Physik · Klasse 10–12 · aktualisiert
Schräger Wurf: Formeln, Bahnkurve und Aufgaben
Zerlege einen schrägen Wurf und berechne Bahnkurve, Scheitelpunkt, Flugzeit und Reichweite.
0 von 11 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Beim schrägen Wurf hat die Anfangsgeschwindigkeit eine waagerechte und eine senkrechte Komponente. Ohne Luftwiderstand bleibt die waagerechte Komponente konstant, während die Schwerkraft die senkrechte verändert. Die Bahn ist eine Parabel.
Beim schrägen Wurf überlagern sich zwei unabhängige Bewegungen: horizontal eine gleichförmige Bewegung und vertikal eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung. Ohne Luftwiderstand entsteht dadurch eine nach unten geöffnete Parabel. Du lernst, die Anfangsgeschwindigkeit zu zerlegen und daraus Ort, Geschwindigkeit, Scheitelpunkt, Flugzeit, Reichweite und Bahnkurve zu bestimmen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Wir betrachten einen Körper, der aus der Höhe h mit der Anfangsgeschwindigkeit v_0 unter dem Winkel \alpha_0 nach rechts oben geworfen wird. Der Koordinatenursprung liegt am Boden unter der Abwurfstelle. Die positive x-Richtung zeigt nach rechts, die positive y-Richtung nach oben. Die Anfangsgeschwindigkeit wird in zwei Komponenten zerlegt:
v_{x,0}=v_0\cos\alpha_0
v_{y,0}=v_0\sin\alpha_0
Horizontal wirkt keine Beschleunigung. Deshalb bleibt v_x=v_{x,0} konstant. Vertikal wirkt die Erdbeschleunigung nach unten. Bei einer nach oben gerichteten y-Achse gilt a_y=-g. Die Beschleunigung zeigt also während des gesamten Flugs nach unten. Das gilt auch am höchsten Punkt.
Definition
Superpositionsprinzip
Die horizontale und die vertikale Teilbewegung laufen gleichzeitig, beeinflussen sich im verwendeten Idealmodell aber nicht. Die beobachtete Bewegung ist ihre vektorielle Überlagerung.
Merke: Die Flugbahn, die Geschwindigkeit und die Beschleunigung zeigen im Allgemeinen in unterschiedliche Richtungen. Am Scheitelpunkt ist nur v_y=0; die horizontale Geschwindigkeit bleibt erhalten.
Teste dich
Für den Start bei x(0)=0 und y(0)=h gelten die Ortsgesetze:
x(t)=v_{x,0}t
y(t)=-\frac12gt^2+v_{y,0}t+h
Die zugehörigen Geschwindigkeitsgesetze lauten:
v_x(t)=v_{x,0}
v_y(t)=-gt+v_{y,0}
Damit kannst du für jeden Zeitpunkt die Bahnkoordinaten und beide Geschwindigkeitskomponenten bestimmen.
Von den Ortsgesetzen zur Bahnkurve: Eine Bahnkurve beschreibt y direkt als Funktion von x. Löse dazu das horizontale Ortsgesetz nach der Zeit auf:
t=\frac{x}{v_{x,0}}
Setze diesen Ausdruck in y(t) ein:
y(x)=-\frac{g}{2v_{x,0}^2}x^2+\frac{v_{y,0}}{v_{x,0}}x+h
Mit v_{x,0}=v_0\cos\alpha_0 und v_{y,0}/v_{x,0}=\tan\alpha_0 folgt:
y(x)=-\frac{g}{2(v_0\cos\alpha_0)^2}x^2+\tan\alpha_0\,x+h
Der Koeffizient vor x^2 ist negativ. Deshalb ist die ideale Flugbahn eine nach unten geöffnete Parabel.
Die Zeit kann nur dann über t=x/v_{x,0} entfernt werden, wenn v_{x,0}\ne0 ist. Beim exakt senkrechten Wurf mit \alpha_0=90^\circ gibt es keine horizontale Flugweite und keine Bahnkurve der Form y(x).
Am Scheitelpunkt S wechselt die vertikale Bewegung vom Steigen zum Fallen. Dort gilt:
v_y(t_S)=0
Mit v_y(t)=-gt+v_{y,0} erhältst du die Steigzeit:
t_S=\frac{v_{y,0}}g
Setze diese Zeit in beide Ortsgesetze ein:
x_S=\frac{v_{x,0}v_{y,0}}g
y_S=h+\frac{v_{y,0}^2}{2g}
Der Scheitelpunkt lautet damit:
S\left(\frac{v_{x,0}v_{y,0}}g\;\middle|\;h+\frac{v_{y,0}^2}{2g}\right)
Beispiel
- 1Gegeben sind h=80\,\mathrm m, v_{x,0}=10\,\mathrm{m/s} und v_{y,0}=30\,\mathrm{m/s}. Nahe der Erdoberfläche verwenden wir den gerundeten Näherungswert g=10\,\mathrm{m/s^2}.
- 2Zuerst bestimmst du die Steigzeit:
- 3t_S=\frac{30\,\mathrm{m/s}}{10\,\mathrm{m/s^2}}=3\,\mathrm s
- 4In dieser Zeit legt der Körper horizontal zurück:
- 5x_S=10\,\mathrm{m/s}\cdot3\,\mathrm s=30\,\mathrm m
- 6Die maximale Höhe ist:
- 7y_S=80\,\mathrm m+\frac{(30\,\mathrm{m/s})^2}{2\cdot10\,\mathrm{m/s^2}} y_S=125\,\mathrm m
- 8Der Scheitelpunkt ist also S(30\,\mathrm m\mid125\,\mathrm m).
Teste dich
Der Körper trifft den Boden, wenn seine Höhe y=0 ist. Setze deshalb in das vertikale Ortsgesetz ein:
-\frac12gt_W^2+v_{y,0}t_W+h=0
Die physikalisch relevante positive Lösung ist:
t_W=\frac{v_{y,0}+\sqrt{v_{y,0}^2+2gh}}g
Die negative Lösung beschreibt bei h>0 einen rechnerischen Zeitpunkt vor dem Abwurf und gehört nicht zum beobachteten Flug. Mit der Flugzeit folgt die Reichweite:
w=v_{x,0}t_W
Kehren Start und Landung auf dieselbe Höhe zurück, gilt außerdem t_W=2v_{y,0}/g. Mit v_{x,0}=v_0\cos\alpha_0 und v_{y,0}=v_0\sin\alpha_0 ergibt sich dann:
w=\frac{v_0^2\sin(2\alpha_0)}g
Zu jedem Zeitpunkt setzt sich die Geschwindigkeit aus ihren Komponenten zusammen. Ihr Betrag ist:
v(t)=\sqrt{v_{x,0}^2+(-gt+v_{y,0})^2}
Beim Auftreffen setzt du t=t_W ein:
v_W=\sqrt{v_{x,0}^2+(-gt_W+v_{y,0})^2}
Die Neigung der momentanen Bewegungsrichtung erfüllt:
\tan\alpha=\frac{v_y}{v_x}
Beim Steigen ist v_y>0 und der Winkel positiv. Beim Fallen ist v_y<0 und der Winkel negativ.
Alle Rechnungen setzen eine konstante Erdbeschleunigung und vernachlässigbaren Luftwiderstand voraus. Mit Luftwiderstand bleibt v_x nicht konstant und die reale Bahn ist keine ideale Parabel.
Merke: Steigzeit und Fallzeit sind im Modell ohne Luftwiderstand nur dann gleich, wenn Start- und Endhöhe übereinstimmen. Bei gleicher Anfangsgeschwindigkeit ist die Reichweite bei 45^\circ am größten, wenn Start- und Endhöhe gleich sind und Luftwiderstand vernachlässigt wird.
Beispiel: Flugzeit, Reichweite und Auftreffen
- 1Gegeben sind h=80\,\mathrm m, v_{x,0}=10\,\mathrm{m/s} und v_{y,0}=30\,\mathrm{m/s}. Nahe der Erdoberfläche verwenden wir den gerundeten Näherungswert g=10\,\mathrm{m/s^2}; Luftwiderstand wird vernachlässigt.
- 2Für die Flugzeit berechnen wir zuerst die beiden Terme unter der Wurzel:
- 3(30\,\mathrm{m/s})^2=900\,\mathrm{m^2/s^2}
- 42\cdot10\,\mathrm{m/s^2}\cdot80\,\mathrm m=1600\,\mathrm{m^2/s^2}
- 5Ihre Summe ist 2500\,\mathrm{m^2/s^2}. Die Wurzel daraus beträgt 50\,\mathrm{m/s}.
- 6t_W=\frac{30\,\mathrm{m/s}+50\,\mathrm{m/s}}{10\,\mathrm{m/s^2}} t_W=8\,\mathrm s
- 7Die Reichweite folgt aus der horizontalen Bewegung: w=10\,\mathrm{m/s}\cdot8\,\mathrm s=80\,\mathrm m.
- 8Die horizontale Komponente bleibt v_x=10\,\mathrm{m/s}. Vertikal gilt: v_y=-10\,\mathrm{m/s^2}\cdot8\,\mathrm s+30\,\mathrm{m/s} v_y=-50\,\mathrm{m/s}
- 9Der Geschwindigkeitsbetrag beim Auftreffen ist: v_W=\sqrt{(10\,\mathrm{m/s})^2+(-50\,\mathrm{m/s})^2} v_W=10\sqrt{26}\,\mathrm{m/s}\approx51\,\mathrm{m/s}
- 10Die Flugzeit liegt nach der Steigzeit von 3\,\mathrm s. Die Reichweite ist positiv und der Körper bewegt sich beim Auftreffen abwärts.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Schräger Wurf
Anfang
v_{x,0}=v_0\cos\alpha_0; v_{y,0}=v_0\sin\alpha_0
Bewegung
horizontal gleichförmig; vertikal mit a_y=-g
Kennpunkte
Scheitel durch v_y=0; Aufprall durch y=0
Ergebnisse
Bahnkurve y(x); Reichweite und Auftreffgeschwindigkeit
Gültigkeit
konstantes g; kein Luftwiderstand
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Scheitelpunkt aus zwei Anfangskomponenten
- 1Ein Ball startet bei h=5{,}0\,\mathrm m mit v_{x,0}=9{,}0\,\mathrm{m/s} und v_{y,0}=12{,}0\,\mathrm{m/s}; Luftwiderstand wird vernachlässigt.
- 2Nahe der Erdoberfläche verwenden wir näherungsweise g=9{,}81\,\mathrm{m/s^2} und wählen nach oben positiv.
- 3t_S=\frac{v_{y,0}}g t_S=\frac{12{,}0\,\mathrm{m/s}}{9{,}81\,\mathrm{m/s^2}} t_S\approx1{,}22\,\mathrm s
- 4x_S=v_{x,0}t_S x_S=9{,}0\,\mathrm{m/s}\cdot1{,}22\,\mathrm s x_S\approx11{,}0\,\mathrm m
- 5y_S=h+\frac{v_{y,0}^2}{2g} y_S=5{,}0\,\mathrm m+\frac{(12{,}0\,\mathrm{m/s})^2}{2\cdot9{,}81\,\mathrm{m/s^2}} y_S\approx12{,}3\,\mathrm m
- 6Der Scheitel liegt ungefähr bei S(11{,}0\,\mathrm m\mid12{,}3\,\mathrm m); v_y=0 und v_x bleibt erhalten.
Fehler finden
Geschwindigkeit am Scheitelpunkt In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Nur v_y ist null. Horizontal bleibt v_x=8\,\mathrm{m/s}, daher beträgt der Geschwindigkeitsbetrag am Scheitelpunkt 8\,\mathrm{m/s}.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Am Scheitelpunkt ist die vertikale Geschwindigkeit . Die Steigzeit beträgt . Der Aufprall erfolgt nach . Bis dahin legt der Körper horizontal 80 m zurück. Die vertikale Auftreffgeschwindigkeit ist -50 m/s.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback