Physik · Klasse 9–10 · aktualisiert
Aktivität und Zählrate einfach erklärt
Aktivität zählt Kernzerfälle, Zählrate registrierte Impulse. Du lernst, Untergrund und Messbedingungen bei Zählungen zu berücksichtigen.
0 von 10 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Die Aktivität einer Quelle ist ihre mittlere Zahl von Kernzerfällen pro Sekunde und wird in Becquerel angegeben. Die Zählrate zählt dagegen registrierte Impulse pro Sekunde. Für eine Nettozählrate ziehst du die Untergrundrate ab.
Die Aktivität beschreibt, wie viele Atomkerne tatsächlich pro Zeit zerfallen. Die Zählrate gibt dagegen an, wie viele Impulse ein Messgerät pro Zeit registriert. Beide Größen sind deshalb nicht automatisch gleich.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein einzelner radioaktiver Kern zerfällt zu einem nicht vorhersagbaren Zeitpunkt. Bei sehr vielen Kernen lässt sich jedoch angeben, wie viele Zerfälle in einem Zeitintervall zu erwarten sind. Die Aktivität ist größer, wenn mehr radioaktive Kerne vorhanden sind oder wenn die Kerne eine größere Zerfallswahrscheinlichkeit besitzen. Für ein einzelnes Radionuklid gilt A=\lambda N. Dabei ist N die Zahl der noch vorhandenen radioaktiven Kerne und \lambda die Zerfallskonstante.
Definition
Aktivität
Die Aktivität A ist die Zahl der Kernzerfälle \Delta N während der Zeit \Delta t: A=\frac{\Delta N}{\Delta t} Ihre Einheit ist das Becquerel: 1\,\mathrm{Bq}=1\,\mathrm{s}^{-1} Eine Aktivität von 1\,\mathrm{Bq} bedeutet im Mittel einen Kernzerfall pro Sekunde.
Beispiel: Mittlere Aktivität einer Probe
- 1In einer Probe finden während 60\,\mathrm{s} insgesamt 240 Kernzerfälle statt.
- 2A=\frac{240}{60\,\mathrm{s}}=4\,\mathrm{Bq}
- 3Die Probe besitzt in diesem Zeitintervall eine mittlere Aktivität von 4\,\mathrm{Bq}.
Merke: Bei der Aktivität zählt man Kernzerfälle. Becquerel ist nicht die Einheit für die Impulse eines beliebigen Messgeräts.
Teste dich
Ein Geiger-Müller-Zählrohr registriert Strahlung als elektrische Impulse. Werden während der Messzeit t_m insgesamt x Impulse gezählt, lautet die Zählrate Z:
Z=\frac{x}{t_m}
Sie wird häufig in Impulsen pro Sekunde oder counts per second (cps) angegeben.
Die Zählrate hängt vom Abstand und von der Ausrichtung zwischen Quelle und Detektor ab. Abschirmung und Absorption verändern, wie viel Strahlung den Detektor erreicht. Auch Strahlenart, Energie, Empfindlichkeit und wirksame Detektorfläche beeinflussen die Messung. Hinzu kommt die Totzeit des Zählrohrs.
Während der Totzeit kann das Zählrohr nach einem Impuls vorübergehend keinen weiteren Impuls registrieren. Ein Zählrohr erfasst nicht jeden Zerfall: Strahlung kann in eine andere Richtung fliegen, abgeschirmt werden oder unentdeckt bleiben. Deshalb darfst du eine Zählrate in cps nicht einfach als Aktivität in Bq ausgeben.
Auch ohne Präparat registriert ein Zählrohr Impulse. Dieser Untergrund oder Nulleffekt muss in einer eigenen Messung bestimmt werden. Für die Bruttozählung N_b in der Zeit t_b und die Untergrundzählung N_0 in der Zeit t_0 gilt:
Z_{\mathrm{netto}}=\frac{N_b}{t_b}-\frac{N_0}{t_0}
Du musst zuerst beide Impulszahlen durch ihre jeweilige Messzeit teilen. Nur bei gleichen Messzeiten darfst du die Impulszahlen unmittelbar voneinander abziehen.
Beispiel
- 1Mit einem Präparat werden in 60\,\mathrm{s} insgesamt 1260 Impulse gemessen. Ohne Präparat sind es in 60\,\mathrm{s} 180 Impulse.
- 2Bruttozählrate:
- 3Z_b=\frac{1260}{60\,\mathrm{s}}=21\,\mathrm{cps}
- 4Untergrundzählrate:
- 5Z_0=\frac{180}{60\,\mathrm{s}}=3\,\mathrm{cps}
- 6Nettozählrate:
- 7Z_{\mathrm{netto}}=21\,\mathrm{cps}-3\,\mathrm{cps}=18\,\mathrm{cps}
- 8Der Quelle werden somit 18\,\mathrm{cps} zugerechnet. Das Ergebnis ist noch keine Aktivität in Becquerel.
Teste dich
Wiederholst du dieselbe Messung, erhältst du meist nicht genau dieselbe Impulszahl. Radioaktive Zerfälle geschehen zufällig. Bei vielen Kernen und einer Messzeit, die kurz gegenüber der Halbwertszeit ist, schwanken die Zählungen näherungsweise nach einer einfachen Regel: Die typische Schwankung der Impulszahl N beträgt ungefähr \sqrt{N}. Das gilt für voneinander unabhängige Zerfälle bei nahezu konstanter Zählrate.
Bei 100 Impulsen sind das ungefähr 10 Impulse, also 10\,\%. Bei 10 000 Impulsen sind es ungefähr 100 Impulse, also 1\,\%. Mehr gezählte Impulse verringern den Anteil der zufälligen Schwankung. Das Messgerät muss deshalb nicht defekt sein, wenn Wiederholungen verschiedene Ergebnisse liefern.
Beim Abziehen des Untergrunds schwanken beide Messungen. Die Nettozählrate ist daher ebenfalls nur ein Näherungswert.
Merke: Für eine zehnmal kleinere relative Zählunsicherheit brauchst du ungefähr die hundertfache Impulszahl.
Teste dich
Eine unbekannte Aktivität lässt sich mit einem Standardpräparat bekannter Aktivität bestimmen. Dafür müssen Standard und unbekannte Probe unter vergleichbaren Bedingungen gemessen werden. Insbesondere müssen Messgeometrie und Detektorantwort gleich beziehungsweise vergleichbar und linear sein. Bei gleichen Messzeiten gilt:
A=A_1\frac{N-N_0}{N_1-N_0}
Dabei ist A die gesuchte Aktivität und A_1 die Aktivität des Standards am Messtag. N bezeichnet die Impulse der unbekannten Probe, N_1 die des Standards und N_0 die Untergrundimpulse. Das Verfahren wäre nicht zuverlässig, wenn du beispielsweise nur bei einer Probe den Abstand veränderst. Auch die Aktivität des Standards muss zum Messtag passen, weil radioaktive Präparate mit der Zeit zerfallen.
Beispiel
- 1Ein Standard besitzt am Messtag eine Aktivität von 1200\,\mathrm{Bq}. Bei jeweils gleicher Messzeit werden gemessen:
- 2Unbekannte Probe: N=6500 Impulse.
- 3Standard: N_1=10\,500 Impulse.
- 4Untergrund: N_0=500 Impulse.
- 5Zuerst werden die Untergrundimpulse abgezogen:
- 6N-N_0=6000
- 7N_1-N_0=10\,000
- 8Dann wird das Verhältnis mit der Aktivität des Standards multipliziert:
- 9A=1200\,\mathrm{Bq}\cdot\frac{6000}{10\,000}
- 10A=720\,\mathrm{Bq}
- 11Die unbekannte Probe besitzt unter den Voraussetzungen des Relativverfahrens eine Aktivität von 720\,\mathrm{Bq}.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Aktivität und Zählrate
Aktivität
tatsächliche Kernzerfälle pro Zeit in Bq
Zählrate
registrierte Impulse pro Zeit in cps
Untergrund
wird als Rate von der Bruttorate abgezogen
Zählstatistik
mehr Impulse verringern die relative zufällige Schwankung
Relativverfahren
unbekannte Aktivität wird mit einem Standard verglichen
Grenzen
Geometrie, Detektorantwort, Totzeit und Strahlung beeinflussen die Messung
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Nettozählrate aus zwei Messzeiten
- 1Mit einer Quelle werden 360 Impulse in 40 s registriert. Ohne sie sind es 60 Impulse in 60 s.
- 2Die Bruttozählrate ist Z_b=\frac{360}{40\,\mathrm{s}}=9\,\mathrm{cps}.
- 3Die Untergrundrate ist Z_0=\frac{60}{60\,\mathrm{s}}=1\,\mathrm{cps}.
- 4Damit gilt Z_{\mathrm{netto}}=9\,\mathrm{cps}-1\,\mathrm{cps}=8\,\mathrm{cps}. Das ist keine Aktivität in Bq.
Fehler finden
Untergrund bei verschiedenen Messzeiten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die Messzeiten unterscheiden sich. Richtig ist 14\,\mathrm{cps}-1{,}5\,\mathrm{cps}=12{,}5\,\mathrm{cps}; die Impulszahlen darfst du nicht direkt abziehen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Aktivität zählt pro Zeit. Die Zählrate zählt pro Zeit. Für die Nettozählrate wird die abgezogen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback