs senkrecht nach unten. Diese drei Richtungen dürfen nicht verwechselt werden.
Teste dich
Beim schiefen Wurf zeigt die Anfangsgeschwindigkeit schräg nach oben. Du zerlegst sie mit dem Abwurfwinkel \alpha in zwei Komponenten:
v_{0x}=v_0\cos\alpha
v_{0y}=v_0\sin\alpha
Dann gelten die Bewegungsgesetze:
x(t)=v_{0x}t
y(t)=y_0+v_{0y}t-\frac12gt^2
v_x=v_{0x},\qquad v_y(t)=v_{0y}-gt
Am höchsten Punkt ist nur die vertikale Geschwindigkeitskomponente null:
t_\mathrm{max}=\frac{v_{0y}}{g}
Kehrt der Körper zur Abwurfhöhe zurück, sind Aufstiegs- und Abstiegszeit gleich lang:
t_\mathrm{ges}=2t_\mathrm{max}=\frac{2v_{0y}}{g}
Bei gleicher Abwurf- und Landehöhe, fester Anfangsgeschwindigkeit und ohne Luftwiderstand ist die Reichweite bei 45^\circ am größten. Bei unterschiedlichen Höhen oder mit Luftwiderstand gilt diese Aussage nicht ohne Weiteres.
Die Formeln dieser Seite beschreiben ein ideales Modell. Es setzt voraus: Der Luftwiderstand und Wind werden vernachlässigt. Die Fallbeschleunigung g wird als konstant angenommen. Nach dem Abwurf wirkt außer der Gewichtskraft keine weitere Kraft. Der Boden wird durch eine festgelegte Höhe beschrieben.
Reale Bälle, Wasserstrahlen oder Fahrzeuge können deutlich vom Modell abweichen. Form, Drehung, Luftwiderstand und Wind verändern ihre Bewegung.
Beispiel
- 1Ein Körper startet mit v_{0x}=12\,\mathrm{m/s} und v_{0y}=5\,\mathrm{m/s}. Er landet wieder auf der Abwurfhöhe. Nahe der Erdoberfläche verwenden wir den gerundeten Näherungswert g=10\,\mathrm{m/s^2}; Luftwiderstand wird vernachlässigt.
- 2Der höchste Punkt wird nach
- 3t_\mathrm{max}=\frac{5\,\mathrm{m/s}}{10\,\mathrm{m/s^2}}=0{,}5\,\mathrm s
- 4erreicht. Die gesamte Flugzeit beträgt daher 1\,\mathrm s.
- 5Die Reichweite ist
- 6w=12\,\mathrm{m/s}\cdot1\,\mathrm s=12\,\mathrm m
- 7Die maximale Höhe über dem Abwurfpunkt beträgt
- 8Der Aufstieg aus der Anfangsgeschwindigkeit beträgt 5\,\mathrm{m/s}\cdot0{,}5\,\mathrm s=2{,}5\,\mathrm m. Der Fallterm beträgt \frac12\cdot10\,\mathrm{m/s^2}\cdot(0{,}5\,\mathrm s)^2=1{,}25\,\mathrm m Daraus folgt \Delta y=2{,}5\,\mathrm m-1{,}25\,\mathrm m=1{,}25\,\mathrm m.
- 9Der Körper erreicht also nach 0{,}5\,\mathrm s eine zusätzliche Höhe von 1{,}25\,\mathrm m und landet nach 1\,\mathrm s in 12\,\mathrm m Entfernung.
Beispiel: So gehst du vor
- 1Vorzeichen vertauschen: Zeigt die positive y-Achse nach oben, dann gilt a_y=-g.
- 2Gesamtgeschwindigkeit mit einer Komponente verwechseln: Für den Betrag brauchst du beide senkrechten Komponenten.
- 3Die falsche Endbedingung verwenden: t_\mathrm{ges}=2t_\mathrm{max} gilt nur bei Rückkehr zur Abwurfhöhe.
- 4Bahn und Geschwindigkeit gleichsetzen: Die Geschwindigkeit zeigt entlang der Tangente, nicht entlang der gesamten Parabel.
- 5Einheiten übergehen: Höhe, Geschwindigkeit und Beschleunigung müssen in zusammenpassenden Einheiten eingesetzt werden.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Wurfbewegung
Modell
nur Gewichtskraft nach dem Abwurf; kein Luftwiderstand
Horizontale Komponente
a_x=0; v_x konstant
Vertikale Komponente
a_y=-g; Geschwindigkeit ändert sich
Waagerechter Wurf
Flugzeit aus der Fallbewegung; Reichweite aus der Horizontalbewegung
Schiefer Wurf
Anfangsgeschwindigkeit zerlegen; höchster Punkt bei v_y=0
Richtungen
Geschwindigkeit tangential zur Bahn; Beschleunigung senkrecht nach unten
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Zwei Komponenten an einem Zeitpunkt
- 1Ein Ball startet schräg mit v_{x,0}=3{,}0\,\mathrm{m/s} und v_{y,0}=4{,}0\,\mathrm{m/s} bei y_0=0\,\mathrm m; Luftwiderstand wird vernachlässigt.
- 2Wir wählen rechts und oben positiv. Nahe der Erdoberfläche verwenden wir näherungsweise g=9{,}81\,\mathrm{m/s^2} und t=0{,}50\,\mathrm s.
- 3x=v_{x,0}t x=3{,}0\,\mathrm{m/s}\cdot0{,}50\,\mathrm s x=1{,}50\,\mathrm m
- 4Aus der vertikalen Anfangsgeschwindigkeit folgen 4{,}0\,\mathrm{m/s}\cdot0{,}50\,\mathrm s=2{,}0\,\mathrm m. Der Fallterm beträgt \frac12\cdot9{,}81\,\mathrm{m/s^2}\cdot(0{,}50\,\mathrm s)^2=1{,}22625\,\mathrm m Daher gilt y=2{,}0\,\mathrm m-1{,}22625\,\mathrm m\approx0{,}774\,\mathrm m.
- 5Die horizontale und vertikale Rechnung verwenden dieselbe Zeit.
Fehler finden
Zwei Würfe mit verschiedenen Höhen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die Flugzeit hängt von der Höhe ab: t_A=\sqrt{\frac{2\cdot10\,\mathrm m}{9{,}81\,\mathrm{m/s^2}}}\approx1{,}43\,\mathrm s, t_B=\sqrt{\frac{2\cdot40\,\mathrm m}{9{,}81\,\mathrm{m/s^2}}}\approx2{,}86\,\mathrm s.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Am höchsten Punkt ist die vertikale Geschwindigkeit . Die horizontale Geschwindigkeit ist dort . Die Beschleunigung zeigt weiterhin .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback