Physik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Komplementarität in der Quantenphysik erklärt
Du prüfst, wann Weginformation Interferenz verhindert und was ein Quantenradierer wirklich zeigt.
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Kurz gesagt
Komplementarität bedeutet: Eine Anordnung kann zusammengehörige Quantenaspekte sichtbar machen, aber eindeutige Weginformation und direkte Interferenz nicht zugleich. Fehlende Weginformation allein garantiert noch kein sichtbares Muster.
Komplementarität bedeutet in der Quantenphysik: Eine Versuchsanordnung kann verschiedene, zusammengehörige Aspekte eines Quantenobjekts sichtbar machen, aber nicht alle gleichzeitig. Am Doppelspalt gilt besonders: Sind die Wege vollständig unterscheidbar, erscheint im unsortierten Gesamtsignal kein Interferenzmuster. Ist direkte Interferenz sichtbar, steht keine eindeutige Welcher-Weg-Information für alle beitragenden Quantenobjekte zur Verfügung. Dabei bedeutet Interferenz, dass sich die Beiträge der beiden Wege je nach Auftreffort verstärken oder abschwächen. Direkte Interferenz meint hier das Muster aller Schirmtreffer, ohne Sortierung nach einem zusätzlichen Messergebnis.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Elektron, Photon oder Atom kann je nach Versuchsanordnung unterschiedliche Eigenschaften zeigen. Einzelne Nachweise erscheinen als getrennte Treffer. Viele Treffer können eine Verteilung mit Interferenz bilden.
Am Doppelspalt bleiben bei Interferenzfähigkeit die Wege durch den linken und rechten Spalt ununterscheidbar. Weginformation liegt vor, wenn eine verlässliche Markierung einen Treffer einem Spalt zuordnet. Dann verschwindet die direkte Interferenz zwischen den Wegen. Direkte Interferenz meint das Muster aller Treffer ohne Auswahl nach einem zusätzlichen Ergebnis.
Bei teilweiser Weginformation kann Interferenz mit geringerem Kontrast übrig bleiben. Vollständige Wegkenntnis und volle direkte Interferenz sind die einander ausschließenden Grenzfälle.
Definition
Komplementarität
Zwei Beschreibungen heißen komplementär, wenn ihre vollständige experimentelle Bestimmung sich unter denselben Versuchsbedingungen gegenseitig ausschließt, aber zusammen verschiedene Aspekte desselben Quantenphänomens beschreiben.
Merke: Komplementär bedeutet nicht: Ein Quantenobjekt wechselt heimlich zwischen Welle und Teilchen. Es bedeutet: Verschiedene Versuchsanordnungen machen verschiedene, nicht gleichzeitig vollständig beobachtbare Aspekte zugänglich.
Teste dich
In einem idealisierten Doppelspaltversuch werden Elektronen einzeln auf zwei offene Spalte geschickt. Ein Schirm registriert jeden Einschlag als einzelnen Punkt. Quelle und Aufbau sichern eine stabile Phasenbeziehung der Beiträge beider Wege. Diese Voraussetzung heißt Kohärenz.
Nach wenigen Durchgängen wirken die Punkte unregelmäßig. Der nächste Auftreffort ist im Allgemeinen nicht sicher vorhersagbar. Nach vielen Durchgängen entsteht jedoch eine stabile Interferenzverteilung.
Beim Einzelereignis ist der Ort stochastisch. Die Gesamtverteilung vieler Treffer folgt berechenbaren Wahrscheinlichkeiten. Ein punktförmiger Treffer verrät allein keinen zuvor durchlaufenen Spalt. Das Muster ist keine bloße Mischung zweier unabhängiger klassischer Bahnen.
Beispiel
- 1Beide Spalte sind geöffnet. Ohne Wegmessung verrät kein Merkmal, welcher Weg zu einem Treffer gehört.
- 2Jedes am Schirm nachgewiesene Elektron erzeugt einen einzelnen Treffer.
- 3Der nächste Treffer ist nur mit Wahrscheinlichkeiten vorhersagbar.
- 4Viele Treffer ergeben eine reproduzierbare Interferenzverteilung.
- 5Damit treten Teilchen- und Wellenanzeichen im selben Gesamtversuch auf: Der einzelne, unteilbare Treffer ist ein Teilchenanzeichen; das Muster der Trefferwahrscheinlichkeiten ist ein Wellenanzeichen. Daraus folgt aber nicht, dass für jedes ungemessene Elektron bereits ein gewöhnlicher klassischer Weg feststand.
Teste dich
Eine Wegmessung kann nahe den Spalten erfolgen. Gestreutes Licht kann zum Beispiel durch seine Richtung einen Weg kennzeichnen. Sind die Alternativen vollständig unterscheidbar, verschwindet die direkte Interferenz. Die Wegbeiträge werden dann als Wahrscheinlichkeiten addiert. Wenn die Markierung die Einzelspaltverteilungen sonst nicht verändert, ergibt sich deren nach Wegwahrscheinlichkeit gewichtete Summe.
Niemand muss die Information tatsächlich ablesen. Entscheidend ist eine zuverlässige, prinzipiell auswertbare Wegkennzeichnung in der Versuchsanordnung.
Definition
Wegmarkierung
Eine Wegmarkierung koppelt die möglichen Wege an unterscheidbare Zustände. Ein solcher Zustand kann beispielsweise ein gestreutes Photon, ein angeregtes Atom oder ein Photon in einem bestimmten Hohlraum sein.
Beispiel
- 1In einem idealisierten Gedankenexperiment steht vor jedem Spalt ein eigener Hohlraum. Ein angeregtes Atom gibt beim Durchgang ein Photon ab. Der Hohlraum mit dem Photon kennzeichnet den Weg.
- 2Ein Photon im linken Hohlraum markiert den linken Weg.
- 3Ein Photon im rechten Hohlraum markiert den rechten Weg.
- 4Die Zustände der beiden Hohlräume sind unterscheidbar.
- 5Der Atomweg ist dadurch mit dem Hohlraumzustand korreliert. Auch ohne einen für den Interferenzverlust ausreichenden mechanischen Rückstoß verschwindet die direkte Interferenz. Komplementarität lässt sich daher nicht allgemein auf einen störenden Stoß bei der Messung reduzieren.
Merke: Nicht das bewusste Beobachten beseitigt das Muster. Ausschlaggebend ist die physikalische Unterscheidbarkeit der Alternativen in der gesamten Versuchsanordnung.
Teste dich
Aus der Regel darfst du keinen falschen Umkehrschluss ziehen:
Richtig: Vollständige Weginformation schließt direkte Interferenz aus.
Falsch: Sobald keine Weginformation vorhanden ist, muss ein sichtbares Interferenzmuster entstehen.
Für volle Interferenz müssen die Wege ununterscheidbar sein; zusätzlich braucht man geeignete Bedingungen wie Kohärenz. Bei Elektronen oder Atomen kann beispielsweise eine zu große Streuung der Geschwindigkeiten das Muster verwischen: Verschiedene Geschwindigkeiten bedeuten verschiedene Materiewellenlängen und damit verschiedene Streifenabstände.
Ein Quantenradierer nutzt die Korrelationen, also die Zusammenhänge zwischen Atom- und Markergebnissen. Eine passende Messung am Marker erlaubt, die Atomtreffer in Teilmengen mit Interferenz zu sortieren. Eine gespeicherte Datei mit Wegdaten zu löschen genügt dafür nicht.
Im idealisierten Hohlraum-Gedankenexperiment markiert zunächst ein Photon in einem von zwei Hohlräumen den Atomweg. Später misst man das Hohlraumsystem so, dass die möglichen Ergebnisse jeweils Beiträge aus beiden Hohlräumen enthalten. Diese Wahl der Messbasis legt fest, welche unterscheidbaren Ergebnisse die Messung liefert. Hier verrät keines der beiden Ergebnisse allein den ursprünglichen Weg.
Sortiert man die bereits registrierten Atomtreffer nach dem Ergebnis dieser Photonenmessung, entstehen zwei Teilmengen. Eine zeigt Interferenzstreifen; die andere zeigt ein Gegenmuster mit vertauschten hellen und dunklen Stellen. Mischt man beide Teilmengen wieder, verschwinden die Streifen im Gesamtergebnis.
Die spätere Messung verändert die frühere Bewegung des Atoms nicht nachträglich. Auch eine Nachricht in die Vergangenheit ist damit nicht möglich: Ohne das zusätzliche Sortierergebnis bleibt die Gesamtverteilung ohne Interferenzstreifen. Sie kann trotzdem eine breite Helligkeitsverteilung besitzen; „keine Interferenzstreifen“ bedeutet nicht „überall gleich viele Treffer“.
Beispiel: Zwei Versuche ohne Wegdetektor
- 1In Versuch A sind die Bedingungen so abgestimmt, dass sich nach vielen Treffern deutliche Interferenzstreifen bilden.
- 2In Versuch B besitzen die Elektronen stark unterschiedliche Geschwindigkeiten. Die jeweils entstehenden Muster überlagern sich so, dass die Streifen nicht deutlich sichtbar bleiben.
- 3In beiden Fällen fehlt eine Wegzuordnung. Trotzdem zeigt nur Versuch A ein gut sichtbares Interferenzmuster. Aus dem Ergebnis ohne erkennbare Interferenzstreifen von Versuch B darfst du deshalb nicht automatisch auf vorhandene Weginformation schließen.
Merke: Der Quantenradierer stellt im unsortierten Gesamtsignal kein Interferenzmuster wieder her. Interferenz erscheint nur in passend ausgewählten, miteinander korrelierten Teilmengen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Komplementarität
Ohne unterscheidbare Wege
Interferenz ist möglich
Mit eindeutiger Wegmarkierung
direkte Interferenz verschwindet
Einzelne Treffer
stochastisch verteilt
Viele Treffer
stabile Wahrscheinlichkeitsverteilung
Kein Muster
beweist keine Weginformation
Quantenradierer
Muster nur in korrelierten Teilmengen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wegmarkierung und Auswertung unterscheiden
- 1Ein idealisiertes Atom passiert einen von zwei Spalten. Ein Photon bleibt im zugehörigen Hohlraum und markiert den Weg.
- 2Sind die Hohlraumzustände unterscheidbar, fehlt im unsortierten Gesamtsignal die direkte Interferenz.
- 3Eine passende Messung des Hohlraumsystems sortiert die Atomtreffer in korrelierte Teilmengen.
- 4Die Teilmengen können gegeneinander verschobene Interferenzmuster zeigen. Zusammengezählt bleiben sie ohne Streifen.
Fehler finden
Ein verwischtes Muster beurteilen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Zeile ist der falsche Umkehrschluss. Fehlende Streifen beweisen keine Wegmarkierung; die Geschwindigkeitsstreuung kann das Muster verwischen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Eine eindeutige Wegmarkierung lässt die erkennen. In der unsortierten Gesamtverteilung verschwinden dann die . Ein Quantenradierer zeigt Muster nur in passenden .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback