Physik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Koinzidenzmethode: Signale zeitlich zuordnen
Mit Triggern und Zeitfenstern passende Detektorsignale auswählen und Zufallstreffer beurteilen.
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Kurz gesagt
Die Koinzidenzmethode vergleicht Signale ausgewählter Detektoren in einem festgelegten Zeitfenster. Ein Trigger kann dieses Fenster öffnen. Ein gemeinsamer Treffer ist eine Koinzidenz, beweist allein aber noch keinen gemeinsamen Ursprung.
Bei der Koinzidenzmethode werden Detektorsignale zeitlich zugeordnet, wenn sie innerhalb eines festgelegten kurzen Zeitfensters registriert werden. So kannst du korrelierte Ereignisse auswählen, störende Signale teilweise aussortieren und auch das Ausbleiben erwarteter Mehrfachsignale untersuchen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Ein Detektor wandelt ein registriertes Teilchen oder Photon in ein elektrisches Signal um. Bei der Koinzidenzmethode werden mindestens zwei solcher Signalkanäle zeitlich miteinander verglichen. Das Zeitfenster entscheidet, welche Signale als gleichzeitig gelten. Es muss zu den Laufzeiten und zur Zeitauflösung von Detektoren und Elektronik passen.
Definition
Koinzidenz
Eine Koinzidenz liegt vor, wenn die ausgewählten Detektoren innerhalb desselben festgelegten Zeitfensters ansprechen. Die Signale müssen dafür nicht am selben Ort entstehen.
Merke: Koinzident bedeutet nicht „zu exakt demselben Zeitpunkt“, sondern „innerhalb des vereinbarten kurzen Zeitfensters“.
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Eine Quelle kann zwei zeitlich korrelierte Photonen erzeugen: Ihre Emissionszeiten hängen zusammen. Eines dient als Triggerphoton, das andere als Messphoton. Die Laufzeiten von Licht und elektrischen Signalen müssen berücksichtigt und nötigenfalls durch Verzögerungen ausgeglichen werden. Ein zu enges Fenster verliert echte Partnersignale; ein unnötig breites lässt mehr Zufallstreffer zu.
Echte Koinzidenzen entstehen durch Signale, die zu demselben physikalischen Prozess gehören. Beim Compton-Effekt können beispielsweise ein gestreutes Photon und das zugehörige Rückstoßelektron zeitlich korreliert registriert werden. Eine Zufallskoinzidenz entsteht, wenn unabhängige Signale zufällig in dasselbe Zeitfenster fallen. Ein gemeinsames Zeitfenster allein beweist daher noch keinen gemeinsamen Ursprung.
In Einzelphotonenversuchen beschreibt Antikoinzidenz ein beobachtetes Muster: Ein einzelnes Photon wird hinter einem Strahlteiler höchstens an einem der beiden Ausgänge nachgewiesen. Es kann wegen Verlusten auch ganz unentdeckt bleiben. Über viele Trigger hinweg sind Einzelnachweise vorhanden, während gemeinsame Ausgangssignale gegenüber einer geeigneten Vergleichserwartung unterdrückt sind. Formulierungen wie „perfekte Antikoinzidenz“ beschreiben ein ideales Ergebnis. In realen Messungen müssen unter anderem Restkoinzidenzen, unkontrollierte Signale, Detektoreffizienzen und Messunsicherheiten betrachtet werden. Eine einzelne fehlende Doppeldetektion genügt nicht als belastbarer Nachweis.
Beispiel
- 1Bei einem Kaskadenprozess im Calciumatom entstehen nacheinander zwei korrelierte Photonen mit den Wellenlängen 551 nm und 423 nm.
- 2Registriert Detektor A das zuerst emittierte Photon, liefert sein Signal den Trigger für die Suche nach dem Partnerphoton bei B.
- 3Nicht jedes Partnerphoton erreicht B oder wird dort nachgewiesen.
- 4Erst ein passendes Signal von B im geöffneten Zeitfenster wird als Koinzidenz gewertet.
Definition
Antikoinzidenz
Bei einer Antikoinzidenzbedingung wird ein Signal nur akzeptiert, wenn ein anderer festgelegter Kanal im Zeitfenster nicht anspricht. Ein solcher Ausschlusskanal heißt auch Veto.
Beispiel: Der Ablauf ist
- 1Der Triggerdetektor registriert das Botenphoton.
- 2Sein Signal öffnet ein kurzes Zeitfenster Δt.
- 3Während dieses Fensters werden die Messdetektoren ausgewertet.
- 4Ein passendes Signal wird als möglicher Nachweis des Partnerphotons gezählt; zufällige Treffer bleiben möglich.
- 5Ein Messsignal außerhalb des Fensters wird für dieses Ereignis verworfen.
Teste dich
Beim Compton-Effekt lassen sich Photon und Rückstoßelektron zeitlich verbinden: Bothe und Geiger berichteten 1925 über getrennte Detektoren für Rückstoßelektronen und gestreute Photonen beim Compton-Effekt. Die Koinzidenzen zeigten einen starken zeitlichen Zusammenhang beider Nachweise. Wegen der unvollständigen Photonendetektion musste dabei nicht jedes Elektronensignal von einem Photonensignal begleitet werden.
Mit passend angeordneten Zählrohren lässt sich die Richtung kosmischer Teilchen auswählen: Durchläuft dasselbe Teilchen mehrere passend angeordnete Zählrohre, lösen diese kurz nacheinander aus. Nur Teilchen aus bestimmten Richtungen können alle Detektoren treffen. Die Geometrie des Aufbaus und die Koinzidenzbedingung wirken deshalb gemeinsam als Richtungsfilter.
Auch Einzelphotonen lassen sich untersuchen: Ein angekündigtes Messphoton kann auf einen Strahlteiler treffen. Entscheidend ist der Vergleich: Sind gemeinsame Ausgangsnachweise seltener, als aus den einzelnen Nachweiswahrscheinlichkeiten bei unabhängigen Signalen zu erwarten wäre? Bloß wenige Doppelnachweise reichen nicht, denn auch schwaches klassisches Licht kann nur selten beide Detektoren auslösen. Ein Strahlteiler verteilt Licht auf zwei Wege. Werden diese in einem geeigneten Interferometer wieder zusammengeführt, kann Interferenz entstehen. Bei einem Versuch mit einem Schirm werden einzelne Photonen punktweise registriert. Erst viele akzeptierte Ereignisse ergeben eine räumliche Häufigkeitsverteilung mit Maxima und Minima. Die Koinzidenzmethode sorgt dabei dafür, dass nur zum Trigger passende Nachweise in die Verteilung eingehen. Eine aussagekräftige Untersuchung braucht eine klare Ereignisregel.
Beispiel
- 1Gedankenexperiment: Ein Trigger T kündigt ein Messphoton am Strahlteiler an. Für jedes Triggerfenster erfasst du vier Fälle: nur D1, nur D2, beide oder keiner. Der letzte Fall darf wegen möglicher Verluste nicht fehlen.
- 2Zum Nachweis des Einzelphotonencharakters vergleichst du die gemeinsamen Nachweise mit der aus den Einzelnachweisen erwarteten Häufigkeit. Die Unterschreitung muss größer als die Messunsicherheit sein; Untergrund und Fehler der Detektoren oder Elektronik müssen berücksichtigt werden.
Beispiel
- 1Fiktive Zeitmessung zum Mitrechnen: Alle Laufzeitunterschiede sind bereits ausgeglichen. Ein Trigger liegt bei 12 ns. Akzeptiert werden Messsignale von 0 bis einschließlich 10 ns nach diesem Trigger. Zwei mögliche Messsignale liegen bei 20 ns und bei 25 ns. Welche werden zugeordnet? Eine Nanosekunde (ns) ist ein Milliardstel einer Sekunde.
- 2Lösung: Ziehe jeweils die Triggerzeit ab: 20 ns − 12 ns = 8 ns liegt im Fenster. Dieses Signal zählt als Koinzidenz. 25 ns − 12 ns = 13 ns liegt außerhalb und wird diesem Trigger nicht zugeordnet. Ob der Treffer bei 20 ns wirklich denselben Ursprung hat, beweist die Zeitrechnung allein nicht.
Beispiel: Fragen zur Ereignisregel
- 1Lege fest, welcher Detektor den Trigger liefert.
- 2Nenne die weiteren Kanäle, die du im Zeitfenster prüfst.
- 3Bestimme, welche Signalkombination als Koinzidenz zählt.
- 4Bestimme, welche Kombination bei Antikoinzidenz ausbleiben soll.
- 5Notiere mögliche Störsignale und Grenzen der Detektoren.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Koinzidenzmethode
Zeitfenster
Signale ausgewählter Kanäle zeitlich zuordnen
Trigger
Öffnet das Fenster für mögliche Partnersignale
Zufallstreffer
Unabhängige Signale können im selben Fenster liegen
Antikoinzidenz
Gemeinsame Ausgangssignale sind gegenüber einer Vergleichserwartung unterdrückt
Richtung
Geometrie und Zeitbedingung wählen Teilchenbahnen aus
Messgrenzen
Untergrund und Effizienz in die Beurteilung einbeziehen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Ein Zeitfenster auswerten
- 1Alle Laufzeitunterschiede sind bereits ausgeglichen. Ein Trigger kommt bei 12 ns. Das Fenster reicht von 0 ns bis einschließlich 10 ns danach.
- 2Für das Signal bei 20 ns gilt 20\,\mathrm{ns}-12\,\mathrm{ns}=8\,\mathrm{ns}: Es liegt im Fenster und zählt.
- 3Für das Signal bei 25 ns gilt 25\,\mathrm{ns}-12\,\mathrm{ns}=13\,\mathrm{ns}: Es liegt außerhalb und wird verworfen.
- 4Die Zeitzuordnung beweist allein noch keinen gemeinsamen physikalischen Ursprung.
Fehler finden
Signale einem Trigger zuordnen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die vierte Zeile überschreitet das Zeitfenster: 41\,\mathrm{ns}-30\,\mathrm{ns}=11\,\mathrm{ns}>8\,\mathrm{ns}. Dieses Signal zählt für den Trigger nicht als Koinzidenz.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein öffnet das Zeitfenster. Zwei Signale ausgewählter Kanäle im Fenster bilden eine . Unabhängige Signale können eine erzeugen. Das unterdrückte gemeinsame Ansprechen zweier Ausgangsdetektoren heißt Antikoinzidenz.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback