Physik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Superposition in Physik und Quantenmechanik
Du lernst, wann sich Kräfte, Wellen und Quantenzustände überlagern lassen und wo die Grenze liegt.
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Kurz gesagt
Superposition verbindet gleichartige Beiträge in einem linearen Modell. Kräfte werden vektoriell, Wellen als Amplituden addiert. In der Quantenmechanik werden Zustände mit Wahrscheinlichkeitsamplituden kombiniert; deren Betragsquadrate liefern unter passenden Bedingungen Messwahrscheinlichkeiten.
Bei einer Superposition werden gleichartige Größen oder mögliche Zustände zu einem Gesamtzustand verbunden. Klassisch addierst du zum Beispiel Kräfte oder Wellenamplituden. Das funktioniert in dieser einfachen Form nur bei linearen Problemen. In der Quantenmechanik werden Zustände samt ihren Wahrscheinlichkeitsamplituden überlagert.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Eine allgemeine Linearkombination lautet:
x(t)=\sum_{i=1}^{n}\alpha_i x_i(t)
x_i(t) sind die Beiträge und \alpha_i ihre Gewichtungen. Bei einer gewöhnlichen Summe sind alle Gewichtungen 1. Entscheidend ist die Linearität: Verdoppelst du eine Eingabe, verdoppelt sich ihre Wirkung. Die Wirkung zweier addierter Eingaben ist die Summe der Einzelwirkungen.
Definition
Superposition
Eine Superposition ist eine Überlagerung gleichartiger Größen, Lösungen oder Zustände. Die einzelnen Beiträge werden mit passenden Gewichtungen kombiniert.
Merke: Superposition bedeutet nicht, dass beliebige Dinge addiert werden dürfen. Die Beiträge müssen gleichartig sein, und das betrachtete Modell muss linear sein.
Teste dich
Wirken mehrere Kräfte auf denselben Körper, ergibt ihre Vektorsumme die resultierende Kraft:
\vec F=\sum_{i=1}^{n}\vec F_i
Du musst Betrag und Richtung berücksichtigen. Die tatsächlich wirkenden Kräfte werden auch bei veränderlicher Materialsteifigkeit vektoriell addiert. Ob du zusätzlich die Verformungen aus getrennten Lastfällen addieren darfst, hängt dagegen von einem linearen Verformungsmodell ab. Auch eine lineare Schaltung mit mehreren idealen Quellen lässt sich schrittweise untersuchen. Bei nichtlinearen Bauteilen oder verformungsabhängigen Systemen kann ein Beitrag die Wirkung eines anderen verändern.
Bei Wellen gleichen Typs werden die momentanen Amplituden an jedem Ort addiert:
\Psi(\vec x,t)=\sum_{i=1}^{n}\Psi_i(\vec x,t)
Diese Überlagerung heißt Interferenz. Gleichgerichtete Auslenkungen verstärken sich; entgegengesetzte schwächen sich ab und können sich bei gleichem Betrag auslöschen. Die Einzelwellen bleiben nach einer vorübergehenden Überlagerung erhalten.
Superponiert werden Amplituden, nicht die Intensitäten. Eine beobachtete Intensität hängt häufig vom Quadrat oder Betragsquadrat der Gesamtamplitude ab. Bei kohärenten Wellen darfst du deshalb nicht zuerst die Einzelintensitäten addieren.
Beispiel: Senkrechte Kräfte auf eine Kiste
- 1Auf eine Kiste wirken 3\,\mathrm{N} nach rechts und 4\,\mathrm{N} nach vorne. Die Kräfte stehen senkrecht aufeinander.
- 2Die resultierende Kraft zeigt schräg nach rechts vorne. Ihr Betrag folgt aus dem Satz des Pythagoras.
- 3F=\sqrt{(3\,\mathrm{N})^2+(4\,\mathrm{N})^2} F=5\,\mathrm{N}
- 4Die Beträge 3\,\mathrm{N} und 4\,\mathrm{N} werden nicht einfach zu 7\,\mathrm{N} addiert, weil die Kräfte verschiedene Richtungen haben.
Beispiel: Entgegengesetzte Wellenauslenkungen
- 1An einem Ort besitzt eine Welle die momentane Amplitude +2\,\mathrm{cm}, eine zweite die Amplitude -2\,\mathrm{cm}.
- 2Die Gesamtamplitude ist
- 3+2\,\mathrm{cm}+(-2\,\mathrm{cm})=0\,\mathrm{cm}.
- 4In diesem Augenblick liegt dort vollständige destruktive Interferenz vor. Die beiden Einzelwellen sind dadurch nicht dauerhaft verschwunden. Nach dem Überlagerungsgebiet können sie in ihrer ursprünglichen Form weiterlaufen.
Beispiel: So gehst du vor
- 1Betrachte jeweils nur eine Quelle.
- 2Ersetze andere ideale Spannungsquellen durch Kurzschlüsse und andere ideale Stromquellen durch Unterbrechungen.
- 3Lass vorhandene Innenwiderstände in der Schaltung.
- 4Addiere die Teilergebnisse mit ihren Vorzeichen.
Teste dich
Ein zulässiger Quantenzustand kann als Linearkombination zulässiger Teilzustände geschrieben werden:
|\psi\rangle=\sum_{i=1}^{n}c_i|\varphi_i\rangle
Die komplexen c_i heißen Wahrscheinlichkeitsamplituden. Sind die Teilzustände normiert und paarweise orthogonal, ist |c_i|^2 bei passender Messung die Wahrscheinlichkeit des Ergebnisses zum Zustand |\varphi_i\rangle.
Bei klassischer Unkenntnis steht ein Wert schon fest und ist nur unbekannt. Eine Quantensuperposition enthält dagegen Amplituden, deren Überlagerung Interferenz ermöglichen kann.
Eine ideale Messung dieser Teilzustände liefert ein einzelnes Ergebnis. Falls die Messung das System nicht zerstört, hinterlässt sie es im zugehörigen Zustand. Viele gleich vorbereitete Systeme zeigen eine Wahrscheinlichkeitsverteilung.
Schrödingers Katze ist ein Gedankenexperiment: In einer geschlossenen Box verbindet ein Mechanismus einen Atomzerfall mit dem Schicksal einer Katze. Die Überlagerung „zerfallen oder nicht zerfallen“ wird gedanklich auf „tot oder lebendig“ übertragen. Das ist keine alltägliche Gleichzeitigkeit zweier sichtbarer Zustände.
Bei Verschränkung gehört der überlagerte Zustand zu einem Gesamtsystem, etwa:
|\psi\rangle=\frac{1}{\sqrt{2}}\left(|\uparrow\downarrow\rangle+|\downarrow\uparrow\rangle\right)
Misst du beim ersten Elektron \uparrow, ergibt die anschließende Messung des zweiten in derselben Richtung sicher \downarrow. Ohne das erste Ergebnis liefern beide möglichen Ergebnisse beim zweiten je 50\,\%. Die Korrelation erlaubt keine steuerbare Nachricht mit Überlichtgeschwindigkeit, denn das einzelne Ergebnis ist nicht frei wählbar.
Beispiel: Spinwahrscheinlichkeiten bestimmen
- 1Ein Elektron hat folgenden normierten Spinzustand: |\psi\rangle=\frac{1}{\sqrt{2}}|\uparrow\rangle+\frac{1}{\sqrt{2}}|\downarrow\rangle
- 2Die Wahrscheinlichkeit für jedes der beiden Messergebnisse beträgt:
- 3\left|\frac{1}{\sqrt{2}}\right|^2=\frac{1}{2}=50\,\%
- 4Eine einzelne Messung liefert nur \uparrow oder \downarrow. Bei vielen gleich vorbereiteten Elektronen nähert sich die Häufigkeitsverteilung den Wahrscheinlichkeiten von jeweils 50\,\% an. Bei genau 100 Messungen müssen es jedoch nicht exakt 50 Ergebnisse jeder Art sein.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Superposition
Voraussetzung
lineares Modell
Klassisch
Kräfte vektoriell addieren
Wellen
Amplituden addieren und Interferenz erhalten
Quantenmechanik
Zustände mit Wahrscheinlichkeitsamplituden kombinieren
Messung
einzelnes Ergebnis nach Wahrscheinlichkeitsverteilung
Grenze
nichtlineare Systeme nicht einfach addieren
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Zwei schräg wirkende Kräfte addieren
- 1Eine Kiste erfährt 6\,\mathrm{N} nach Osten und 8\,\mathrm{N} nach Norden. Die Richtungen stehen senkrecht aufeinander.
- 2Die Vektorsumme zeigt schräg zwischen Osten und Norden; ihr Betrag folgt aus dem Satz des Pythagoras.
- 3Einsetzen mit Einheiten: F=\sqrt{(6\,\mathrm{N})^2+(8\,\mathrm{N})^2} F=10\,\mathrm{N}
- 414\,\mathrm{N} wäre die bloße Summe der Beträge und passt nicht zu senkrechten Richtungen.
Fehler finden
Kräfte entlang einer Achse In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3In Zeile drei ging das Minuszeichen verloren. Richtig ist F=+7\,\mathrm{N}+(-2\,\mathrm{N})=+5\,\mathrm{N}, also 5\,\mathrm{N} nach Osten.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei Wellen werden die punktweise addiert. Gleichgerichtete Auslenkungen führen zu Interferenz. Gleich große entgegengesetzte Auslenkungen können sich . Die Einzelwellen werden durch die vorübergehende Überlagerung nicht dauerhaft verändert.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback