Physik · Klasse 12–13 · aktualisiert
Gedämpfte Schwingung: Fälle und Berechnung
Du untersuchst, wie Reibung die Amplitude verkleinert, wie das lineare Modell das Abklingen beschreibt und welche Dämpfungsfälle entstehen.
0 von 12 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Eine gedämpfte Schwingung verliert mechanische Energie an die Umgebung; ohne Antrieb wird ihre Amplitude kleiner. Beim linear gedämpften Federpendel fällt die Amplitudenhülle im Schwingfall exponentiell: A(t)=A_0e^{-\delta t}.
Bei einer gedämpften Schwingung wird die Amplitude mit der Zeit kleiner, weil das System Energie an seine Umgebung abgibt. Ohne neue Energiezufuhr kommt es schließlich zur Ruhe. Du lernst, wie das Kraftmodell eines gedämpften Federpendels entsteht, wie du die Amplitudenabnahme berechnest und wie du Schwingfall, aperiodischen Grenzfall und Kriechfall unterscheidest.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Lenkst du ein Federpendel aus und lässt es los, wechseln Bewegungsenergie und Spannenergie der Feder. Reibung wandelt einen Teil der mechanischen Energie etwa in Wärme um. Die Auslenkung oder Elongation x(t) beschreibt die Lage relativ zur Ruhelage mit Vorzeichen; die Amplitude A ist der größte Betrag innerhalb einer Schwingung. Ihr Abnehmen zeigt die Dämpfung. Dämpfung bedeutet nicht bloß eine langsamere Bewegung.
Im linearen Modell betrachten wir eine Masse m an einer Feder mit Federkonstante k. Die Federkraft zeigt zur Ruhelage:
F_\mathrm{F}=-kx
Die angenommene Reibungskraft ist proportional zur Geschwindigkeit \dot x und ihr entgegengerichtet:
F_\mathrm{R}=-d\dot x
Dabei ist d die Dämpfungskonstante. Nach Newtons zweitem Gesetz gilt:
m\ddot x=-kx-d\dot x
Durch Umstellen und Teilen durch m folgt:
\ddot x+\frac{d}{m}\dot x+\frac{k}{m}x=0
Mit \delta=\frac{d}{2m} als Abklingkonstante und \omega_0=\sqrt{\frac{k}{m}} als ungedämpfter Eigenkreisfrequenz lautet die Normalform:
\ddot x+2\delta\dot x+\omega_0^2x=0
Die Federkraft wirkt der Auslenkung entgegen, die Reibungskraft der Geschwindigkeit. Lineare Reibung ist eine Näherung und passt nicht zu jeder realen Bewegung.
Merke: Eine freie gedämpfte Schwingung erhält nach dem Loslassen keine Energie von außen. Durch Energieverluste nimmt ihre Amplitude ab.
Definition
Gedämpfte Schwingung
Bei einer freien gedämpften Schwingung wird nach dem Loslassen keine Energie zugeführt. Energieabgabe an die Umgebung lässt die Amplitude mit der Zeit abnehmen.
Teste dich
Im Schwingfall lässt sich die Auslenkung schreiben als:
x(t)=A_0e^{-\delta t}\cos(\omega_dt+\varphi_0)
Anfangsauslenkung und Anfangsgeschwindigkeit legen A_0 und \varphi_0 fest. Der Kosinus beschreibt das Hin und Her; der Faktor A(t)=A_0e^{-\delta t} ist die abnehmende Hüllkurve. Die Einheit von \delta ist \mathrm{s}^{-1}, sodass -\delta t einheitenlos ist.
Im Schwingfall gilt für die gedämpfte Kreisfrequenz:
\omega_d=\sqrt{\omega_0^2-\delta^2}
Die Periodendauer beträgt T_d=\frac{2\pi}{\omega_d}.
Die Frequenz beträgt f_d=\frac{\omega_d}{2\pi}.
Weil \omega_d<\omega_0, ist die gedämpfte Schwingung langsamer als die ungedämpfte; bei schwacher Dämpfung ist der Unterschied klein. An gleichartigen Umkehrpunkten ist die mechanische Energie proportional zum Quadrat der jeweiligen Auslenkung. Zwischen zwei solchen Punkten im Abstand T_d sinkt sie im linearen Modell um den Faktor e^{-2\delta T_d}. Die momentane Gesamtenergie folgt dagegen nicht exakt einer Exponentialfunktion.
Beispiel
- 1Nach 15\,\mathrm{s} beträgt die Amplitude nur noch 2\,\% ihres Anfangswerts. Gesucht ist \delta.
- 2Aus A(t)=A_0e^{-\delta t} folgt:
- 30{,}02A_0=A_0e^{-\delta\cdot15\,\mathrm{s}}
- 4Nach dem Kürzen von A_0 und dem Logarithmieren erhältst du:
- 5\ln(0{,}02)=-\delta\cdot15\,\mathrm{s}
- 6Damit ist
- 7\delta=-\frac{\ln(0{,}02)}{15\,\mathrm{s}}\approx0{,}261\,\mathrm{s}^{-1}
- 8Die positive Abklingkonstante passt zum Kontext: Die Amplitude wird kleiner.
Teste dich
Der Vergleich von \delta und \omega_0 entscheidet über die Bewegung. Für den Vergleich der Rückkehrgeschwindigkeit betrachten wir dieselbe Anfangsauslenkung und lassen die Masse jeweils aus der Ruhe los.
Schwingfall: Bei \delta<\omega_0 überquert die Masse die Ruhelage wiederholt. Die Amplitude fällt exponentiell; \omega_d ist reell und kleiner als \omega_0.
Aperiodischer Grenzfall: Bei \delta=\omega_0 schwingt das System nicht periodisch. Die allgemeine Bewegung lautet:
x(t)=e^{-\delta t}(C_1+C_2t)
Für die beschriebene Anfangsbedingung kehrt es ohne Überschwingen am schnellsten zur Ruhelage zurück. Bei anderer Anfangsgeschwindigkeit kann es einmal überschwingen.
Kriechfall: Bei \delta>\omega_0 sind die charakteristischen Größen reell:
\lambda_{1,2}=-\delta\pm\sqrt{\delta^2-\omega_0^2}
Die Bewegung besteht aus zwei abklingenden Exponentialtermen. Sie kehrt ohne periodische Schwingung zurück, bei gleicher Anfangsbedingung aber langsamer als im Grenzfall.
Merke: Wenig Dämpfung führt zum Nachschwingen. Bei gleicher Anfangsauslenkung aus der Ruhe führt kritische Dämpfung am schnellsten ohne Überschwingen zur Ruhelage. Zu starke Dämpfung lässt das System langsam zurückkriechen.
Teste dich
Im Schwingfall vergleiche zwei aufeinanderfolgende positive Maximalamplituden A_n und A_{n+1} im Abstand der Periodendauer T_d:
q=\frac{A_n}{A_{n+1}}=e^{\delta T_d}
Daraus folgt \delta=\frac{\ln q}{T_d}. Der natürliche Logarithmus des Verhältnisses heißt logarithmisches Dekrement: \Lambda=\ln q=\delta T_d.
Mehrere Messwerte kannst du linearisieren. Teile jede Amplitude durch die Anfangsamplitude, damit der Logarithmus eine einheitenlose Zahl erhält:
\ln\!\left(\frac{A(t)}{A_0}\right)=-\delta t
Trägst du \ln(A(t)/A_0) gegen die Zeit t auf, liegen die Punkte näherungsweise auf einer Geraden mit Steigung -\delta.
Die geeignete Dämpfung hängt von der Anwendung ab. Ein schwach gedämpftes Trommelfell kann nach dem Anschlag noch hörbar schwingen. Eine Fahrzeugfederung soll Unebenheiten ausgleichen, ohne lange nachzuschwingen; daher strebt man eine Dämpfung nahe dem Grenzfall an. Ein stark gedämpfter Anzeigezeiger bewegt sich ruhig, erreicht seinen Endwert aber langsam.
Das Modell F_\mathrm{R}=-d\dot x hat Grenzen. Reale Reibung kann näherungsweise konstant oder proportional zum Quadrat der Geschwindigkeit sein. Dann gelten die Exponentialgesetze nicht ohne Weiteres.
Beispiel
- 1Gemessen werden A_n=8{,}0\,\mathrm{cm} und eine Periode später A_{n+1}=6{,}4\,\mathrm{cm}. Die Periodendauer beträgt 2{,}0\,\mathrm{s}.
- 2Zuerst bestimmst du das einheitenlose Verhältnis:
- 3q=\frac{8{,}0\,\mathrm{cm}}{6{,}4\,\mathrm{cm}}=1{,}25
- 4Dann setzt du es ein:
- 5\delta=\frac{\ln(1{,}25)}{2{,}0\,\mathrm{s}}\approx0{,}112\,\mathrm{s}^{-1}
- 6Die Einheit und das positive Vorzeichen sind plausibel.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Gedämpfte Schwingung
Ursache
Energieabgabe durch Reibung
Modell
Rückstellkraft und geschwindigkeitsabhängige Reibung
Schwingfall
exponentiell abnehmende Amplitude
Grenzfall und Kriechfall
nichtperiodische Rückkehr bei unterschiedlicher Geschwindigkeit
Messung und Anwendung
logarithmisches Dekrement und passende Dämpfung
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Abklingkonstante aus zwei Maxima
- 1Gemessen werden A_n=12{,}0\,\mathrm{cm} und eine Periode später A_{n+1}=6{,}0\,\mathrm{cm} bei T_d=4{,}0\,\mathrm{s}.
- 2Das Verhältnis ist einheitenlos: q=\frac{12{,}0\,\mathrm{cm}}{6{,}0\,\mathrm{cm}}=2{,}0.
- 3Setze ein: \delta=\frac{\ln(2{,}0)}{4{,}0\,\mathrm{s}}\approx0{,}17\,\mathrm{s}^{-1}.
- 4Das positive Ergebnis passt zur abnehmenden Amplitude; auf zwei signifikante Stellen gerundet.
Fehler finden
Logarithmus beim Abklingen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Im letzten Schritt fehlt der Logarithmus: \delta=\frac{\ln(1{,}5)}{3{,}0\,\mathrm{s}}\approx0{,}135\,\mathrm{s}^{-1}. Das Verhältnis selbst ist nicht das logarithmische Dekrement.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Im linearen Schwingfall sinkt ohne Antrieb die . Dort beschreibt A(t)=A_0e^{-\delta t} eine . Bei \delta=\omega_0 liegt der vor.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback