Physik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Beugung von Wellen einfach erklärt
Erkenne Beugung an Spalten und Kanten, berechne Einzelspaltminima und verstehe die Auflösungsgrenze.
0 von 13 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Beugung ist die Ausbreitung einer Welle in zusätzliche Richtungen an Öffnungen, Kanten oder Hindernissen. Sie fällt besonders auf, wenn deren Größe mit der Wellenlänge vergleichbar ist. Im Fernfeld eines Einzelspalts begrenzen die ersten Minima das breite Zentralmaximum, sofern sie auftreten.
Beugung bedeutet: Eine Welle breitet sich an einer Öffnung, Kante oder einem Hindernis auch in Richtungen aus, die im einfachen Strahlenmodell abgeschirmt wären. Besonders deutlich wird das, wenn die Größe des Beugungsobjekts ungefähr der Wellenlänge entspricht oder kleiner ist. Du lernst, Beugung zu erkennen, mit dem Huygens-Prinzip zu erklären und die Minima eines Einzelspaltmusters zu berechnen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Stell dir Wasserwellen vor, die auf eine Wand mit einem schmalen Spalt treffen. Vor der Wand sind die Wellenfronten nahezu gerade. Hinter dem Spalt breiten sie sich fächerförmig aus. Die Wellen gelangen dadurch auch in den geometrischen Schatten der Wand.
Beugung tritt bei unterschiedlichen Wellen auf: Wasserwellen werden hinter einem schmalen Spalt aufgeweitet. Schallwellen gelangen um Möbel oder Ecken herum. Licht breitet sich an sehr kleinen Öffnungen und Kanten in den geometrischen Schatten aus.
Wie auffällig die Beugung ist, hängt vom Verhältnis zwischen der Wellenlänge \lambda und der charakteristischen Größe des Beugungsobjekts ab. Ist die Öffnung viel größer als \lambda, breitet sich die Welle überwiegend geradeaus aus. Ist die Öffnung von ähnlicher Größe wie \lambda, ist die Aufweitung deutlich. Je kleiner die Öffnung im Verhältnis zu \lambda wird, desto größer ist gewöhnlich der Winkelbereich der gebeugten Welle.
Beugung, Reflexion oder Brechung? Bei der Reflexion wird eine Welle an einer Grenzfläche zurückgeworfen. Bei der Brechung ändert sie beim Übergang in ein anderes Medium ihre Richtung und Ausbreitungsgeschwindigkeit. Bei der Beugung breitet sie sich an einer Begrenzung in zusätzliche Richtungen aus.
Definition
Beugung
Beugung ist die wellentypische Richtungsänderung und Aufweitung an einer Öffnung, Kante oder einem Hindernis. Sie entsteht nicht durch den Übergang in einen anderen Stoff.
Merke: Nicht die absolute Größe einer Öffnung entscheidet, sondern ihr Verhältnis zur Wellenlänge.
Teste dich
Das Strahlenmodell beschreibt Licht häufig als geradlinig. Es erklärt aber nicht, warum Licht hinter einer schmalen Öffnung in einen geometrischen Schattenraum gelangt. Dafür brauchst du das Wellenmodell.
Die Überlagerung von Wellen heißt Interferenz. Treffen Wellen gleichphasig aufeinander, verstärken sich ihre Amplituden. Treffen ein Wellenberg und ein Wellental mit passenden, entgegengesetzten Phasen zusammen, schwächen sie sich ab. Bei gleich großen Auslenkungen können sie sich vollständig auslöschen.
Für ein stabiles Hell-Dunkel-Muster müssen die beteiligten Teilwellen kohärent sein: Ihre Phasendifferenzen bleiben während der Beobachtung stabil. Monochromatisches Laserlicht eignet sich deshalb für beaufsichtigte Versuche. Richte einen Laserstrahl nie auf Augen oder spiegelnde Flächen.
Definition
Huygens-Prinzip
Jeder Punkt einer Wellenfront kann als Ausgangspunkt einer neuen Elementarwelle betrachtet werden. Die Einhüllende dieser Elementarwellen bildet die nächste Wellenfront.
Beispiel
- 1Am Einzelspalt erreichen viele Elementarwellen den Schirm.
- 2In der Mitte verstärken sich symmetrische Teilwellen mit gleichem Weg.
- 3Unter bestimmten Winkeln löschen sich Teilwellen paarweise aus.
- 4So entstehen ein helles Zentralmaximum, Minima und schwächere Nebenmaxima.
Beispiel: An einem schmalen Spalt läuft der Vorgang so ab
- 1Die einfallende Wellenfront erreicht die Öffnung.
- 2Die Punkte innerhalb der Öffnung werden zu Ausgangspunkten von Elementarwellen.
- 3Diese Elementarwellen breiten sich auch schräg hinter dem Spalt aus.
- 4Sie überlagern sich und bilden gemeinsam die gebeugte Welle.
Teste dich
Betrachte einen langen, schmalen Spalt der Breite b. Monochromatisches Licht der Wellenlänge \lambda fällt senkrecht ein. Im Fernfeld liegen die Minima bei
\sin\theta_m=m\frac{\lambda}{b},\qquad m=1,2,3,\ldots
Hier ist \theta_m der Winkel zur Vorwärtsrichtung, m die Ordnung des Minimums, \lambda die Wellenlänge und b die Spaltbreite. Die Minima liegen symmetrisch zum zentralen Maximum. Für m=1 erhältst du seine beiden Grenzen.
Eine Ordnung kann nur auftreten, wenn m\lambda/b\leq 1 ist, denn der Betrag eines Sinus ist höchstens 1. Setze \lambda und b in derselben Einheit ein. Die Formel liefert Minima, keine Nebenmaxima. Der Faktor m gehört zur Rechnung; die Breite des zentralen Maximums reicht von einem ersten Minimum bis zum anderen.
Beispiel
- 1Laserlicht mit \lambda=500\,\mathrm{nm} fällt senkrecht auf einen Spalt mit b=0{,}20\,\mathrm{mm}. Gesucht ist der erste Minimumswinkel.
- 2\lambda=500\cdot10^{-9}\,\mathrm{m} und b=2{,}0\cdot10^{-4}\,\mathrm{m}.
- 3Für m=1 gilt \sin\theta_1=\lambda/b.
- 4\sin\theta_1=\frac{500\,\mathrm{nm}}{0{,}20\,\mathrm{mm}}.
- 5Das ergibt \sin\theta_1=0{,}0025.
- 6\theta_1=\arcsin(0{,}0025)\approx0{,}143^\circ.
- 7Bei L=2{,}0\,\mathrm{m} folgt x_1=L\tan\theta_1.
- 8Damit ist x_1\approx5{,}0\,\mathrm{mm}.
- 9Das zentrale Maximum reicht auf beide Seiten; seine Breite beträgt ungefähr 10{,}0\,\mathrm{mm}.
Merke: Kleinerer Spalt oder größere Wellenlänge bedeutet größeres \lambda/b, also einen größeren Beugungswinkel.
Teste dich
Auch eine kreisförmige Öffnung beugt Licht. Statt eines idealen Bildpunkts entsteht eine helle Airy-Scheibe mit schwächeren Ringen. Das betrifft Kameras, Mikroskope und Teleskope. Für eine kreisförmige Öffnung mit Durchmesser D liegt das erste Minimum näherungsweise bei
\sin\theta_{\min}\approx1{,}22\frac{\lambda}{D}.
Zwei weit entfernte Punktobjekte erzeugen überlappende Airy-Muster. Nach dem Rayleigh-Kriterium gelten sie gerade noch als getrennt, wenn das Hauptmaximum des einen Musters im ersten Minimum des anderen liegt. Ein größeres D verkleinert den Beugungsfleck und verbessert die Auflösung. Ein größeres \lambda vergrößert ihn.
Das Muster hängt auch vom Schirmabstand L ab. Für einen charakteristischen Öffnungsradius \rho gilt näherungsweise: \rho^2\gtrsim\lambda L kennzeichnet den Fresnel-Bereich, \rho^2\ll\lambda L den Fraunhofer-Bereich. Der Übergang ist fließend. Die Einzelspaltformel beschreibt das Fernfeld oder die Brennebene einer Sammellinse. Im Fernfeld ist die Feldamplitude mit der Fourier-Transformierten der Öffnungsfunktion verknüpft; die gemessene Intensität ist ihr Betragsquadrat.
Beispiel
- 1Für grünes Licht mit \lambda=550\,\mathrm{nm} und eine Kreisöffnung mit D=5{,}0\,\mathrm{mm} gilt näherungsweise:
- 2Setze in 1{,}22\lambda/D ein: 1{,}22\cdot550\,\mathrm{nm}/(5{,}0\,\mathrm{mm}).
- 3So erhältst du \sin\theta_{\min}\approx1{,}34\cdot10^{-4}.
- 4Eine größere Öffnung verkleinert diesen Winkel. Zwei nahe Bildpunkte lassen sich dann besser trennen.
Definition
Fresnel-Beugung
Bei der Fresnel- oder Nahfeldbeugung liegt der Schirm in endlichem Abstand. Die Krümmung und die unterschiedlichen Weglängen der Elementarwellen prägen das Muster deutlich.
Definition
Fraunhofer-Beugung
Bei der Fraunhofer- oder Fernfeldbeugung wird das Muster für sehr große Entfernungen oder in der Brennebene einer Sammellinse betrachtet. Die Einzelspaltformel für die Minima beschreibt diesen Bereich.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Beugung
Beugung
Ausbreitung in zusätzliche Richtungen an einer Begrenzung
Größenvergleich
Deutliche Beugung bei vergleichbarer Wellenlänge und Öffnung
Huygens-Prinzip
Elementarwellen bilden die neue Wellenfront
Einzelspalt
Das zentrale Maximum liegt zwischen den ersten Minima, sofern sie auftreten
Kreisöffnung
Die Airy-Scheibe begrenzt die Auflösung
Fernfeld
Die Einzelspaltformel gilt für das Fraunhofer-Muster
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Einzelspalt und Zentralmaximum
- 1Licht mit \lambda=520\,\mathrm{nm} fällt senkrecht auf einen Spalt mit b=0{,}26\,\mathrm{mm}. Der Schirm ist L=1{,}5\,\mathrm{m} entfernt.
- 2\lambda=520\cdot10^{-9}\,\mathrm{m} und b=2{,}6\cdot10^{-4}\,\mathrm{m}.
- 3Für m=1 gilt \sin\theta_1=\lambda/b.
- 4\sin\theta_1=\frac{520\,\mathrm{nm}}{0{,}26\,\mathrm{mm}}.
- 5Damit ist \sin\theta_1=0{,}0020.
- 6\theta_1=\arcsin(0{,}0020)\approx0{,}115^\circ.
- 7x_1=1{,}5\,\mathrm{m}\cdot\tan(0{,}115^\circ).
- 8Daraus folgt x_1\approx3{,}0\,\mathrm{mm}.
- 9Das Zentralmaximum ist ungefähr 2x_1=6{,}0\,\mathrm{mm} breit.
Fehler finden
Breite statt halber Breite In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 6Die letzte Zeile vergisst die zweite Seite: Die Breite ist ungefähr 2x_1=6{,}0\,\mathrm{mm}. Zwei erste Minima begrenzen das Maximum.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Am engen Spalt breitet sich Licht durch seitlich aus. Dunkle Stellen entstehen durch von Teilwellen. Ein größerer Öffnungsdurchmesser macht die Airy-Scheibe .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback