Physik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Interferenz: Wellen, Maxima und Minima verstehen
Verstehe Überlagerung und Kohärenz, bestimme Maxima und Minima und nutze die Gitterformel.
0 von 11 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Interferenz ist die Überlagerung von Wellen: Ihre momentanen Auslenkungen addieren sich. Gleichphasige Teilwellen verstärken sich; gegenphasige schwächen sich ab. Bei kohärenten Wellen bleibt das Muster aus Maxima und Minima stabil.
Interferenz entsteht, wenn sich zwei oder mehr Wellen überlagern. Dabei werden ihre momentanen Auslenkungen mit Vorzeichen addiert: Gleichgerichtete Auslenkungen verstärken sich, entgegengesetzte schwächen sich ab. Vollständige Auslöschung ist nur unter passenden Bedingungen möglich.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Treffen zwei Wasserwellen an einem Ort zusammen, addieren sich ihre momentanen Auslenkungen mit Vorzeichen. Das ist das Superpositionsprinzip. Zwei gleiche positive Auslenkungen +a ergeben
a+a=2a.
Die Wellen verstärken sich. Bei gleich großen entgegengesetzten Auslenkungen gilt
a+(-a)=0.
An diesem Ort löschen sich die Auslenkungen vollständig aus. Die Wellenlängen und Frequenzen werden dabei nicht addiert.
Definition
Interferenz
Interferenz ist die Überlagerung von Wellen. Die Summe ihrer momentanen Auslenkungen bildet die resultierende Welle.
Merke: Bei der Interferenz addierst du zuerst die momentanen Auslenkungen, nicht die Intensitäten. Bei kohärenten Wellen ergibt sich daraus die resultierende Amplitude.
Beispiel
- 1Erreichen zwei Wellen einen Korken gleichzeitig mit einer Auslenkung nach oben, bewegt er sich besonders weit nach oben.
- 2Erreicht ihn gleichzeitig ein Wellenberg der einen und ein gleich großes Wellental der anderen Welle, bleibt seine resultierende Auslenkung in diesem Moment null.
Teste dich
Ein dauerhaft beobachtbares Muster aus Verstärkung und Abschwächung benötigt Wellen mit einer festen Phasenbeziehung. Solche Wellen heißen kohärent.
Für ein einfaches, stabiles Zwei-Quellen-Modell nimmt man harmonische Wellen mit gleicher Frequenz und gleicher Schwingungsrichtung an. Vollständige destruktive Interferenz verlangt zusätzlich gleich große, aber entgegengesetzte Auslenkungen.
Bei Licht ist außerdem die Polarisation zu beachten. Senkrecht zueinander polarisierte Lichtwellen erzeugen bei einem Detektor, der nur die Intensität misst, kein Interferenzmuster. Sind die Amplituden verschieden, kann destruktive Interferenz die resultierende Amplitude verkleinern, aber nicht vollständig auf null setzen.
Definition
Phase
Die Phase beschreibt, an welcher Stelle ihres Schwingungsablaufs sich eine Welle befindet. Zwei Wellen sind gleichphasig, wenn beispielsweise ihre Berge gleichzeitig eintreffen.
Teste dich
Bei zwei Quellen können die Wellen bis zum Beobachtungsort verschiedene Wege s_1 und s_2 zurücklegen. Der Gangunterschied ist der Betrag ihrer Wegdifferenz:
\Delta s=|s_2-s_1|.
Die folgenden Bedingungen gelten für zwei gleichphasig angeregte Quellen gleicher Frequenz und Schwingungsrichtung. Bei ganzzahligem Gangunterschied treffen die Wellen gleichphasig ein:
\Delta s=k\lambda,\qquad k=0,1,2,\ldots
Dann entsteht ein Maximum; bei \Delta s=0 das Maximum 0. Ordnung und bei \Delta s=3\lambda eines 3. Ordnung. Bei ungeradem halbem Vielfachen treffen Berg und Tal aufeinander:
\Delta s=\left(k+\frac12\right)\lambda,\qquad k=0,1,2,\ldots
So liegen Minima bei \lambda/2, 3\lambda/2, 5\lambda/2 und so weiter. Für vollständige Auslöschung müssen die gegenphasigen Auslenkungen außerdem gleich groß sein.
Bei zwei Punktquellen ändert sich der Gangunterschied mit dem Ort; daraus entsteht ein räumliches Muster. Bei Licht wechseln helle Bereiche hoher und dunkle Bereiche geringer Intensität. Bei Wasserwellen sieht man starke und schwache Bewegung. Am Doppelspalt breitet Beugung das Licht hinter beiden Spalten aus. Erst die Überlagerung der Teilwellen erzeugt das Streifenmuster; eine geometrische Abbildung allein erklärt es nicht.
Merke: Ganzzahliges Vielfaches von \lambda: Maximum. Ungerades halbes Vielfaches von \lambda: Minimum.
Beispiel
- 1Zwei gleichphasige Quellen gleicher Frequenz und Schwingungsrichtung liefern \Delta s=3\lambda. Der Faktor 3 ist ganzzahlig. Daher liegt konstruktive Interferenz und ein Maximum 3. Ordnung vor.
- 2Bei \Delta s=\frac52\lambda=2{,}5\lambda liegt dagegen ein ungerades halbes Vielfaches vor. Daher entsteht ein Minimum.
Teste dich
Ein optisches Gitter hat viele regelmäßig angeordnete Spalte. Ihr Abstand ist die Gitterkonstante b. An jedem Spalt wird Licht gebeugt; die Teilwellen überlagern sich anschließend. Bei senkrechtem Einfall und gleichphasig beleuchteten Nachbarspalten liegt ein Maximum der Ordnung k bei
b\sin\alpha_k=k\lambda.
Dabei ist \alpha_k der Winkel zum Maximum 0. Ordnung. Umgestellt erhältst du für k\ne0:
\lambda=\frac{b\sin\alpha_k}{k}.
Ist der Winkel klein und der Schirmabstand e viel größer als der Abstand s_k vom Zentralmaximum, gilt näherungsweise
\sin\alpha_k\approx\tan\alpha_k.
Für den Schirm gilt \tan\alpha_k=s_k/e. Damit folgt \lambda\approx b s_k/(k e) für k\ne0. Misst du den Abstand zwischen den symmetrischen Maxima gleicher Ordnung, halbiere ihn zuerst für s_k.
Interferenz begegnet dir auch bei Antischall, farbigen dünnen Öl- oder Lackschichten, Interferometern und gerichteter Funktechnik. Eine Gegenwelle kann Schall nur bei passender Phase und Amplitude ganz auslöschen. Bei dünnen Schichten interferieren reflektierte Lichtanteile. Interferometer teilen Licht in kohärente Wege und vereinigen es zur Messung wieder. In der Funktechnik lenken kontrollierte Phasenunterschiede die Verstärkung. Wellen bleiben nach ihrer zeitweiligen Überlagerung erhalten.
Beispiel: Gittermaximum erster Ordnung
- 1Für das Maximum 1. Ordnung ist k=1. Dann folgt bei kleinem Winkel \lambda\approx\frac{b\,s_1}{e}.
- 2s_1 misst du vom Maximum 0. Ordnung bis zu einem Maximum 1. Ordnung.
- 3Misst du zwischen den beiden Maxima 1. Ordnung, halbiere diesen Abstand für s_1.
Merke: Prüfe vor der Näherungsrechnung: Ist der Winkel klein und der Schirmabstand groß gegenüber dem Streifenabstand? Andernfalls verwendest du die exakte Sinusbeziehung.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Interferenz
Superposition
Auslenkungen addieren
Kohärenz
stabiles Muster
Konstruktiv
Maximum bei ganzzahligem Gangunterschied gleichphasiger Quellen
Destruktiv
Minimum bei ungeradem halbem Gangunterschied gleichphasiger Quellen
Doppelspalt und Gitter
Beugung vor der Überlagerung
Anwendungen
Antischall, dünne Schichten und Messtechnik
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wellenlänge am Gitter bestimmen
- 1Monochromatisches Licht fällt senkrecht auf ein Gitter mit b=3{,}6\,\mathrm{\mu m}. Das Maximum 1. Ordnung liegt bei \alpha_1=9{,}20^\circ. Gesucht ist die Wellenlänge.
- 2b=3{,}6\cdot10^{-6}\,\mathrm{m} und k=1.
- 3Für k=1 gilt \lambda=\frac{b\sin\alpha_1}{1}.
- 4\lambda=3{,}6\cdot10^{-6}\,\mathrm{m}\cdot\sin(9{,}20^\circ).
- 5\lambda\approx5{,}8\cdot10^{-7}\,\mathrm{m}.
- 6Das sind ungefähr 580\,\mathrm{nm}. Die Gitterformel nutzt hier den gemessenen Winkel ohne Kleinwinkelnäherung.
Fehler finden
Gangunterschied einordnen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 5Die letzte Zeile vertauscht Maximum und Minimum: \Delta s=2\lambda ergibt konstruktive Interferenz, also ein Maximum 2. Ordnung.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei Interferenz addieren sich die . Ein festes Muster braucht . Für gleichphasige Quellen ist ein ganzzahliger Gangunterschied ein .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback