Physik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Doppelspalt: Interferenz verstehen und berechnen
Du lernst, wie helle und dunkle Streifen entstehen und wie du ihre Lage am Doppelspalt berechnest.
0 von 11 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Am Doppelspalt überlagern sich die Wellen beider Spalte. Ganzzahlige Gangunterschiede erzeugen Maxima, halbzahlig versetzte Minima. Bei kleinem Winkel gilt für das Maximum a_k\approx k\lambda e/d.
Beim Doppelspalt überlagern sich die von zwei Spalten ausgehenden Wellen. Konstruktive Interferenz erzeugt helle Maxima, destruktive Interferenz dunkle Minima. Ihre Lage hängt vor allem von der Wellenlänge, dem Spaltabstand und dem Schirmabstand ab. Auf dieser Seite lernst du außerdem, warum auch einzelne Elektronennachweise nach und nach ein Interferenzmuster bilden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Einfarbiges, kohärentes Licht trifft auf zwei nahe beieinanderliegende Spalte. Kohärent bedeutet: Die beiden Wellen besitzen eine feste Phasenbeziehung. An jedem Spalt breitet sich eine neue Welle aus. Auf dem Schirm treffen beide Wellen zusammen. Treffen zwei Wellenberge oder zwei Wellentäler zusammen, verstärken sich die Wellen: Es entsteht ein helles Maximum. Treffen ein Wellenberg und ein Wellental zusammen, schwächen sie sich ab: Es entsteht ein dunkles Minimum. In der Mitte sind die Wege von beiden Spalten gleich lang. Deshalb liegt dort das besonders helle Maximum 0. Ordnung. Weitere Maxima erscheinen symmetrisch rechts und links davon.
Definition
Interferenz
Interferenz ist die Überlagerung von Wellen. Je nach Phasenlage verstärken sie sich konstruktiv oder schwächen sich destruktiv ab.
Merke: Beugung sorgt dafür, dass sich das Licht hinter jedem Spalt ausbreitet. Interferenz bestimmt, wo sich die beiden gebeugten Wellen verstärken oder abschwächen.
Teste dich
Der Gangunterschied \Delta s ist die Differenz der Wege von beiden Spalten zu einem Schirmpunkt. Für einen weit entfernten Schirm gilt näherungsweise:
\Delta s=d\cdot\sin(\alpha)
Dabei ist d der Abstand der Spaltmitten und \alpha der Beobachtungswinkel zur Mittelachse. \Delta s bezeichnet den Gangunterschied; \lambda ist die Wellenlänge. Die folgenden Streifenbedingungen gelten für kohärente Wellen und gleichartige Spalte.
Ein Maximum der Ordnung k entsteht bei einem ganzzahligen Vielfachen der Wellenlänge:
\Delta s=k\lambda\quad(k=0,1,2,\ldots)
Damit gilt d\cdot\sin(\alpha)=k\lambda. Ein Minimum liegt bei einem ungeraden Vielfachen der halben Wellenlänge. Zählst du das erste Minimum mit k=1, gilt:
\Delta s=\left(k-\frac{1}{2}\right)\lambda\quad(k=1,2,3,\ldots)
Bei einer Zählung ab k=0 lautet dieselbe Bedingung \Delta s=(k+1/2)\lambda. Nur die Nummerierung ändert sich.
Beispiel: Maximum und zweites Minimum vergleichen
- 1Beim Maximum 2. Ordnung ist k=2. Der Gangunterschied beträgt \Delta s=2\lambda.
- 2Für das zweite Minimum gilt bei Zählung ab k=1: \Delta s=\left(2-\frac{1}{2}\right)\lambda=1{,}5\lambda
- 3Die Ordnung eines Maximums darfst du nicht ungeprüft in die Formel für Minima einsetzen.
Teste dich
e ist der Abstand zwischen Doppelspalt und Schirm; a_k ist der Abstand des Maximums k von der Schirmmitte. Aus der Geometrie folgt exakt:
\sin(\alpha)=\frac{a_k}{\sqrt{e^2+a_k^2}}
Mit der Maximumsbedingung erhältst du:
\frac{k\lambda}{d}=\frac{a_k}{\sqrt{e^2+a_k^2}}
Für k>0 lässt sich nach der Wellenlänge auflösen:
\lambda=\frac{d\cdot a_k}{k\sqrt{e^2+a_k^2}}
Liegt das Maximum nahe an der Mitte, gilt a_k\ll e. Dann kannst du \sqrt{e^2+a_k^2} durch e annähern. Die Kleinwinkelnäherung ergibt:
a_k\approx\frac{k\lambda e}{d}
Für k>0 folgt daraus \lambda\approx d\cdot a_k/(ke).
Beispiel: Streifenlage mit gegebenen Größen
- 1Die Wellenlänge beträgt \lambda=600\,\mathrm{nm}=600\cdot10^{-9}\,\mathrm{m}.
- 2Der Abstand der Spaltmitten beträgt d=0{,}50\,\mathrm{mm}=5{,}0\cdot10^{-4}\,\mathrm{m}.
- 3Der Schirm steht im Abstand e=2{,}0\,\mathrm{m} vom Doppelspalt.
- 4Gesucht ist das Maximum zweiter Ordnung, also k=2.
- 5Gesucht ist der Abstand a_2 des zweiten Maximums von der Mitte. Da das Ergebnis gegenüber e sehr klein sein wird, verwenden wir die Kleinwinkelnäherung:
- 6a_2\approx\frac{2\cdot600\cdot10^{-9}\,\mathrm{m}\cdot2{,}0\,\mathrm{m}}{5{,}0\cdot10^{-4}\,\mathrm{m}}
- 7a_2\approx4{,}8\cdot10^{-3}\,\mathrm{m} Das sind 4{,}8\,\mathrm{mm}.
- 8Plausibilitätsprüfung: 4{,}8\,\text{mm} ist viel kleiner als 2{,}0\,\text{m}. Die Voraussetzung a_2 \ll e ist daher erfüllt.
Teste dich
Das einfache Modell behandelt beide Spalte wie punktförmige Wellenquellen. Reale Spalte besitzen eine endliche Breite. Deshalb entsteht an jedem einzelnen Spalt zusätzlich ein Beugungsmuster. Dieses Einzelspaltmuster bildet eine Einhüllende für die Doppelspaltstreifen: Die Maxima werden nach außen schwächer, und einzelne Maxima können unterdrückt werden.
Licht erzeugt unter den beschriebenen kohärenten Bedingungen helle und dunkle Interferenzstreifen. Klassische Kügelchen würden hinter zwei offenen Spalten dagegen näherungsweise zwei Trefferbereiche bilden. Elektronen liefern einzelne, örtlich begrenzte Treffer; nach vielen Elektronen entsteht trotzdem eine Verteilung mit Interferenzstreifen. Das Muster bleibt auch erhalten, wenn sich jeweils nur ein Elektron in der Anordnung befindet.
Ein einzelner Treffer lässt sich nicht genau vorhersagen. Für viele gleich vorbereitete Elektronen lässt sich jedoch eine statistische Verteilung angeben. Elektronen sind in diesem Versuch daher nicht angemessen als klassische Kügelchen mit einem stets festgelegten, nur unbekannten Weg zu beschreiben.
Werden die Elektronen so gemessen, dass der durchquerte Spalt eindeutig feststeht, verschwindet das Interferenzmuster. Entscheidend ist die physikalische Wechselwirkung, durch die Welcher-Weg-Information verfügbar wird; das Bewusstsein einer Person spielt dabei keine Rolle.
Merke: Die Interferenzbedingung bestimmt die möglichen Positionen der Doppelspaltmaxima. Die Beugung am Einzelspalt begrenzt ihre tatsächliche Intensität.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Doppelspalt
Wellen überlagern sich
Maxima bei Δs=kλ; Minima bei halbzahligem Δs/λ
Geometrie
\Delta s=d\sin(\alpha); bei kleinen Winkeln a_k\approx k\lambda e/d
Reale Spalte beugen Licht
Einhüllende verändert Intensitäten
Elektronen
Einzelne Treffer bilden eine Interferenzverteilung; Weginformation beseitigt sie
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wellenlänge aus der Streifenlage bestimmen
- 1Gegeben sind d=0{,}36\,\mathrm{mm}, e=1{,}8\,\mathrm{m} und a_1=2{,}5\,\mathrm{mm} für das erste Maximum.
- 2Die Kleinwinkelnäherung ist geeignet, weil 2{,}5\,\mathrm{mm}\ll1{,}8\,\mathrm{m}.
- 3Setze mit k=1 und Einheiten ein: \lambda\approx\frac{0{,}36\cdot10^{-3}\,\mathrm{m}\cdot2{,}5\cdot10^{-3}\,\mathrm{m}}{1\cdot1{,}8\,\mathrm{m}} \lambda\approx5{,}0\cdot10^{-7}\,\mathrm{m}
- 4Das sind \lambda\approx500\,\mathrm{nm}; zwei signifikante Stellen passen zu den gegebenen Werten.
Fehler finden
Maximum zweiter Ordnung prüfen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Zeile drei vergisst k=2. Es gilt k\lambda e=2\cdot500\cdot10^{-9}\,\mathrm{m}\cdot1{,}2\,\mathrm{m}. Durch d=0{,}25\cdot10^{-3}\,\mathrm{m} geteilt folgt a_2\approx4{,}8\,\mathrm{mm}.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei gleichem Weg von beiden Spalten liegt ein . Bei \Delta s=1{,}5\lambda liegt ein . Die Kleinwinkelnäherung gilt für Abstand a_k gegenüber e.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback