Physik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Stehende Wellen verstehen und berechnen
Bestimme Knoten, Bäuche und Randbedingungen und berechne die passenden Eigenfrequenzen.
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Kurz gesagt
Eine stehende Welle entsteht idealisiert durch zwei gleichfrequente, gleich starke gegenläufige Wellen. Ihre Knoten und Bäuche bleiben ortsfest. Bei zwei gleichen Endbedingungen passen halbe Wellenlängen in die Länge; bei verschiedenen Enden nur ungerade Viertelwellenlängen.
Eine stehende Welle entsteht, wenn sich zwei gleichfrequente, gleich starke Wellen in entgegengesetzten Richtungen überlagern. Dabei bilden sich ortsfeste Knoten und Bäuche. Du lernst, solche Muster zu erklären, Randbedingungen zu erkennen und zulässige Wellenlängen sowie Eigenfrequenzen zu berechnen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine laufende Welle kann an einem Ende reflektiert werden. Überlagern sich die hin- und rücklaufende Welle bei gleicher Frequenz und Amplitude, addieren sich ihre Auslenkungen. Gleichgerichtete Auslenkungen verstärken sich, entgegengesetzte schwächen sich ab. Dieses Interferenz genannte Zusammenwirken bildet ein ortsfestes Muster. Die Teile des Mediums schwingen weiter, doch im idealen Muster fließt netto keine Energie in eine Ausbreitungsrichtung.
Ein Knoten bleibt ohne Auslenkung; ein Bauch hat die größte Schwingungsamplitude. Benachbarte Knoten sowie benachbarte Bäuche liegen jeweils \lambda/2 auseinander. Vom Knoten zum nächsten Bauch sind es \lambda/4.
Bei einer Saite ist die Auslenkung quer zur Ausbreitung, in einer Luftsäule längs dazu. Ein festes Seilende bildet wegen eines Phasensprungs um \pi einen Knoten; ein loses Ende ohne diesen Sprung einen Bauch. Für die Bewegung der Luft ist ein offenes Rohrende ein Bauch und ein geschlossenes ein Knoten.
Definition
Stehende Welle
Eine stehende Welle ist ein ortsfestes Schwingungsmuster aus Knoten und Bäuchen. Sie entsteht idealisiert durch die Interferenz zweier gleichfrequenter und gleich starker Wellen, die in entgegengesetzte Richtungen laufen.
Merke: Knoten und Bäuche wandern nicht. Die Teilchen zwischen ihnen schwingen jedoch weiterhin.
Teste dich
Eine Mode ist ein stehendes Muster, das zu den Randbedingungen passt. Die niedrigste Eigenfrequenz gehört zur Grundschwingung; höhere Moden heißen Oberschwingungen.
Eine beidseitig feste Saite hat an beiden Enden Knoten. In die Länge L passen n halbe Wellenlängen, wobei n=1,2,3,\ldots die Modenzahl ist.
L=n\cdot\frac{\lambda_n}{2}
\lambda_n=\frac{2L}{n}
Mit der Wellengeschwindigkeit v=\lambda f folgt:
f_n=\frac{v}{\lambda_n}=\frac{nv}{2L}
An den festen Enden liegen Knoten. Dazwischen entstehen in Mode n genau n Bäuche. Die Tabelle zeigt die ersten drei Muster.
Bei einer beidseitig offenen Luftsäule liegen an beiden Enden Bewegungsbäuche. Auch hier passen n halbe Wellenlängen in die Länge; für dieses ideale Modell gelten dieselben Beziehungen für \lambda_n und f_n.
Beispiel
- 1Eine beidseitig feste Saite ist L=0{,}90\,\mathrm{m} lang. Die Wellengeschwindigkeit beträgt v=180\,\mathrm{m/s}. Gesucht sind Wellenlänge und Frequenz der dritten Mode.
- 2Zwei feste Enden bedeuten L=n\lambda_n/2.
- 3Für n=3 gilt:
- 4\lambda_3=\frac{2\cdot0{,}90\,\mathrm{m}}{3}=0{,}60\,\mathrm{m}
- 5Nun folgt aus f=v/\lambda:
- 6f_3=\frac{180\,\mathrm{m/s}}{0{,}60\,\mathrm{m}}=300\,\mathrm{Hz}
- 7Die Einheit stimmt: Meter kürzen sich, übrig bleibt 1/\mathrm{s}=\mathrm{Hz}.
| Mode | Muster an der festen Saite |
|---|---|
| n=1 | Knoten – Bauch – Knoten |
| n=2 | Knoten – Bauch – Knoten – Bauch – Knoten |
| n=3 | Knoten – Bauch – Knoten – Bauch – Knoten – Bauch – Knoten |
Teste dich
Hat eine Saite ein festes und ein loses Ende, muss das Muster an einem Knoten und einem Bauch enden. Entsprechend hat die Luftbewegung in einer einseitig geschlossenen Röhre am geschlossenen Ende einen Knoten und am offenen Ende einen Bauch.
In der Grundschwingung passt ein Viertel der Wellenlänge in die Länge L.
L=\frac{\lambda_1}{4}
Jede weitere zulässige Mode fügt eine halbe Wellenlänge hinzu. Für n=1,2,3,\ldots gilt:
L=\frac{(2n-1)\lambda_n}{4}
\lambda_n=\frac{4L}{2n-1}
f_n=\frac{(2n-1)v}{4L}
Nur die ungeraden Vielfachen der Grundfrequenz treten auf: f_1, 3f_1, 5f_1 und so weiter.
Beispiel
- 1Eine Luftsäule ist einseitig geschlossen und L=0{,}85\,\mathrm{m} lang. Für die Aufgabe sei die Schallgeschwindigkeit v=340\,\mathrm{m/s} angenommen. Gesucht ist die zweite zulässige Mode n=2.
- 2Bei verschiedenen Enden gilt \lambda_n=4L/(2n-1).
- 3\lambda_2=\frac{4\cdot0{,}85\,\mathrm{m}}{2\cdot2-1} \lambda_2=\frac{3{,}40\,\mathrm{m}}{3}\approx1{,}13\,\mathrm{m}
- 4Für die Frequenz wird der ungerundete Wert verwendet:
- 5f_2=\frac{(2\cdot2-1)\cdot340\,\mathrm{m/s}}{4\cdot0{,}85\,\mathrm{m}} f_2=300\,\mathrm{Hz}
- 6Die zweite zulässige Mode besitzt die dreifache Grundfrequenz, nicht die doppelte.
Teste dich
Im Kundtschen Staubrohr markiert Pulver die Knoten einer stehenden Schallwelle. Benachbarte Pulveransammlungen liegen \lambda/2 auseinander. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit wird im Beispiel als Modellwert vorgegeben.
Eine laufende Welle breitet sich aus und transportiert Energie. Bei einer Reflexion kehrt eine Welle an einer Begrenzung um. Ein kurzes reflektiertes Signal ist noch keine stehende Mode. Eine stehende Welle braucht die dauerhafte Überlagerung passender gegenläufiger Wellen. Bei Resonanz passt die Anregungsfrequenz zu einer Eigenfrequenz, sodass eine deutliche Eigenschwingung entsteht.
Auch zweidimensionale Systeme haben Moden: Auf einer Trommelmembran können Knotenlinien entstehen. Deren Muster hängt von Form und Größe ab.
Beispiel
- 1Benachbarte Pulverschwerpunkte liegen 0{,}40\,\mathrm{m} auseinander. Dieser Abstand entspricht \lambda/2.
- 2\lambda=2\cdot0{,}40\,\mathrm{m}=0{,}80\,\mathrm{m}
- 3Bei der für die Aufgabe angenommenen Schallgeschwindigkeit v=340\,\mathrm{m/s} folgt:
- 4f=\frac{v}{\lambda}=\frac{340\,\mathrm{m/s}}{0{,}80\,\mathrm{m}}=425\,\mathrm{Hz}
- 5Die Entfernung von einem Knoten bis zum übernächsten Knoten entspricht direkt einer ganzen Wellenlänge.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Stehende Wellen
Entstehung
Gegenläufige passende Wellen interferieren
Knoten und Bäuche
Ortsfeste Orte ohne und mit maximaler Schwingung
Randbedingungen
Feste oder geschlossene Enden sind Bewegungsknoten
Gleiche Enden
Ganze Anzahlen halber Wellenlängen passen in die Länge
Verschiedene Enden
Nur ungerade Viertelwellenlängen passen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Grundschwingung einer beidseitig offenen Luftsäule
- 1Eine beidseitig offene Luftsäule hat die Länge L=0{,}64\,\mathrm{m}. Für die Aufgabe sei v=320\,\mathrm{m/s} angenommen. Gesucht ist die Grundfrequenz.
- 2An beiden offenen Enden liegen Bewegungsbäuche. Für n=1 passt eine halbe Wellenlänge in die Luftsäule.
- 3\lambda_1=2L=2\cdot0{,}64\,\mathrm{m}=1{,}28\,\mathrm{m}
- 4f_1=\frac{v}{\lambda_1}=\frac{320\,\mathrm{m/s}}{1{,}28\,\mathrm{m}}=250\,\mathrm{Hz}
- 5Die Meter kürzen sich; als Einheit bleibt \mathrm{s}^{-1}=\mathrm{Hz}.
Fehler finden
Geschlossenes Rohrende prüfen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die vierte Zeile benutzt 2L wie bei zwei gleichen Enden. Hier gilt \lambda_1=4\cdot0{,}48\,\mathrm{m}=1{,}92\,\mathrm{m} und damit f_1=288\,\mathrm{m/s}/1{,}92\,\mathrm{m}=150\,\mathrm{Hz}.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Am festen Ende liegt ein . Zwei benachbarte Knoten sind voneinander entfernt. Zwischen einem Knoten und dem nächsten Bauch liegt .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback