Physik · Klasse 11–13 · aktualisiert
Quantenphysik: Doppelspalt, Messung und Zufall
Vom Doppelspalt bis zur Unbestimmtheit: Was Einzelmessungen und statistische Muster zeigen.
0 von 11 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Quantenphysik beschreibt Zustände, deren einzelne Messergebnisse oft nur mit Wahrscheinlichkeiten vorhersagbar sind. Am Doppelspalt bilden viele einzelne Elektronentreffer ein Interferenzmuster. Verfügbare Weginformation verändert dieses Muster.
Quantenphysik beschreibt Atome, Elektronen, Photonen und andere Systeme, bei denen klassische Vorstellungen nicht ausreichen. Einzelne Messergebnisse sind oft nicht sicher vorhersagbar. Für viele gleich präparierte Quantenobjekte lassen sich jedoch zuverlässige Wahrscheinlichkeitsverteilungen angeben.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Im Alltag kannst du einer geworfenen Kugel zu jedem Zeitpunkt einen Ort und eine Geschwindigkeit zuschreiben. Kennst du die Anfangsbedingungen, lässt sich ihre Bahn berechnen. Bei Quantenobjekten funktioniert dieses Bahnmodell nicht allgemein. Die Quantenphysik liefert stattdessen Wahrscheinlichkeiten für mögliche Messergebnisse. Sie ist deshalb nicht ungenau: Ihre statistischen Vorhersagen stimmen sehr gut mit Experimenten überein. Quantenphysik bedeutet aber nicht nur Quantisierung. Auch Interferenz, Superposition, Messung und Unbestimmtheit gehören zu ihren kennzeichnenden Ideen. Eine Quelle sendet Elektronen auf eine Blende mit zwei schmalen Spalten. Hinter der Blende registriert ein Schirm jeden Nachweis als einzelnen hellen Punkt. Zunächst wirken die Elektronen wie Teilchen: Jeder Nachweis ist punktförmig. Nach vielen Elektronen entsteht jedoch ein Streifenmuster aus häufigen, seltenen und nahezu trefferfreien Bereichen. Dieses Interferenzmuster ähnelt der Überlagerung von Wellen. Für klassische Farbtröpfchen addieren sich die Beiträge der beiden Wege. P_1(x) und P_2(x) bezeichnen dabei die Trefferwahrscheinlichkeiten der einzelnen Wege, gewichtet nach dem Anteil der Teilchen auf diesem Weg:
P(x)=P_1(x)+P_2(x)
Beim Elektronen-Doppelspalt mit beiden offenen Spalten gilt dagegen:
P(x)\ne P_1(x)+P_2(x)
Das Öffnen des zweiten Spalts kann die Trefferwahrscheinlichkeit an manchen Stellen sogar verringern. Eine klassische Erklärung wie „Das Elektron nahm unbemerkt genau einen der beiden Wege“ reicht daher nicht aus.
Definition
Quantisierung
Quantisierung bedeutet, dass eine physikalische Größe nur bestimmte Werte oder Portionen annehmen kann. Beim Energieaustausch gilt für eine Lichtenergieportion beispielsweise \Delta E=h\nu. Dabei ist h das Plancksche Wirkungsquantum und \nu die Frequenz.
Definition
Interferenz
Interferenz entsteht, wenn sich die Beiträge verschiedener möglicher Wege überlagern. Dadurch werden manche Nachweisorte wahrscheinlicher und andere unwahrscheinlicher. Beim Doppelspalt wird dies als Streifenmuster der Elektronentreffer sichtbar.
Beispiel
- 1Nach wenigen Elektronen sind nur vereinzelte Punkte zu sehen. Den Ort des nächsten Punktes kannst du nicht zuverlässig nennen. Nach sehr vielen gleich präparierten Elektronen kannst du dagegen vorhersagen, wo sich helle und dunkle Streifen aufbauen.
- 2Der entscheidende Gedanke: Einzelereignis und Verteilung sind verschiedene Vorhersageebenen.
Teste dich
Nun wird direkt hinter den Spalten gemessen, durch welchen Spalt ein Elektron gelangt. Die Messung liefert für jedes nachgewiesene Elektron einen eindeutigen Spalt. Gleichzeitig verschwindet das Interferenzmuster. Auf dem Schirm erscheint dann die Summe dieser beiden gewichteten Wegbeiträge:
P(x)=P_1(x)+P_2(x)
Die Messung deckt also nicht einfach einen vorher unbemerkt festgelegten klassischen Weg auf. Sie verändert die physikalische Versuchsanordnung und damit die möglichen Ergebnisse. Wird die Wegmessung nur bei einem Teil der Elektronen wirksam, zeigt sich ein Übergang: Je mehr Weginformation verfügbar ist, desto schwächer wird die Interferenzstruktur.
Definition
Komplementarität
Komplementär heißen Versuchsanordnungen, deren charakteristische Aussagen nicht gleichzeitig vollständig verwirklicht werden können. Beim Doppelspalt sind eindeutige Weginformation und ungestörte Interferenz komplementär.
Merke: Frage bei einem Quantenexperiment zuerst: Welche Information kann die Versuchsanordnung überhaupt liefern? Eine andere Messanordnung kann eine andere Eigenschaft zugänglich machen.
Teste dich
Beim ungemessenen Doppelspalt gehören beide Wege zur quantenphysikalischen Beschreibung. Du solltest dir das Elektron dabei weder als kleine Kugel auf einem unbekannten Weg noch als zerteilte klassische Kugel vorstellen. Entscheidend ist die experimentelle Vorhersage: Die Alternativen können interferieren. Bei einer Messung erhältst du genau ein Ergebnis. Welches einzelne Ergebnis eintritt, ist im Allgemeinen nur stochastisch, also durch Wahrscheinlichkeiten, beschreibbar. Wiederholst du dieselbe Präparation oft, entsteht dennoch eine zuverlässig vorhersagbare Verteilung. Das Gedankenexperiment mit Schrödingers Katze: Schrödinger koppelte 1935 in einem Gedankenexperiment das Leben einer Katze an einen möglichen radioaktiven Zerfall. Die Katze sollte nicht als reale Behauptung über gleichzeitig lebendige und tote Alltagstiere verstanden werden. Das Beispiel macht vielmehr sichtbar, wie problematisch eine unreflektierte Übertragung quantenmechanischer Superpositionen auf makroskopische Gegenstände ist.
Definition
Superposition
Eine Superposition ist ein Quantenzustand, in dem mehrere mögliche Messergebnisse gemeinsam zur Zustandsbeschreibung beitragen. Sie ist nicht dasselbe wie klassische Unkenntnis darüber, welche bereits feststehende Möglichkeit vorliegt.
Beispiel
- 1Eine klassische verdeckte Münze zeigt bereits Kopf oder Zahl; du kennst das Ergebnis nur nicht.
- 2Beim Doppelspalt reicht eine solche klassische Unkenntnis nicht aus, denn zwei bloß unbekannte Wege würden nur P_1+P_2 ergeben.
- 3Das beobachtete Interferenzmuster zeigt eine andere Struktur.
Teste dich
Eine Präparation stellt viele physikalische Systeme unter denselben Bedingungen her. Schickst du Elektronen durch einen immer schmaleren Einzelspalt, wird ihr Ort quer zur Flugrichtung enger präpariert. Gleichzeitig breitet sich das Treffermuster auf dem Schirm stärker aus. Die größere Schirmbreite zeigt eine größere Streuung des Querimpulses. Für Ort und Impuls lautet die Unbestimmtheitsrelation:
\Delta y\,\Delta p_y\ge \frac{h}{4\pi}
Für nichtrelativistische Elektronen gilt \Delta p_y=m\,\Delta v_y. Damit kannst du die Beziehung auch so schreiben:
\Delta y\,m\,\Delta v_y\ge \frac{h}{4\pi}
\Delta y und \Delta p_y sind die Standardabweichungen der Orts- und Querimpulsverteilung. m bezeichnet die Elektronenmasse und \Delta v_y die Standardabweichung der Quergeschwindigkeit. Eine klassische Bahn würde einen gleichzeitig beliebig genauen Ort und Impuls voraussetzen. Genau diese Voraussetzung ist bei Quantenobjekten nicht allgemein erfüllbar.
Quanteneffekte sind unter anderem für Laser, LEDs, Transistoren, Elektronenmikroskope, Kernspinresonanz, Supraleiter und empfindliche Magnetsensoren wichtig.
Ein Quantencomputer nutzt Qubits. Ein klassisches Bit besitzt den Zustand 0 oder 1. Ein Qubit kann auch in einer Superposition der Basiszustände |0\rangle und |1\rangle präpariert werden. Ein Register aus N Qubits hat 2^N Basiszustände; bei 32 Qubits sind das 2^{32}=4\,294\,967\,296. Die Zahl zählt Basiszustände; eine Messung in der Rechenbasis liefert nur ein Ergebnis, keine Liste aller Antworten. Quantenalgorithmen müssen Interferenz deshalb so steuern, dass erwünschte Ergebnisse wahrscheinlicher werden. Quantencomputer sind nicht für jede Aufgabe schneller. Vorteile hängen vom Problem, vom Algorithmus und von einer ausreichend gut kontrollierten technischen Realisierung ab. Qubits müssen einerseits vor störenden Umwelteinflüssen geschützt, andererseits gezielt gesteuert und ausgelesen werden.
Merke: Je enger der Ort präpariert wird, desto größer muss die Impulsstreuung mindestens werden. Das ist keine bloße Messgeräteungenauigkeit.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Quantenphysik
Quantisierung
Energieaustausch in Portionen
Doppelspalt
einzelne Treffer bilden Interferenz
Messung
Weginformation verändert die Verteilung
Superposition
Alternativen können gemeinsam interferieren
Wahrscheinlichkeit
Einzelereignis zufällig, Verteilung vorhersagbar
Unbestimmtheit
engerer Ort bedeutet breiteren Impuls
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Zwei Messanordnungen vergleichen
- 1Schicke gleich präparierte Elektronen einzeln auf zwei offene Spalte und registriere die Treffer auf einem Schirm.
- 2Ohne verfügbare Weginformation ergibt die Verteilung vieler Treffer ein Interferenzmuster: P(x)\ne P_1(x)+P_2(x).
- 3Mit verlässlicher Wegmessung verschwindet die Interferenz. Die Verteilung ist dann die Summe P(x)=P_1(x)+P_2(x).
- 4Ein einzelner Punkt auf dem Schirm genügt in keiner Anordnung zur Unterscheidung der Verteilungen.
Fehler finden
Einzelne Treffer am Doppelspalt deuten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Zeile folgt nicht aus dem punktförmigen Nachweis. Ohne Wegmessung genügt ein fester klassischer Weg nicht zur Erklärung der Interferenzverteilung.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Am ungemessenen Doppelspalt entsteht nach vielen Treffern ein . Weginformation macht die beiden Wege . Ein einzelner Nachweis liefert .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback