Physik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Heisenbergsche Unbestimmtheitsrelation erklärt
Verstehe die Untergrenze für Orts- und Impulsstreuung und deute sie als Eigenschaft des Quantenzustands.
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Kurz gesagt
Die Heisenbergsche Unbestimmtheitsrelation begrenzt das Produkt der Standardabweichungen von Ort und Impuls derselben Richtung: \sigma_x\sigma_p\ge\hbar/2. Wird der Ort enger präpariert, muss die mögliche Impulsverteilung mindestens entsprechend breiter werden.
Ein Quantensystem kann nicht so präpariert werden, dass Ort und Impuls gleichzeitig beliebig scharf festgelegt sind. Je enger die Ortsverteilung ist, desto breiter muss die Impulsverteilung mindestens sein. Das ist eine Eigenschaft des Quantenzustands und keine bloße Schwäche des Messgeräts.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Stell dir viele Quantenobjekte vor, die auf dieselbe Weise präpariert, also in denselben quantenmechanischen Zustand gebracht wurden. Diesen Zustand beschreibt eine Wellenfunktion. Ihr Betragsquadrat liefert die Wahrscheinlichkeitsdichte für mögliche Ortsnachweise. Misst du an jedem Objekt den Ort, erhältst du im Allgemeinen verschiedene Ergebnisse. Aus vielen Ergebnissen entsteht eine Ortsverteilung.
Die Unbestimmtheit gehört zum präparierten Zustand. Sie bedeutet nicht nur, dass du einen vorhandenen exakten Wert noch nicht kennst. Selbst gleichartig präparierte Objekte liefern verteilte Ergebnisse. Ein einzelner Nachweis zeigt dagegen nur ein Ereignis, etwa einen Auftreffpunkt auf einem Schirm. Erst viele gleichartige Nachweise machen die Wahrscheinlichkeitsverteilung sichtbar.
Definition
Standardabweichung
Die Standardabweichung beschreibt, wie stark Messwerte um ihren Mittelwert streuen. Für den Ort heißt sie σ_x, für den Impuls σ_p. Eine kleine Standardabweichung bedeutet eine schmale Verteilung, nicht automatisch einen fehlerfreien Einzelwert.
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Für die Standardabweichungen von Ort und Impuls in derselben Raumrichtung gilt:
\sigma_x\sigma_p\ge\frac{\hbar}{2}
Dabei ist \hbar=h/(2\pi) das reduzierte Plancksche Wirkungsquantum. Entsprechend gilt h/(4\pi)=\hbar/2. Die Ungleichung setzt eine Untergrenze für das Produkt der Streuungen. Sie sagt nicht, dass \sigma_x und \sigma_p gleich groß sind; ihre Einheiten unterscheiden sich.
\sigma_x hat die Einheit Meter; \sigma_p hat die Einheit Kilogramm mal Meter pro Sekunde. Das Produkt hat die Einheit einer Wirkung, genau wie \hbar. Die Formel gilt für zusammengehörige Richtungen: x und p_x, y und p_y oder z und p_z. Eine kleine Streuung von x erzwingt daher nicht unmittelbar eine große Streuung von p_y.
Merke: Die Relation lautet größer oder gleich. Gleichheit gilt nur für besondere Zustände minimaler Unbestimmtheit, beispielsweise geeignete gaußförmige Wellenpakete.
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Ein Quantenzustand kann durch eine Wellenfunktion \psi(x) beschrieben werden. Das Betragsquadrat |\psi(x)|^2 liefert die räumliche Wahrscheinlichkeitsdichte: Wo es groß ist, sind Nachweise wahrscheinlicher. Es sagt nicht voraus, an welchem einzelnen Punkt das nächste Objekt gefunden wird.
Orts- und Impulsdarstellung derselben Wellenfunktion sind durch eine Fouriertransformation verbunden. Ein räumlich enges Wellenpaket benötigt viele verschiedene Wellenzahlen. Über p=\hbar k entsprechen diese Wellenzahlen verschiedenen Impulsen. Deshalb besitzt ein enges Ortswellenpaket ein breites Impulsspektrum.
Eine einfache Spaltabschätzung verwendet getrennt d\sin(\alpha)\sim\lambda und \lambda=h/p. Daraus folgt größenordnungsmäßig:
d\,\Delta p_x\sim h
Diese Rechnung zeigt den gegenläufigen Zusammenhang. Sie liefert nicht die exakte Konstante der Standardabweichungsrelation und verwendet andere Breitenmaße.
Beispiel
- 1Ein Elektronenstrahl wird quer zu seiner Ausbreitung durch einen Spalt eingeengt. Hinter einem breiten Spalt ist die Ortsverteilung relativ breit, während das Beugungsmuster nur wenig auffächert. Ein engerer Spalt begrenzt den Ort stärker, doch das Muster auf einem fernen Schirm wird breiter. Die größere Breite des Musters zeigt eine breitere Verteilung des Querimpulses.
- 2Die Zuordnung zwischen Schirmverteilung und Impulsverteilung folgt aus der Entwicklung der Wellenfunktion. Sie beweist nicht, dass jedes Elektron vom Spalt aus eine geradlinige klassische Bahn genommen hat.
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Forme die Ungleichung nach der gesuchten Mindeststreuung um:
\sigma_p\ge\frac{\hbar}{2\sigma_x}
Entsprechend gilt:
\sigma_x\ge\frac{\hbar}{2\sigma_p}
Beachte mindestens: Die Rechnung liefert eine Untergrenze. Die Streuung eines konkreten Zustands kann größer sein.
Unterscheide drei Aussagen: Zustandsstreuung begrenzt die gleichzeitig erreichbare Schärfe der Orts- und Impulsverteilung. Bei einer simultanen Messung sollen beide Größen gemeinsam bestimmt werden. Messrauschen und Störung beschreiben Abweichung oder Zustandsänderung durch eine Messung. Diese Aussagen hängen zusammen, sind aber nicht identisch. Die Standardformel beschreibt Zustandsstreuungen, nicht einfach Geräteungenauigkeit oder Rückstoß bei einer einzelnen Messung.
Die Formulierung „Die Ortsmessung stört den vorher exakt vorhandenen Impuls“ kann eine falsche klassische Vorstellung fördern. Der präparierte Zustand besitzt keine gleichzeitig beliebig schmalen Orts- und Impulsverteilungen. \Delta x\Delta p\sim h ist eine Größenordnungsabschätzung mit anderen Breitenmaßen. Die Energie-Zeit-Beziehung hat eine andere Bedeutung, weil Zeit in der Standard-Quantenmechanik kein gewöhnlicher Zustandsoperator wie der Ort ist. Eine klassische Bahn setzt zu jedem Zeitpunkt einen genauen Ort und Impuls voraus. Ein Schirmbild belegt daher keine vorher festgelegten klassischen Bahnen.
Beispiel
- 1Ein Zustand wird zunächst mit der Ortsstreuung σ_x präpariert. Danach soll die Ortsstreuung halb so groß sein: σ'_x=σ_x/2.
- 2Für den ersten Zustand beträgt die kleinste mögliche Impulsstreuung
- 3σ_{p,\min}=ħ/(2σ_x)
- 4Für den engeren Zustand folgt
- 5σ'_{p,\min}=ħ/(2(σ_x/2))
- 6σ'_{p,\min}=ħ/σ_x
- 7σ'_{p,\min}=2σ_{p,\min}
- 8Wird die Ortsstreuung halbiert, verdoppelt sich also die untere Grenze der Impulsstreuung. Die Aussage betrifft die Mindeststreuung; ein konkreter Zustand kann darüber liegen.
Beispiel: So gehst du bei einer Abschätzung vor
- 1Prüfe, ob Ort und Impuls derselben Raumrichtung gemeint sind.
- 2Ordne die angegebenen Größen σ_x und σ_p zu.
- 3Stelle die Ungleichung nach der gesuchten Größe um.
- 4Rechne mit passenden Einheiten.
- 5Formuliere das Ergebnis als Untergrenze und prüfe seine Bedeutung im Kontext.
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Alles auf einen Blick
Unbestimmtheitsrelation
Zustand
Ort und Impuls nicht gleichzeitig beliebig scharf
Formel
σ_x σ_p ≥ ħ/2
Wellenbild
enger Ort bedeutet breites Impulsspektrum
Nachweise
viele Ereignisse ergeben eine Verteilung
Anwendung
Untergrenze umstellen und Größenordnung prüfen
Abgrenzung
Zustandsstreuung, Messfehler und Störung unterscheiden
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Mindeststreuung des Impulses
- 1Ein Zustand hat in x-Richtung die Ortsstreuung \sigma_x=2{,}0\cdot10^{-10}\,\mathrm{m}. Verwende \hbar\approx1{,}055\cdot10^{-34}\,\mathrm{J\,s}.
- 2Gesucht ist die kleinste zulässige Impulsstreuung derselben Richtung:
- 3\sigma_{p,\min}=\frac{\hbar}{2\sigma_x}
- 4\sigma_{p,\min}\approx\frac{1{,}055\cdot10^{-34}\,\mathrm{J\,s}}{2\cdot2{,}0\cdot10^{-10}\,\mathrm{m}}
- 5\sigma_{p,\min}\approx2{,}6\cdot10^{-25}\,\mathrm{kg\,m/s}
- 6Ein konkreter Zustand kann eine größere Impulsstreuung haben; berechnet wurde nur die Untergrenze.
Fehler finden
Fehler finden: Untergrenze oder Messwert? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die Untergrenze wurde als exakte Streuung des Zustands gedeutet. Richtig ist nur \sigma_p\ge1{,}055\cdot10^{-25}\,\mathrm{kg\,m/s}; die Streuung kann größer sein.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Standardrelation verwendet die von Ort und Impuls. Ein engeres Ortswellenpaket besitzt ein Impulsspektrum. Die Untergrenze lautet . Ein einzelner Auftreffpunkt ist ein Nachweisereignis, nicht die gesamte Wahrscheinlichkeitsverteilung.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback